83 Positionen im Depot – und trotzdem ein Klumpenrisiko? So investiert Karl (42)

Zwei Aktien machen mehr als ein Fünftel seines Vermögens aus, Deutschland ist stark übergewichtet. Was Karl bei seiner Anlagestrategie verbessern könnte.
Karl ist 42 Jahre alt, verdient rund 10.000 Euro netto im Monat und hat bereits 160.000 Euro investiert. Sein Ziel: langfristig von Dividenden leben und gleichzeitig Vermögen für die nächste Generation aufbauen. Dafür setzt er auf ETFs und Einzelaktien. Doch der Blick in sein Depot zeigt: Viele Positionen bedeuten nicht automatisch eine gute Diversifikation.
Wer sein Depot breit aufstellen möchte, kauft ETFs. Vielleicht kommen noch einige ausgewählte Einzelaktien dazu. So zumindest die Theorie. Bei Karl ist aus diesem eigentlich einfachen Ansatz mit der Zeit ein Portfolio mit insgesamt 83 Positionen entstanden. Seine Idee dahinter klingt zunächst schlüssig: ETFs sollen die Basis bilden, ausgewählte Einzelaktien als Satelliten zusätzliche Chancen eröffnen. Doch im Portfolio Review von extraETF zeigt sich schnell, dass aus den Satelliten inzwischen ein ziemlich großer Teil des Depots geworden ist.
160.000 Euro verteilt auf 83 Positionen
Rund 160.000 Euro hat Karl in seinem Portfolio angelegt. Das Geld verteilt sich auf verschiedene Banken und Broker. Neben zahlreichen Einzelaktien finden sich rund 20 Fonds beziehungsweise ETFs, außerdem eine Anleihe, ein Zertifikat und Kryptowährungen im Depot. Der Schwerpunkt liegt jedoch eindeutig auf Aktien. Auf den ersten Blick könnte man deshalb denken: Viel breiter kann man kaum investieren.
Doch genau hier liegt der interessante Punkt. Denn die Anzahl der Positionen allein sagt wenig darüber aus, wie gut ein Portfolio tatsächlich diversifiziert ist. Einige Positionen sind bei Karl nur wenige Hundert Euro groß und haben auf die Entwicklung des Gesamtdepots praktisch keinen Einfluss. Gleichzeitig sind andere Investments sehr hoch gewichtet. Das macht das Portfolio komplex, ohne zwangsläufig für eine entsprechend bessere Risikostreuung zu sorgen.
Zwei Aktien bestimmen mehr als ein Fünftel des Depots
Besonders deutlich wird das bei einem Blick auf Karls größte Investments. Siemens Energy kommt auf rund 12 Prozent des Portfolios, Nvidia auf rund 10 Prozent. Damit steckt mehr als ein Fünftel des gesamten Depotvermögens allein in diesen beiden Aktien. Nimmt man die fünf größten Positionen zusammen, machen diese sogar rund 44 Prozent des Portfolios aus. Aus einem vermeintlichen ETF-Portfolio mit einigen Satelliten wird damit faktisch ein relativ konzentriertes Aktienportfolio – nur eben mit sehr vielen zusätzlichen kleinen Positionen drumherum.
Genau das ist eine wichtige Erkenntnis für Anleger: Ein Depot mit 80 Positionen kann konzentrierter sein als ein Depot mit nur zwei oder drei breit gestreuten ETFs. Entscheidend ist nicht, wie viele Wertpapiere im Depot liegen, sondern welche Unternehmen, Länder und Branchen sich dahinter verbergen und wie stark diese tatsächlich gewichtet sind.
Der Home Bias wird erst beim zweiten Blick sichtbar
Auch bei der regionalen Verteilung zeigt die Portfolioanalyse einen deutlichen Schwerpunkt. Deutschland ist mit rund 30 Prozent gewichtet. Hinzu kommen weitere Investments aus Österreich und der Schweiz. Insgesamt erreicht der deutschsprachige Raum damit eine Gewichtung von rund 40 Prozent. Die USA sind ebenfalls stark vertreten. Ein solcher Home Bias muss nicht grundsätzlich falsch sein. Wer Deutschland bewusst stärker gewichten möchte, kann das natürlich tun. Anleger sollten aber wissen, welche Wette sie damit eingehen.
Gerade bei einem Depot mit mehr als 80 Positionen ist das ohne eine detaillierte Portfolioanalyse kaum noch aus dem Bauch heraus zu erkennen. Einzelaktien überschneiden sich mit ETFs, Unternehmen tauchen über verschiedene Produkte mehrfach auf und bestimmte Branchen können unbemerkt immer größer werden. So finden sich beispielsweise Nvidia und Siemens Energy nicht nur als Einzelaktien im Portfolio, sondern teilweise zusätzlich über ETFs.
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Von Dividenden leben – funktioniert Karls Strategie?
Karls langfristiges Ziel ist nicht nur Vermögensaufbau. Er möchte später auch von den Erträgen seines Portfolios leben. Diesen Gedanken erkennt man an verschiedenen Stellen seines Depots. Neben klassischen Aktien setzt er unter anderem auf Dividenden-ETFs, Income-Produkte und Immobilieninvestments.
Aktuell fließen im Durchschnitt ungefähr 250 Euro Dividenden pro Monat. Das ist bereits ein schöner zusätzlicher Cashflow. Allerdings zeigt die Analyse auch, dass sich die Ausschüttungen zuletzt nicht besonders dynamisch entwickelt haben. Eine konsequente Dividendenwachstumsstrategie lässt sich aus der bisherigen Entwicklung daher nicht erkennen. Hinzu kommt: Karl ist erst 42 Jahre alt und verfügt über ein sehr hohes laufendes Einkommen. Er benötigt die Ausschüttungen derzeit also eigentlich nicht.
Für Anleger in einer vergleichbaren Situation stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Muss das Portfolio heute bereits möglichst viel Einkommen ausschütten? Oder wäre es sinnvoller, Erträge zunächst automatisch wieder anzulegen und erst später – etwa über einen Entnahmeplan – regelmäßige Einnahmen aus dem Vermögen zu erzeugen?
So könnte Karl sein Depot einfacher strukturieren
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus Karls Portfolio Review lautet deshalb: Komplexität ist kein Anlageziel. Eine mögliche Struktur wäre ein klares Core-Satellite-Konzept. Ein oder mehrere breit gestreute ETFs könnten den Kern des Portfolios bilden. Dort würde der größte Teil des Vermögens investiert und regelmäßig weiter bespart.
Wer zusätzlich Freude an Einzelaktien hat oder bestimmte Unternehmen bewusst stärker gewichten möchte, kann diese als Satelliten ergänzen. Statt Dutzender kleiner Positionen könnten dafür beispielsweise einige wenige bewusst ausgewählte Investments ausreichen.
Genau dadurch könnte Karl mehrere Probleme gleichzeitig angehen: weniger Verwaltungsaufwand, weniger Überschneidungen, eine transparentere regionale Verteilung und eine bessere Kontrolle über einzelne Aktien- und Branchenrisiken. Denn am Ende sollte nicht die Anzahl der Positionen darüber entscheiden, wie ein Depot aufgebaut ist. Entscheidend ist das persönliche Finanzziel – und die Frage, welche Struktur dieses Ziel möglichst effizient erreicht.
Was Anleger aus Karls Depot lernen können
Karls Portfolio zeigt sehr anschaulich, warum es sinnvoll ist, das eigene Depot regelmäßig als Ganzes zu betrachten. 83 einzelne Investments können sich jeweils gut begründen lassen. Zusammengenommen können daraus trotzdem ungewollte Schwerpunkte entstehen.
Genau dafür kannst du den extraETF Portfolio Tracker nutzen. Dort kannst du deine Depots zusammenführen und analysieren, wie dein Vermögen tatsächlich über einzelne Positionen, Länder, Branchen und Anlageklassen verteilt ist. So erkennst du beispielsweise Überschneidungen und Klumpenrisiken, die beim Blick auf einzelne ETFs oder Aktien kaum sichtbar sind.
Du möchtest sehen, wie wir Karls Depot im Detail analysieren und welche Änderungen wir diskutieren? Das vollständige Portfolio Review findest du im eingebetteten Video zu diesem Beitrag.
Weitere echte Anlegerdepots und ausführliche Portfolio Reviews findest du außerdem auf dem YouTube-Kanal von extraETF. Und wenn du wissen möchtest, wie dein eigenes Portfolio tatsächlich aufgestellt ist, kannst du es mit dem extraETF Portfolio Trackerselbst analysieren – oder dich mit deinem Depot für eines unserer nächsten Portfolio Reviews bewerben.


