
Europa statt USA: Günstige Bewertungen und neue Chancen für Investoren
Europa rückt für Anleger in den Fokus: Günstige Bewertungen, massive Investitionsprogramme und Experten, die den USA geringere Renditen zutrauen.
Nach Jahren, in denen der globale Aktienmarkt vor allem von den USA dominiert wurde, rücken europäische Aktien zunehmend in den Fokus von Investoren. „Der Aktienmarkt-express scheint nicht aufzuhalten zu sein. Doch Anlegerinnen und Anleger sollten sich gerade mit Blick auf das Technologie- und KI-Risiko besser absichern“, mahnt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Gerade im US-Aktienmarkt sind jene Titel besonders stark vertreten. Den US-Anteil zu senken, könnte aber nicht nur aufgrund des Branchenrisikos sinnvoll sein. Denn in Sachen Performance sehen die Experten von Goldman Sachs auf Sicht der kommenden zehn Jahre ganz andere Staaten und Regionen vorn.
Peter Oppenheimer, Chefstratege für globale Aktien bei Goldman Sachs, der die schwächere Entwicklung der Wall Street für 2025 bereits zuvor korrekt vorhergesehen hatte, geht davon aus, dass sich dieser Trend sogar langfristig verfestigt. Entsprechend rechnet er auf Sicht der nächsten zehn Jahre mit einer Underperformance von US-Titeln und traut dem S&P 500 jährlich 6,5 Prozent. In Europa sieht er 7,1 Prozent im Jahr für Jahr. Oppenheimers Team rät Anlegern daher derzeit, ihre Portfolios breiter aufzustellen und verstärkt außerhalb der USA zu investieren, da hohe Bewertungen die weiteren Kurschancen begrenzen. Die aktuelle Marktphase bietet für Anleger in Europa ein spannendes Kontrast- und Chancenfeld – nicht nur aufgrund attraktiver Bewertungen, sondern auch wegen massiver staatlicher Investitionsprogramme, die mittel- bis langfristig Wachstum und Innovationskraft in Europa stärken könnten.
Bewertungen: Europa günstiger als die USA
Ein zentrales Argument für europäische Aktien sind die vergleichsweise niedrigeren Bewertungen. Während US-Aktien – insbesondere Technologie- und Wachstumswerte – in den vergangenen Jahren teils deutlich teuer bewertet waren, notieren europäische Aktien im historischen Vergleich moderater. Studien zeigen, dass der Bewertungsabschlag europäischer Aktien gegenüber US-Titeln erheblich ist und sich teils auf mehrere zehn Prozentpunkte belaufen kann. Das bedeutet: Europäische Titel sind im Verhältnis zu ihren US-Pendents günstiger bewertet, gemessen etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Der MSCI Europe kommt auf ein KGV von 15. Beim S&P 500 liegt dieser Wert bei 22.
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Diese Bewertungsdifferenz ist nicht nur eine statistische Größe, sondern wirkt als Potenzial für Anleger: Niedrigere Einstiegspreise können – vorausgesetzt es kommt zu einer Normalisierung der Bewertung – über Renditen der kommenden Jahre positiv wirken. Gleichzeitig besteht bei europäischen Aktien eine breitere Marktstruktur, in der nicht wenige Unternehmen stark von technologischer Konzentration dominiert werden, wie es etwa beim US-Markt der Fall ist.
Investitionsprogramme als Wachstumstreiber
Ein weiterer wesentlicher Faktor sind die umfangreichen Investitionsprogramme in Europa, die mittlerweile politische und wirtschaftliche Maßnahmen bündeln, um Infrastruktur, Digitalisierung, Energie- und Verteidigungsprojekte voranzubringen. Diese Programme sollen nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, sondern auch konjunkturelle Impulse setzen – mit potenziellen positiven Effekten für europäische Unternehmen und Kapitalmärkte. In Deutschland etwa wird der Ausbau von Infrastruktur, erneuerbaren Energien und technologischer Ausstattung verstärkt vorangetrieben, flankiert durch EU-Programme zur Stärkung der Binnenwirtschaft und strategischen Autonomie. Analysten sehen darin nicht nur fiskalpolitische Maßnahmen, sondern strukturelle Veränderungen, die den europäischen Wirtschaftsraum nachhaltig stärken können. David Lump, ETF-Vertrieb im deutschsprachigen Raum bei HANetf, bringt diese Dimension pointiert auf den Punkt: „Das europäische Investitionsprogramm ist umfangreicher als der damalige Marshallplan.“ Das verdeutlicht die historische Bedeutung der aktuellen Investitionsanstrengungen.
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So ambitioniert diese Aussage klingt, sie verdeutlicht, wie tiefgreifend sich Europas politischer Kurs in Richtung wirtschaftlicher Stärkung und Infrastrukturentwicklung gewandelt hat – mit potenziellen Effekten für Binnenmarktwachstum und Unternehmensgewinne, die Anleger beachten sollten.
Europa vs. USA: Wachstum und Risiken
Trotz der günstigeren Bewertungen und der Investitionsimpulse bleibt die Entwicklung in Europa nicht frei von Herausforderungen. Einige Analysten halten die relative Schwäche des Wirtschaftswachstums in Europa im Vergleich zu den USA für ein Risiko, während andere die neu entstehende Dynamik als Chance sehen. Die größer werdende Fiskal- und Industriestrategie könnte mittelfristig dazu beitragen, die strukturellen Unterschiede zwischen den Regionen zu verringern und europäische Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.
Breite auf Europa setzen
Für Anleger bedeutet das: Europa bietet eine andere Risikodiversifikation als die USA – mit Wertpotenzial, aber auch mit wirtschaftspolitischen und strukturellen Herausforderungen, die berücksichtigt werden müssen. Die breitere Sektorstruktur und die geringere Dominanz einzelner Giganten machen europäische Aktien für viele Investoren zu einer attraktiven Ergänzung zu US-Wachstumsaktien, gerade im Value-Segment und bei Unternehmen, die stärker von Infrastruktur- und Industrieausgaben profitieren. Du solltest jetzt aber nicht auf Krampf versuchen, die europäischen Perlen herauszufiltern, sondern breit auf Europa-ETFs setzen. Hier bieten sich etwa Produkte auf den MSCI Europe an. Wer gezielt auf die Investitionsprogramme für mehr Unabhängigkeit in Europa setzen möchte, kann sich auch den HANetf Making Europe Great Again UCITS ETF (WKN: A3EB32) näher ansehen, den wir im Video unten vorstellen.
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Fazit: Europa bietet Chancen
Die Anlage-Chancen in Europa liegen aktuell vor allem in zwei Segmenten: Zum einen die Bewertungsvorteile gegenüber teurer US-Marktbewertung, die ein Aufholpotenzial bieten können. Zum anderen sehen wir massive Investitionsprogramme, die das Fundament für nachhaltiges Wachstum legen könnten – historisch ambitioniert, wie es der Vergleich mit dem Marshallplan suggeriert. Europa kann ein wichtiger Baustein für Diversifikation und langfristiges Wachstum sein – insbesondere für solche, die nicht ausschließlich auf US-Technologiewerte setzen wollen, sondern auf eine breitere, unterbewertete Marktbasis mit strukturellem Wachstumspotenzial. Wichtig: Wenn du eine Europa-Position hinzunimmst, solltest du den Überblick bewahren. Der extraETF Portfolio Tracker zeigt dir genau auf, welche Regionen vertreten sind und gibt dir zusätzliche tiefe Einblicke.