Das Standarddepot erklärt: Die einfache Variante des Altersvorsorgedepots
Die gesetzlich regulierte Basisvariante des Altersvorsorgedepots – mit vorgefertigter Anlagestrategie und Kostendeckel.
Nicht jeder möchte ETFs vergleichen, Aktienquoten festlegen und ein Ablaufmanagement planen. Genau für diese Gruppe hat der Gesetzgeber das Standarddepot geschaffen: eine regulierte, kostengedeckelte Einsteiger-Variante des Altersvorsorgedepots mit vorgefertigter Anlagestrategie.
Wir erklären, wie das Standarddepot funktioniert, was es mit dem Kostendeckel von einem Prozent auf sich hat und für wen die Eigenregie trotzdem besser ist.
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Das Wichtigste in Kürze: Standarddepot auf einen Blick
Vorsorge auf Autopilot: Das Standarddepot (offiziell „Standardprodukt”) ist die gesetzlich regulierte Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Es verfügt über eine vorgegebene, breit gestreute Kapitalanlage und eine automatische Risikosteuerung.
Kostendeckel: Nur für zertifizierte Standardprodukte gilt eine Effektivkosten-Obergrenze von 1,0 Prozent pro Jahr, die als Schutz vor teuren Produkten gedacht ist.
Auch direkt beim Staat möglich: Die Bundesregierung wird ein öffentliches Standarddepot bereitstellen. Vorbild ist der schwedische Staatsfonds AP7.
Volle Förderung: Zulagen und Steuervorteile sind identisch mit dem frei gestalteten Altersvorsorgedepot.
Einordnung: Fürs Nichtstun ist es eine solide Lösung. Selbstentscheider kommen mit der eigenen ETF-Wahl bei günstigen Anbietern aber voraussichtlich deutlich unter den Kostendeckel.
Mit Vanguard-ETFs für die Altersvorsorge auf breite Streuung und niedrige Kosten setzen. Kapitalanlagen bergen Risiken.
Was ist das Standarddepot?
Das Standarddepot ist die gesetzlich definierte Basisvariante des neuen Altersvorsorgedepots. Es richtet sich an Sparer, die von der staatlichen Förderung profitieren möchten, ohne selbst eine Anlagestrategie entwickeln oder ETFs auswählen zu müssen.
Im Gegensatz zum individuellen Altersvorsorgedepot entscheidet der Anleger nicht über die Zusammensetzung des Portfolios. Stattdessen stellt der jeweilige Anbieter ein standardisiertes, breit diversifiziertes Portfolio bereit, das den gesetzlichen Vorgaben entspricht und automatisch verwaltet wird.
Ein zentrales Merkmal des Standarddepots ist das integrierte Lebenszyklusmodell. Während in jungen Jahren überwiegend in renditestärkere Anlagen wie Aktien bzw. Aktien-ETFs investiert wird, reduziert sich das Anlagerisiko mit zunehmendem Alter schrittweise durch eine automatische Umschichtung in defensivere Anlageklassen wie Anleihen-ETFs.
Damit das Standarddepot auch für Einsteiger attraktiv bleibt, sind die Kosten gesetzlich begrenzt. Die Effektivkostenquote darf maximal 1,0 Prozent pro Jahr betragen. Gleichzeitig steht es den Anbietern frei, ihre Produkte günstiger anzubieten.
Das Standarddepot soll den Einstieg in die private Altersvorsorge möglichst einfach machen. Es verbindet staatliche Förderung, automatische Portfolioverwaltung und breite Diversifikation in einer Lösung, die ohne eigenes Börsenwissen genutzt werden kann.
Die Kernmerkmale:
- Vorgegebene Anlagestrategie: Das Geld fließt ohne eigenes Zutun in eine breit gestreute, renditeorientierte Kapitalanlage - der Sparer muss (und kann) keine Fonds auswählen.
- Automatisches Ablaufmanagement: Mit nahendem Rentenbeginn wird das Risiko schrittweise reduziert, da eine Lebenszyklus-Logik bereits integriert ist.
- Kostendeckel: Die Effektivkosten dürfen maximal 1,0 Prozent pro Jahr betragen, sodass die Rendite um höchstens einen Prozentpunkt durch Kosten geschmälert wird.
- Zertifizierung und Aufsicht: Wie allen AVD-Varianten durchlaufen auch die Standardprodukte die staatliche Zertifizierung.
- Volle Förderung: Zulagen (bis 540 Euro plus Kinderzulagen und Einsteigerbonus) und Steuerlogik sind identisch zur Eigenregie-Variante (Details siehe Altersvorsorgedepot: Die Förderung im Detail).
Das Standardprodukt ist außerdem als Referenzrahmen für die Frühstartrente vorgesehen, an dessen Anforderungen sich die Junior-Depots orientieren sollen.
Wie funktioniert das Standarddepot?
Das Standarddepot folgt einem einfachen Prinzip: Der Anleger zahlt regelmäßig Geld ein, während die Auswahl der Geldanlage und die laufende Steuerung des Portfolios automatisch erfolgen.
Zu Beginn eröffnet der Sparer bei einem zugelassenen Anbieter ein Altersvorsorgedepot und entscheidet sich für dessen Standarddepot. Anschließend fließen die eigenen Sparbeiträge sowie die staatliche Förderung in dieses Depot. Der Anbieter investiert das Geld entsprechend der gesetzlich vorgegebenen Anlagestrategie in ein breit diversifiziertes Portfolio.
Während der Ansparphase wird das Depot automatisch verwaltet. In jungen Jahren liegt der Schwerpunkt auf chancenorientierten Anlagen wie Aktien, um langfristig möglichst hohe Renditen zu erzielen. Mit zunehmendem Alter reduziert der Anbieter das Anlagerisiko schrittweise und erhöht den Anteil risikoärmerer Investments. Diese automatische Umschichtung soll größere Kursschwankungen kurz vor Rentenbeginn vermeiden. Der Anleger muss sich weder um die Auswahl einzelner ETFs noch um das Rebalancing oder die Anpassung der Aktienquote kümmern. Sämtliche Anlageentscheidungen innerhalb des Standarddepots übernimmt der Anbieter nach den gesetzlichen Vorgaben.
Auch bei den Kosten gelten feste Regeln. Für das Standarddepot ist eine maximale Effektivkostenquote von 1,0 Prozent pro Jahr vorgesehen. Die tatsächlichen Kosten können je nach Anbieter jedoch niedriger ausfallen, weshalb sich auch bei Standarddepots ein Kostenvergleich lohnt.
Das Standarddepot richtet sich damit vor allem an Menschen, die möglichst einfach und ohne eigenes Anlagewissen für das Alter vorsorgen möchten. Wer dagegen selbst über die Auswahl seiner ETFs entscheiden und die Kosten weiter optimieren möchte, kann stattdessen ein individuelles Altersvorsorgedepot nutzen.
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Standarddepot oder selbst investieren?
Ob das Standarddepot oder ein selbst zusammengestelltes ETF-Portfolio die bessere Wahl ist, hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit und Interesse du in deine Geldanlage investieren möchtest.
Das Standarddepot ist die richtige Wahl, wenn du…
- dich nicht mit Geldanlage beschäftigen willst (und das auch künftig nicht ändern wirst),
- den Übergang in die Rentenphase automatisch geregelt haben möchtest,
- den Abschluss sonst ewig aufschieben würdest - das teuerste Depot ist das nie eröffnete.
Die Eigenregie lohnt sich, wenn du…
- bereit bist, einmal eine ETF-Entscheidung zu treffen (Anleitung: Welche ETFs fürs Altersvorsorgedepot?),
- die Kosten unter den Deckel drücken willst - der größte Renditeunterschied, den du selbst kontrollieren kannst,
- Wert auf Auswahl legst (z. B. nachhaltige ETFs).
Die gute Nachricht ist: Du musst dich nicht endgültig entscheiden. Ein Wechsel des Anbieters oder des Produkts ist jederzeit möglich. Wer mit dem Standarddepot startet und später Lust auf Eigenregie bekommt (oder umgekehrt), kann umsteigen.
Der 1-Prozent-Kostendeckel: Schutz mit Schönheitsfehler
Der Kostendeckel für das Altersvorsorgedepot gehörte zu den umstrittensten Punkten des Gesetzgebungsverfahrens. Während die Kreditwirtschaft die Begrenzung möglichst verhindern wollte, hielten Verbraucherschützer die vorgesehene Obergrenze von 1,0 Prozent für zu hoch. Eine einfache Beispielrechnung zeigt, warum beide Seiten gute Argumente hatten.
Wer 35 Jahre lang monatlich 150 Euro investiert und eine durchschnittliche Marktrendite von 6 Prozent erzielt, baut trotz identischer Sparleistung je nach Kosten ein deutlich unterschiedliches Vermögen auf. Betragen die Effektivkosten 1,0 Prozent statt beispielsweise 0,4 Prozent, fehlen am Ende rund 25.000 Euro im Depot. Gegenüber einem günstigen Welt-ETF-Sparplan mit Gesamtkosten von nur 0,2 Prozent fällt der Unterschied mit rund 34.000 Euro sogar noch größer aus. Was auf den ersten Blick nach wenigen Zehntelprozent klingt, kostet über Jahrzehnte hinweg einen erheblichen Teil der Rendite.
| Annahme | Szenario A | Szenario B | Szenario C |
|---|---|---|---|
| Monatliche Sparrate | 150 Euro | 150 Euro | 150 Euro |
| Sparzeit | 35 Jahre | 35 Jahre | 35 Jahre |
| Bruttorendite p.a. | 6,0 % | 6,0 % | 6,0 % |
| Effektivkosten p.a. | 1,0 % | 0,40 % | 0,2 % |
| Nettorendite p.a. | 5,0 % | 5,6 % | 5,8 |
| Endvermögen | 170.414 Euro | 195.012 Euro | 204.112 Euro |
| Differenz | - | + 24.598 Euro | + 33.698 Euro |
Die Kostenobergrenze von 1,0 Prozent sollte deshalb nicht als Zielwert oder Qualitätssiegel verstanden werden. Sie dient ausschließlich dazu, überhöhte Gebühren zu verhindern und Verbraucher vor unangemessen teuren Produkten zu schützen. Auch beim Altersvorsorgedepot lohnt sich deshalb ein genauer Kostenvergleich. Achte auf die tatsächliche Effektivkostenquote und vergleiche mehrere Anbieter miteinander. Es ist zu erwarten, dass insbesondere Neobroker und Direktbanken ihre Produkte deutlich unterhalb der zulässigen Obergrenze anbieten werden und damit langfristig einen spürbaren Renditevorteil ermöglichen. Wir werden die verfügbaren Angebote natürlich regelmäßig umfassenden Kostenvergleichen unterziehen.
Staatliches Standarddepot? – Schweden als Vorbild
Eine Besonderheit der Reform ist, dass die Bundesregierung ein öffentlich verantwortetes Standardprodukt als Auffang- und Referenzangebot neben den privaten Anbietern anbieten wird.
Das Vorbild ist Schweden. Dort verwaltet der staatliche Fonds AP7 die Gelder all jener, die in der Prämienrente keine eigene Wahl treffen – mit einer hohen Aktienquote, minimalen Kosten von rund 0,1 Prozent pro Jahr und über zwei Jahrzehnte hinweg überzeugenden Ergebnissen. Ob und wie ein deutsches Pendant eingeführt wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Für Sparer wäre es vor allem eines: eine Kosten-Benchmark, an dem sich private Anbieter messen lassen müssten.
Fazit: Gute Idee, auf die Kosten kommt es an
Das Standarddepot schließt eine wichtige Lücke in der privaten Altersvorsorge. Es macht die staatlich geförderte Kapitalmarktanlage auch für Menschen zugänglich, die sich nicht selbst mit ETFs, Anlagestrategien oder Portfoliozusammenstellungen beschäftigen möchten. Dank breiter Diversifikation, automatischem Lebenszyklusmodell und einer gesetzlichen Kostenobergrenze bietet es eine einfache und sichere Lösung für den langfristigen Vermögensaufbau.
Dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf die Kosten. Die gesetzliche Obergrenze von 1,0 Prozent schützt zwar vor überhöhten Gebühren, liegt aber deutlich über dem Niveau, das mit günstigen ETF-Lösungen möglich ist. Gerade über mehrere Jahrzehnte können selbst wenige Zehntelprozent Kostenunterschied das Endvermögen um viele Tausend Euro verändern.
Für Anleger, die es möglichst unkompliziert mögen, dürfte das günstigste zertifizierte Standarddepot eine gute Wahl sein. Wer dagegen bereit ist, sich mit dem Thema Geldanlage näher zu beschäftigen, kan die laufenden Kosten voraussichtlich nochmals deutlich senken.
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Häufige Fragen zum Standarddepot
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