
Erster BIP-Welt-ETF: So deckst du Weltwirtschaft wirklich ab
Der neue BIP-Welt-ETF gewichtet Länder nach Wirtschaftsleistung statt Börsenwert – und reduziert damit die Dominanz der USA und großer Techkonzerne.
Mit dem Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF (WKN: ETF345) startet ein ungewöhnlicher neuer Welt-ETF. Statt Länder wie üblich nach Börsenwert zu gewichten, orientiert sich der Index an der Wirtschaftsleistung der einzelnen Staaten – also am Bruttoinlandsprodukt (BIP bzw. GDP im Englischen). Damit geht Amundi bewusst einen anderen Weg als klassische Weltindizes wie FTSE All-World oder MSCI ACWI IMI.
Neuer Ansatz mit dem BIP-Welt-ETF
Viele Anleger schätzen klassische Welt-ETFs wegen ihrer einfachen globalen Diversifikation. Allerdings hat sich die Struktur dieser Indizes in den vergangenen Jahren stark verändert.
Durch die enorme Börsenbewertung großer US-Technologiekonzerne sind marktbreite Weltindizes inzwischen extrem konzentriert. Die Folge: Die USA machen häufig mehr als 60 Prozent aus. Die größten Positionen stammen fast ausschließlich aus dem US-Techsektor. Somit dominieren Einzelwerte wie Nvidia (WKN: 918422), Apple (WKN: 865985), Microsoft (WKN: 870747) oder Amazon (WKN: 906866) viele Portfolios. Kritiker sprechen deshalb zunehmend von einem versteckten Klumpenrisiko in vermeintlich breit diversifizierten Welt-ETFs. Der neue BIP-Ansatz versucht genau dieses Problem zu entschärfen. Länder sind so nicht mehr nach ihren Börsenwerten gewichtet, sondern der realen Wirtschaftskraft.
| Tipp: Du hast dieses Problem: Zu viel USA im Depot? So gehst du mit diesem Problem richtig um. |
Weg von der US-Dominanz
Das heißt für dich: Beim neuen thesaurierenden Amundi-ETF richtet sich die Ländergewichtung nicht nach der Größe der Börsen, sondern nach der wirtschaftlichen Stärke der jeweiligen Volkswirtschaften. Das verändert die Struktur deutlich:
- USA werden spürbar niedriger gewichtet
- Schwellenländer gewinnen an Bedeutung
- China und Indien erhalten höhere Anteile
- die Abhängigkeit von wenigen US-Techwerten sinkt
Innerhalb der einzelnen Länder bleiben die Aktien zwar weiterhin nach Marktkapitalisierung gewichtet. Die Länderaufteilung orientiert sich jedoch an den BIP-Daten.
Anleger mussten sich BIP-Portfolios bisher selbst bauen
Die Idee hinter dem Ansatz ist unter ETF-Anlegern nicht neu. Wer sein Portfolio stärker an der globalen Wirtschaftsleistung ausrichten wollte, musste sich entsprechende Strategien bislang allerdings selbst zusammenbauen.
Besonders beliebt waren sogenannte 70/30-Portfolios:
- 70 Prozent Industrieländer
- 30 Prozent Schwellenländer
Damit wollten Anleger die starke USA-Lastigkeit klassischer Weltindizes reduzieren und Schwellenländer stärker berücksichtigen. Die 70/30-Variante ist eine Mischkalkulation aus Marktkapitalisierung und realer Wirtschaftskraft. Der neue Amundi-ETF forciert und automatisiert diesen Gedanken nun erstmals in einem einzigen Welt-ETF.
| Tipp: Erfahre mehr über das 70/30 ETF-Portfolio. |
Interessant für extraETF-Nutzer
Gerade in diesem Zusammenhang spielt auch der extraETF Portfolio Tracker seine Stärken aus. Anleger können dort einfach analysieren:
- wie hoch der aktuelle USA-Anteil im Portfolio ist,
- wie stark einzelne Techwerte gewichtet sind,
- welchen Anteil Schwellenländer ausmachen,
- und wie sich alternative Weltportfolio-Ansätze unterscheiden.
Wer bislang mehrere ETFs für ein 70/30-Portfolio kombiniert hat, kann außerdem prüfen, ob etwa der BIP-ETF die Portfolio-Struktur vereinfachen könnte.
Aber: Historisch lief der Ansatz zuletzt schwächer
Der neue Ansatz hat allerdings auch Nachteile. Denn die starke Performance der vergangenen Jahre kam vor allem aus den USA und insbesondere von großen Technologiewerten. Ein BIP-gewichteter Ansatz hätte diese Entwicklung bewusst geringer gewichtet – und damit historisch schwächer abgeschnitten als klassische marktkapitalisierte Weltindizes. Das muss aber nichts für die Zukunft heißen. Du solltest nur wissen: Anleger setzen hier also indirekt darauf, dass sich die extreme Dominanz des US-Techsektors langfristig wieder etwas normalisiert.
| Tipp: Erfahre mehr über das Investieren in Welt-ETFs. |
Für wen eignet sich der BIP-Welt-ETF?
Der Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF ist kein klassischer Standard-Welt-ETF, sondern ein bewusster Gegenentwurf zur aktuellen Marktstruktur.
Für Anleger, die:
- weniger USA-Abhängigkeit möchten,
- das Tech-Klumpenrisiko reduzieren wollen,
- Schwellenländer stärker berücksichtigen möchten,
- oder ein stärker an der Weltwirtschaft orientiertes Portfolio suchen,
könnte der ETF eine interessante Alternative sein.
Vor allem schließt Amundi damit eine echte Marktlücke: Bisher mussten Anleger eine BIP-orientierte Gewichtung meist umständlich selbst über mehrere ETFs nachbauen. Jetzt gibt es dafür erstmals eine einfache UCITS-Lösung in nur einem Produkt. Der ETF ist mit einer Gesamtkostenquote von 0,30 Prozent etwas teurer als marktkapitalisierte Welt-ETFs.