Aktive ETFs: Vom Nischenprodukt zum Wachstumsmotor

Aktive ETFs wachsen rasant: Rekordvermögen, Hunderte neue Produkte. Was dahintersteckt und welche Rolle sie in deinem Altersvorsorgedepot spielen können.
ETFs stehen längst nicht mehr nur für passive Indexfonds. Immer mehr Anbieter packen aktive Strategien in den ETF-Mantel – und Anleger greifen zu. Aus dem einstigen Nischenprodukt ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente des ETF-Markts geworden. In Europa erreichte das Vermögen aktiver ETFs Ende September 2026 laut dem aktuellen Report „Exchange-Traded Europe“ von HANetf einen Rekord von 144,4 Milliarden US-Dollar. Nach einem Plus von 86 Prozent im Jahr 2025 kamen seit Jahresbeginn weitere mehr als 50 Prozent hinzu, allein im dritten Quartal 9,4 Prozent. Netto flossen den Produkten in diesem Quartal 13,1 Milliarden US-Dollar zu. Das waren zwar 17,5 Prozent weniger als im Vorquartal, aber weiterhin ein hohes Niveau.
Zur Einordnung: Der gesamte europäische ETP-Markt kam Ende September laut HANetf-Report auf rund 3,9 Billionen US-Dollar. Aktive ETFs machen davon nur einen kleinen Teil aus, sammeln aber überproportional viel neues Geld ein.
Auch das Angebot wächst rasant. Inzwischen gibt es in Europa 433 aktive ETFs, 118 davon wurden 2026 aufgelegt. Und der Trend dürfte anhalten: Rund 70 Prozent der etwa 150 Anfragen für neue ETFs, die HANetf im dritten Quartal erhielt, betrafen aktive Strategien. Die Zahlen spiegeln zwar nur einen Anbieter wider, zeigen aber, wohin sich die Branche bewegt.
Fast doppelt so viele aktive ETFs in einem Jahr
| Aktive ETFs in Deutschland | August 2025 | August 2026 |
|---|---|---|
| Verwaltetes Vermögen (in Euro) | 63,4 Milliarden | 118,6 Milliarden |
| Anzahl Produkte | 183 | 345 |
| Anzahl Anbieter | 27 | 59 |
Marktführer bleibt J.P. Morgan Asset Management mit 47,2 Milliarden Euro. Besonders gefragt sind Enhanced-Strategien, die nur leicht vom Index abweichen. Laut Scope und FondsConsult kosten aktive Aktien-ETFs im Schnitt 0,42 Prozent pro Jahr, aktive Anleihen-ETFs 0,27 Prozent.
Aktive ETFs: Ergänzung statt Ersatz
„Aktive ETFs machten Ende 2025 lediglich zehn Prozent des globalen ETF-Vermögens aus, dabei entfielen auf sie 2025 rund 25 Prozent der Nettozuflüsse“, sagt Dag Rodewald, Head ETF & Index Fund Sales Germany & Austria bei UBS Asset Management.
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Der ETF sei nur eine Hülle, in der sich passive wie aktive Strategien umsetzen lassen. Viele Investoren nutzen aktive ETFs deshalb als Ergänzung zum Kern. „Es geht also nicht um die Frage ‚aktiv oder passiv‘, sondern vielmehr um die sinnvolle Kombination beider Ansätze.“
Wo aktive ETFs punkten können
- Trends: Entwicklungen verändern sich schnell. Aktive Manager können flexibler reagieren als ein starrer Index. Das hätte beispielsweise jüngst im Bereich von Staatsanleihen hilfreich sein können, denn viele passive Produkte zu Euro-Staatsanleihen haben oft einen hohen Frankreich-Anteil. Zuletzt schnellten die zehnjährigen französischen Staatsanleihen aufgrund akuter Haushaltsprobleme über die Fünf-Prozent-Hürde.
- Income-Strategien: Sie kombinieren Dividenden, Aktienrückkäufe und Optionsprämien aus Covered Calls – und streuen damit breiter als klassische Dividenden-ETFs. Der JPM Nasdaq Equity Premium Income Active ETF (WKN: A40FFF) verbuchte laut Scope die höchsten Zuflüsse aller aktiven ETFs. Dieser ETF dürfte bis Ende 2026 laut extraETF-Datenbank mehr als zehn Prozent ausschütten.
Die Schattenseiten von aktiven ETFs
- Kosten: Aktive ETFs sind teurer als Index-ETFs, aber meist günstiger als klassische aktive Fonds.
- Spreads: Wechselt die Zusammensetzung häufig, können die Handelskosten an der Börse höher ausfallen.
- Überlebensquote: Laut Scope werden sich nicht alle neuen Produkte halten. Achte daher auf Fondsgröße und Track Record – beides kannst du in der Suche für aktive ETFs direkt vergleichen.
Rückenwind durch das Altersvorsorgedepot
Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot (AVD). Scope erwartet mittel- bis langfristig Zuflüsse von 30 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr. Fast jeder zweite von FondsConsult befragte Fondsanbieter will aktive ETFs in Standarddepots einsetzen.
Im Standarddepot sind die Kosten auf ein Prozent gedeckelt – aktive ETFs passen da grundsätzlich hinein. Im freien Depot gibt es keinen Deckel, dort können sie den passiven Kern ergänzen. Wichtig für dich: Über Jahrzehnte fressen schon kleine Kostenunterschiede viel Rendite.
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Fazit: Aktive ETFs als Beimischung
Aktive ETFs sind gekommen, um zu bleiben – als Beimischung, nicht als Ersatz. Das Fundament bleibt für die meisten Anleger ein breiter, günstiger Welt-ETF. Wer aktiv ergänzt, sollte wissen, welche Strategie er kauft und was sie kostet. Wie ein aktiver ETF dein Gesamtportfolio verändert, siehst du im extraETF Portfolio Tracker.


