
Anleger investiert 1.600 Euro im Monat: So will Roberto mit ETFs finanziell frei werden
Roberto investiert monatlich 1.600 Euro in ETFs, Aktien und Bitcoin. Wir haben mit Daniel Kanzler sein Portfolio geprüft. Das kannst du daraus lernen.
Mit 32 Jahren investiert Roberto jeden Monat mehr als 1.600 Euro an der Börse. Sein Ziel ist ambitioniert: finanzielle Freiheit durch Aktien. Dafür setzt er auf eine Mischung aus breit gestreuten ETFs, Themen-ETFs, Einzelaktien und Bitcoin. Doch gerade bei den Satelliten wird sein Portfolio komplex – und erstaunlich technologie-lastig. Gemeinsam mit Daniel Kanzler von Gerd Kommer Invest haben wir uns seine Strategie genauer angesehen.
Roberto arbeitet als Geologe und absolviert parallel ein Masterstudium in Geoinformatik. Bei einem Nettoeinkommen von rund 3.350 Euro investiert er monatlich mehr als 1.600 Euro. Damit fließt fast die Hälfte seines Einkommens in den Vermögensaufbau. Zusätzlich investiert er derzeit rund 600 Euro pro Monat in seine Weiterbildung. Regelmäßiges Investieren ist durchaus sinnvoll, schau dir unbedingt den ETF-Sparplan-Vergleich an.
Für Roberto gehört deshalb auch das eigene Humankapital zur langfristigen Anlagestrategie. Ein Ansatz, der gerade für jüngere Anleger interessant ist: Vermögensaufbau findet nicht ausschließlich im Depot statt. Ein höheres zukünftiges Einkommen kann langfristig mindestens ebenso wichtig sein wie die Optimierung der letzten Nachkommastelle bei den ETF-Kosten.
Vom Studenten zum ambitionierten Aktien-Anleger
Roberto hat bereits während seines Studiums mit dem Investieren begonnen. Damals waren es etwa 100 Euro pro Monat. Aus Liquiditätsgründen musste er sein erstes Depot später vollständig auflösen. Seit Ende 2022 investiert er wieder konsequent und hat seine Sparrate schrittweise auf heute rund 1.600 Euro erhöht.
Dabei bezeichnet er sich selbst als Frugalisten. Kosten, Steuern und Sparquote spielen für ihn entsprechend eine wichtige Rolle. Gleichzeitig möchte er nicht einfach nur einen Welt-ETF besparen und sich anschließend nicht mehr mit seinem Depot beschäftigen. Seine Lösung ist eine Core-Satellite-Strategie.
80 Prozent bilden das Fundamen
Rund 80 Prozent des Portfolios bilden den Core. Dazu gehören unter anderem der Amundi Prime Global, ein MSCI-World-ETF, Emerging Markets sowie ein Europa-ETF. Roberto schichtet den MSCI World derzeit schrittweise in den günstigeren Amundi Prime um.
Dieser Teil soll für die langfristige Stabilität und breite Diversifikation sorgen. Spannender wird es bei den übrigen rund 20 Prozent.
Hier investiert Roberto gezielt in Themen, von denen er langfristig überzeugt ist. Dazu gehören Halbleiter, digitale Infrastruktur, technologische Megatrends und Quantencomputing. Hinzu kommen ausgewählte Einzelaktien sowie eine Bitcoin-Position von mehr als fünf Prozent. Auf den ersten Blick wirkt das Portfolio damit ausgesprochen breit aufgestellt. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein Problem.
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Viele ETFs – aber immer wieder dieselbe Wette?
Tech Megatrends, Halbleiter, Information Technology, Quantum Computing und Data Center: Roberto hat seinen Satellitenbereich auf mehrere ETFs verteilt. Hinzu kommen Technologieaktien wie ServiceNow, Arista, Meta, Palantir, Fortinet und IonQ.
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Das Problem: Viele Unternehmen und Geschäftsmodelle tauchen indirekt mehrfach im Portfolio auf. Die verschiedenen Positionen sehen zwar nach Diversifikation aus, hängen wirtschaftlich aber teilweise von ähnlichen Entwicklungen ab. Im Kern setzt ein großer Teil des Satelliten-Portfolios auf KI, Cloud, Digitalisierung, Software, Halbleiter und die dafür notwendige Infrastruktur.
Läuft Technologie weiterhin gut, kann Roberto davon überproportional profitieren. Schwächelt der Sektor dagegen über mehrere Jahre, könnten viele seiner Satelliten gleichzeitig unter Druck geraten.
Genau hier zeigt sich eine wichtige Lektion für andere Anleger: Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation. Unser DeepDive, der am 23. September erscheint, zeigt, wie du mit nur einem ETF auf den gesamten globalen Aktienmarkt setzt.
Wer mehrere Themen-ETFs miteinander kombiniert, sollte deshalb nicht nur auf die Namen der ETFs schauen. Entscheidend ist, welche Unternehmen, Branchen und Renditetreiber tatsächlich dahinterstehen.
Auch Europa-Aktien sind eine aktive Entscheidung
Eine weitere Besonderheit ist Robertos Europa-Gewichtung. Europäische Unternehmen sind bereits in seinen globalen ETFs enthalten. Mit dem zusätzlichen Europa-ETF erhöht er ihren Anteil bewusst oder unbewusst weiter.
Eine solche Übergewichtung muss nicht grundsätzlich falsch sein. Anleger sollten sich allerdings fragen, warum sie vom globalen Marktportfolio abweichen.
Gibt es dafür eine klare Investmentthese? Möchte man bewusst weniger stark von den USA abhängig sein? Oder befindet sich der ETF lediglich deshalb im Depot, weil er irgendwann einmal gekauft wurde? Gerade bei Portfolios, die über viele Jahre wachsen, entstehen solche Überschneidungen schnell.
Was Roberto besonders gut macht
Trotz dieser Kritikpunkte ist die Grundlage seiner Strategie bemerkenswert konsequent. Roberto investiert langfristig, hält seine Kosten im Blick und versucht, kurzfristiges Trading zu vermeiden. Rebalancing möchte er möglichst über neue Einzahlungen erledigen. Gleichzeitig hinterfragt er regelmäßig seine Strategie und passt sie an, wenn sich seine Überzeugungen oder seine finanzielle Situation verändern.
Vor allem seine hohe Sparquote ist ein mächtiger Hebel. Bei 3.350 Euro Nettoeinkommen investiert Roberto mehr als 1.600 Euro monatlich. Statt sich ausschließlich damit zu beschäftigen, ob ein ETF nun 0,05 Prozentpunkte günstiger ist als ein anderer, sorgt er dafür, dass kontinuierlich neues Kapital ins Portfolio fließt.
Gerade in der Vermögensaufbauphase kann dieser Faktor entscheidender sein als viele Detailoptimierungen innerhalb des Depots.
So kannst du aus Robertos Strategie lernen
Robertos Portfolio zeigt gut, wie sich eine Anlagestrategie über die Jahre entwickeln kann. Aus einem einfachen ETF-Depot wird mit zunehmender Erfahrung schnell ein komplexeres Portfolio. Neue Ideen kommen hinzu, Überzeugungen verändern sich und einzelne Positionen werden ergänzt.
Das ist nicht zwangsläufig problematisch. Wichtig ist jedoch, regelmäßig einen Schritt zurückzugehen und das Gesamtportfolio zu betrachten. Wie hoch ist meine tatsächliche Aktienquote? Welche Regionen habe ich übergewichtet? Wie viel Technologie steckt wirklich im Depot? Welche Unternehmen besitze ich über mehrere ETFs gleichzeitig? Und wie groß sind meine Satelliten inzwischen im Verhältnis zum Core?
Roberto plant beispielsweise bereits, seinen größeren Information-Technology-ETF künftig umzuschichten. Sinnvoll kann es dabei sein, solche Entscheidungen weniger an einem festen Kalenderdatum festzumachen und stattdessen klare Regeln für Gewichtung und Rebalancing zu definieren. So bleibt die Strategie nachvollziehbar – auch dann, wenn sich die Börse völlig anders entwickelt als erwartet.
| Tipp: Roberto plant seine Portfoliostruktur recht gründlich. Auch das geplante Altersvorsorgedepot schafft Spielräume. Antworten auf die Frage: Welche ETFs fürs Altersvorsorgedepot? |
Finanzielle Freiheit beginnt nicht beim perfekten ETF
Am Ende ist Robertos Depot vor allem aus einem Grund interessant: Nicht die Auswahl eines bestimmten ETFs oder bestimmter Aktien entscheidet über seine Strategie. Es ist die Kombination aus hoher Sparquote, langfristigem Anlagehorizont, Kostenbewusstsein und der Bereitschaft, die eigene Strategie regelmäßig zu überprüfen. Gleichzeitig zeigt sein Depot, wie schnell vermeintliche Diversifikation durch mehrere ETFs zu einer Konzentration auf wenige Themen führen kann. Genau deshalb lohnt sich der regelmäßige Blick auf das Gesamtportfolio.
Im Video analysieren wir Robertos Depot gemeinsam mit Daniel Kanzler von Gerd Kommer Invest im Detail. Dabei schauen wir uns die einzelnen Positionen, Überschneidungen und möglichen Klumpenrisiken genauer an und diskutieren, wie sich das Portfolio weiter vereinfachen und strukturieren ließe.
Behalte dein eigenes Portfolio im Blick
Du möchtest wissen, ob sich auch in deinem Depot unbemerkte Überschneidungen oder Klumpenrisiken aufgebaut haben? Gerade, wenn du einzelne Aktien hast, kannst du schnell den Überblick verlieren. Mit dem extraETF Portfolio Tracker kannst du dein Portfolio genauso analysieren und überwachen wie Roberto. Du erhältst tiefe Einblicke in deine Vermögensstruktur und kannst nachvollziehen, wie sich deine Anlagestrategie tatsächlich zusammensetzt und entwickelt.
Und wenn du sehen möchtest, wie andere Anleger ihr Geld investieren: Auf dem Youtube-Kanal von extraETF findest du weitere Portfolio-Reviews, in denen wir echte Depots analysieren, Stärken und Schwachstellen herausarbeiten und konkrete Anregungen für die eigene Geldanlage geben.