Martina (43) investiert nur 75 Euro im Monat – doch ihr Depot zeigt einen typischen Anfängerfehler

Neun Positionen bei gerade einmal 278 Euro Depotwert: Martinas Beispiel zeigt, warum beim Vermögensaufbau weniger oft mehr ist.
Mit 43 Jahren hat Martina einen wichtigen Entschluss gefasst: Sie will ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen und mit dem Investieren beginnen. Viel Geld steht ihr dafür nicht zur Verfügung. Bei einem Nettoeinkommen von rund 1.400 Euro investiert sie aktuell 75 Euro im Monat. Doch genau ihr Beispiel zeigt: Für den Einstieg an der Börse braucht es kein großes Vermögen.
Martina möchte sich langfristig ein finanzielles Polster aufbauen und fürs Alter vorsorgen. Ihre eigene Anlagestrategie empfindet sie allerdings noch nicht als ausreichend zielgerichtet. Deshalb hat sie ihr Depot für den Portfolio Review von extraETF eingereicht. Und dabei zeigt sich ein Problem, das viele Anleger gerade am Anfang kennen: Aus dem Wunsch nach möglichst guter Diversifikation wird schnell ein ziemlich kompliziertes Portfolio.
Neun Investments bei einem Depotwert von 278 Euro.
Martinas Wertpapierdepot ist noch ganz am Anfang. Zum Zeitpunkt unseres Portfolio Reviews beträgt der Depotwert lediglich rund 278 Euro. Insgesamt hat sie über Trade Republic bereits rund 2.000 Euro investiert beziehungsweise angelegt, ein größerer Teil ihres Vermögens befindet sich allerdings noch auf dem Tagesgeld.
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Spannend wird es beim Blick auf das Wertpapierdepot. Denn trotz des geringen Depotvolumens verteilen sich ihre Investments bereits auf neun verschiedene Positionen. Dazu gehören mehrere ETFs, Pfandbriefe, Einzelaktien und sogar Ethereum.
Unter anderem setzt Martina auf einen DAX-ETF, einen All-Country-World-ETF, europäische Qualitäts- und Dividendenwerte sowie einzelne Aktien wie Tesla und Lufthansa. Dazu kommen Anleihen beziehungsweise Pfandbriefe und Kryptowährungen.
Grundsätzlich ist das gar keine schlechte Idee. Martina versucht zu diversifizieren und unterschiedliche Anlageklassen miteinander zu kombinieren. Das eigentliche Problem ist ein anderes: Braucht man für eine Sparrate von 75 Euro wirklich neun verschiedene Investments?
Gerade beim Start darf Geldanlage einfach sein
Wer mit dem Investieren beginnt, hat häufig das Gefühl, möglichst viele verschiedene Wertpapiere besitzen zu müssen. Ein ETF für die Welt, einer für Europa, vielleicht noch Deutschland, dazu einige interessante Einzelaktien und etwas Krypto. Schnell entsteht so ein Depot, das auf den ersten Blick gut diversifiziert aussieht, dessen Struktur aber kaum noch einer klaren Strategie folgt.
Bei Martina kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Ihr Aktienportfolio weist einen deutlichen Europa-Schwerpunkt auf. Rund zwei Drittel des Aktienanteils entfallen im analysierten Depot auf Europa, während die USA erheblich niedriger gewichtet sind. Das ist nicht automatisch falsch. Anleger sollten sich aber bewusst entscheiden, ob sie einen solchen Home Bias tatsächlich wollen. Dabei könnte Martina ihre Strategie erheblich vereinfachen.
Ein weltweit diversifizierter ETF wie ein FTSE All-World oder MSCI ACWI könnte beispielsweise den Kern ihres Depots bilden. Möchte sie Europa bewusst stärker gewichten, könnte sie diesen Kern um einen Europa-ETF ergänzen. Damit wäre ein großer Teil ihrer heutigen Struktur bereits mit ein oder zwei ETFs abgebildet.
Ein Kerninvestment statt vieler kleiner Sparpläne
Für Martina könnte deshalb eine Core-Satellite-Strategie interessant sein. Der überwiegende Teil ihrer monatlichen Sparrate fließt dabei in ein breit diversifiziertes Kerninvestment. Ein kleinerer Betrag kann für Einzelaktien, Kryptowährungen oder andere Investments verwendet werden, wenn sie sich intensiver mit diesen beschäftigen möchte.
Eine weitere Möglichkeit wäre ein Portfolio-ETF mit beispielsweise 60 bis 80 Prozent Aktienquote. Damit könnte Martina Aktien und Anleihen mit nur einem Produkt abdecken. Alternativ könnte sie ausschließlich einen globalen Aktien-ETF besparen und den defensiven Teil ihres Vermögens über ihr Tagesgeld steuern. Gerade bei einem überschaubaren Vermögen hat diese Lösung einen großen Vorteil: Das Depot bleibt verständlich.
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Martina müsste nicht ständig überlegen, welcher ihrer zahlreichen kleinen Sparpläne angepasst werden muss oder ob einzelne Regionen ausreichend vertreten sind. Stattdessen könnte sie sich auf das konzentrieren, was beim langfristigen Vermögensaufbau viel wichtiger ist: regelmäßig investieren und die Strategie über viele Jahre durchhalten.
75 Euro sind besser als gar nicht anzufangen
Martinas Geschichte enthält aber noch eine viel wichtigere Botschaft. Viele Menschen schieben den Einstieg an der Börse auf, weil sie glauben, nicht genügend Geld zum Investieren zu haben. Doch Vermögensaufbau beginnt nicht erst bei einer Sparrate von 500 oder 1.000 Euro. Martina startet mit 75 Euro.
Natürlich entsteht daraus nicht innerhalb weniger Jahre ein großes Vermögen. Aber sie sammelt Erfahrungen, entwickelt ein Gefühl für Kursschwankungen und etabliert vor allem eine regelmäßige Sparroutine. Steigt ihr Einkommen später, kann sie ihre Sparrate jederzeit erhöhen.
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Und auch Fehler am Anfang sind kein Drama. Ein junges Depot lässt sich vergleichsweise einfach neu strukturieren. Viel wichtiger ist, überhaupt anzufangen. Genau darin liegt die Stärke von Martinas Geschichte.
Auch das Altersvorsorgedepot könnte für Martina interessant werden
Mit ihrem langfristigen Ziel der Altersvorsorge könnte für Martina künftig außerdem das Altersvorsorgedepot interessant sein. Die staatliche Förderung kann insbesondere bei kleineren und mittleren Sparraten einen zusätzlichen Beitrag zum Vermögensaufbau leisten. Damit könnte sich für sie die Frage stellen, welchen Teil ihrer Sparrate sie künftig frei über ihr normales Depot investiert und welchen Teil sie für die geförderte Altersvorsorge nutzt. Entscheidend bleibt aber auch dann die gleiche Grundidee: Eine gute Anlagestrategie muss nicht kompliziert sein.
Fazit: Weniger kann beim Investieren mehr sein
Martina macht bereits das Wichtigste richtig: Sie hat angefangen. Mit 43 Jahren, 1.400 Euro Nettoeinkommen und 75 Euro monatlicher Sparrate übernimmt sie Verantwortung für ihre finanzielle Zukunft. Jetzt geht es vor allem darum, aus ihren vielen einzelnen Investments eine klare und langfristig durchhaltbare Strategie zu entwickeln.
Statt neun Positionen und mehreren kleinen Sparplänen könnten ein oder zwei breit gestreute ETFs für sie bereits ausreichen. Wer zusätzlich Spaß an Einzelaktien oder Kryptowährungen hat, kann dafür einen kleinen Teil des Depots reservieren. Denn gerade beim langfristigen Vermögensaufbau gilt häufig: Einfach ist nicht schlechter – sondern oft sogar besser.
Analysiere auch dein eigenes Depot
Du möchtest wissen, wie dein Portfolio tatsächlich aufgestellt ist? Mit dem extraETF Portfolio Tracker kannst du dein Depot genauso analysieren, wie wir es bei Martina im Portfolio Review gemacht haben. Du erhältst tiefe Einblicke in deine Asset Allocation, Regionen, Branchen und einzelne Positionen und kannst so mögliche Klumpenrisiken und Schwachstellen deiner Anlagestrategie erkennen.
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