Altersvorsorgedepot: Nur jeder Zehnte will das Standarddepot – die Mehrheit will selbst entscheiden

Nur zehn Prozent wollen beim Altersvorsorgedepot eine vorgegebene Standardlösung. Du hast die Wahl: Individual- oder Standardlösung?
Ab Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot, die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge. Ein zentraler Baustein der Reform ist das sogenannte Standarddepot. Es soll Sparern die Anlageentscheidung weitgehend abnehmen und so den Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge erleichtern. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zeigt allerdings, dass nur wenige Menschen genau das wollen.
Ein Minderheit wünscht sich die Standardlösung
Laut DIA würden sich lediglich zehn Prozent der Befragten für eine möglichst einfache, vorgegebene Standardlösung entscheiden, bei der sie selbst keine Anlageentscheidung treffen müssen. Fast die Hälfte (49 Prozent) möchte sich zunächst beraten lassen und dann selbst entscheiden. Weitere 28 Prozent würden ihre Anlage ganz ohne Beratung auswählen. 13 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe.
| Bevorzugter Entscheidungsweg | Anteil |
|---|---|
| Beratung, dann selbst entscheiden | 49 % |
| Selbst entscheiden ohne Beratung | 28 % |
| Vorgegebene Standardlösung | 10 % |
| Weiß nicht / keine Angabe | 13 % |
Insgesamt wollen damit 77 Prozent die Entscheidung über ihre private Altersvorsorge selbst treffen, entweder eigenständig oder auf Grundlage einer Beratung.
„Einfachheit ist ein wichtiges Ziel der Reform. Aber einfach darf nicht mit einheitlich verwechselt werden“, sagt Peter Schwark, Sprecher des DIA.
Die Menschen wollten mehrheitlich nicht, dass ihnen Anlageentscheidungen vollständig abgenommen werden, sondern wünschten sich Wahlmöglichkeiten und vielfach auch Beratung.
Männer entscheiden häufiger ohne Beratung
Zwischen den Geschlechtern zeigen sich Unterschiede: 32 Prozent der Männer möchten ihre Anlage ohne vorherige Beratung selbst auswählen, bei den Frauen sind es 24 Prozent. Frauen bevorzugen etwas häufiger den Weg über eine Beratung mit anschließender eigener Entscheidung (50 gegenüber 47 Prozent).
Große Unterschiede nach Einkommen
Noch deutlicher fallen die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen aus. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro möchten 35 Prozent erst eine Beratung und dann selbst entscheiden. Bei Einkommen zwischen 2.000 und unter 3.000 Euro sind es 58 Prozent.
Auffällig ist vor allem die Unsicherheit in der niedrigsten Einkommensgruppe: Hier antworten 20 Prozent mit „weiß nicht“ oder machen keine Angabe, bei Haushalten mit mindestens 4.000 Euro netto sind es nur fünf Prozent. Gleichzeitig ist die Zustimmung zur vorgegebenen Standardlösung bei Einkommen unter 1.000 Euro mit 17 Prozent am höchsten, bleibt aber auch dort klar in der Minderheit. Welche Rolle Bildung, finanzielle Erfahrung oder die wirtschaftliche Situation dabei spielen, hat das DIA nach eigenen Angaben nicht gesondert untersucht.
Anbieter setzen auf mehrere Wege
Banken und Versicherer stellen sich bereits auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein. Laut DIA hat die Deutsche Bank angekündigt, neben einem digitalen Standarddepot auch beratungsbasierte Vorsorgelösungen anzubieten. Die Allianz plant demnach Angebote in allen drei künftig geförderten Produktkategorien.
Die besten Altersvorsorgedepots im Vergleich.
„Ein kostengünstiges Standardangebot kann den Einstieg erleichtern. Es ersetzt jedoch weder die individuelle Entscheidung noch den Wunsch vieler Menschen nach fachlicher Unterstützung“, so Schwark.
Was bedeutet das für dich?
Die Umfrage zeigt vor allem eines: Es gibt nicht den einen richtigen Weg ins Altersvorsorgedepot. Entscheidend ist, dass du dir vor dem Start klarmachst, welcher Typ du bist.
Wenn du dich nicht mit Einzelentscheidungen beschäftigen willst, kann das Standarddepot ein sinnvoller Einstieg sein. Wichtiger als die perfekte Auswahl ist, dass du überhaupt früh anfängst und die staatliche Förderung mitnimmst.
Wenn du selbst entscheiden möchtest, lohnt sich ein genauer Blick auf die Kosten und die angebotene ETF-Auswahl der Anbieter. Gerade bei langen Laufzeiten machen schon kleine Kostenunterschiede am Ende einen spürbaren Betrag aus. Welche ETFs für das Altersvorsorgedepot infrage kommen, erfährst du in unserem Ratgeber zu Altersvorsorgedepot-ETFs.
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