
Vorrunden-Sieger: Sind KI-Aktien die sicheren Weltmeister?
KI-Aktien spielen derzeit wie Titelkandidaten auf. Doch nach der starken Vorrunde steigen die Risiken. Warum Diversifikation jetzt wichtiger wird.
Die Fußball-Weltmeisterschaft biegt in die entscheidende Phase. Jetzt zeigt sich erst, welche Mannschaften dem Druck tatsächlich standhalten. Auch an den Börsen stehen einige Favoriten besonders im Rampenlicht: Die großen KI-Gewinner haben ihre Anleger in den vergangenen Monaten mit einer nahezu weltmeisterlichen Performance verwöhnt. Doch wie im Fußball gilt auch am Kapitalmarkt: Nicht jede starke Vorrunde endet mit dem Titelgewinn.
„Eine starke Vorrunde reicht nicht für den Titel. Entscheidend ist, ob die Favoriten ihre Leistung unter Druck bestätigen können“, erklärt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. „Gerade bei KI-Aktien ist es wichtig, die Risiken im Blick zu behalten und das Portfolio breit aufzustellen. Denn Konzentrationsrisiken können schnell zum Eigentor werden.“
KI-Aktien: Investitionen wachsen schneller als die Erträge
Seit Jahresbeginn stehen Aktien rund um Künstliche Intelligenz (KI) erneut im Fokus vieler Anleger. Besonders Hardware- und Halbleiterunternehmen profitieren von der steigenden Nachfrage nach Rechenleistung, milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur und starken Unternehmensgewinnen.
Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten. Denn die Investitionen vieler Unternehmen wachsen derzeit schneller als die direkt daraus erzielten Umsätze. „Eine solche Entwicklung belastet den freien Cashflow. Den zeitgleich bewertet der Aktienmarkt viele KI-Gewinner bereits so, als würden die hohen Wachstumsraten über Jahre anhalten“, betont der Ökonom.
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Entscheidend wird daher sein, ob Cloud-Dienste, Unternehmenssoftware, KI-Abonnements und neue Anwendungen künftig genügend zusätzliche Erlöse generieren, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen. Galler warnt: „Wenn Umsätze steigen, Kosten pro Recheneinheit sinken und der Cashflow wächst, bleibt das Investitionsargument stark. Wenn die Monetarisierung langsamer verläuft, könnten Unternehmen ihre Investitionen kürzen. Das hätte Folgen für die gesamte KI-Wertschöpfungskette.“
Das Konzentrationsrisiko steigt
Für Anleger wird dabei ein weiteres Thema zunehmend relevant: die hohe Konzentration innerhalb der Aktienmärkte. Im S&P 500 macht der Technologiesektor mittlerweile rund 39 Prozent des Index aus – mehr als auf dem Höhepunkt des Internetbooms im Jahr 2000.
Gleichzeitig wird ein erheblicher Teil der Wertentwicklung von wenigen Mega-Cap-Unternehmen getragen. Auch globale Aktienindizes werden zunehmend von US-Technologiekonzernen dominiert. „Das hilft in Aufwärtsphasen, erhöht aber die Verletzlichkeit, wenn die Marktführer enttäuschen“, erklärt Galler.
Für ETF-Anleger bedeutet das: Wer auf breit gestreute Indizes wie den MSCI World oder den S&P 500 setzt, profitiert zwar von den Erfolgen der Technologieriesen. Gleichzeitig steigt aber die Abhängigkeit von wenigen Unternehmen und deren weiterer Kursentwicklung.
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Nicht nur die Stars zählen
Wer vom langfristigen KI-Trend profitieren möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich auf die bekanntesten Gewinner setzen. Chancen ergeben sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
„Wie im Fußball gewinnt selten ein einzelner Star das Turnier allein. Auch Mittelfeld, Defensive und Teamgeist entscheiden. Übertragen auf KI heißt das: Neben Modellen und Chips zählen Rechenzentrumsflächen, Stromnetze, Energieerzeugung, Kühlung, elektrische Komponenten, Bau- und Ingenieurleistungen sowie Ausrüstung“, sagt Galler.
Neben den USA können auch andere Regionen interessante Anlagemöglichkeiten bieten. Taiwan und Südkorea spielen eine zentrale Rolle bei modernen Halbleitern und Speichertechnologien. Japan profitiert von seiner Stärke bei Robotik und Automatisierung. China wiederum entwickelt ein eigenes KI-Ökosystem – allerdings verbunden mit besonderen regulatorischen und politischen Risiken.
„Taiwan und Südkorea sind eng mit modernen Halbleitern und Speichertechnologien verbunden. Japan ist stark bei Ausrüstung, Materialien und Robotik. China entwickelt ein inländisch geprägtes KI-Ökosystem mit eigenen Chancen und politischen Risiken. Für Investoren ermöglicht deshalb eine Ausweitung der Technologieinvestitionen über die USA hinaus einen breiteren Zugang zu diesem Wachstumstreiber“, stellt Galler fest.
Die Defensive nicht vergessen
Nach der starken Kursentwicklung vieler Technologieaktien reicht Begeisterung allein nicht mehr aus. Die Bewertungen sind deutlich gestiegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des globalen Technologiesektors liegt inzwischen bei über 40.
„Investoren sollten prüfen, wo Erwartungen, Bewertungen und Gewinne zusammenpassen, und wie stark ihr Portfolio von wenigen Technologiewerten abhängt. Der Boom ist real, aber wie bei einer Weltmeisterschaft ist neben der Offensive eine stabile Defensive unerlässlich. Oft entscheidet sich erst in den K.-o.-Runden, wer den Erwartungen und dem Druck standhält“, erklärt Galler.
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Eine solche Defensive können im Portfolio hochwertige Anleihen bilden. Sollte der KI-Investitionsboom unerwartet an Dynamik verlieren, könnten die Risiken für Wirtschaftswachstum und Aktienmärkte steigen. Qualitätsanleihen haben in solchen Marktphasen das Potenzial, Schwankungen abzufedern und das Gesamtportfolio zu stabilisieren.
Portfolio regelmäßig überprüfen
Gerade nach starken Marktbewegungen verschieben sich die Gewichte im Depot oft unbemerkt. Viele Anleger halten heute deutlich höhere Technologieanteile als ursprünglich geplant, weil die großen KI-Gewinner einen immer größeren Teil der Wertentwicklung ausmachen.
Nicht nur beim Fußball hilft mittlerweile moderne Technik. Hebe auch dein Depot technisch auf ein neues Level: Mit dem extraETF Portfolio Tracker lässt sich transparent analysieren, wie das eigene Vermögen über Länder, Branchen, Regionen und Anlageklassen verteilt ist. Anleger erkennen auf einen Blick mögliche Klumpenrisiken und können ihre Vermögensstruktur gezielt überprüfen. Besonders in einem Marktumfeld, das von wenigen Technologieriesen geprägt wird, hilft ein regelmäßiger Portfolio-Check dabei, die richtige Balance zwischen Chancen und Risiken zu bewahren.
Dein Depot braucht Sturm und Verteidigung
Der KI-Boom ist real und dürfte die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren weiter prägen. Doch wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft entscheidet sich der Erfolg nicht allein durch die besten Stürmer. Für langfristig orientierte ETF-Anleger bleiben eine breite Diversifikation, regelmäßige Portfolioanalysen und eine ausgewogene Mischung aus Offensive und Defensive die wichtigsten Bausteine auf dem Weg zum Anlageerfolg.