
Capital Group bringt aktive ETFs nach Europa: Was Anleger jetzt wissen sollten
Capital Group bringt aktive ETFs nach Europa: Vier Strategien sollen Anfang 2027 starten. Was Privatanleger über die neuen UCITS-ETFs wissen sollten.
Der Markt für aktive ETFs in Europa bekommt prominenten Zuwachs. Die US-Fondsgesellschaft Capital Group hat von der irischen Zentralbank grünes Licht für ihre ersten aktiven UCITS-ETFs erhalten. Vier Strategien, drei Aktien- und eine Anleihestrategie, sollen voraussichtlich im ersten Quartal 2027 in Europa und im Asien-Pazifik-Raum an den Start gehen. Für Dich als Privatanleger stellt sich die Frage: Was steckt dahinter, und lohnt sich ein Blick auf die neuen Produkte?
Wer ist Capital Group?
Hierzulande ist Capital Group vielen Anlegern weniger geläufig als Blackrock (iShares) oder Vanguard. Dabei zählt das Unternehmen nach eigenen Angaben mit einem verwalteten Vermögen von 3,6 Billionen US-Dollar zu den größten aktiven Investmentmanagern der Welt. Anders als die großen ETF-Häuser ist Capital Group traditionell auf aktives Fondsmanagement spezialisiert, also auf Fonds, bei denen Manager gezielt Wertpapiere auswählen, statt einen Index nachzubilden.
Ein Markenzeichen ist das sogenannte Multi-Manager-System: Das Portfolio eines Fonds wird auf mehrere Manager aufgeteilt, die jeweils einen Teil eigenständig verwalten. Das soll die Abhängigkeit von einzelnen Personen verringern und unterschiedliche Anlageansätze innerhalb eines Produkts kombinieren.
Erfolgreicher Start in den USA
Den ETF-Markt hat Capital Group vergleichsweise spät betreten. Erst 2022 legte das Unternehmen seine ersten aktiven ETFs in Nordamerika auf. Seitdem ist das Geschäft laut Unternehmensangaben auf ein Volumen von 160 Milliarden US-Dollar gewachsen. Es umfasst 25 Strategien und acht ETF-Modellportfolios in den USA sowie sieben Fonds in Kanada. Damit sieht sich Capital Group als drittgrößten Anbieter aktiver ETFs in den USA.
Diese vier ETFs sind geplant
Die neue Palette wird zunächst in Irland aufgelegt und ist als UCITS-ETF strukturiert. Das ist der regulatorische Standard, der den Vertrieb an Privatanleger in der EU ermöglicht. Geplant sind folgende Strategien:
- Capital Group Global Growth Equity: weltweite Wachstumsaktien
- Capital Group US Core Equity: breit aufgestellter Kern-Baustein für US-Aktien
- Capital Group US Dividend Value: US-Dividenden- und Value-Titel
- Capital Group Global Bond Plus: globale Anleihen
Laut Capital Group sind die ETFs als zentrale Bausteine für langfristige Portfolios gedacht und sollen vom hauseigenen Fundamentalresearch profitieren.
Wichtig: Kosten (TER), ISINs, Vergleichsindizes, Ertragsverwendung (ausschüttend oder thesaurierend) und Börsenplätze hat Capital Group bislang nicht kommuniziert. Ebenso offen ist, ob und wann die ETFs bei deutschen Brokern handelbar und sparplanfähig sein werden. Auch der Starttermin ist ausdrücklich nur als „voraussichtlich“ angegeben.
Warum aktive ETFs gerade gefragt sind
Capital Group begründet den Schritt mit der wachsenden Nachfrage nach aktiven ETFs. Guy Henriques, President, Europe and Asia-Pacific Client Group bei Capital Group, sagt dazu: „Anleger wünschen sich zunehmend die Flexibilität und Effizienz von ETFs in Kombination mit den Vorteilen aktiven Managements.“
Jamie Sinclair, Head of ETF Product and Sales, Europe and Asia-Pacific, verweist auf die zunehmende Konzentration der Aktienmärkte: „Da die Aktienmärkte zunehmend konzentrierter werden, legen Anleger größeren Wert auf fundamentales Research, aktive Anlageentscheidungen und Diversifikation.“
Tatsächlich ist das ein Thema, das viele Anleger beschäftigt. In marktbreiten Indizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 machen wenige große US-Technologiekonzerne inzwischen einen erheblichen Anteil aus. Aktive Manager versprechen, Klumpenrisiken gezielter zu steuern, als es ein starrer Index kann.
Aktiv oder passiv: Was bedeutet das für dich?
Aktive ETFs verbinden den börsentäglichen Handel und die Struktur eines ETFs mit der Titelauswahl durch ein Fondsmanagement. Für dich als Anleger heißt das aber auch, genau hinzuschauen:
Kosten: Aktive ETFs sind in der Regel teurer als klassische Index-ETFs, wenn auch meist günstiger als herkömmliche aktive Investmentfonds. Wie Capital Group hier preislich positioniert ist, bleibt abzuwarten.
Rendite: Ob die neuen ETFs langfristig Überrenditen erzielen, wird sich erst zeigen. Bei aktiven ETFs kommt es allerdings nicht nur auf gezielte Outperformance an. Je nach Strategie können sie auch andere Aufgaben im Depot übernehmen, etwa laufende Erträge liefern oder Schwankungen abfedern. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage „Schlägt der ETF den Index?“ als vielmehr „Was soll er in meinem Portfolio leisten?“. Wie du aktive ETFs nach diesem Prinzip auswählst, erklären wir im Artikel Aktive ETFs: Vergiss den Index, denk in Zielen.
Transparenz: Bei aktiven ETFs lohnt es sich, Strategie, Vergleichsindex und Portfoliozusammensetzung genau zu prüfen. Nicht jedes Produkt legt seine Positionen so transparent offen wie ein Index-ETF.
Aktivitätsgrad: „Aktiv“ ist nicht gleich „aktiv“. Wie viel Spielraum ein Fondsmanagement tatsächlich hat, zeigt das Tracking-Error-Ziel, also wie weit sich ein ETF von seinem Vergleichsindex entfernen darf. Die Ratingagentur Scope und FondsConsult unterscheiden dabei drei Stufen: sehr benchmarknahe „Constrained Active“-Ansätze mit meist unter zwei Prozent Tracking Error, „Core Active“-Strategien mit zwei bis vier Prozent und benchmarkferne „High Conviction“-Portfolios mit wenigen, konzentrierten Positionen. Welcher Kategorie die Capital-Group-ETFs zuzuordnen sind, ist noch nicht bekannt.
Rolle im Depot: Für viele Privatanleger bleibt ein günstiger, breit gestreuter Index-ETF das Fundament. Aktive ETFs können als Ergänzung sinnvoll sein, etwa wenn du gezielt einen Value- oder Dividendenschwerpunkt setzen oder bestimmte Klumpenrisiken reduzieren möchtest.
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Aktive ETFs im Altersvorsorgedepot
Spannend ist der Zeitpunkt: Fast parallel zum geplanten Marktstart der Capital-Group-ETFs beginnt in Deutschland eine neue Ära der geförderten Altersvorsorge. Ab dem 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente. Damit fördert der Staat erstmals eine Vorsorge, die ohne Beitragsgarantie und ohne Versicherungshülle direkt in ETFs und Fonds anlegt.
Auch aktive ETFs werden hier eine Rolle spielen können. Denn welche Produkte zulässig sind, regelt eine gesetzliche Positivliste, und die unterscheidet nicht zwischen aktiv und passiv. Erlaubt sind ETFs und Publikumsfonds, die im Basisinformationsblatt höchstens in Risikoklasse 5 von 7 eingestuft sind. Entscheidend ist also die Risikoeinstufung, nicht die Frage, ob ein ETF einen Index nachbildet oder aktiv gemanagt wird. Aktive UCITS-ETFs wie die geplanten Capital-Group-Produkte können damit grundsätzlich ebenso infrage kommen wie klassische Index-ETFs. Breit gestreute Welt-ETFs liegen in der Regel in Risikoklasse 4. Die Risikoklassen der vier Capital-Group-Strategien sind allerdings noch nicht veröffentlicht.
Ein Automatismus ist das jedoch nicht. Laut Gesetz wählt der Anbieter die Anlagen aus, sofern du nicht vertraglich die Option gewählt hast, selbst zu entscheiden. Ob aktive ETFs im Angebot deines AVD-Anbieters auftauchen, hängt also von dessen Produktauswahl ab. Hinzu kommt: Gerade bei einem Sparvertrag über Jahrzehnte fallen Kostenunterschiede besonders ins Gewicht. Ein aktiver ETF muss seine höheren Gebühren über die gesamte Laufzeit rechtfertigen.
| Tipp: Welche Anbieter das Altersvorsorgedepot (AVD) anbieten wollen, zeigt unsere AVD-Startliste. Wie viel Förderung für dich drin ist, rechnest du mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner aus. |
Wachsende Konkurrenz im europäischen Markt
Mit Capital Group drängt ein weiterer großer Name in ein Segment, in dem sich bereits Anbieter wie J.P. Morgan Asset Management, Fidelity oder Amundi positioniert haben. Mehr Wettbewerb dürfte das Angebot für Privatanleger vergrößern und kann mittelfristig auch Druck auf die Kosten ausüben.
Das Angebot aktiver ETFs wird breiter
Die Zulassung ist ein bemerkenswerter Schritt: Einer der größten aktiven Vermögensverwalter der Welt bringt seine Expertise erstmals im ETF-Mantel nach Europa. Ob sich die neuen Produkte für dich lohnen, hängt jedoch von Details ab, die noch fehlen, allen voran Kosten, Aktivitätsgrad, Handelbarkeit bei deutschen Brokern und die Qualität der Umsetzung. Mit dem Altersvorsorgedepot könnte für aktive ETFs ab 2027 zudem ein neuer Absatzkanal entstehen, sofern die Anbieter sie in ihre Produktauswahl aufnehmen. Sobald die ETFs gelistet sind, lohnt sich ein genauer Vergleich mit passiven Alternativen.
Tipp: Behalte dein Depot im Blick und prüfe Überschneidungen mit bestehenden ETFs im extraETF Portfolio Tracker. Wie sich Kostenunterschiede langfristig auswirken, kannst du mit dem ETF-Kostenrechner durchrechnen.