ETF-Portfolio: Bausteine für das perfekte Welt-Portfolio

Stelle dein Portfolio nach deinen eigenen Vorstellungen zusammen. Dazu kannst du dir das Prinzip von Bausteinen zunutze machen. Perfekt für Anfänger und für Fortgeschrittene. Wir zeigen dir, wie du Stein für Stein ein robustes Welt-Portfolio aufbaust.
Warren Buffet investiert unter anderem in einen ETF des S&P 500 von SPDR. Und er rät seiner Frau im Testament, eines Tages ihr Vermögen zu 90 Prozent in Indexfonds zu investieren. Was für den Profi gut ist, kann für Privatanleger nicht schlecht sein. Wir bauen also unsere eigene Klemmbaustein-Burg aus ETFs, die mindestens 100 Millionen Euro schwer sind, mindestens drei Jahre am Markt sind und eine positive Wertentwicklung mitbringen. So weit die Kriterien. Die oberste Regel bei allen Investments betrifft die Streuung. Denn: Breit gestreut, nie bereut. Je breiter die Diversifikation, desto besser sind die Risiken verteilt. Und am besten funktioniert das global. Doch keine Angst, niemand muss unzählige ETFs ins Depot nehmen. Ein Welt-Portfolio lässt sich bereits mit einem ETF bauen.
Ein ETF für Sparfüchse und Puristen
Das Weltportfolio 100 von extraETF ist eine einfache Lösung für Anfänger und für Fortgeschrittene. Es erschließt das Renditepotenzial des Aktienmarktes, ohne dabei ein unverhältnismäßiges Risiko einzugehen.
2.323 Unternehmen aus 50 Ländern sind Bestandteil des SPDR MSCI ACWI ETF (WKN: A1JJTC). Und das ist ein Vorteil gegenüber Indizes wie dem MSCI World: Während der MSCI World quasi „nur“ die halbe Welt, nämlich 1.540 Titel aus Industrienationen, abdeckt, setzt der SPDR auf 23 Industrie- und 27 Schwellenländer.
Allen voran ist die USA mit einem Anteil von 64,2 Prozent am Fondsvermögen vertreten. 5,2 Prozent entfallen auf Japan als zweitgrößte Region und 3,9 Prozent auf Großbritannien.
Branchenseitig sind Tech-Unternehmen mit 19,4 Prozent der Spitzenreiter vor der Finanzindustrie (16,1 Prozent) und dem Gesundheitssektor (13,4 Prozent). Im Jahr 2022 hatte auch das Weltportfolio an Wert eingebüßt. Insgesamt wuchs der Anteilswert des Portfolios in der Rückrechnung seit 2004 allerdings um 235,7 Prozent. Das ergibt eine durchschnittliche Jahresrendite von 6,46 Prozent.
Die Welt mit nur drei ETFs
70 – 20 – 10 das ist die Aufteilung dieses Depots: Den Löwenanteil von 70 Prozent machen Aktien von Industrienationen für die breite Streuung aus. 20 Prozent gehen für den Renditekick in Schwellenländern, auch, wenn es aktuell noch schwierig aussieht. Zudem stellen sie das Anlagerisiko auf ein breiteres Fundament. Zehn Prozent werden in Deutschland angelegt.
Wer sein globales Investment nicht in ein Produkt anlegen möchte, kann Industrienationen klassisch mit dem MSCI World abbilden und die Schwellenländer in einem weiteren Einzel-ETF abdecken. Das hat den Vorteil, dass man beide Indexfonds unterschiedlich gewichten beziehungsweise mit unterschiedlichen Raten im Sparplan aufbauen kann. Einer der Klassiker hier: der iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH). Mit einem Volumen von 42 Milliarden Euro ist das traditionsreiche Portfolio seit 2009 kontinuierlich gewachsen. 0,2 Prozent Gesamtkostenquote fallen pro Jahr an. Die Erträge aus den 1.508 Positionen werden wieder angelegt. Seine Performance seit Auflage: 330,07 Prozent – macht 11,34 Prozent pro Jahr.
Warten auf Chinas Comeback
Schwellenländer machen den Großteil der Weltbevölkerung aus und wachsen überdurchschnittlich stark. Meist sind die Börsen noch jung und die Marktkapitalisierung ist gering. Viele Unternehmen befinden sich in Staatsbesitz und nur ein Teil ist börsennotiert. Für Anlegerinnen und Anleger sind die Risiken größer. Beispiel China: Bevölkerung, Industrie und Einzelhandel leiden unter der restriktiven Null-Covid-Politik. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie der angeschlagene Immobilien-Markt. In China sind Immobilien ein elementarer Bestandteil der Altersvorsorge. Staatliche Stützungsmaßnahmen sollen die Wirtschaft des Riesenreichs nun wieder auf Kurs bringen.
Der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap UCITS ETF (WKN: A1JJTF) sorgt im Depot für den passenden Anteil an Schwellenländern. Solch eher kleinvolumige ETFs sind meist teurer – so auch hier. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,55 Prozent. Mit 1.773 Positionen an Nebenwerten sind die Schwellenländer breit abgedeckt. Asien macht 82 Prozent am Portfolio aus, Lateinamerika knapp elf Prozent, Afrika gut vier Prozent. Auf fünf Jahre legte der ETF um 21 Prozent zu. Bei zehn Jahren sind es 58,45 Prozent, was eine durchschnittliche Jahresrendite von 4,71 Prozent ausmacht.
Auch mal an Alternativen denken
Eine mögliche Alternative für den Schwellenländeranteil ist der Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF (WKN: A12GVR). Der Indexfonds gehört zu den großen Schwellenländer-ETFs mit mehr als vier Milliarden Euro Volumen. Er investiert in 1.016 große und mittelgroße Unternehmen. Mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 3,32 Prozent über fünf Jahre zeigte er zuletzt eine eher flache Entwicklung (insgesamt: 16,84 Prozent). Die Kosten belaufen sich dagegen auf günstige 0,18 Prozent.
Deutschland in einem ETF
Wer in Deutschland investieren möchte, benötigt keinen Dax-ETF. Besser funktioniert die Abdeckung mit dem Vanguard Germany All Cap UCITS ETF (WKN: A2JF6S). So sind rund 95 Prozent der börsennotierten Unternehmen in nur einem ETF gebündelt und abgedeckt.
Der Deutschland-ETF setzt auf große, mittlere und kleine Unternehmen. 2022 hat er erheblich an Wert verloren, allerdings legt er im Schnitt um 1,8 Prozent pro Jahr seit seiner Auflage 2018 zu – insgesamt sind es knapp fünf Prozent.
Sechs ETFs für alle Anlageklassen
Als allgemein renditestärkste Anlageklasse setzen wir zunächst auf Aktien. Den welt- weiten Aktienanteil bestreiten wir hier mit dem Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Dist) (WKN: A1JX52), einem ausschüttenden ETF mit 3.733 Titeln. Keine Überraschung, auch hier dominieren US-Aktien mit 63,7 Prozent, Asien folgt mit 16,5 Prozent, drittgrößte Region ist Europa mit 15,9 Prozent. Aktuell sind Apple, Micro- soft und Amazon am stärksten vertreten. Die Performance im 5-Jahres-Zeitraum erreicht 53 Prozent und 156 Prozent in zehn Jahren bei einer Gesamtkostenquote von 0,22 Prozent.
Europa bilden wir mit dem STOXX Europe 600 ab. Fünf Sterne vergibt extraETF für den Lyxor Core STOXX Europe 600 (DR) UCITS ETF (Acc) (WKN: LYX0Q0). Im Namen trägt er die Titelanzahl: 600 bzw. aktuell 599 – je ein Drittel große, mittlere und kleine Unternehmen Europas sind enthalten. Die Kosten belaufen sich auf 0,07 Prozent. Dafür gab es eine positive Entwickung über fünf Jahre von 38,5 Prozent. Nestlé, ASML, Roche, Shell und Astra Zeneca dominieren das Portfolio. Großbritannien stellt insgesamt rund ein Viertel, Frankreich 16 Prozent, die Schweiz 15, Deutschland knapp zwölf Prozent Anteil.
Anleihen für mehr Sicherheit
Staatsanleihen kurzer Laufzeiten – ganz nach Warren Buffetts Gusto – sind ein weiterer Bestandteil des dritten ETFs. Sie müssen beste Bonitäten mitbringen (AAA-Ratings). Außerdem werden sie nach Verschuldungsgrad, wirtschaftlicher Entwicklung, Leistungsbilanz und langfristigem Zinssatz ausgewählt. Das sollen die Titel im JPM BetaBuilders US Treasury Bond 0-1 yr UCITS ETF (WKN: A2PK49) leisten. Der zugrundeliegende Index wird monatlich nach Marktkapitalisierung neu gewichtet. Drei Jahre am Markt brachten eine Performance von 0,5 Prozent.
Aus europäischer Sicht können mit dem Lyxor EuroMTS Highest Rated Macro-Weighted Govt Bond 1-3Y (DR) UCITS ETF (WKN: LYX0Z6) ebenfalls kurzlaufende Staatsanleihen das Portfolio ergänzen. Unsere Ansprüche an die Bonität und die weiteren Kriterien halten wir auf- recht. Die Titel laufen hier maximal drei Jahre. Noch ist die Performance über ein Jahr (-3,44 Prozent) wie über drei Jahre (-6,17 Prozent) negativ. Die Zinswende könnte hier für Bewegung sorgen.
Dividenden und Nachhaltigkeit
Unsere fünfte Überlegung für dieses Depot sind Dividenden. Wisdomtree liefert hier mit dem US Quality Dividend Growth UCITS ETF (Acc) (WKN: A2AGPV) eine mögliche Lösung, die über drei bzw. fünf Jahre mit 51 bzw. 86 Prozent zulegte. Auf mehr als 350 Millionen Euro beläuft sich das Fondsvolumen; 0,33 Prozent betragen die Kosten. Unter den 292 US-Aktien – Wachstums- sowie Qualitätstitel – sind Johnson & Johnson, Merck, Apple, Microsoft und Coca-Cola am höchsten gewichtet.
Für unsere sechste Portfolio-Komponente werfen wir einen Blick auf Amundis nachhaltigen MSCI USA SRI UCITS ETF (WKN: A2JSDB). Er ist seit vier Jahren am Markt und hat 3,52 Milliarden Euro an Fondsvolumen. 137 US-Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung, die nachhaltige Kriterien umsetzen, sind im zugrunde- liegenden Index zusammengefasst. Das ist eine relativ überschaubare Anzahl an Titeln mit Blick auf die Risiko-Diversifikation. Anlegerinnen und Anleger sollten jedoch nicht vergessen, dass mit den anderen Portfolio-Positionen bereits ausreichend diversifiziert wurde, was auf Branchen, Regionen und Unternehmensgröße angeht.
Wichtig: Alle genannten ETFs sind sparplanfähig. Mit unterschiedlich hohen Beträgen sind verschiedene Fokussierungen einfach umsetzbar. Anlegerinnen und Anleger können zudem ihre Strategie jederzeit einfach und flexibel anpassen.
Fazit
Obwohl es 2023 schwierig werden könnte, steigt der Optimismus für Aktien. Zwar werden auch 2023 die Bäume nicht in den Himmel wachsen, doch soll es nach Expertenmeinung zumindest Erholungstendenzen geben. So oder so empfiehlt sich stets eine breite Streuung des Investments auf Länder, Branchen und Unternehmen.


