
Sparkassen kontern Neobroker: Deka macht Altersvorsorgedepot zur Kampfansage
Die Sparkassen ziehen beim Altersvorsorgedepot nach – mit Konditionen auf Neobroker-Niveau. Was der Deka-Vorstoß für uns alle bedeutet.
Bisher war die Vermutung, dass vor allem Neobroker das Rennen um das neue Altersvorsorgedepot (AVD) machen. Scalable Capital, Quirion und Smartbroker haben in den vergangenen Wochen mit Kampfpreisen vorgelegt und damit den gesetzlichen Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr weit unterboten. Jetzt zieht mit der Deka – dem Wertpapierhaus der Sparkassen – einer der größten deutschen Institute nach, und die Konditionen können sich sehen lassen. Für die Neobroker wird der erhoffte Standortvorteil damit deutlich kleiner. Und auch andere Filialbanken geraten unter Zugzwang. Für dich als Kunde ist das eine tolle Nachricht, schließlich unterbieten sich die Banken derzeit mit günstigen Konditionen für das Altersvorsorgedepot.
Sparkassen greifen an: Das bietet Deka beim Standarddepot
Ab Januar 2027 will die Deka ihr Altersvorsorgeangebot bei allen Sparkassen vor Ort und digital über die Sparkassen-App ausrollen. Beim Standardangebot fallen laut Deka lediglich 0,1 Prozent Effektivkosten pro Jahr an – und zwar ausschließlich für die dahinterliegenden ETFs. Depotführung und Zulagenverwaltung sind kostenlos. Investiert wird über einen weltweit anlegenden Aktien-ETF sowie einen europäischen Rentenfonds, wobei Kunden zwischen einer klassischen Variante mit automatischer Risikoreduzierung vor Rentenbeginn und einer individuellen Variante mit selbst steuerbarer Aktienquote wählen können.
Wer aktiv verwaltet vorsorgen möchte, kann zum Individualprodukt greifen: Hier managt die Deka ein Portfolio aus bis zu drei Fondsbausteinen entlang eines Lebenszyklusmodells, die effektiven Kosten liegen je nach Vertragslaufzeit zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr. Für Kinder und Jugendliche gibt es flankierend die Frühstartrente – ebenfalls zu 0,1 Prozent Effektivkosten. Wichtig für alle Zahlen: Sämtliche Konditionen stehen noch unter dem Vorbehalt der Bafin-Genehmigung, die für November erwartet wird.
| Produkt | Zielgruppe | Anlage | Effektivkosten p. a. | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Standarddepot (klassisch) | Alle Förderberechtigten | Welt-Aktien-ETF, ab 5 Jahre vor Renteneintritt automatische Umschichtung in europäische Unternehmensanleihen | 0,1 Prozent | Depot & Zulagenverwaltung kostenlos |
| Standarddepot (individuell) | Alle Förderberechtigten | Wie klassische Variante, Aktienquote aber selbst in der Sparkassen-App steuerbar | 0,1 Prozent | Kostenlose Eigenregie bei der Aktienquote |
| Individualprodukt (chancenorientiert) | Anleger mit höherer Risikobereitschaft | Aktiv gemanagtes Portfolio aus bis zu 3 Fondsbausteinen, spätere Reduzierung der Aktienquote | 1,0 bis 1,5 Prozent | Aktives Management über die gesamte Laufzeit |
| Individualprodukt (balanceorientiert) | Sicherheitsorientierte Anleger | Wie oben, Aktienquote wird früher reduziert | 1,0 bis 1,5 Prozent | Frühere Risikoreduzierung |
| Frühstartrente | Kinder und Jugendliche | Analog zum Standarddepot | 0,1 Prozent | Ergänzt das Standard-Altersvorsorgedepot |
| Quelle: Deka | ||||
Wie die Deka im Wettbewerbsvergleich dasteht
Damit reiht sich die Deka in einen Preiskampf ein, der erst vor wenigen Wochen so richtig Fahrt aufgenommen hat. Scalable Capital hatte als erster Neobroker mit günstigen Gebühren beim Altersvorsorgedepot vorgelegt und damit die Konkurrenz unter Druck gesetzt: Die Gesamtkostenquote soll dort maximal 0,15 Prozent jährlich betragen, im ersten Jahr sogar null Prozent, Konto- und Depotführung sind kostenlos.
Kurz darauf zogen weitere Anbieter nach – und unterboten Scalable Capital teils sogar. Quirion hat sich für sein Standarddepot mit Vanguard zusammengetan; die beiden eingesetzten Indexfonds kommen dort auf laufende Kosten von 0,07 beziehungsweise 0,08 Prozent pro Jahr, eigene Depotgebühren erhebt der digitale Vermögensverwalter nicht. Auch Smartbroker positioniert sich aggressiv: Depotseitige Gebühren sollen dauerhaft entfallen, in den ersten drei Jahren zusätzlich auch die laufenden ETF-Kosten – danach bleiben sie nach Unternehmensangaben überwiegend unter 0,15 Prozent pro Jahr.
Deka reiht sich mit ihren 0,1 Prozent ETF-Kosten preislich also zwischen Scalable Capital und den noch günstigeren Angeboten von Quirion und Smartbroker ein – schlägt damit aber die eigene Zunft: Union Investment, der Fondsanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken, peilt für sein Standarddepot laut dem Wirtschaftsinformationsdienst „Platow-Brief“ Gesamtkosten von rund 0,65 Prozent an und setzt dabei auf aktiv gemanagte ETFs statt auf einen reinen Indexansatz.
| Tipp: Immer mehr Anbieter-Konditionen werden bekannt: Jetzt in die Altersvorsorgedepot-Startliste eintragen. |
Warum das für die gesamte Altersvorsorgedepot-Landschaft relevant ist
Die eigentliche Nachricht liegt weniger in der genauen Kommastelle als in der Tatsache, dass ausgerechnet die vergleichsweise konservativen und immer noch sehr bedeutenden Sparkassen bei den AVD-Kosten mit den Neobrokern mithalten kann. Das war so nicht unbedingt zu erwarten: Klassische Filialbanken galten lange als teurer und träger als digitale Broker. Mit der Deka zeigt jetzt einer der größten Wertpapierdienstleister des Landes – immerhin mit 6,2 Millionen betreuten Depots und 485 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen –, dass auch etablierte Strukturen niedrige Kosten anbieten können, sobald der Wettbewerbsdruck groß genug ist.
Für die Neobroker bedeutet das: Ihr wichtigstes Verkaufsargument beim Altersvorsorgedepot – deutlich günstiger zu sein als die „alte“ Bankenwelt – trägt nicht mehr uneingeschränkt – zumindest in Bezug auf das Altersvorsorgedepot. Anders ist das in der Regel beim klassichen Depot: Jetzt zum Depot-Vergleich.
Gleichzeitig bringt die Deka über das Sparkassen-Filialnetz und die Sparkassen-App einen Vertriebskanal mit, an den kein Neobroker herankommt. Für andere Filialbanken wiederum setzt die Deka-Ankündigung einen Maßstab: Wer beim AVD mitspielen will, wird sich an Konditionen im Bereich von 0,1 bis 0,15 Prozent messen lassen müssen – deutlich unter dem gesetzlichen Deckel von einem Prozent.
Die Menschen wollen vorsorgen – wissen aber nicht wie
Dass der Bedarf groß ist, zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Deka unter gut 3.100 Personen zwischen 18 und 60 Jahren: 77 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die gesetzliche Rente künftig für ihren Lebensstandard reicht, 72 Prozent befürchten deshalb, im Alter kürzertreten zu müssen. Gleichzeitig ist jeder Zweite (54 Prozent) unsicher, wie er sein Geld für die Altersvorsorge anlegen soll – nur 38 Prozent beschäftigen sich eigenen Angaben zufolge gerne mit dem Thema. An dieser Stelle solltest du den Rentenlückenrechner nutzen.
| Tipp: In vielen Fällen wird die gesetzliche Rente nicht reichen, informiere dich also jetzt über das Altersvorsorgedepot. |
„Die Menschen machen sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft im Alter. Wir stehen vor einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, breiten Bevölkerungsschichten eine verlässliche Altersvorsorge zu ermöglichen“, kommentiert Deka-Vertriebschef Dirk Peters die Ergebnisse.
Unsere Einordnung: Was das für dich bedeutet
Spätestens seit diesem Deka-Vorstoß rechnen wir damit, dass sich beim Altersvorsorgedepot branchenweit günstigere Kosten durchsetzen werden. Trotzdem lohnt sich für dich der genaue Vergleich. Die in diesem Beitrag maximale Spanne von 0,07 bis 0,65 Prozent Effektivkosten macht sich über Jahrzehnte deutlich in der Rendite bemerkbar. Probiere deshalb am besten selbst aus, wie sich unterschiedliche Anbieter und Kostenquoten auf dein Vorsorgekapital auswirken – mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner. Da noch nicht alle Anbieter ihre finalen Konditionen veröffentlicht haben und die Deka-Konditionen zudem unter Bafin-Vorbehalt stehen, lohnt es sich, bis zum Start im Januar 2027 am Ball zu bleiben.