
"Der ETF wird für viele Strategien der Ausgangspunkt sein – nicht die Alternative"
ETFs werden zur Kerninfrastruktur moderner Portfolios. Ein Gespräch mit Jason Xavier, Leiter EMEA & Asia, ETF Capital Markets bei Franklin Templeton Investments über die private Geldanlage in ETFs.
Der europäische ETF-Markt wächst trotz Volatilität und Regulierung. Was bedeutet das konkret für private Anleger in Europa?
Für Privatanleger heißt das vor allem: ETFs sind in Europa nicht mehr „Trendprodukt“, sondern haben sich als robuste, dauerhafte Portfoliostruktur etabliert. Das Wachstum ging selbst in volatilen Phasen und trotz regulatorischer Veränderungen weiter und ETFs wurden damit über eine Stresstest-Phase hinaus zur Kerninfrastruktur moderner Investments. Dadurch werden ETFs im Alltag von Anlegern häufiger zur Standardlösung für die Umsetzung von Allokationen – vom Sparplan bis zur breiteren Portfolioaufstellung. Gleichzeitig steigt mit dem reiferen Markt auch die Vielfalt an Lösungen, was Auswahl und Vergleichbarkeit wichtiger macht. Unterm Strich: mehr Normalisierung, mehr Durchdringung, mehr „ETF-Default“ im Privatkundengeschäft.
Asien und Lateinamerika gelten als nächste Wachstumstreiber für ETFs. Warum werden diese Regionen für Privatanleger zunehmend relevant?
Weil ETFs dort nicht nur schneller wachsen, sondern sich die Nutzung strukturell verändert: Dazu gehören die inländische Nachfrage, bessere Infrastruktur und ein verbesserter Zugang als Treiber. Entscheidend ist, dass ETFs in diesen Regionen zunehmend für langfristige Anlagen und Vermögensallokation genutzt werden – nicht mehr nur taktisch. Damit werden Asien und Lateinamerika bis 2026 stärker prägend für die Entwicklung von ETF-Vermögen und Innovation, was auch europäische Privatanleger indirekt betrifft (über Produktangebot, Marktbreite und globale Allokationsmöglichkeiten). Wer global investiert, muss diese Regionen daher eher als wachsenden „ETF-Kernmarkt“ begreifen – nicht als Randthema.
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ETFs werden heute nicht mehr nur passiv genutzt. Wie können Privatanleger mit ETFs gezielt Marktmeinungen und Risiken steuern?
ETFs werden zunehmend genutzt, um aktive Sichtweisen auszudrücken, Risiken dynamisch zu steuern und gezieltere Ergebnisse zu erreichen – also mehr als reines „Markt-Beta“. Für Privatanleger bedeutet das: ETFs werden stärker zu einem Werkzeugkasten, mit dem man Portfolioentscheidungen präziser umsetzen kann, statt nur „passiv dabei zu sein“. Gleichzeitig passt das zur Entwicklung, dass Portfolios stärker modell- und ergebnisorientiert implementiert werden – und ETFs dafür besonders geeignet sind. Praktisch heißt das: ETFs können sowohl Kernbaustein als auch gezielter Steuerungshebel sein, je nachdem, wie man Risiko und Zielprofil ausrichten will.
Sie erwarten, dass ETFs bis 2026 zum primären Anlagevehikel werden. Was heißt das für Anleger, die bisher vor allem klassische Fonds nutzen?
Die Kernaussage lautet: Bis 2026 wird der ETF für viele Strategien eher der „Ausgangspunkt“ als die Alternative sein. Traditionelle Fondsvehikel könnten häufiger zur sekundären Ausprägung werden, da der Vertrieb zunehmend plattformgetrieben ist und Portfolios vermehrt über Modelle und gewünschte Ergebnisse umgesetzt werden. Für Anleger klassischer Fonds heißt das nicht, dass sie wechseln müssen, aber dass mehr Strategieangebote und Portfolio-Bausteine zuerst als ETF gedacht werden. Entscheidend wird weniger die Vehikel-Ideologie, sondern die Frage, welche Struktur den Endanleger am besten bedient.
Viele Strategien werden inzwischen direkt für den ETF-Wrapper entwickelt. Welche Vorteile bringt das privaten Investoren?
Ein ETF-Wrapper verbindet Transparenz, Liquidität und Flexibilität. Genau daraus ergeben sich Vorteile für Privatanleger. Wenn Strategien nach dem „ETF-first“-Ansatz umgesetzt werden, soll das die Allokation und das Halten des gewünschten Exposures effizienter und präziser machen, also für weniger Reibung sorgen.
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Das ist besonders relevant, weil Portfolios laut Text stärker über Modelle und Zielergebnisse gesteuert werden und ETFs dafür das passende „Betriebssystem“ liefern. Für Privatanleger übersetzt sich das in mehr Auswahl an Lösungen, die von Beginn an auf ETF-Eigenschaften optimiert sind.
Nicht jede aktive Strategie eignet sich für einen ETF. Worauf sollten Privatanleger bei aktiven ETFs besonders achten?
Das ist richtig, nicht jede aktive Strategie eignet sich für einen ETF-Wrapper. Anleger sollten darauf achten, ob die Portfoliokonstruktion mit täglicher Transparenz funktioniert, wie sich Liquidität und Handel verhalten, wenn das Produkt wächst, und wie der ETF in ruhigen wie auch angespannten Märkten handelt. Ebenso wichtig sind Kapazitätsgrenzen und die Frage, wie Manager ihr „Intellectual Property“ trotz Transparenz schützen. Überzeugend sind aktive ETFs demnach dort, wo eine klare, konsistente Alpha-Hypothese auf robuste Umsetzung und solides Handelsdesign trifft.
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ETFs werden immer stärker für den langfristigen Vermögensaufbau genutzt. Wie sollte ein zukunftsfähiges ETF-Portfolio heute aussehen?
ETFs sollten als Kerninfrastruktur im Portfolioaufbau gedacht werden, gerade in Europa, wo sie sich als dauerhaftes Fundament etabliert haben. Gleichzeitig sollten ETFs nicht nur „passiv“ verstanden werden, weil sie zunehmend auch zur Ausdrucksform von Ansichten, zur Risikosteuerung und für zielgerichtete Ergebnisse genutzt werden.
Ein zukunftsfähiger Aufbau orientiert sich stärker an Modellen und Outcomes, wofür ETFs besonders geeignet sind. Zudem wird das Portfolio globaler gedacht, weil Asien und Lateinamerika bis 2026 als zentrale Wachstumsmärkte gelten und ETFs dort zunehmend langfristig eingesetzt werden. Und falls aktive ETFs eingesetzt werden, gehört eine bewusste Qualitätsprüfung entlang Transparenz, Liquidität und Handelsdesign dazu.