
113 Wertpapiere im Depot: Lohnt sich dieser Aufwand wirklich?
Nico hat 250.000 Euro auf 113 Wertpapiere verteilt. Unser Portfolio Review zeigt, wo die Strategie überzeugt – und wo weniger mehr wäre.
Auf den ersten Blick wirkt Nicos Depot beeindruckend breit aufgestellt. Einzelaktien treffen auf Länder-ETFs, Dividendenstrategien und zahlreiche Themeninvestments. Dahinter steckt ein Anleger, der sich intensiv mit der Börse beschäftigt und seine Geldanlage längst auch als Hobby versteht. Doch gerade bei einem so umfangreichen Portfolio stellt sich eine entscheidende Frage: Schafft die zusätzliche Komplexität tatsächlich einen Mehrwert?
Unser Portfolio Review zeigt, wie sich Nicos Strategie entwickelt hat, wo sich trotz der vielen Positionen überraschende Schwerpunkte gebildet haben und wie sich sein Depot im Vergleich zu einem breit gestreuten Weltaktienportfolio geschlagen hat.
Gehen wir in den konkreten Fall, in dem du dich vielleicht wiederfinden: Nico ist 47 Jahre alt, Angestellter und verfügt über ein monatliches Nettoeinkommen von rund 4.000 Euro. Etwa 600 Euro davon investiert er jeden Monat. Sein Ziel: langfristig eine möglichst hohe Rendite erzielen und sein Vermögen breit streuen.
Dass Nico sich intensiv mit Geldanlage beschäftigt, kommt nicht von ungefähr. Schon mit 13 Jahren war er nach eigenen Angaben selbstständig. Diesen Unternehmergeist hat er sich offenbar bewahrt. Heute ist die Börse für ihn nicht nur ein Instrument zum Vermögensaufbau, sondern auch ein Hobby. Und dieses Hobby hat inzwischen beachtliche Dimensionen erreicht. Rund 250.000 Euro hat Nico investiert. Sein Portfolio besteht zu 100 Prozent aus Aktieninvestments und umfasst insgesamt 113 verschiedene Wertpapiere. Neben zahlreichen Einzelaktien hält er verschiedene ETFs, mit denen er gezielt Regionen, Strategien und Anlagethemen abdeckt.
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Damit ist sein Depot ein gutes Beispiel für eine Entwicklung, die viele engagierte Anleger kennen dürften. Am Anfang stehen vielleicht ein oder zwei ETFs. Später kommt eine interessante Aktie hinzu. Dann erscheint Indien aussichtsreich, Dividenden werden interessant und bei einem neuen Zukunftsthema möchte man ebenfalls dabei sein. Jede einzelne Entscheidung erscheint nachvollziehbar. Über die Jahre entsteht daraus aber schnell ein Portfolio, das immer umfangreicher wird.
Von Allianz bis zum Drohnen-ETF
Nico hat seine Investments auf Ebene der einzelnen Wertpapiere breit verteilt. Seine größte Position, die Allianz, macht nur rund 4,9 Prozent des Gesamtdepots aus. Viele andere Positionen sind deutlich kleiner, einige Aktien und ETFs kommen nur noch auf 0,2 oder 0,3 Prozent.
Bei einem Depotvolumen von 250.000 Euro entsprechen 0,2 Prozent gerade einmal rund 500 Euro. Selbst eine Verdopplung einer solchen Position würde die Entwicklung des Gesamtdepots kaum beeinflussen. Beobachtet und verwaltet werden möchte das Investment trotzdem.
Auch bei seinen ETFs setzt Nico auf viele unterschiedliche Ideen. Er investiert unter anderem in Indien, China und Vietnam. Hinzu kommen globale Dividendenstrategien, Small Caps, Goldproduzenten, Kupfer und sogar ein ETF rund um das Thema Drohnen.
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Doch viele Wertpapiere bedeuten nicht automatisch optimale Diversifikation. Das zeigt der Blick auf die Länderaufteilung. Rund 50 Prozent des Portfolios entfallen auf Deutschland, während die USA lediglich etwa 20 Prozent ausmachen. Schwellenländer kommen auf ungefähr acht Prozent.
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Nico hat also trotz 113 Wertpapieren einen ausgeprägten Home Bias. Ein gutes Beispiel dafür, warum Anleger nicht nur auf die Anzahl ihrer Positionen schauen sollten. Entscheidend ist, welche Länder, Branchen und Risiken tatsächlich hinter den Investments stehen.
300 Trades in zwölf Monaten
Wie intensiv Nico sein Depot betreut, zeigen auch seine Transaktionen. Rund 300 Trades kamen innerhalb der vergangenen zwölf Monate zusammen. Dahinter steckt allerdings nicht nur aktives Trading. Bei einigen ETFs nutzt er wöchentliche Sparpläne. Allein beim Indien- und China-ETF entstanden dadurch jeweils 45 Transaktionen.
Bei günstigen Brokern lässt sich eine solche Strategie problemlos umsetzen. Entscheidend ist deshalb weniger die Zahl der Transaktionen als die Frage, ob die zusätzliche Komplexität einen messbaren Vorteil bringt.
Denn ein Portfolio mit 113 Wertpapieren muss gepflegt werden. Unternehmen veröffentlichen Geschäftszahlen, Investmentthesen verändern sich und neue Informationen müssen bewertet werden. Wer daran Freude hat, kann genau das als Teil seines Hobbys betrachten. Wer dagegen vor allem effizient Vermögen aufbauen möchte, sollte sich fragen, ob sich dieser Aufwand auch im Anlageergebnis widerspiegelt.
113 Wertpapiere gegen den Weltaktienmarkt
Deshalb haben wir Nicos Portfolio im Review mit einem breit gestreuten Aktien-Weltportfolio verglichen. Und hier zeigt sich die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Analyse.
Seit Juli 2022 kam die betrachtete Aktienwelt-Benchmark bei der reinen Kursentwicklung auf rund 83,8 Prozent. Nicos Portfolio erreichte im gleichen Vergleich rund 53,5 Prozent. Werden die Dividenden berücksichtigt, verringert sich der Abstand deutlich. Das Portfolio bleibt in der dargestellten Auswertung aber weiterhin hinter dem Vergleichsportfolio zurück. Natürlich ist der Vergleich nicht vollkommen deckungsgleich. Nico verfolgt mit seinem hohen Deutschlandanteil und seinen individuellen Investments eine andere Strategie als ein klassischer Weltindex. Trotzdem liefert das Ergebnis einen wichtigen Denkanstoß: Mehr Aktivität bedeutet nicht automatisch mehr Rendite.
Dabei hat Nicos Strategie durchaus attraktive Seiten. So erhält er derzeit rund 6.000 Euro Dividenden pro Jahr. Für einen Anleger, der regelmäßige Ausschüttungen schätzt und Freude daran hat, seine Investments aktiv zu verfolgen, kann das durchaus reizvoll sein. Doch auch regelmäßige Erträge und eine breite Streuung lassen sich mit einem wesentlich einfacheren ETF-Portfolio erreichen.
Was Anleger aus Nicos Depot lernen können
Nicos Portfolio ist keineswegs ein Beispiel dafür, wie man nicht investieren sollte. Im Gegenteil: Er hat sich ein Vermögen von rund 250.000 Euro aufgebaut, investiert regelmäßig und beschäftigt sich intensiv mit seiner finanziellen Zukunft.
Sein Depot zeigt aber sehr anschaulich, dass Komplexität nicht automatisch einen Mehrwert schafft. Vielleicht erkennst du dich darin wieder. Über die Jahre sind immer neue Aktien und ETFs hinzugekommen. Manche Positionen sind inzwischen so klein, dass sie kaum noch Einfluss auf die Gesamtentwicklung haben. Andere überschneiden sich. Und obwohl das Depot auf den ersten Blick breit gestreut aussieht, haben sich möglicherweise unbemerkt Schwerpunkte bei einzelnen Ländern oder Branchen gebildet.
Dann lohnt sich ein Blick auf das Gesamtportfolio: Welche Investments bestimmen tatsächlich deine Rendite? Wo bestehen Klumpenrisiken? Und erfüllt jedes Wertpapier noch die Aufgabe, für die du es ursprünglich gekauft hast?
Ein gutes Portfolio muss nicht möglichst viele Positionen enthalten. Es muss zu deinen Zielen passen und so aufgebaut sein, dass du deine Strategie langfristig durchhalten kannst.
Genau dabei hilft dir der extraETF Portfolio Tracker. Du kannst dein Depot dort genauso analysieren, wie wir es bei Nico im Portfolio Review gemacht haben. Neben der Wertentwicklung erhältst du tiefe Einblicke in deine Portfoliozusammensetzung, Länder- und Sektorverteilung, Erträge und weitere Kennzahlen. So erkennst du, ob deine Anlagestrategie tatsächlich so umgesetzt ist, wie du es geplant hast.
Noch mehr echte Depots findest du auf dem extraETF YouTube-Kanal. In unseren Portfolio Reviews analysieren wir regelmäßig die Strategien anderer Anleger und zeigen, welche Erkenntnisse du daraus für dein eigenes Portfolio mitnehmen kannst.