18. Juni 2026
Inflation und inflationsgeschützte Anleihe-ETFs unter der Lupe

Krieg, KI, Zinsen: Warum ETF-Anleger jetzt besonders genau hinschauen sollten

Geopolitik, KI-Boom und steigende Zinsen verändern die Märkte. Warum Diversifikation und ein Portfolio-Überblick jetzt entscheidend sind.

Die Börsen zeigen sich derzeit erstaunlich widerstandsfähig. Trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten, anhaltend hoher Zinsen und schwächerer Konjunkturdaten bleiben insbesondere US-Aktien gefragt. Für private ETF-Anleger wird das Umfeld jedoch zunehmend komplexer. Laurent Denize, Co-CIO von ODDO BHF und Global CIO von ODDO BHF Asset Management, beschreibt die aktuelle Lage als Phase „erhöhter Unsicherheit“. Gleichzeitig hätten die Märkte bereits sensibel auf jede Hoffnung auf Entspannung reagiert.

Straße von Hormus bleibt Risikofaktor

Ein zentrales Thema bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Gas weltweit. Laut Denize reagieren die Kapitalmärkte derzeit extrem empfindlich auf Entwicklungen in der Region. „Jede noch so vorsichtige Hoffnung auf eine vollständige Wiederöffnung lässt die Aktienkurse steigen. Rückschläge bei den Verhandlungen werden hingegen umgehend mit Kursverlusten quittiert“, erklärt Denize.

Für ETF-Anleger bedeutet das vor allem: Die Volatilität dürfte hoch bleiben. Besonders betroffen sind Energie-, Industrie- und Transportwerte. Breite ETFs auf den Weltaktienmarkt bleiben deshalb weiterhin ein solides Fundament. Erfahre mehr über das Investieren in Welt-ETFs.

Kenne dein Depot

Gerade in solchen Marktphasen wird ein klarer Überblick über das eigene Depot wichtiger denn je. Mit dem extraETF Portfolio Tracker können Anleger ihre ETF-, Aktien- und Krypto-Investments zentral überwachen, Risiken erkennen und die tatsächliche Gewichtung einzelner Regionen oder Branchen analysieren. So lässt sich schnell überprüfen, wie stark das eigene Portfolio beispielsweise von US-Techwerten oder Energiepreisen abhängig ist.

USA hängen Europa wirtschaftlich ab

Während sich die US-Wirtschaft bislang robust zeigt, kämpft Europa zunehmend mit schwacher Dynamik. Vor allem Deutschland leidet unter rückläufigen Wachstumsprognosen. So hatten die sogenannten Wirtschaftsweisen jüngst ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 0,9 auf 0,5 Prozent gesenkt. Etwas weniger drastisch reduzierte der Bankenverband seine Prognose: „Aufgrund der aktuellen Belastungen haben wir unsere Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf nur noch 0,7 Prozent gesenkt“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands. Die Reformschritte seien zu zögerlich. Für Investitionen und Wachstum brauche es schnell entschlossenes Handeln, sonst komme Deutschland aus der Stagnation nicht heraus.

Anders in Amerika: „Insgesamt zeigt sich die US-Wirtschaft somit weiterhin robust“, sagt Denize. Für die Eurozone und insbesondere Deutschland seien die Aussichten dagegen deutlich schwächer geworden. Das könnte grundsätzlich weiterhin ETFs mit hoher Gewichtung amerikanischer Aktien – etwa in globalen ETFs – zugutekommen. Produkte auf den MSCI World oder S&P 500 profitierten lange Zeit stark von der Dominanz der USA im Technologiesektor.

Mit dem extraETF Portfolio Tracker können Anleger dabei nachvollziehen, wie hoch der tatsächliche USA-Anteil im Depot ist. Vielen Investoren ist beispielsweise nicht bewusst, dass globale Indizes inzwischen oft zu mehr als 70 Prozent aus US-Aktien bestehen.

Tipp: Viele Anleger monieren jedoch den hohen Anteil der US-Techsparte in Welt-Indizes. Mit diesem neuen ETF deckst du die Weltwirtschaft wirklich ab.

Schwellenländer sind zurück auf der Bühne

Schwellenländer haben sich längst zurückgemeldet. Aus Sicht von Anuj Arora, Leiter des Bereichs Aktien aus Schwellenländern und dem asiatisch-pazifischen Raum bei J.P. Morgan Asset Management, bestehen die Chancen auch künftig: „Schwellenländer und der asiatisch-pazifische Raum bieten weiterhin robuste Möglichkeiten, sowohl für Absicherungsgeschäfte als auch für Wachstumsinvestitionen. Die Bewertungen sind auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses im Vergleich zu westlichen Märkten nach wie vor attraktiv“, sagt Arora. Neugierig? Dann erfahre jetzt mehr über KI-Boom, schwacher Dollar, günstige Bewertungen: Schwellenländer boomen jetzt.

KI bleibt der wichtigste Börsentreiber

Vor allem der KI-Boom hält die Märkte in den USA, aber auch den Schwellenländern aktuell auf Kurs. Anders als viele Kritiker vermuten, sieht Denize darin keine reine Spekulationsblase. „Der Investitionsschub zum Aufbau einer KI-Infrastruktur ist kein spekulatives Wunschdenken, sondern eine Reaktion auf die sehr reale und rasch wachsende Nachfrage nach Halbleitern“, betont er.

Besonders profitieren laut ODDO BHF Halbleiterhersteller und Energieversorger, die den steigenden Strombedarf neuer Rechenzentren decken. Für ETF-Anleger könnten deshalb Themen-ETFs auf KI, Halbleiter oder Infrastruktur interessant bleiben – allerdings eher als Ergänzung im Depot.

Tipp: Hier gelangst du zu unserer Themen-ETF-Seite.

Gleichzeitig warnt Denize vor den Risiken am US-Markt: „Der US-Aktienmarkt bleibt daher stark polarisiert und ein Großteil der Kursgewinne auf nur wenige Titel konzentriert.“ Auch hier hilft der extraETF Portfolio Tracker dabei, Klumpenrisiken frühzeitig zu erkennen. Anleger sehen auf einen Blick, welche Einzelwerte oder Sektoren das Depot dominieren und ob die ursprüngliche Anlagestrategie noch eingehalten wird.

Höhere Zinsen bleiben wahrscheinlich

Zusätzlich belasten steigende Staatsschulden die Märkte. Laut Denize könnten langfristig höhere Zinsen insbesondere in den USA und Frankreich zum neuen Normal werden. Für Anleger in Anleihen-ETFs spricht das derzeit eher für kurze Laufzeiten. Sie reagieren weniger empfindlich auf steigende Renditen als langlaufende Staatsanleihen.

„Allgemein besteht die implizite Überzeugung, dass Diversifikation „funktionieren“ sollte und dass sich verschiedene Anlageklassen ausgleichend verhalten und Portfolios vor dem Schock schützen“, sagt Joven Lee, Multi-Asset Strategist bei Schroders. Gerade bei gemischten Portfolios aus Aktien und Anleihen kann ein regelmäßiger Depot-Check sinnvoll sein. Der extraETF Portfolio Tracker unterstützt Anleger dabei mit Performance-Analysen, Portfolio-Auswertungen und einer transparenten Übersicht über Rendite und Risiko.

Was ETF-Anleger jetzt beachten sollten

Die aktuelle Marktphase zeigt einmal mehr, wie wichtig Diversifikation bleibt. Breite Welt-ETFs bieten weiterhin Stabilität, während KI- und Infrastruktur-Themen langfristige Wachstumschancen liefern könnten.

Es gilt trotz Schwankungen Ruhe zu bewahren. Und hier zeigen die Deutschland-Ergebnisse der im Auftrag von Fidelity International durchgeführten „Be Invested Global Survey 2026“-Studie, dass die meisten Privatanleger hierzulande gelassen genug sind: „Geopolitische Risiken und wirtschaftliche Unsicherheiten erhöhen den Handlungsdruck, führen aber nicht zwangsläufig zu kurzfristigem Aktionismus“, sagt Jan Schepanek, Sprecher der Geschäftsführung der Investmentplattform FFB und verantwortlich für das Privatkundengeschäft von Fidelity International in Deutschland. Bei der Geldanlage zahlt sich schließlich langer Atem aus – Stichwort: Buy-and-Hold-Strategie. „Umso ermutigender ist es, dass ein großer Teil der Anleger in Deutschland einen langfristigen Blick bewahrt und nicht vorschnell mit Verkäufen auf kurzfristige Marktschwankungen reagiert“, Schepanek.

Ebenso entscheidend ist jedoch ein transparenter Überblick über das eigene Portfolio. Wer Risiken, Ländergewichtungen und Branchenkonzentrationen kennt, kann auch in unsicheren Marktphasen fundierte Entscheidungen treffen. Oder wie Laurent Denize es formuliert: „Die zentrale Herausforderung besteht weiterhin darin, über den Konflikt hinauszuschauen.“