18. August 2026
Altersvorsorgedepot: Unser neuer Rechner zeigt, was für dich drin ist

Altersvorsorgedepot: Unser neuer Rechner zeigt, was für dich drin ist

Mehr Kapital heißt nicht automatisch mehr Rente. Wir haben das Altersvorsorgedepot für drei Sparertypen durchgerechnet – mit überraschendem Ergebnis.

Bei der Rentenreform wollen die meisten Deutschen vor allem eines: finanzielle Sicherheit im Alter. Das zeigt eine aktuelle INSA-Umfrage im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA): 57 Prozent der Befragten nennen die Bekämpfung von Altersarmut oder die Sicherung des Rentenniveaus als wichtigstes Reformziel – die Stärkung der privaten Vorsorge landet mit sechs Prozent weit abgeschlagen. DIA-Sprecher Peter Schwark bringt es auf den Punkt: „Deutlich wird, dass sich die Prioritäten mit den Lebensphasen verändern.“

Genau hier soll ab 2027 das Altersvorsorgedepot (AVD) ansetzen. Frisch aus dem Kabinett kommt zudem die Frühstartrente für Kinder – das AVD ist das Pendant für Erwachsene.

Unsere Einschätzung vorweg: Wir haben mehrere Sparertypen mit dem extraETF Altersvorsorgedepot-Rechner durchgerechnet – und das Ergebnis zeigt, wie stark Details wie Kinderzahl, Rendite-Annahme und vor allem die Wahl des Anbieters den Ausschlag geben. Bei einer jungen Sparerin mit zwei Kindern und einem mittleren Angestellten ohne Kinder liefert das AVD am Ende mehr Nettorente als ein ETF-Sparplan. Bei einem Sparer kurz vor der Rente kann sich das Bild dagegen umkehren, obwohl das angesparte Kapital in allen Fällen höher ausfällt als beim ETF-Sparplan.

Der Grund: Kosten von 0,5 bis 1,0 Prozent pro Jahr summieren sich über Jahrzehnte, und am Ende wird das komplette AVD-Kapital nachgelagert mit dem persönlichen Steuersatz versteuert – während ein ETF-Sparplan nur auf den Kursgewinn Abgeltungsteuer zahlt, abgemildert durch die Teilfreistellung. Kinderzulage, ein langer Anlagehorizont und eine höhere Rendite können diesen Nachteil aber mehr als ausgleichen – und wie unser dritter Fall zeigt, kann auch die schlichte Wahl eines günstigeren Anbieters ein zunächst negatives Ergebnis drehen. Mehr Kapital heißt beim AVD also nicht automatisch mehr Rente – aber Laufzeit, Kinder und vor allem die Anbieterwahl machen den Unterschied.

Was das Altersvorsorgedepot bringt

Das AVD startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente im Neugeschäft ab. Anders als bei Riester ist keine verpflichtende Beitrags- oder Kapitalgarantie vorgesehen – gespart wird stattdessen in ETFs, Fonds und Anleihen. Die Förderung:

  • Grundzulage: 50 Cent je Euro auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro – macht maximal 540 Euro pro Jahr bei vollem Eigenbeitrag von 150 Euro im Monat.
  • Kinderzulage: 300 Euro pro kindergeldberechtigtem Kind und Jahr.
  • Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag.
  • Alternative Sonderausgabenabzug: Die Grundzulage fließt automatisch ins Depot; bringt der Sonderausgabenabzug (Günstigerprüfung) mehr, wird nur die Differenz separat vom Finanzamt erstattet.

Auch Selbstständige sind erstmals förderberechtigt. Ausgezahlt wird frühestens mit 65, spätestens mit 70 Jahren – nachgelagert versteuert, also erst im Ruhestand.

Wie die Branche auf das Altersvorsorgedepot blickt

Die Initiative Digitale Altersvorsorge, ein Bündnis von Finanzunternehmen, hat die Empfehlungen der Alterssicherungskommission ausdrücklich begrüßt. Fabian Behnke, Head of Strategic Accounts bei Vanguard Deutschland, fasst die Erwartung an die Umsetzung so zusammen: Entscheidend sei, dass „möglichst vielen Menschen ein einfacher Zugang zu guter Vorsorge ermöglicht wird“. Eine verständliche Position aus der Anbieterperspektive – unsere Zahlen zeigen aber, dass „einfacher Zugang zur Förderung“ nicht automatisch „mehr Nettorente“ bedeutet, solange Kinderzahl, Rendite-Annahme und vor allem die Anbieterwahl nicht mitgedacht werden.

Drei echte Rechner-Beispiele zum Altersvorsorgedepot

Fall 1 – Lena, 23, zwei Kinder

Lena spart die vollen 150 Euro im Monat, hat 44 Jahre bis zur Rente und zwei Kinder. Aus 77.400 Euro eigenen Einzahlungen macht der Rechner bis zum 67. Lebensjahr ein AVD-Kapital von 611.426 Euro – deutlich mehr als die 413.458 Euro, die ein identischer ETF-Sparplan aufbauen würde. Der Vorteil bestätigt sich auch bei der Nettorente: Aus dem AVD ergibt sich eine monatliche Nettorente von 2.477,65 Euro, aus dem ETF-Sparplan nur 2.346,98 Euro – ein Plus von 130,67 Euro im Monat. Über die gesamte Auszahlphase bis zum 85. Lebensjahr summiert sich das zu 28.224 Euro mehr Nettorente für das AVD. Für uns ist das der klarste Fall in unseren Beispielen: Bei jungen Familien mit mehreren Kindern und einem günstigen Anbieter ist das AVD kaum zu schlagen.

Parameter im extraETF-Rechner: Geburtsjahr 2003, Sparrate 150 €/Monat, Einkommen heute 36.000 €, Einkommen Alter 24.000 €, 2 Kinder (geboren 2024 und 2022), keine Einmalzahlung, Bruttorendite Ansparphase 7 %, Kosten AVD 0,5 %, Kosten Sparplan 0,2 %.

Fall 2 – Michael, 45, kinderlos

Michael spart ebenfalls 150 Euro im Monat, hat 22 Jahre bis zur Rente und rechnet mit sieben Prozent Bruttorendite. Aus 37.800 Euro Eigenbeitrag werden im AVD 113.631 Euro, im ETF-Sparplan 81.270 Euro – ein deutliches Kapitalplus von rund 40 Prozent für das AVD. Und auch bei der Nettorente liegt er jetzt vorn: 502,08 Euro (AVD) gegenüber 495,53 Euro (ETF) – ein Plus von 6,55 Euro im Monat. Über die gesamte Auszahlphase macht das 1.415 Euro mehr Nettorente für das AVD. Schon eine moderat höhere Rendite-Annahme reicht bei ihm aus, um aus einem vorherigen Nullsummenspiel einen klaren, wenn auch überschaubaren Vorteil zu machen.

Parameter im extraETF-Rechner: Geburtsjahr 1981, Sparrate 150 €/Monat, Einkommen heute 55.000 €, Einkommen Alter 30.000 €, keine Kinder, keine Einmalzahlung, Bruttorendite Ansparphase 7 %, Kosten AVD 0,6 %, Kosten Sparplan 0,2 %.

Fall 3 – Dr. Meier, 58, kurz vor der Rente

Dr. Meier hat nur noch 9 Jahre bis zur Rente und zahlt ebenfalls 150 Euro im Monat. Aus 14.400 Euro Eigenbeitrag werden im AVD 28.083 Euro, im ETF-Sparplan 18.153 Euro – 55 Prozent mehr Kapital fürs AVD. Bei der Nettorente liegt er mit unseren Annahmen trotzdem leicht hinten: 111,70 Euro (AVD) gegenüber 113,26 Euro (ETF), macht über die gesamte Auszahlphase 338 Euro weniger Nettorente für das AVD. Wichtig dabei: Wir haben bei ihm bewusst mit 1,0 Prozent Kosten gerechnet – dem gesetzlichen Höchstwert. Das ist kein Zufall, sondern passt zu seinem Profil: Als Gutverdiener kurz vor der Rente ist er eher der Typ, der sein Depot bei der Hausbank oder einem etablierten, aber teureren Anbieter führt, statt aktiv nach dem günstigsten Online-Broker zu suchen.

Genau das könnte aber sein Hebel sein: Bei nur neun Jahren Restlaufzeit wirkt sich jeder Zehntelprozentpunkt Kostenunterschied überproportional stark aus, weil kaum Zeit bleibt, ihn durch Zinseszins wieder auszugleichen. Würde er sich stattdessen für einen günstigen Anbieter mit Kosten nahe 0,2 bis 0,3 Prozent entscheiden – wie sie gerade bei reinen Online-Depots ohne Versicherungsmantel plausibel erscheinen –, könnte sich das Ergebnis drehen und das AVD am Ende doch noch lohnen. Für ihn hängt die Entscheidung also weniger an seinem Alter als an seiner Bereitschaft, sich aktiv um den günstigsten Anbieter zu bemühen.

Parameter im extraETF-Rechner: Geburtsjahr 1968, Sparrate 150 €/Monat, Einkommen heute 110.000 €, Einkommen Alter 60.000 €, keine Kinder, keine Einmalzahlung, Bruttorendite Ansparphase 6 %, Kosten AVD 1,0 %, Kosten Sparplan 0,2 %.

 Lena (23, 2 Kinder)Michael (45, kinderlos)Dr. Meier (58, Spitzenverdiener)
Sparrate/Monat150 €150 €150 €
Einkommen heute/Alter36.000 € / 24.000 €55.000 € / 30.000 €110.000 € / 60.000 €
Kinder200
Bruttorendite Ansparphase7 %7 %6 %
Kosten AVD / ETF-Sparplan0,5 % / 0,2 %0,3 % / 0,2 %1,0 % / 0,2 %
Grund für die AVD-Kostengünstiger Online-Anbieter angenommenmittlerer Anbieter angenommenHausbank/etablierter Anbieter angenommen – weniger preisaffin
Eigenbeiträge gesamt77.400 €37.800 €14.400 €
Kapital bei Rentenbeginn (AVD / ETF)611.426 € / 413.458 €113.631 € / 81.270 €28.083 € / 18.153 €
Monatl. Nettorente (AVD / ETF)2.477,65 € / 2.346,98 €502,08 € / 495,53 €111,70 € / 113,26 €
Differenz Nettorente, gesamte Auszahlphase+28.224 € (AVD besser)+1.415 € (AVD besser)−338 € (ETF besser, mit teurem Anbieter)
Unser Fazitklar lohnenswertleicht lohnenswertknapp negativ – könnte sich mit günstigerem Anbieter drehen
Quelle: extraETF.com

Was das für dich bedeutet

Das wichtigste Learning aus unseren drei Rechnungen: Ein höheres Endkapital ist keine Garantie für eine höhere Nettorente – aber Kinderzahl, Rendite-Annahme und vor allem die Anbieterwahl können den entscheidenden Unterschied machen. Bei Lena sorgen zwei Kinder und ein günstiger Anbieter für einen klaren Vorteil von über 28.000 Euro zusätzlicher Nettorente. Bei Michael reicht schon eine realistischere, etwas höhere Rendite-Annahme aus, um aus einem Nullsummenspiel einen soliden Vorteil zu machen. Bei Dr. Meier liegt das AVD in unserer Rechnung zwar leicht hinten – aber das liegt weniger an seinem Alter als an der unterstellten Anbieterwahl. Wer wie er eher zur teureren, etablierten Lösung tendiert statt aktiv zum günstigsten Online-Anbieter zu wechseln, verschenkt gerade bei kurzer Restlaufzeit einen Vorteil, der sich kaum mehr durch Zinseszins ausgleichen lässt.

Genau das macht die Kosten zum eigentlichen Schlüsselfaktor unserer drei Beispiele – noch vor Alter, Kinderzahl oder Förderquote. Wir haben mit realistischen Kostensätzen zwischen 0,5 und 1,0 Prozent gerechnet, wie sie heute bei unterschiedlich preisaffinen Sparertypen plausibel sind. Zum Marktstart 2027 ist gut möglich, dass sich auch sehr günstige Online-Anbieter positionieren – etwa Neobroker oder ETF-Plattformen, die das AVD ohne teuren Versicherungsmantel als reines Wertpapierdepot anbieten und dabei näher an die 0,2 Prozent eines normalen ETF-Sparplans herankommen. Gerade für Sparer wie Dr. Meier, die kurz vor der Rente stehen und bislang nicht zu den Online-affinen Sparern gehören, könnte allein der Wechsel zu einem solchen Anbieter den Unterschied zwischen „lohnt sich nicht“ und „lohnt sich doch“ ausmachen.

Unser Rat: Verlass dich nicht auf pauschale Aussagen wie „das AVD lohnt sich für junge Sparer immer“ – erst recht nicht ohne Blick auf Kinderzahl, Rendite-Annahme und vor allem die Kosten deines konkreten Anbieters. Spiel deine eigene Situation im Altersvorsorgedepot-Rechner durch und teste dabei bewusst auch niedrigere Kostenannahmen – gerade wenn du bisher eher bei einem etablierten, teureren Anbieter unterwegs warst. Behalte dein Ergebnis am besten im extraETF Portfolio Tracker im Blick.