3. August 2026
74 Prozent der Rendite kommen von 20 Aktien – das solltest du jetzt wissen

74 Prozent der Rendite kommen von 20 Aktien – das solltest du jetzt wissen

KI treibt die Börsen an – doch immer weniger Aktien liefern die Rendite. Warum ETF-Anleger ihr Portfolio jetzt genauer prüfen sollten.

Die Aktienmärkte eilen von Rekord zu Rekord, die Börsen stehen erneut vor einem Allzeithoch. Doch hinter den starken Indexständen verbirgt sich ein Trend, den ETF-Anleger nicht ignorieren sollten: Immer weniger Unternehmen sorgen für den Großteil der Kursgewinne. Das sehen immer mehr Beobachter kritisch. Nach Ansicht von Johanna Kyrklund, Group Chief Investment Officer bei Schroders, werde häufig über die Konzentration großer Technologieunternehmen gesprochen – das eigentliche Risiko liege jedoch an anderer Stelle. „In diesem Jahr haben 20 Aktien im MSCI ACWI 74 Prozent der Rendite des gesamten Index auf sich vereint“, stellt Kyrklund fest. Vor allem KI-nahe Bereiche wie Hersteller von Speicherchips und Unternehmen rund um Rechenzentren hätten den Markt getragen.

Für dich bedeutet das: Wer einen weltweit anlegenden ETF besitzt, investiert zwar in Tausende Unternehmen. Die Wertentwicklung wird jedoch zunehmend von einer kleinen Gruppe besonders erfolgreicher Aktien bestimmt.

Mehr Konzentration als viele Anleger vermuten

Doch das Ziel einer breit streuenden ETF-Anlage liegt gerade darin, Konzentrationen und das damit einhergehende Klumpenrisiko zu minimieren. Das Thema beschäftigt derzeit entsprechend viele Investoren. Laut der aktuellen Global Investor Insights Survey von Schroders ist Diversifikation für 84 Prozent der Befragten das wichtigste Ziel beim Portfolioaufbau.

Gerade für ETF-Anleger lohnt sich deshalb ein genauer Blick hinter die Kulissen. Ein Welt-ETF bietet zwar eine breite Streuung über viele Länder und Unternehmen, doch die Gewichtung erfolgt in den meisten Indizes nach der Marktkapitalisierung. Steigen einzelne Konzerne besonders stark, wächst automatisch auch ihr Einfluss auf die Wertentwicklung des gesamten Index.

Sind gleichgewichtete ETFs die Lösung?

Immer häufiger wird deshalb über gleichgewichtete Indizes diskutiert. Dabei erhält jede Aktie das gleiche Gewicht, unabhängig von ihrer Börsengröße. Kyrklund sieht diesen Ansatz allerdings kritisch. „Ich halte dieses Instrument für zu stumpf“, erklärt sie. Gleichgewichtete Indizes könnten unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben. Sie verweist unter anderem auf „schwächere Bilanzen, höhere Verschuldung, größere Zinssensitivität, volatilere Gewinne, geringere Profitabilität und eingeschränkte Liquidität“, die dadurch stärker ins Portfolio gelangen könnten.

Für viele Anleger bedeutet das: Ein Equal-Weight-ETF ist nicht automatisch die bessere Alternative zu einem klassischen Welt-ETF. Er verändert nicht nur die Gewichtung der größten Konzerne, sondern auch das gesamte Chancen-Risiko-Profil des Portfolios. Dennoch halten wir dagegen: Klumpenrisiken lassen sich dennoch senken.

Welt-ETF nach Wirtschaftsleistung

Seit diesem Jahr gibt es eine weitere Möglichkeit, mit einem ganz anderen Ansatz global zu investieren als das herkömmliche MSCI World oder MSCI ACWI Produkte tun.

Seit Mai 2026 gibt es nämlich den ersten BIP-Welt-ETF. Der Clou: Er gewichtet die Länder nicht nach ihrer Marktkapitalisierung, sondern ihrer realen Wirtschaftskraft. Das Gewicht der USA sinkt im Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF (WKN: ETF345) auf unter 32 Prozent (64 Prozent im MSCI ACWI), China macht 16 Prozent aus (2 Prozent im MSCI ACWI). Auch die Konzentration der größten zehn Unternehmen sinkt spürbar. Eine Beimischung könnte also deinem Portfolio insgesamt mehr Stabilität geben.

Akzente mit Stil-Faktoren setzen

Statt allein die Gewichtung zu verändern, empfiehlt Kyrklund eine breitere Streuung über verschiedene Investmentstile: „Ich würde derzeit Stil-Diversifikation als Mittel zur Steuerung des KI-Risikos und zur Stärkung der Portfolioresilienz bevorzugen.“

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Anlagestilen seien zuletzt außergewöhnlich groß gewesen. Während Momentum-Aktien in den vergangenen zwölf Monaten um 33 Prozent zulegten, kamen Quality-Titel auf 17 Prozent und Value-Aktien auf 21 Prozent. Zur Erklärung: Bei Momentum geht man davon aus, dass Unternehmen mit Rückenwind erstmal weiter gutlaufen. Quality-Werten unterstellt man hohe Qualität. Bei Value-Titeln geht man davon aus, dass ein Unternehmen derzeit unterhalb seines fairen Wertes gehandelt wird.

Tipp: Momentum, Quality und Value sind typische Stil-Faktoren. Alles über Smart-Beta-ETFs erfahren.

Interessant sei dabei, dass „hochwertige Unternehmen mittlerweile zu Bewertungen gehandelt werden, die im Vergleich zu ihrer eigenen Geschichte attraktiv erscheinen“. Viele Marktteilnehmer hätten aus Angst vor den Auswirkungen generativer KI etablierte Qualitätsunternehmen zu pessimistisch bewertet.

Die von Kyrklund genannten Faktoren sind tatsächlich anerkannt. Ziel ist es, das Chance-Risiko-Profil deiner Anlage zu verbessern. Sogenannte Multi-Faktor-ETFs bieten dir die Möglichkeit, auf die gängigen Faktoren zu setzen, sie kombinieren also Stile wie Value, Momentum, Quality oder Size, um die Performance zu maximieren und das Risiko zu minimieren.

Nicht nach den spannendsten Aktien suchen

Für Anleger ist die Versuchung groß, auf die aktuellen Börsenstars zu setzen. Kyrklund hält davon wenig. Sie berichtet, dass sie zuletzt häufig nach SpaceX gefragt worden sei. Ihre Antwort falle jedoch bewusst unspektakulär aus: „Ich glaube an den Zinseszinseffekt und die sorgfältige Abwägung von Risiko und Ertrag über die Zeit.“

Ihr entscheidender Rat lautet deshalb, Risiken stärker in den Mittelpunkt zu stellen. „Es ist wichtiger denn je, zu wissen, was man besitzt, wie diese Positionen zusammenpassen und welche Rolle jede einzelne im Portfolio spielt.“ Gerade wenn immer weniger Aktien die Börsenentwicklung bestimmen, reicht es nicht aus, nur den Namen eines ETFs zu kennen. Entscheidend ist, wie stark einzelne Unternehmen, Länder oder Branchen tatsächlich im Portfolio vertreten sind.

Und genau hierbei hilft dir der extraETF Portfolio Tracker. Damit kannst du genau analysieren, wie dein Depot zusammengesetzt ist. Du erkennst auf einen Blick, wie hoch dein KI- und Technologie-Anteil tatsächlich ist, welche Regionen und Sektoren dominieren und ob sich ungewollte Klumpenrisiken aufgebaut haben. So kannst du dein ETF-Portfolio gezielt diversifizieren und besser einschätzen, ob es noch zu deiner persönlichen Anlagestrategie passt.