Iran-Konflikt treibt Heizölpreis: Was das jetzt für Verbraucher und Anleger bedeutet

Nahostkonflikt? Warum die Börsen trotzdem neue Rekorde feiern

Trotz Straße-von-Hormus-Blockade steigen die Aktienmärkte weiter. Experten nennen drei Gründe, warum die Märkte trotz Nahostkonflikt. Dennoch bestehen Risiken.

Der anhaltende Nahostkonflikt und die weiterhin blockierte Straße von Hormus sorgen zwar für Nervosität an den Rohstoffmärkten, an den internationalen Börsen ist davon bislang jedoch erstaunlich wenig zu spüren. Im Gegenteil: Der US-Leitindex S&P 500 und mehrere asiatische Aktienmärkte haben zuletzt neue Höchststände erreicht. Für Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, ist diese Entwicklung zwar bemerkenswert, aber durchaus erklärbar. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht. „Eine gute Balance zwischen dem aktuellen Wachstumsversprechen an den Aktienmärkten und krisenfesteren Positionen auf der Anleihenseite bleiben das Gebot der Stunde“, erklärt Galler.

Anleger gewöhnen sich an geopolitische Krisen wie den Nahostkonflikt

Nach Einschätzung des Strategen gibt es mehrere Gründe dafür, weshalb die Märkte trotz geopolitischer Spannungen bislang stabil bleiben. Der erste Faktor sei ein zunehmender Gewöhnungseffekt bei Investoren. Viele politische und geopolitische Risiken hätten in den vergangenen Monaten nur kurzfristige Kursreaktionen ausgelöst. Anleger nutzten Rücksetzer inzwischen verstärkt zum Einstieg oder Nachkauf.

„Eine drastische Anpassung einer Position entweder am ‚Tag der Befreiung‘, als Präsident Trump hohe Gegenzölle ankündigte, oder aufgrund von Trumps Ambitionen, Grönland zu erwerben, hätte sich im Nachhinein als unangebracht erwiesen“, sagt Galler. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass sich viele Krisen schneller beruhigten als zunächst befürchtet. Diese Erwartungshaltung stütze aktuell die Risikobereitschaft an den Börsen zusätzlich.

Inflation belastet weniger als befürchtet

Ein weiterer Grund für die robuste Marktverfassung liegt laut J.P. Morgan darin, dass Investoren derzeit eher Inflationsrisiken als Wachstumsprobleme einpreisen. Besonders zyklische Branchen wie Industrie und Grundstoffe hätten sich vergleichsweise stark entwickelt. „Wir haben gesehen, dass sich zyklische Sektoren wie Industrie und Grundstoffe im Vergleich zu defensiven Sektoren gut gehalten haben“, so Galler.

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Auch Rohstoffe wie Kupfer oder Währungen wie der australische Dollar hätten sich überraschend widerstandsfähig gezeigt. Dagegen entwickelten sich klassische sichere Häfen wie Gold, Schweizer Franken oder Staatsanleihen schwächer als historisch üblich. Die Hoffnung vieler Marktteilnehmer richtet sich dabei auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus. Nach Einschätzung von J.P. Morgan könnten strategische Öl- und Treibstoffreserven kurzfristige Engpässe abfedern. Gleichzeitig wirkten zusätzliche staatliche Investitionen stabilisierend auf die Weltwirtschaft.

„An den Aktienmärkten wird zudem freudig zur Kenntnis genommen, dass zusätzliche Staatsausgaben in Verteidigung und zur Begrenzung des Treibstoffkostenanstiegs die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stützen“, erklärt Galler. Parallel dazu halte der globale Investitionsboom rund um Infrastruktur und Künstliche Intelligenz weiter an und liefere zusätzliche Wachstumsimpulse.

Energiesektor profitiert besonders stark

Als dritten Stabilitätsfaktor nennt der Kapitalmarktstratege die insgesamt robuste Wirtschaftslage vor Beginn der Krise. In vielen Regionen seien die Gewinnerwartungen für Unternehmen zuletzt sogar angehoben worden. „In den meisten Aktienregionen wurden die Gewinnerwartungen nach oben korrigiert. Grundsätzlich kommt eine moderat höhere Inflation den Aktien zugute, da Unternehmensumsätze in nominalen Zahlen ausgewiesen werden“, sagt Galler.

Tipp: Durch den Iran-Konflikt ist der Heizölpreis nach oben geschossen. Aktive ETFs sind in der gegenwärtigen Marktphase gefordert. Lies dir also gleich unseren Guide zu aktiven ETFs durch.

Besonders deutlich zeige sich dies derzeit im Energiesektor. Aufgrund der gestiegenen Ölpreise rechnen Analysten dort mit einem Gewinnwachstum von mehr als 40 Prozentpunkten im Jahr 2026. Damit liege der Sektor inzwischen auf einem ähnlich hohen Wachstumsniveau wie große Technologieunternehmen in den USA und Asien.

Trügerische Sicherheit

Trotz der aktuell positiven Marktstimmung sieht J.P. Morgan erhebliche Risiken, falls sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzt. Sollte die Straße von Hormus in den kommenden Wochen nicht wieder geöffnet werden, könnten die weltweiten Öl- und Treibstoffreserven schnell zur Belastungsprobe werden.

„Wie eine Sanduhr verrinnen täglich die weltweiten Öl- und Treibstoffreserven“, warnt Galler. Im Falle länger anhaltender Lieferunterbrechungen drohten massive Engpässe bei Treibstoffen, chemischen Produkten oder Helium – mit Folgen für Industrie, Landwirtschaft und die Chipproduktion weltweit.

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