
710 Euro mehr Rente: Warum Junge beim Altersvorsorgedepot nicht zögern sollten
Nur jeder Dritte unter 35 traut sich eine sichere Rente zu – dabei profitieren gerade junge Sparer am meisten vom neuen Altersvorsorgedepot ab 2027. So geht es.
Ruhestand? Für die meisten 20- oder 25-Jährigen fühlt sich das an wie ein Thema für die eigenen Eltern. Und doch zeigt eine aktuelle Umfrage von J.P. Morgan Asset Management ein überraschendes Bild: Gerade die Generation, die theoretisch am meisten Zeit hat, um Vermögen aufzubauen, blickt am skeptischsten in die eigene Rentenzukunft. Nur gut jeder Dritte der 18- bis 34-Jährigen in Deutschland ist zuversichtlich, sich im Ruhestand den gewünschten Lebensstandard leisten zu können – 35 Prozent, verglichen mit 47 Prozent in der mittleren und 46 Prozent in der älteren Altersgruppe.

Hauptgrund für die Unsicherheit: fehlendes Wissen. 38 Prozent der 18- bis 34-Jährigen nennen das als Hauptursache – fast doppelt so viele wie in der mittleren Altersgruppe (19 Prozent). Doch gerade als junger Mensch wäre es schade nicht zu investieren. Denn die lange Anlagedauer ist dank Zinseszins ein riesiger Hebel.

Zum 1. Januar 2027 soll das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot kommen. „Eine neue, erklärungsbedürftige Vorsorgeform trifft genau auf jene Wissenslücke, die viele junge Menschen als zentrale Unsicherheit benennen. Finanzbildung und verständliche Aufklärung sind deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Altersvorsorgedepot auch in der Breite zum Erfolg wird“, sagt Holger Schröm, Leiter Finanzdienstleister bei J.P. Morgan Asset Management. Wir denken daher, du solltest bereits heute darüber Bescheid wissen, so dass du loslegen kannst, sobald die entsprechenden Produkte da sind. Erfahre, was dir das Konzept in Euro ausgedrückt bringen könnte.
Was das Altersvorsorgedepot anders macht
Bisherige geförderte Altersvorsorge war vor allem eines: starr, mit Garantiepflicht und lebenslanger Rentenauszahlung. Genau das entfällt beim Altersvorsorgedepot, das laut Experten die größte Reform seit Einführung der Riester-Rente darstellt. Das öffnet die Tür zu mehr Aktienquote und Wachstumspotenzial. „Das Altersvorsorgedepot bietet gerade für junge Menschen die Chance, sich unterstützt vom Staat in höher rentierlichen Anlageklassen zu engagieren und die Scheu gegenüber dem Kapitalmarkt abzulegen. Damit ist eine bessere Altersabsicherung gegenüber klassischen Sparformen wie Sparbuch oder Tagesgeld zu erwarten – und das staatlich gefördert“, so Schröm.
Wichtig für dich zu wissen: Es gibt ein Standardprodukt mit starrem Ablaufschema (Risikoanteil sinkt automatisch fünf bzw. drei Jahre vor Auszahlung) und flexible, aktiv gemanagte Varianten mit individuellem Ablaufmanagement und Rebalancing – etwa über breit gestreute Multi-Asset-ETFs. Fünf Jahre vor der Auszahlung wird der Risikoanteil halbiert, drei Jahre vorher auf 30 Prozent gesenkt – unabhängig von der Marktlage.
Die staatliche Förderung über Grund- und Kinderzulagen gilt in beiden Fällen. Ein Kostendeckel von maximal 1,0 Prozent pro Jahr gilt allerdings nur für das Standardprodukt – bei anderen Angeboten lohnt sich ein Blick auf die Gebühren, da sie den Renditevorteil schmälern können. Hier dürften dann Ende des Jahres mehr und mehr konkrete Produkte bekannt werden.
Ausführliche Details zu Förderstaffel, Steuer, Auszahlungswegen, Anbieterwechsel und dem aktuellen Gesetzgebungsstand findest du in unserem Wissensbeitrag zum Altersvorsorgedepot.
Die Zahlen dahinter: Je früher, desto größer der Effekt
Wie stark sich der lange Zeithorizont auszahlt, zeigen Modellrechnungen des digitalen Vermögensverwalters Growney. Basis ist eine angenommene Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr – historisch nicht unüblich für Aktien, aber keine Garantie für die Zukunft. Verglichen wird jeweils mit einem normalen, ungeförderten ETF-Sparplan.
Altersvorsorgedepot – Beispielrechnungen
| Beispiel | Sparrate/Monat | Vermögen zum Renteneintritt ohne Förderung | Vermögen zum Renteneintritt mit Altersvorsorgedepot | Vorteil pro Person monatlich |
|---|---|---|---|---|
| 22-Jährige/r, ledig | 100 € | 214.769 € | 381.905 € | 710 € |
| 30-Jährige, 1 Kind | 100 € | 134.197 € | 252.892 € | 533 € |
| 30-Jährige, ohne Kind | 150 € | 201.296 € | 327.522 € | 475 € |
| 40-Jährige, 2 Kinder | 200 € | 282.675 € | 436.651 € | 261 € |
| 50-Jährige, Paar | 300 € | 196.586 € | 247.155 € | 4 € |
| Quelle: Growney-Modellrechnungen (Stand: Mai 2026), Annahme: 6,5 % Rendite p.a., Vergleich mit weltweit gestreutem ETF-Sparplan ohne Förderung. | ||||
Die Botschaft: Beim 22-Jährigen bleibt von rund 167.000 Euro mehr Vermögen auch bei der Rente ein deutliches Plus übrig. Beim 50-Jährigen schmilzt derselbe Fördereffekt wegen der vollen Besteuerung fast komplett zusammen – der Zeithorizont entscheidet. Wichtig dabei: Das sind geglättete Durchschnittswerte. Aktienportfolios können über Jahre im Minus liegen, und mehr Renditechancen bedeuten immer auch mehr Risiko. Allerdings zeigen langfristige Betrachtungen des globalen Aktienmarkts stets attraktive Durchschnittsrenditen – sogar häufig oberhalb der im Beispiel angenommenen 6,5 Prozent.
Für wen sich das eher nicht lohnt
Das Altersvorsorgedepot ist nicht für jeden die beste Wahl. Ein normaler ETF-Sparplan kann besser passen bei: weniger als 20 Jahren bis zur Rente, noch nicht ausgeschöpftem Sparerfreibetrag (1.000 Euro/Jahr), hohem Flexibilitätsbedarf vor dem 65. Lebensjahr, sehr risikoarmer Anlage oder größeren Einmalbeträgen über der Einzahlungsgrenze von 6.840 Euro/Jahr. Für junge Berufseinsteiger mit langem Anlagehorizont trifft davon in der Regel nichts zu. Wenn du jung bist, erscheint das Altersvorsorgedepot in der heute geplanten Form attraktiv.
Was junge Leute jetzt tun sollten
- Jetzt informieren, nicht erst 2027 – die Wissenslücke ist die größte Bremse, und wer früh startet, hat einen echten Vorsprung.
- Den eigenen Zeithorizont nutzen – je jünger beim Einstieg, desto größer der Zinseszinseffekt.
- Standard- vs. flexible Variante vergleichen, besonders mit Blick auf Ablaufmanagement und Kosten.
- Auf breite Streuung achten, etwa über Multi-Asset-Ansätze.
- Sparerfreibetrag und Bindung ans Rentenalter mitdenken, bevor man sich festlegt.
Überblick bei Depot und Altersvorsorgedepot behalten
Wer zusätzlich zum bestehenden ETF-Sparplan bald ein Altersvorsorgedepot hat, verliert schnell den Überblick. Der extraETF Portfolio Tracker führt alle Depots und Sparpläne an einem Ort zusammen, zeigt Kennzahlen zu Kosten und Diversifikation und macht Strategien direkt vergleichbar. Das Tool sowie unsere Wissensseiten versuchen genau die Unsicherheit zu überwinden, die laut Studie viele junge Menschen zurückhält, am Kapitelmarkt aktiv zu werden.
Fazit: Das Altersvorsorgedepot ist gerade für Junge interessant
Die Skepsis junger Menschen ist verständlich, beruht aber vor allem auf fehlendem Wissen, nicht auf einem echten Nachteil. Das Altersvorsorgedepot kommt 2027 genau den Sparern zugute, die noch viele Jahre bis zur Rente haben. Wer sich jetzt informiert und den eigenen Zeithorizont als Vorteil nutzt, macht aus der größten Unsicherheit den größten Vorsprung.