5. September 2026
50 Jahre Indexfonds: Wie eine grandiose Idee als Flop begann

50 Jahre Indexfonds: Wie eine grandiose Idee als Flop begann

1976 startete Vanguard den ersten Indexfonds – aus anfänglichem Spott wurde die ETF-Erfolgsstory. 2027 folgt der nächste große Schritt für dich.

Es klingt fast zu simpel, um eine Revolution auszulösen: ein Fonds, der einfach nur den Markt abbildet, statt ihn schlagen zu wollen. Genau das war die Idee von John C. Bogle, dem im Januar 2019 verstorbenen Gründer von Vanguard. Am 31. August 1976 legte seine damals noch junge Fondsgesellschaft den „First Index Investment Trust“ auf – den ersten öffentlich zugänglichen Indexfonds auf den S&P 500 für Privatanleger. Heute, 50 Jahre später, gilt dieser Tag als Geburtsstunde einer ganzen Anlageklasse.

Indexfonds: Vom Spott zum Standard

Der Start war alles andere als triumphal. Bogle hatte gehofft, zwischen 150 Millionen US-Dollar an Kapital einzusammeln, tatsächlich kamen nur rund 11,3 Millionen US-Dollar zusammen. An der Wall Street wurde das Produkt daraufhin süffisant als „Bogles Folly“ verspottet, Kritiker nannten die passive Idee sogar „unamerikanisch“. Wer aktiv Aktien auswählt und den Markt schlagen will, so die vorherrschende Meinung jener Zeit, betreibt echtes Investieren – ein Fonds, der lediglich einen Index nachbildet, könne das nicht sein.

Die Geschichte gab Bogle recht. Aus dem vermeintlichen Rohrkrepierer wurde die Blaupause für eine Branche, die heute mehr als die Hälfte des US-Fondsvermögens ausmacht und die Grundlage für die Explosion der ETF-Industrie legte. Allein der heutige Vanguard 500 Index Fund verwaltet über alle Anteilsklassen hinweg rund 1,7 Billionen US-Dollar. Vanguard feierte den Jubiläumstag unter anderem mit der Ausstellung eines Original-Anteilscheins von 1976 im Museum of American Finance in Boston.

Warum der Jahrestag auch hierzulande zählt

Für deutsche ETF-Anlegerinnen und -Anleger ist dieser 50. Geburtstag mehr als eine amerikanische Fußnote. Bogles Grundidee – breite Streuung, niedrige Kosten, langer Atem statt Markttiming – ist genau das Fundament, auf dem auch europäische Indexfonds und ETFs aufbauen. Ohne den „First Index Investment Trust“ von 1976 gäbe es heute vermutlich weder den MSCI-World-ETF im Sparplan noch die kostengünstigen Dax-Produkte, mit denen viele hierzulande ihr Portfolio aufbauen.

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Die Bilanz von 50 Jahren Indexinvesting zeigt vor allem eines: Geduld und niedrige Kosten schlagen auf lange Sicht Prognosen und Einzelwetten. Ein Prinzip, das für Sparpläne genauso gilt wie für die private Altersvorsorge.

Wie lebendig dieses Prinzip bis heute ist, zeigt ausgerechnet Vanguard selbst: Erst kürzlich hat der Anbieter mit dem Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF einen der breitesten Welt-ETFs auf den Markt gebracht – mit rund 7.000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern inklusive Small Caps und einer TER von nur 0,07 Prozent. Fast 50 Jahre nach „Bogles Folly“ treibt Vanguard das ursprüngliche Versprechen also munter weiter: möglichst viel Markt, möglichst wenig Kosten. Hier noch eine Übersicht:

Welt-ETFs mit Industrie-und Schwellenländern sowie Nebenwerten

ETFIndexTERAktien im ETF (ca.)Titel im Index (ca.)
SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETFMSCI ACWI IMI0,17 %4.9008.200
Vanguard ESG Global All Cap UCITS ETFFTSE Global All-Cap Choice (ESG-gefiltert)0,24 %5.6008.300
Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETFFTSE Global All-Cap0,07 %7.00010.100
Quellen: MSCI-Factsheet "MSCI ACWI IMI Index (USD)", Stand: 30. Juni 2026. / Vanguard-Datenblatt "Vanguard ESG Global All Cap UCITS ETF (USD) Accumulating", Stand: 30. Juni 2026. / Vanguard-Factsheet "Vanguard FTSE Global All Cap Index Fund (Institutional Plus GBP Acc)", Stand: 31. Juli 2026 – bildet denselben Index ab wie der neue UCITS-ETF. / Angabe einer Vanguard-Sprecherin gegenüber extraETF.

2027 folgt der nächste große Schritt

Passend dazu steht auch für deutsche Privatanleger bald ein Meilenstein an: Im Januar 2027 startet mit dem Altersvorsorgedepot (AVD) ein neues, staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt, das die private Altersvorsorge in Deutschland spürbar verändern dürfte. Anders als klassische Riester- oder Rürup-Verträge setzt das AVD konsequent auf breit gestreute, kostengünstige Indexfonds und ETFs – im Kern also auf genau das Prinzip, das Bogle vor 50 Jahren etabliert hat.

Wer schon heute mit ETF-Sparplänen von niedrigen Kosten und breiter Diversifikation profitiert, dürfte sich mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027 auf vertrautem Terrain bewegen. Mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner lässt sich schon jetzt durchspielen. Trage dich gleich in die AVD-Startliste ein.

Mit dem extraETF Portfolio Tracker lässt sich zudem schon jetzt verfolgen, wie sich das eigene ETF-Depot entwickelt – und wie gut man für die kommenden Änderungen bei der Altersvorsorge aufgestellt ist.