Small Caps schlagen Large Caps: Das steckt hinter der Rally der Nebenwerte

Small Caps schlagen die Large Caps seit April 2025 deutlich. Experten nennen die Gründe – und erklären, warum niedrige Zinsen dafür nicht nötig sind.
Während alle auf KI und die Tech-Riesen schauen, haben Nebenwerte – auch Small Caps genannt – still die Führung übernommen. Nach rund 14 Jahren im Schatten der Large Caps liegen Nebenwerte seit 2025 vorn – und auch 2026. Seit dem Zollschock rund um den „Liberation Day“ im April 2025 hat der Russell 2000 den S&P 500 laut Janus Henderson um rund 14 Prozentpunkte abgehängt, seit Jahresbeginn um rund sieben Prozentpunkte.
Für die Portfoliomanager Jonathan Coleman und Aaron Schaechterle ist das kein Strohfeuer: „Der aktuelle Small-Cap-Zyklus wird von einem breit angelegten, realen Gewinnwachstum getragen.“ Die Treiber im Überblick.
Small Caps sind noch günstig
Bis April 2025 waren Small Caps gegenüber Large Caps so billig wie fast nie: Sie lagen unter den günstigsten fünf Prozent der relativen Bewertungen der vergangenen Jahrzehnte. Der Abstand ist seither geschrumpft, gemessen am erwarteten KGV aber weiter historisch attraktiv. „Trotz der Rally sind wir nicht der Ansicht, dass Anleger die Gelegenheit bereits verpasst haben“, so Coleman und Schaechterle.
Kurz erklärt: Small Caps sind börsennotierte Unternehmen mit geringem Börsenwert. In den USA bildet sie vor allem der Russell 2000 ab. Im MSCI World sind sie nicht enthalten. In Deutschland finden wir jene Werte im SDax.
Die Gewinne ziehen an – in der Breite
Im zweiten Quartal 2026 stieg der Gewinn je Aktie im Russell 2000 um rund 43 Prozent, erwartet waren etwa 26 Prozent. Zwei Drittel der Firmen übertrafen die Schätzungen bei Umsatz und Gewinn. Beim S&P 500 ballte sich das Wachstum dagegen bei den Schwergewichten: Kapitalgewichtet legten die Gewinne um 53 Prozent zu, beim Median-Unternehmen nur um 13,8 Prozent.
Bei den Small Caps trugen dagegen viele Branchen bei – Finanzwerte, Industrie, Halbleiter und Gesundheit. „Diese Breite deutet darauf hin, dass die Erholung bei Small Caps nicht von einer einzelnen Branche abhängt“, schreiben die Fondsmanager. Für 2027 sehen aktuelle Schätzungen bei Small Caps ein Gewinnplus von 21,8 Prozent, bei Large Caps von 10,6 Prozent – Prognosen, keine Gewissheit.
KI hilft auch den Kleinen
Viele kleinere Industrie- und Tech-Firmen liefern Ausrüstung und Komponenten für Rechenzentren und verdienen schon heute am KI-Ausbau. Langfristig könnte KI die Margen aller Unternehmen heben – bei Small Caps mit ihren niedrigeren Margen wirkt das stärker.
Das Rechenbeispiel von Janus Henderson: Zwei Prozentpunkte mehr Marge bringen bei einer Ausgangsmarge von sechs Prozent rund 33 Prozent mehr Gewinn, bei 20 Prozent nur rund zehn Prozent.
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Mythos: Small Caps brauchen niedrige Zinsen
Zwei der stärksten Small-Cap-Phasen – die 1970er- und die 2000er-Jahre – fielen in Zeiten höherer Zinsen und Inflation. Der Grund: Ist die Inflation breit angelegt, können auch kleine Firmen Preise erhöhen. Bei ihren niedrigen Margen schlägt das stark auf den Gewinn durch.
Coleman und Schaechterle erwarten, dass Zölle, Arbeitskräftemangel und die Fragmentierung der Globalisierung Kosten und Zinsen noch jahrelang hoch halten. Sie setzen daher auf Firmen mit starkem Cashflow und soliden Bilanzen.
Einordnung: Was du beachten solltest
Die Argumente überzeugen, garantieren aber nichts. Das solltest du beachten:
- Schwankungen: Small Caps fallen in Krisen meist stärker. Du brauchst einen langen Atem.
- Prognosen: Bleibt das erwartete Gewinnwachstum aus, fehlt der wichtigste Treiber.
- Timing: Performancezyklen dauern laut Janus Henderson oft acht bis 14 Jahre – wann einer endet, weiß niemand.
- US-Fokus: Die Daten beziehen sich auf US-Indizes.
Small Caps eignen sich daher eher als Beimischung. Wer nur einen MSCI-World-ETF hält, ist in Nebenwerten praktisch nicht investiert.
So setzt du Small Caps mit ETFs um
Bevor wir dir mögliche Durchführungswege für Nebenwerte-Investments aufzeigen, sehen wir uns, we Large-, Mid- und Small Caps definiert sind und sich unterscheiden.
Die drei Größenklassen im Überblick:
| Large Caps | Mid Caps | Small Caps | |
|---|---|---|---|
| Börsenwert (Richtwert, USA) | über 10 Mrd. US-Dollar | 2 bis 10 Mrd. US-Dollar | 0,3 bis 2 Mrd. US-Dollar |
| Beispielindizes | S&P 500, Dax | S&P MidCap 400, MDax | Russell 2000, SDax |
| Kursschwankungen | geringer | mittel | höher |
Aufgrund der höheren Kursschwankungen machen sich Anleger langfristig berechtigte Chancen auf eine Überrendite. Das höhere Risiko muss, zumindest laut Theorie zur Size-Prämie, in Form einer höheren Rendite kompensiert werden. Das hat aber, wie bereits erwähnt, jahrelang nicht geklappt. Nun weißt du, wie sich Nebenwerte unterscheiden.
Mit ETFs kannst du gezielt auf dieses Phänomen setzen. Global breit in Nebenwerte investiert beispielsweise der iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF (WKN: A2DWBY): rund 3.570 Firmen aus 23 Industrieländern, 7,9 Milliarden Euro Volumen, laufende Kosten: 0,35 Prozent.
Wer Large, Mid und Small Caps in einem Produkt will, greift zu einem ETF auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE Global All-Cap. Mehr dazu in unserem DeepDive zu Welt-ETFs.
Wenn du mit nur einem Welt-ETF überproportional auf Nebenwerte setzen möchtest, kannst du dir etwa den comdirect S&P All World State Street UCITS ETF (WKN: A41WW6) näher ansehen. Er steckt fest 20 Prozent in Small Caps – das ist wesentlich mehr als in anderen Welt-ETFs.
Fazit: Nebenwerte sind wieder da
Small Caps haben nach über einem Jahrzehnt die Führung übernommen – dank günstiger Bewertungen, breitem Gewinnwachstum und auch ohne Zinssenkungen. Ob der Zyklus Jahre trägt, hängt davon ab, ob die erwarteten Gewinne kommen. Als Beimischung zum Welt-ETF ergeben Small Caps Sinn, als schnelle Wette eher nicht.


