21. August 2026
Die Zahl der Aktionäre ist gesunken: Setze auf ETFs und spreche darüber

Kampfansage: Scalable Capital plant Altersvorsorgedepot für 0 Euro

Scalable-Capital-Chef Podzuweit kündigt ein gebührenfreies Altersvorsorgedepot an. Was Sparer jetzt zu den Konditionen wissen müssen.

Ab 2027 startet mit dem Altersvorsorgedepot der Nachfolger der Riester-Rente – und schon jetzt liefert sich die Finanzbranche ein Rennen um die günstigsten Konditionen. Den Anfang macht Scalable Capital: Als erster Anbieter hat der Neobroker konkrete Zahlen zu seinem geplanten Angebot genannt. Firmenchef Erik Podzuweit stellte die Konditionen im Interview mit der „Bild“-Zeitung vor. Auf Linkedin wurde Scalable-Capital-Marketingchef Maximilian Meyer noch deutlicher und erklärte, der Gesetzgeber habe eine Gebührenobergrenze von einem Prozent beschlossen – „Verbraucherschützer warnten, dass es immer noch viel zu hoch ist. Also haben wir es auf 0 Prozent gesetzt.“

Altersvorsorgedepot: Das plant Scalable Capital beim Standarddepot

Für das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot – gedacht für Einsteiger, die sich die ETF-Auswahl nicht selbst zutrauen – will Scalable Capital praktisch keine eigenen Gebühren verlangen:

 Geplante Kondition
Depotführung0 €
Sparplanausführungen0 €
Ein- und Auszahlungen0 €
Käufe und Verkäufe0 €
Laufende ETF-Kostenmax. 0,15 % p. a.
Laufende ETF-Kosten im 1. Jahrgeplant 0 %
Quelle: Erik Podzuweit im Bild-Interview

Kosten sollen also fast ausschließlich auf ETF-Ebene anfallen – und selbst die will Scalable Capital im Startjahr auf null senken. Zum Vergleich: Der Gesetzgeber erlaubt für das Standardprodukt Effektivkosten von bis zu einem Prozent pro Jahr.

Neben dem Standarddepot bietet Scalable Capital eine flexible Variante an, bei der Sparer ihre ETFs komplett selbst auswählen. Auch hier sollen Depotführung und Sparpläne kostenlos bleiben; bei Einzelkäufen und -verkäufen gelten dann die Konditionen des gewählten Scalable-Capital-Tarifs – im kostenlosen FREE-Modell aktuell 0,99 Euro pro Transaktion, im kostenpflichtigen PRIME+-Modell ohne zusätzliche Ordergebühr. Auf eine Beitragsgarantie will Scalable Capital bei beiden Varianten verzichten – Sparer tragen damit die Marktschwankungen selbst, können dafür aber einen größeren Teil ihres Geldes renditeorientiert anlegen. 

Tipp: Hier geht es zum Scalable Capital Depot-Test.

Warum schon ein Prozent Kosten über die Jahre so viel ausmachen

Wie stark sich schon kleine Gebührenunterschiede über eine lange Sparphase auswirken können, lässt sich am Kostendeckel selbst zeigen: Bei einer Sparphase über mehrere Jahrzehnte kann der Unterschied zwischen dem gesetzlich maximal zulässigen einem Prozent und einem günstigen Angebot wie dem von Scalable Capital mit 0,15 Prozent am Ende mehrere Zehntausend bis über hunderttausend Euro Vermögen ausmachen – abhängig von Sparrate, Laufzeit und Rendite. Gleich zeigen wir dir, wie du alle Stellschrauben für dich durchspielst und was das für dich bedeutet.

Rechne aus, was für dich rauskommt

Wie groß der Unterschied für deine persönliche Situation ausfällt, siehst du direkt mit unserem Altersvorsorgedepot-Rechner: Gib deine Sparrate und Laufzeit ein und vergleiche, wie sich ein Prozent Kosten gegenüber einem Modell wie dem von Scalable Capital auf dein Endkapital auswirken.

Wie der Rechner funktioniert und was er dir konkret aufzeigt, erklären wir dir in unserem Beitrag „Altersvorsorgedepot: Unser neuer Rechner zeigt, was für dich drin ist“ anhand von drei Beispielen.

Mit diesem Argument dürfte Scalable Capital vor allem Kunden ansprechen wollen, die aktuell noch einen der rund 15 Millionen bestehenden Riester-Verträge mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 240 Milliarden Euro halten. Diese können ins neue System wechseln, müssen es aber nicht. Scalable Capital will den Umstieg dabei so einfach wie möglich gestalten: Laut Podzuweit reicht künftig die Angabe von bisherigem Anbieter, Produkt und Vertragsnummer – den Rest sollen Anbieter und Zulagenstelle untereinander klären.

Konkurrenz muss jetzt nachziehen

Scalable Capital ist bislang der einzige Anbieter, der so konkret wird. Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken, setzt laut einem Bericht von T-Online für das Standarddepot auf aktive ETFs – ETFs also, die zwar einem Index folgen, bei denen ein Fondsmanagement aber versucht, durch Eingriffe eine bessere Wertentwicklung zu erzielen. Ob das gelingt, ist offen, dafür sind aktive ETFs in der Regel teurer. Konkrete Kosten wolle Union Investment erst im Herbst nennen. Auch andere Banken und Broker müssen sich in den kommenden Monaten positionieren.

Tipp: Weitere attraktive Anbieter dürften sich in den kommenden Wochen aus der Deckung wagen. Informiere dich jetzt schon: Alles über das Altersvorsorgedepot.

Unsere Einordnung

Dass ausgerechnet ein Neobroker als Erster mit Zahlen vorprescht, überrascht wenig – für Scalable Capital ist die Ankündigung auch ein Marketinginstrument, um sich vor der eigentlichen Markteinführung als Kostenführer zu positionieren. Wir gehen davon aus, dass es bei diesem Muster bleibt: Neobroker wie Scalable Capital oder Trade Republic haben schlankere Kostenstrukturen als klassische Banken und Fondsgesellschaften und dürften deshalb auch beim Altersvorsorgedepot tendenziell die günstigeren und flexibleren Angebote vorlegen. Wer traditionell eher bei einer Filialbank oder einem etablierten Fondsanbieter unterwegs ist, sollte die Konditionen der Neobroker daher als Vergleichsmaßstab im Hinterkopf behalten.

Trotzdem ist der Vorstoß aus Sparerperspektive erst einmal eine gute Nachricht: Er setzt einen konkreten Preisanker, an dem sich Banken und andere Broker jetzt messen lassen müssen, und macht deutlich, dass die vom Gesetzgeber erlaubte Kostenobergrenze von einem Prozent keineswegs das ist, was ein wettbewerbsfähiges Angebot kosten muss.

Wichtig bleibt aber der Blick aufs Kleingedruckte: „0 Euro“ bezieht sich bislang nur auf Depotführung und Transaktionen, nicht auf das Produkt selbst – die ETF-Kosten von 0,15 Prozent fallen weiterhin an, nur eben niedrig. Und die 0 Prozent im ersten Jahr sind ein zeitlich begrenztes Lockangebot, keine Dauerkondition. Wer sich fürs Altersvorsorgedepot entscheidet, sollte also nicht nur auf die Werbezahlen schauen, sondern warten, bis Anbieter ihre Preis- und Leistungsverzeichnisse final vorlegen – und dann gezielt vergleichen.

Ein Wort der Vorsicht gehört zudem dazu: Verbindlich sind Scalable Capitals Zahlen noch nicht. Endgültig stehen die Konditionen erst fest, wenn das Angebot zertifiziert ist und das offizielle Preis- und Leistungsverzeichnis vorliegt. Bis zum geplanten Start am 1. Januar 2027 kann sich also noch etwas ändern.