17. August 2026
DWS-Aktienmanager Felix Armbrust

"Ein aktiver ETF kann Klumpenrisiken wie sie bei klassischen ETFs auftreten können gezielt steuern"

Kann ein aktiver ETF eine Bereicherung für dein Depot sein? Welchen Mehrwert bieten aktive ETFs? Antworten von DWS-Aktienmanager Felix Armbrust.

Aktive ETFs gelten als einer der großen Trends im ETF-Markt. Wo sehen Sie den größten Mehrwert eines aktiven ETFs gegenüber einem klassischen Index-ETF – und wo liegen die Grenzen?

Aktive ETFs verbinden die Vorteile eines ETF-Mantels, wie Transparenz, Börsenhandelbarkeit und Kosteneffizienz mit einer aktiven Komponente, bei unserem Produkt liegt diese vor allem in der Titelselektion.

Der größte Mehrwert entsteht dort, wo Märkte ineffizient sind oder klassische Indizes strukturelle Schwächen aufweisen. Ineffizienzen entstehen oft dort, wo Informationen nicht sofort und vollständig verarbeitet werden. Das ist häufig bei kleinen bis mittelgroßen Unternehmen, in spezialisierten Nischenmärkten oder während technologischer Umbrüche der Fall. Ein aktiver ETF kann Klumpenrisiken wie sie bei klassischen ETFs auftreten können gezielt steuern, Bewertungen stärker berücksichtigen und auf fundamentale wie strukturelle Veränderungen flexibler reagieren.

Anleger unterschätzen zudem häufig, dass der Kauf mehrerer ETFs nicht automatisch zu einer besseren Diversifikation führt, da sich die größten Positionen oft überschneiden. Der Xtrackers Global Growth Leaders Active UCITS ETF (WKN: DBX1GL) setzt gezielt auf disruptive Innovatoren jenseits der Mega-Cap-Aktien, um von First-Mover-Vorteilen sowie skalierbarem, margenstarken Wachstum zu profitieren. Unser Portfolio ist dennoch global diversifiziert und wird aktiv auf Basis eines fundamentalen Research-Prozesses gesteuert, der Bewertung und zukünftiges Gewinnwachstum sorgfältig gegeneinander abwägt.

Ihr Fonds setzt auf einen konzentrierten Ansatz mit 30 bis 50 Aktien. Warum sind Sie überzeugt, dass Konzentration langfristig ein Vorteil sein kann, obwohl viele ETF-Anleger bewusst auf maximale Diversifikation setzen?

Unser konzentriertes Portfolio ist Ausdruck aktiver Überzeugung. Während Diversifikation ein wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Anlageprozesses ist, kann eine zu breite Streuung dazu führen, dass die besten Ideen im Portfolio verwässert werden.

Mit 30 bis 50 Aktien investieren wir gezielt in jene Unternehmen, bei denen wir die attraktivsten, langfristigen Wachstumsaussichten sehen. Jede Position muss einen klaren Beitrag zur Wertentwicklung leisten können. Erfolgreiche Investments können dadurch einen spürbaren Einfluss auf die Fondsperformance haben, anders als bei sehr breit diversifizierten Indizes, in denen viele Positionen nur ein geringes Gewicht besitzen.

Dabei bedeutet Konzentration nicht, dass wir unnötige Risiken eingehen. Wir streuen über verschiedene Geschäftsmodelle, Endmärkte und Regionen hinweg, dabei setzen wir bewusst auf Qualität statt Quantität.

Tipp: Du interessierst dich für aktives Management? Zum Guide über aktive ETFs.

Darüber hinaus suchen wir Chancen nicht ausschließlich bei den bekannten Mega-Caps, die bereits in vielen Indizes und Portfolios stark vertreten sind. Unser Fokus liegt auf ausgewählten globalen Wachstumsunternehmen – einschließlich attraktiver Unternehmen der zweiten Reihe, die aus unserer Sicht über erhebliches Wachstumspotenzial verfügen und zusätzliche Diversifikationsvorteile bieten.

Anleger können zum einen den Markt möglichst genau abbilden wollen oder gezielt über einen klassische Fonds oder aktiven ETF in ausgewählte Unternehmen investieren, bei denen ein dedizierter Fondsmanager langfristiges Potenzial sieht, besser als der Markt abzuschneiden. Unser Ansatz mit dem Xtrackers Global Growth Leaders Active ETF folgt klar der zweiten Philosophie.

Sie sprechen von globalen Wachstumsführern jenseits der bekannten Mega-Caps. Ist es heute überhaupt noch möglich, Unternehmen zu finden, die vom Markt unterschätzt werden?

Wir konzentrieren uns auf ausgewählte Unternehmen im globalen Wachstumsuniversum, die aus unserer Sicht über attraktives langfristiges Wachstumspotenzial verfügen. Dabei muss nicht jedes vielversprechende Unternehmen in einem großen Index vertreten sein. Auch wenn ein interessantes Unternehmen Teil eines thematischen ETFs sein mag, spiegelt dessen Gewichtung in erster Linie die zugrunde liegende Indexmethodik und die Fondsrichtlinien wider und nicht zwangsläufig das tatsächliche langfristige Wertsteigerungspotenzial des Unternehmens. Deshalb sehen wir im aktiven Auswahlprozess die Möglichkeit, besonders aussichtsreiche Unternehmen gezielt höher zu gewichten, als dies ein regelbasierter Index zulässt.

Durch technologische Umbrüche und strukturelle Veränderungen entstehen laufend neue Geschäftsmodelle und neue Gewinner, die noch nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten. Besonders interessant sind für uns häufig Unternehmen aus der zweiten Reihe – also Marktführer in ihrer Nische, die bereits profitabel wachsen, aber noch nicht die Größe und Bekanntheit der großen Technologiekonzerne erreicht haben. Dort finden wir oft attraktivere Chancen auf langfristige Wertsteigerung als bei Unternehmen, deren Erfolg bereits vollständig im Aktienkurs eingepreist ist. Dennoch geht es uns dabei weniger darum, „unentdeckte“ Unternehmen zu finden, als vielmehr die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens besser einzuschätzen als der Markt. Genau hier sehen wir einen Mehrwert, den wir durch die aktive Titelauswahl bieten können.

Unsere Erfahrung zeigt, dass der Markt zwar Informationen sehr effizient verarbeitet, aber langfristige Veränderungen häufig unterschätzt. Unternehmen, die ihre Marktposition kontinuierlich ausbauen, neue Märkte erschließen oder von langfristigen Trends wie Digitalisierung, Automatisierung oder KI profitieren, werden oft erst mit Verzögerung vollständig bewertet.

Ein wichtiges Auswahlkriterium für Sie ist die sogenannte „Rule of 40“. Was besagt diese? Warum eignet sich diese Kennzahl besonders gut, um langfristige Gewinner zu identifizieren, und gibt es Situationen, in denen sie an Aussagekraft verliert?

Die Rule-of-40 stammt ursprünglich aus dem Venture-Capital-Bereich und kombiniert erwartetes Umsatzwachstum mit Profitabilität. Die Summe beider Kennzahlen muss mindestens 40 Prozent betragen. Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent und einer operativen Marge von 25 Prozent erfüllt diese Anforderung. Dieser Ansatz belohnt Unternehmen, welche nachhaltig wachsen, anstatt Wachstum auf Kosten der Profitabilität zu erkaufen. Unternehmen, welche die Rule-of-40 auch in schwächeren Marktphasen erfüllen, verfügen häufig über strukturelle Wettbewerbsvorteile wie Preissetzungsmacht, wiederkehrende Umsätze oder eine flexible Kostenbasis. Diese Eigenschaften erhöhen die Widerstandsfähigkeit in Abschwungphasen und unterstützen eine schnellere Erholung nach konjunkturellen Schwächeperioden.

Nachhaltig hohe Rule-of-40-Werte gehen zudem oftmals mit einer effizienten Kapitalallokation, attraktiven Kundenökonomien, hoher Kundenbindung sowie einer geringen Abhängigkeit von externer Finanzierung einher. Diese Disziplin hat sich historisch bewährt. Unternehmen innerhalb des MSCI Developed World Growth Universums, welche die Rule-of-40 erfüllten, konnten den breiten Wachstumsmarkt über längere Zeiträume deutlich übertreffen.

Welche Entwicklungen werden Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren darüber entscheiden, welche Wachstumsunternehmen zu den Gewinnern gehören – und welche typischen Fehler sollten Anleger bei der Auswahl von Wachstumsaktien vermeiden?

Häufig beobachten wir, dass Anleger ihr Kernportfolio zwar mit breit diversifizierten ETFs aufbauen, bei zusätzlichen Einzelinvestments werden jedoch häufig interessant klingende Wachstumsgeschichten höher gewichtet als eine sorgfältige Analyse von Bewertung, Ertragskraft und langfristigem Kurspotenzial.

Der Xtrackers Global Growth Leaders Active ETF wägt sorgfältig zukünftiges Ertragspotenzial mit der momentanen Bewertung der Unternehmen ab. Dabei nutzen wir unsere breite Plattform aus Analysten, Gespräche mit den Unternehmen und Experteninterviews, um attraktive Aktien auszuwählen.

Tipp: Einzelaktien, aktive und passive ETFs – da kann man schnell den Überblick verlieren. Behalte den Durchblick. Zum extraETF Portfolio Tracker.

In der Gründungsphase sind Unternehmen häufig noch nicht profitabel. Sie validieren ihre Produkte, bauen Vertriebskanäle auf und müssen ihr Geschäftsmodell erst beweisen. Später beschleunigt sich das Wachstum. Viele Investoren steigen jedoch entweder zu früh ein – und gehen unnötige Risiken ein – oder zu spät, wenn die stärkste Wachstumsphase bereits hinter dem Unternehmen liegt.

Unsere Strategie konzentriert sich auf die Phase dazwischen, wenn Unternehmen die Gewinnschwelle überschreiten, Skaleneffekte realisieren, ihre Margen ausweiten und gleichzeitig weiterhin überdurchschnittliches Umsatzwachstum erzielen. Genau hier wird Innovation zu Gewinnwachstum und letztlich zu Kursperformance. Denn nur wenn die Gewinne nachhaltig wachsen, folgen auch die Aktienkurse dieser Entwicklung.