
Mit 62 und 420.000 Euro Depot: Warum eine einzige Aktie plötzlich zum Risiko werden kann
Ein Depot mit klarem Plan, starken Dividenden und einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte – doch ausgerechnet der größte Gewinner könnte heute zum größten Risiko werden. Im Portfolio-Review zeigen wir, warum auch erfolgreiche Anleger ihr Depot regelmäßig hinterfragen sollten.
Es beginnt mit einer Aktie, die viele Deutsche kennen: der Deutschen Telekom. Während zahlreiche Anleger nach dem Platzen der Dotcom-Blase enttäuscht das Handtuch warfen, blieb Frank am Ball. Er investierte weiter, hielt an seiner Buy-and-Hold-Strategie fest und baute sein Vermögen Jahr für Jahr aus.
Heute, mehr als zwei Jahrzehnte später, ist Frank 62 Jahre alt und besitzt ein Depot im Wert von rund 420.000 Euro. Sein Ziel ist klar definiert: Im Ruhestand soll das Depot ein regelmäßiges Zusatzeinkommen liefern. Statt auf kurzfristige Spekulation setzt er auf Dividenden, langfristiges Denken und konsequentes Durchhalten.
Ein Depot, das auf laufende Erträge ausgelegt ist
Ein Blick in das Portfolio zeigt sofort die Strategie dahinter. Den größten Teil des Vermögens investiert Frank in ausschüttende Dividenden-ETFs und etablierte Dividendenaktien. Zu den größten Positionen gehören unter anderem:
- Allianz
- VanEck Developed Markets Dividend Leaders ETF
- SPDR S&P Global Dividend Aristocrats ETF
- iShares STOXX Global Select Dividend 100 ETF
- Shares STOXX Europe Select Dividend 30 ETF
Ergänzt wird das Depot durch Gold, einen Geldmarkt-ETF, einen Laufzeiten-ETF für Unternehmensanleihen sowie einige Einzelaktien wie Deutsche Telekom, RTL, TUI und Zalando.
Auf den ersten Blick wirkt das Depot hervorragend diversifiziert. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein gemeinsames Thema: Fast alle großen Positionen setzen auf Dividenden. Dadurch überschneiden sich viele der enthaltenen Unternehmen. Titel wie Allianz, Deutsche Telekom, Johnson & Johnson oder Chevron finden sich durch die Dividenden-ETFs häufig mehrfach im Depot wieder.
Der größte Gewinner wird zum größten Klumpenrisiko
Besonders interessant ist Franks größte Einzelposition: die Allianz. Aus einem ursprünglichen Investment von knapp 48.000 Euro sind inzwischen fast 80.000 Euro geworden. Die Position liegt heute bei rund 19 Prozent des gesamten Depots. Das ist zunächst einmal eine Erfolgsgeschichte. Die Allianz hat über viele Jahre solide Gewinne erwirtschaftet, ihre Dividende kontinuierlich erhöht und den Aktienkurs deutlich gesteigert. Doch genau darin liegt die Herausforderung.
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Wenn fast jeder fünfte Euro des gesamten Vermögens in einem einzigen Unternehmen steckt, entsteht ein Klumpenrisiko. Selbst ein hervorragendes Unternehmen bleibt ein Einzelwert, dessen Entwicklung niemand sicher vorhersagen kann. Gerade Anleger, die kurz vor dem Ruhestand stehen, sollten sich deshalb die Frage stellen, ob sie einen Teil ihrer Gewinne sichern und breiter investieren möchten.
Muss Frank seine Allianz-Aktien verkaufen?
Die Antwort lautet: nicht unbedingt. Niemand muss eine erfolgreiche Position vollständig auflösen. Vielmehr kann eine schrittweise Reduzierung sinnvoll sein. Würde Frank den Anteil der Allianz beispielsweise auf etwa zehn bis zwölf Prozent des Depots senken, ließe sich das Risiko deutlich reduzieren, ohne auf einen wesentlichen Teil der Dividendenerträge verzichten zu müssen. Das frei werdende Kapital könnte anschließend in weltweit gestreute Aktien-ETFs oder Qualitätsstrategien investiert werden. So bleibt das Depot auf laufende Erträge ausgerichtet, gewinnt aber gleichzeitig an Stabilität.
Dividenden sind nicht alles
Ein weiterer interessanter Punkt zeigt sich beim Blick auf die regionale Verteilung. Durch die starke Gewichtung europäischer Dividendenstrategien und deutscher Einzelaktien ist Europa im Depot deutlich stärker vertreten als in einem klassischen Weltportfolio. Gleichzeitig spielen wachstumsstarke Technologieunternehmen nur eine untergeordnete Rolle. Das ist keineswegs falsch. Schließlich verfolgt Frank nicht das Ziel, den Markt zu schlagen, sondern ein möglichst verlässliches Einkommen zu erzielen. Dennoch lohnt sich die Frage, ob ein etwas höherer Anteil an globalen Wachstumsunternehmen langfristig zusätzliche Chancen eröffnen könnte.
Ein gelungenes Depot mit wenigen Stellschrauben
Insgesamt zeigt Franks Depot, wie erfolgreich langfristiges Investieren sein kann. Aus einer ersten Telekom-Aktie ist über viele Jahre ein Vermögen von rund 420.000 Euro entstanden. Besonders überzeugend sind die klare Strategie, die hohe Sparquote und die konsequente Ausrichtung auf regelmäßige Ausschüttungen. Gleichzeitig macht das Portfolio deutlich, dass selbst erfolgreiche Anleger ihre Gewichtungen regelmäßig überprüfen sollten. Denn oft entstehen Klumpenrisiken nicht durch neue Käufe, sondern weil einzelne Positionen über viele Jahre besonders gut laufen. Genau diese Balance zwischen Durchhalten und gelegentlichem Nachjustieren macht langfristig häufig den Unterschied.
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