29. August 2026

Ausbildungsstart 2026: Bis zu 159.000 Euro Unterschied beim Altersvorsorgedepot

Zum Ausbildungsstart lohnt sich ein Blick aufs neue Altersvorsorgedepot – und vor allem auf die Kostenquote deines Anbieters.

Mit dem Ausbildungsstart im September bekommen viele junge Menschen zum ersten Mal ein regelmäßiges eigenes Einkommen. Und fast genauso schnell ist es auch wieder verplant: Miete, Handyvertrag, Bahnticket, das erste eigene Auto vielleicht. Fürs Sparen bleibt da gefühlt wenig übrig – und Altersvorsorge klingt für 18-Jährige ohnehin nach einem Problem der fernen Zukunft. Genau dieser Gedanke kann sich aber als teurer Fehler erweisen. Denn beim Vermögensaufbau zählt weniger, wie viel du am Monatsende zurücklegst, sondern vor allem, wie früh du damit anfängst.

Beginne mit dem Ausbildungsstart mit dem Sparen

„Der teuerste Satz, den ein 18-Jähriger sagen kann, lautet: ‚Ich fange mit dem Sparen an, wenn ich mehr verdiene.‘ Am Kapitalmarkt ist ein früher Einstieg häufig wichtiger als eine hohe Sparrate. Wer mit dem ersten Gehalt einen kleinen, aber regelmäßigen Betrag zurücklegt, schafft früh eine Sparroutine und gibt seinem Geld Jahrzehnte, um zu wachsen“, sagt Jens Chrzanowski, Deutschland-Chef des Online-Brokers XTB.

25 Euro schlagen 100 Euro: ein Rechenbeispiel

Wie groß der Zeitvorteil ausfallen kann, zeigt ein vereinfachtes Beispiel aus einer aktuellen XTB-Analyse: Azubi Anna beginnt mit 18 Jahren und legt bis zu ihrem 67. Geburtstag monatlich 25 Euro zurück. Bei einer angenommenen Rendite von 7,2 Prozent pro Jahr – in etwa der langfristigen Durchschnittsrendite des MSCI World – zahlt sie über die Jahre insgesamt 14.700 Euro ein. Rechnerisch könnten daraus rund 112.000 Euro werden.

Übrigens: Immer noch wird der MSCI World als Benchmark gewählt, doch es geht wesentlich breiter. Jüngst kam der breiteste Welt-ETF heraus: Vanguard startet extrem breiten Welt-ETF für nur 0,07 % TER.

Thomas will ebenfalls fürs Alter vorsorgen, wartet damit aber bis 40. Um das aufzuholen, legt er monatlich 100 Euro zurück, also viermal so viel wie Anna. Bis 67 zahlt er insgesamt 32.400 Euro ein – mehr als das Doppelte von Anna. Trotzdem kommt er im selben Modell nur auf rund 94.000 Euro Endvermögen.

Anna zahlt also weniger als die Hälfte ein und liegt am Ende trotzdem vorn. Ihr Vorteil: 22 zusätzliche Jahre, in denen der Zinseszinseffekt arbeiten konnte. Erträge bleiben investiert und erwirtschaften in den Folgejahren selbst wieder neue Erträge – ein Effekt, der anfangs kaum auffällt, sich über Jahrzehnte aber deutlich bemerkbar macht.

Hinweis: Es handelt sich um eine vereinfachte Modellrechnung auf Basis einer historischen Durchschnittsrendite. Historische Wertentwicklungen sind keine Garantie für künftige Erträge.

ETF oder Einzelaktie – und was, wenn das Geld knapp ist?

Für den Einstieg musst du dir keine komplizierten Portfolio-Gedanken machen. Ein ETF bildet einen Index nach und verteilt dein Geld automatisch auf viele Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen – teils mehrere Hundert oder Tausend auf einmal. Das senkt deine Abhängigkeit von einzelnen Aktien.

Bei Einzelaktien beteiligst du dich dagegen gezielt an einem bestimmten Unternehmen. Läuft es gut, profitierst du unmittelbar – läuft es schlecht, trifft dich das aber auch direkt. Einzelaktien bieten also mehr Chancen, aber auch ein höheres unternehmensspezifisches Risiko. Über so genannte Teilaktien (Fractional Shares) lassen sich mittlerweile auch Bruchteile teurer Aktien oder ETF-Anteile kaufen, sodass sich selbst kleine Sparbeträge streuen lassen.

„Für Einsteiger gilt: lieber einfach und verständlich als vermeintlich besonders clever. Ein breit gestreuter ETF kann daher für die meisten ein guter Ausgangspunkt sein. Wer zusätzlich einzelne Aktien auswählt, sollte wissen, warum er sich an einem Unternehmen beteiligt und auch mit stärkeren Kursschwankungen umgehen können“, erklärt Chrzanowski.

Tipp: Wie ein passender ETF-Sparplan aussehen kann und welcher Anbieter zu dir passt, zeigt dir der ETF-Sparplan-Vergleich.

Bei kleiner Sparrate zählt jeder Euro

Je kleiner die monatliche Sparrate, desto stärker schlagen Gebühren durch. Kostet eine Ausführung zum Beispiel 1,50 Euro, fließen bei einer Sparrate von 25 Euro nur noch 23,50 Euro tatsächlich in die Anlage – sechs Prozent des Betrags sind damit weg, bevor überhaupt investiert wurde. Über Jahrzehnte kommt so eine Summe zusammen, die nicht der eigenen Vorsorge, sondern allein den Ordergebühren zugutekommt.

„Kleine Sparraten sind kein Spielgeld, denn gerade bei jungen Menschen entscheidet jeder Euro darüber, wie viel tatsächlich investiert wird. Deshalb lohnt es sich, die Kosten eines Sparplans genau anzusehen. Wer früh startet und regelmäßig investiert, sollte unnötige Gebühren nicht über Jahrzehnte mitschleppen“, sagt Chrzanowski.

Beispielrechnung: So viel macht der Anbieter beim Altersvorsorgedepot aus

Allein die Kostenquote entscheidet über rund 159.000 Euro mehr Kapital bei Rentenbeginn – das zeigt ein Vergleich zwischen einem teuren und einem günstigen Anbieter, bei identischer Sparrate, identischem Einkommen und identischer Rendite.

Ab dem 1. Januar 2027 gibt es mit dem Altersvorsorgedepot (AVD) erstmals eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die konsequent auf ETFs setzt: Zulagen von bis zu 540 Euro im Jahr, eine Kinderzulage von 300 Euro je Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag. Wer die Ausbildung mit 18 beginnt und mit 21 abschließt, fällt bei einem Vertragsabschluss direkt nach der Ausbildung noch problemlos in dieses Fenster.

Tipp: Informiere dich jetzt schon zum Ausbildungsstart: Alles über das Altersvorsorgedepot.

Damit sich das Einkommen realistisch abbilden lässt, lohnt es sich, nicht mit dem Azubi-Gehalt zu rechnen, sondern mit dem ersten Gehalt nach der Ausbildung. Nimm als Beispiel eine 21-jährige Person (Geburtsjahr 2005), die ihre Ausbildung gerade abgeschlossen hat und ab jetzt ein reguläres Einstiegsgehalt bezieht. Mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner lässt sich damit ein konkretes Beispiel durchrechnen – bei einer monatlichen Sparrate von 150 Euro (max. Förderung), einem heutigen Einkommen von 40.000 Euro und einem angenommenen Einkommen von 24.000 Euro im Ruhestand, ohne Kinder und mit einer Bruttorendite von sieben Prozent in der Ansparphase:

 Teurer Anbieter (1,0 Prozent Kosten)Günstiger Neobroker (0,15 Prozent Kosten)
Eingezahlt bis 6781.000 Euro81.000 Euro
Kapital bei Rentenbeginn552.747 Euro712.182 Euro
Monatliche Nettorente2.232,08 Euro2.953,15 Euro
Quelle: extraETF.com

Der Unterschied von rund 159.000 Euro Kapital und gut 721 Euro mehr monatlicher Nettorente entsteht allein durch die Kostenquote – Sparrate, Einkommen und Rendite sind in beiden Fällen identisch. Die 0,15 Prozent orientieren sich an den von Scalable Capital für sein geplantes Altersvorsorgedepot angekündigten Konditionen: Depotführung, Sparplanausführungen sowie Ein- und Auszahlungen sollen kostenfrei sein, es fallen nur die laufenden ETF-Kosten von maximal 0,15 Prozent pro Jahr an. Auch andere Neobroker dürften sich daran orientieren.

Der teurere Vergleichswert von 1,0 Prozent entspricht dem gesetzlichen Kostendeckel für das Standarddepot. Verbindlich sind Scalable Capitals Zahlen zwar erst mit der offiziellen Zertifizierung, sie zeigen aber schon jetzt, wie groß allein der Kostenunterschied zwischen Anbietern ausfallen kann – gerade bei jungen Sparern, die häufiger zu einem Neobroker greifen als zu einer klassischen Filialbank.

Die Beispiele zeigen vor allem eines: Schon eine kleine, aber früh gestartete Sparrate profitiert über Jahrzehnte sowohl vom Zinseszinseffekt als auch von der staatlichen Förderung. Wie hoch das Kapital zum Rentenbeginn und die spätere monatliche Nettorente konkret ausfallen, hängt stark von der individuellen Einkommens- und Steuersituation sowie der gewählten Sparrate ab – deshalb lohnt sich der direkte Blick in den Rechner statt einer pauschalen Modellrechnung.

VL-Sparen: zusätzliches Sparpotenzial durch den Arbeitgeber

Zum Ausbildungsstart sollest du außerdem prüfen, ob dein Ausbildungsbetrieb vermögenswirksame Leistungen (VL) zahlt. Diese Arbeitgeberzuschüsse lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen auch in einen ETF-Sparplan einzahlen und so mit dem eigenen Vermögensaufbau kombinieren. Alles Wichtige dazu erfährst du in unserem Beitrag zu VL-Sparen mit ETFs.

Ausbildungsstart: Erst der Notgroschen, dann die Börse

So wichtig der frühe Einstieg ist: Nicht das gesamte verfügbare Geld gehört ins Depot. Vor dem ersten Investment sollte eine Rücklage für unerwartete Ausgaben stehen – geht das Smartphone kaputt oder steht eine Reparatur an, sollten dafür keine Wertpapiere in einer schwachen Marktphase verkauft werden müssen. Dieser Notgroschen gehört nicht an die Börse, sondern auf ein Tagesgeldkonto, wo er täglich verfügbar bleibt und trotzdem verzinst wird. Wo du aktuell die besten Konditionen findest, zeigt dir der Tagesgeld-Vergleich. Auch teure Schulden haben in der Regel Vorrang vor dem langfristigen Vermögensaufbau. Danach zählt vor allem eine Sparrate, die zum eigenen Alltag passt und sich auch in teureren Monaten durchhalten lässt.

Den Überblick behalten: mit dem extraETF Portfolio Tracker

Sobald der erste Sparplan läuft, lohnt sich auch der Blick auf das große Ganze. Mit dem extraETF Portfolio Tracker behältst du all deine Depots, ETFs und Sparpläne an einem Ort im Blick – egal bei welchem Broker sie liegen. Du siehst auf einen Blick, wie sich dein Vermögen entwickelt, wie hoch deine Rendite tatsächlich ausfällt und wie gut dein Portfolio gestreut ist, etwa nach Ländern, Branchen oder Anbietern. Gerade zum Ausbildungsstart hilft das, eine Gewohnheit daraus zu machen: Wer sieht, wie der erste kleine Betrag über die Jahre wächst, bleibt eher dabei – und genau das ist beim Vermögensaufbau am Ende entscheidender als die Höhe der ersten Sparrate.