9. September 2026
Agraraktien oder Agrarrohstoffe – welche ETFs sind besonders attraktiv?

Wachsende Weltbevölkerung: Dieser Agribusiness-ETF will davon profitieren

Mehr als acht Milliarden Menschen müssen satt werden – Tendenz steigend. Dieser neue Agribusiness-ETF setzt auf diese Entwicklung.

Alle viereinhalb Tage wächst die Weltbevölkerung um eine weitere Million Menschen, rechnet die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) vor. Genau auf diesen Trend setzt der neue thesaurierende VanEck Agribusiness UCITS ETF (WKN: A42JH4). Damit erhält der ebenfalls thesaurierende iShares Agribusiness UCITS ETF USD (Acc) (WKN: A1JKQK) nach 15 Jahren Konkurrenz. Einen laufend aktualisierten Überblick über das gesamte Themensegment bietet dir die Themenseite zu Landwirtschafts-ETFs.

Was der neue Agribusiness-ETF abbildet

Der VanEck Agribusiness UCITS ETF investiert weltweit in Unternehmen des Agribusiness-Sektors. Doch was heißt Agribusiness? Der Begriff ist ein Kunstwort bestehend aus agriculture (Landwirtschaft) und business (Geschäft). Gemeint ist also die gesamte Wertschöpfungskette der Nahrungsmittel- und Rohstoffgewinnung, von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis zum Endverbraucher. In der Umsetzung sieht das dann so aus: Aufgenommen werden Unternehmen, die zum Zeitpunkt der Indexaufnahme mindestens 50 Prozent ihrer Umsätze in folgenden Bereichen erwirtschaften:

  • Agrarchemikalien und Düngemittel
  • Saatgut und Pflanzeneigenschaften
  • Land- und Bewässerungstechnik
  • Agrarprodukte, Anbau und Plantagenwirtschaft
  • Aquakultur und Fischerei
  • Viehzucht sowie Tiergesundheit
  • Handel mit Agrarrohstoffen

Damit unterscheidet sich der ETF grundlegend von Rohstoff-ETCs auf Weizen, Mais oder Soja: Statt auf Agrarrohstoffpreise zu setzen, investiert er in die Aktien der Unternehmen, die entlang der Wertschöpfungskette liefern – von Düngemittel- und Saatguther¬stellern über Landmaschinenbauer bis zu Bewässerungsspezialisten und Agrarhändlern. Somit besteht für dich nicht die Gefahr von Rollverlusten. Dazu mehr im Beitrag „In Rohstoffe investieren“.

Abgebildeter Index und Portfoliostruktur

Der Aktien-ETF bildet den MVIS Global Agribusiness Total Return Net Index (MVMOOTR) ab, den Vaneck bereits seit 18. Juli 2012 pflegt, was für dich den Vorteil hat, dass bereits langfristige Performance-Zahlen gibt. So ergibt sich etwa auf Sicht von zehn Jahren eine jährliche Rendite von 7,52 Prozent. Einen ähnlichen Wert sehen beim Gegenspieler von iShares mit 7,17 Prozent, der jedoch in diesem Jahr bisher die Nase vorne hat.

Der Vaneck-ETF umfasst derzeit 46 Positionen. Die gewichtete durchschnittliche Marktkapitalisierung der Portfoliounternehmen liegt bei rund 37,6 Milliarden US-Dollar, die zehn größten Positionen machen zusammen rund 59 Prozent des Fondsvermögens aus – angeführt von Bayer, Deere & Co., Corteva und Nutrien. Wie sich das Portfolio des neuen Vaneck-ETF im Vergleich zum etablierten iShares-Pendant zusammensetzt, zeigt der direkte Vergleich:

KennzahlVanEck Agribusiness UCITS ETFiShares Agribusiness UCITS ETF USD (Acc)
Top-LandUSA (rund 51 Prozent)USA (rund 53 Prozent)
2. LandDeutschland (rund 10 Prozent)Japan (rund 9 Prozent)
3. LandKanada (rund 7 Prozent)Kanada (rund 7 Prozent)
Anzahl Positionen46103
Top-10-Gewicht59 Prozent55,8 Prozent
Gesamtkostenquote (TER)0,55 Prozent p.a.0,55 Prozent p.a.
Quellen: Vaneck-Factsheet (Stand nahe Auflage) und extraETF-Profil des iShares Agribusiness UCITS ETF (Datenstand 9. September 2026)

Bei identischer Gesamtkostenquote (TER) unterscheiden sich die beiden Angebote vor allem in der Länderstreuung und der Konzentration: Während bei den USA beide ETFs ähnlich stark gewichtet sind, taucht Deutschland nur beim Vaneck-ETF unter den Top-Ländern auf, während der iShares-ETF an zweiter Stelle stärker auf Japan setzt. Mit 103 gegenüber 46 Positionen ist der iShares-ETF insgesamt breiter gestreut, während der neue Vaneck-ETF konzentrierter aufgestellt ist.

Einordnung: Warum jetzt ein Agribusiness-ETF?

Vaneck begründet den Schritt, einen Agribusiness-ETF einzuführen mit einer ganz strukturellen Entwicklung. Die Vereinten Nationen (World Population Prospects, 2024) rechnen mit einem Anstieg der Weltbevölkerung von 8,2 Milliarden Menschen im Jahr 2024 auf einen Höchststand von rund 10,3 Milliarden Mitte der 2080er-Jahre.

Gleichzeitig verweist der UK Food Security Report 2024 darauf, dass die weltweite landwirtschaftliche Nutzfläche bereits um das Jahr 2000 ihren Höchststand erreicht hat und seither stagniert. Um die Lücke zwischen begrenzter Anbaufläche und steigender Nachfrage zu schließen, seien höhere Erträge und mehr Präzisionslandwirtschaft nötig. Als zusätzlichen Belastungsfaktor nennt Vaneck den Stickstoffverlust durch wärmere Böden und veränderte Niederschlagsmuster (unter Verweis auf eine Studie von Bowles et al. in Nature Sustainability, 2018): Weltweit nähmen Nutzpflanzen bislang nur etwa die Hälfte des zugeführten Stickstoffs auf (World Resources Institute, 2019), eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 lege jedoch nahe, dass sich dieser Wert durch besseres Nährstoffmanagement auf rund drei Viertel steigern ließe – ein Treiber für die Nachfrage nach verbesserter Saatgutgenetik, effizienteren Düngemitteln und präziserer Ausbringungstechnik.

Die zugrunde liegende demografische Entwicklung lässt sich auch mit anderen Quellen belegen: Nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die sich ebenfalls auf UN-Prognosen stützt, ist mit einem jährlichen Zuwachs von rund 82 bis 83 Millionen Menschen weltweit zu rechnen – also jedes Jahr „einmal Deutschland“. Das Wachstum konzentriert sich laut DSW nahezu vollständig auf den globalen Süden, während Europas Bevölkerung tendenziell schrumpft.

Ein Gegenpol im Depot?

Aus Portfoliosicht könnte eine kleine Position sinnvoll sein, Experten sehen im Sektor eine hohe Nachfragestabilität. Der Lebensmittelverbrauch bleibt über Konjunkturzyklen hinweg vergleichsweise gleichmäßig, und viele Unternehmen der Wertschöpfungskette können steigende Vorleistungskosten mit zeitlicher Verzögerung weitergeben. Ein Agribusiness-Engagement könne dadurch in inflationären oder von Lieferengpässen geprägten Phasen als möglicher Portfoliopuffer wirken, auch wenn die tatsächlichen Anlageergebnisse davon abweichen können.

Zudem lässt sich das in vielen Depots hohe Tech-Exposure senken. „Hier investiert man in die Realwirtschaft“, sagt Martijn Rozemuller, Leiter von Vaneck in Europa. Der Agribusiness-Ansatz biete laut Rozemuller nur begrenzte Berührungspunkte zu den technologielastigen Wachstumswerten, die breite Standardindizes heute dominieren. Beachte jedoch: Es können immer Risiken drohen, etwa durch Schwankungen bei Angebot, Nachfrage und Preisen von Agrarrohstoffen sowie durch politische, wirtschaftliche, regulatorische und ökologische Einflüsse.

Konkurrenzsituation in Europa

Bislang gab es in diesem Bereich nur den iShares Agribusiness UCITS ETF USD (Acc) (WKN: A1JKQK). Er bildet den S&P Commodity Producers Agribusiness Index physisch und vollständig ab, ist thesaurierend, weist ebenfalls eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,55 Prozent im Jahr auf und kommt aktuell auf ein Fondsvolumen von rund 310 Millionen Euro bei 103 Aktienpositionen. Aufgelegt wurde er bereits am 16. September 2011. Bei identischer TER unterscheiden sich die beiden Angebote also vor allem in Fondsgröße und -historie. Auch der unterschiedliche Anteil Deutschlands ist auffällig.

Praktische Einordnung für Portfolios

Themen-Produkte wie Agribusiness-ETFs sollten im Depot grundsätzlich nur als Ergänzung und nicht als Kernbaustein dienen. Im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie bildet ein breit diversifizierter Welt-ETF den stabilen Kern (Core) des Portfolios, während thematische oder sektorale ETFs wie ein Agribusiness-Fonds als Satellit gezielt beigemischt werden, um auf einzelne Trends zu setzen – bei entsprechend höherem Konzentrationsrisiko. Ein Agribusiness-ETF eignet sich in diesem Sinne als thematische Beimischung für Anleger, die gezielt auf den Megatrend Ernährungssicherheit und Agrartechnologie setzen möchten, ohne eine Einzelwette auf Agrarrohstoffpreise einzugehen.

Gerade bei einer solchen Core-Satellite-Struktur ist es wichtig, den Überblick über die Gesamtgewichtung von Core- und Satellite-Positionen zu behalten, damit der Satellit nicht ungewollt zu groß wird und das Risikoprofil des Depots verzerrt. Wer prüfen möchte, wie sich eine neue Satellite-Position wie der VanEck Agribusiness UCITS ETF auf die eigene Sektor- und Regionengewichtung auswirkt, kann den ETF mit dem extraETF Portfolio Tracker einfach ins bestehende Depot einbinden und die Diversifikationseffekte sowie den Anteil am Gesamtportfolio transparent nachvollziehen. Ergänzend liefert der ETF-Vergleich von extraETF einen direkten Abgleich mit dem iShares Agribusiness UCITS ETF sowie weiteren Themen- und Rohstoff-ETFs, etwa über die Themenseite zu Landwirtschafts-ETFs.

Fazit:  Langfristige Treiber sind erkennbar

Langfristig dürfte die Agrarwirtschaft durch strukturelle Wachstumstreiber gestützt werden: Während die Weltbevölkerung weiter wächst, stagniert die global verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche. Um die steigende Nachfrage zu decken, könnten höhere Erträge, eine effizientere Nährstoffbewirtschaftung und präzisere Anbaumethoden daher an Bedeutung gewinnen. Zugleich erhöhen Klimaschwankungen und anfällige Lieferketten den Druck auf die Branche. Aber wie gesagt: Solche Investments sind dennoch lediglich als kleine Beimischung zu sehen.