3. Februar 2026
Zu viel USA im Depot? So gehst du mit diesem Problem richtig um

Zu viel USA im Depot? So gehst du mit diesem Problem richtig um

Ein Welt-ETF verspricht breite Streuung – liefert aber immer mehr USA. Warum das zum Risiko wird und wie du dein Portfolio sinnvoller ausbalancierst.

Ein ETF auf den Weltaktienmarkt gilt als unkomplizierter Einstieg in die Geldanlage. Ein Produkt, ein Kauf, maximale Streuung – so die Erwartung vieler Privatanleger. In der Realität hat sich diese Idee jedoch deutlich verschoben. Große Welt-Indizes werden nach Marktkapitalisierung gewichtet, und diese wird heute klar von US-Aktien dominiert. Mehr als 60 Prozent des Indexgewichts entfallen bei globalen Industrie- und Schwellenländer-ETFs inzwischen auf die Vereinigten Staaten. Beschränkt man sich auf den MSCI World – also rein auf Industriestaaten – ist der Anteil noch höher. Dein Investment ist damit global im Namen, aber stark national geprägt.

USA-Techwerte: Erfolg von gestern wird zum Risiko von morgen

Die starke Stellung der USA ist das Ergebnis einer langen Phase überdurchschnittlicher Renditen, insbesondere im Technologiesektor. Große Konzerne haben nicht nur Gewinne gesteigert, sondern auch ihre Bewertung. Genau hier liegt das Problem für dein Depot. Hohe Bewertungen bedeuten hohe Erwartungen. Bleiben diese aus oder dreht das Marktumfeld, kann die Korrektur umso schmerzhafter ausfallen. Die vermeintliche Sicherheit eines Welt-ETF entpuppt sich dann als konzentrierte Wette auf wenige Titel und einen Markt.

Warum selbst Investmentbanken umdenken

Dass die Dominanz der USA kein Naturgesetz ist, zeigt der Blick auf aktuelle Prognosen. Goldman Sachs etwa erwartet, dass die besten Renditechancen der kommenden Jahre nicht mehr in den USA liegen. Stattdessen rücken Regionen in den Fokus, die lange Zeit schwächer liefen, deren Bewertungen aber deutlich attraktiver sind. Vor allem Schwellenländer gelten als potenzielle Gewinner, weil wirtschaftliches Wachstum und demografische Trends dort günstiger ausfallen als in reifen Märkten.

Doch auch hiesige Aktienmärkte sollte man nicht abschreiben. Europa sieht Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, weiter attraktiv. Die sogenannten Granolas – große europäische Wachstumsunternehmen aus Gesundheit, IT und Konsum – böten vergleichbares Wachstum zu günstigeren Bewertungen. „Wir trauen den Granolas sogar zu, die ‚Mag 7‘ zu schlagen. Wir sehen dort ähnliches Wachstum zu etwas günstigerem Preis“, führt Galler aus. Das Bewertungsniveau der Aktien aus Europa sei insgesamt „weit weg von Euphorie“. Bewertungssteigerungen waren in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu den USA oder Ländern wir Taiwan oder Korea geringer ausgeprägt.

Dein Dilemma als Privatanleger

Für dich als Privatanleger entsteht daraus ein klassisches Dilemma. Du willst einfach investieren, nicht ständig umschichten und dennoch global aufgestellt sein. Gleichzeitig übernimmst du mit einem klassischen Welt-ETF automatisch eine immer stärkere US-Lastigkeit – oft ohne dir dessen bewusst zu sein. Das Risiko ist weniger ein kurzfristiger Kurseinbruch als eine langfristig enttäuschende Rendite bei gleichzeitig hoher Abhängigkeit von einem Markt.

Bewusste Gewichtung statt blinder Index-Treue

Eine mögliche Antwort liegt darin, sich von der reinen Marktkapitalisierung zu lösen. Statt den größten Markt automatisch am stärksten zu gewichten, setzen alternative Ansätze auf eine ausgewogenere regionale Verteilung. Denkbar wäre etwa eine Gewichtung, die sich je zur Hälfte nach Marktkapitalisierung sowie Bruttoinlandsprodukt richtet. Das ist etwa beim L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF (Acc) (WKN: WELT0A) der Fall. Somit wird der US-Anteil bewusst gesenkt und Europa sowie Schwellenländern werden mehr Raum im Portfolio geboten.

Doch möchtest noch näher an der realen Wirtschaftskraft liegen? Dann ist eine Mehr-ETF-Lösung ein Ansatz. Schau dir hierzu einfach mal das 35/25/30/10 ETF-Portfolio an. Ziel ist nicht die Abkehr von den USA, sondern eine realistischere Abbildung der globalen Wirtschaft. 

Tipp: Deine aktuellen Gewichtungen kannst du leicht mit dem extraETF Portfolio Tracker einsehen und ständig überwachen.

Warum mehr Streuung auch mehr Gelassenheit bringt

Ein breiter aufgestelltes Portfolio profitiert von unterschiedlichen Konjunkturzyklen, Währungsbewegungen und Bewertungsniveaus. Das sorgt langfristig für Stabilität und hilft dir, investiert zu bleiben, auch wenn einzelne Regionen schwächeln. Gerade in Phasen, in denen US-Aktien nicht mehr der klare Renditetreiber sind, kann sich diese Gelassenheit auszahlen.

Fazit: Weltweit investieren heißt Verantwortung übernehmen

US-Aktien bleiben ein wichtiger Bestandteil globaler Portfolios. Doch sie müssen nicht automatisch übermäßig dominieren. Wer sich bewusst mit der Zusammensetzung von Welt-Indizes auseinandersetzt, gewinnt Kontrolle über Risiken und Chancen. Für Privatanleger bedeutet das: Nicht jeder Welt-ETF ist automatisch die beste Lösung – manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Gewichtung selbst in die Hand zu nehmen. Nutze zur permanenten Überwachung ab sofort den extraETF Portfolio Tracker.

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