
KI-Schock an der Börse: Diese 3 Branchen-ETFs sind erstaunlich widerstandsfähig
KI wirbelt ganze Märkte durcheinander. Doch einige Branchen bleiben stabil – und könnten für ETF-Anleger jetzt besonders spannend sein.
Die Börse liebt Wachstum – aber sie hasst Unsicherheit. Genau das zeigt sich aktuell besonders deutlich in der Softwarebranche. „KI bleibt ein zentraler Treiber an den Finanzmärkten – positiv wie negativ“, stellen Laurent Denize, Co-CIO von ODDO BHF und Global CIO von ODDO BHF Asset Management fest. Während Künstliche Intelligenz (KI) in vielen Bereichen als Produktivitätsbooster gefeiert wird, wächst gleichzeitig die Angst, dass klassische Softwaremodelle durch neue KI-Agenten und Automatisierung massiv unter Druck geraten könnten. Das zeigte sich jüngst bei den sogenannten SAAS-Aktien, also den Software-as-a-Service-Aktien. So verlor beispielsweise die Aktie des deutschen Software-Riesen SAP (WKN: 716460) seit Oktober bereits rund 30 Prozent. Noch wesentlich schlimmer traf es die Aktionäre von Doulingo, dort ging es seit Mai rund 80 Prozent nach unten.
KI-Schock auf breiter Flur
Das Phänomen der grassierenden KI-Angst ist viel breiter als nur SAP und Doulingo. Wie breit es ist, zeigt der Blick auf den Chart des in den USA handelbaren iShares Expanded Tech-Software Sector ETFs. In nur einem Monat ging es mehr als 20 Prozent nach unten. Als Auslöser für den jüngsten Kursrutsch machen Experten das neue Enterprise-Werkzeug von Anthropic in Form eines Plugins namens „Claude Legal“ aus. Dabei handelt es sich um eine spezialisierte KI-Erweiterung für juristische Fachaufgaben. Das Tool ermöglicht unter anderem eine automatisierte Prüfung von Verträgen, eine sekundenschnelle Zusammenfassung von Gerichtsurteilen oder kompletten Gesetzbüchern sowie die automatisierte Erstellung von Rechtsdokumenten. „Viele Softwareanwendungen geraten unter Druck, da KI-Agenten zunehmend Aufgaben direkt übernehmen“, so die Experten von ODDO BHF. Das ist nur ein weiteres Beispiel für einen KI-Agenten, weitere dürften schon bald folgen.
Was ist noch sicher?
Für ETF-Anleger stellt sich damit eine naheliegende Frage: Wenn selbst etablierte Tech-Unternehmen plötzlich als angreifbar gelten, welche Branchen sind dann strukturell weniger bedroht? Welche Sektoren bleiben stabil, selbst wenn KI den Wettbewerb verschärft und ganze Märkte neu verteilt?
Versorger: Infrastruktur, die KI nicht ersetzen kann
Versorger gehören zu den klassischen defensiven Branchen – und das aus gutem Grund. Stromnetze, Wasserversorgung und Gasinfrastruktur sind nicht einfach digitale Produkte, die durch ein neues KI-Modell ersetzt werden können. Es handelt sich um physische Systeme mit enormen Investitionskosten, hoher Regulierung und langfristigen Verträgen.
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KI kann hier zwar Abläufe verbessern, Netze effizienter steuern oder Wartungsprozesse optimieren, doch das eigentliche Geschäftsmodell bleibt stabil: Energie und Versorgung werden weiterhin gebraucht – unabhängig davon, wie intelligent Software wird. Genau deshalb gelten entsprechende ETFs oft als ruhiger Gegenpol zu stark schwankenden Technologiebranchen.
Schauen wir uns jetzt dazu ein Produkt an. Der Xtrackers MSCI World Utilities UCITS ETF (WKN: A113FJ) setzt auf Industrieländeraktien aus dem Sektor Versorgung (Utilities). Dazu zählen also Strom-, Wasser- und Gasversorgungsunternehmen. Anders als viele SAAS-Aktien notiert der ETF derzeit so hoch wie noch nie. Und ein Dreijahresplus von mehr als 40 Prozent klingt auch nicht gerade langweilig.
Basiskonsumgüter: Egal wie smart die Welt wird – gegessen wird immer
Eine KI kann uns mit Informationen füttern, nicht aber mit echtem Essen. Menschen brauchen alltägliche Produkte. Lebensmittel, Getränke, Haushaltsartikel oder Hygieneprodukte verschwinden nicht, nur weil KI neue Lösungen hervorbringt.
Zwar können Hersteller durch KI effizienter produzieren oder besser vermarkten, doch der grundlegende Konsum bleibt stabil. Besonders in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zeigt sich, dass Unternehmen aus dem Bereich Basiskonsumgüter häufig weniger stark unter Gewinnschwankungen leiden als zyklische Industrien oder Wachstumssparten. Für ETF-Anleger kann das ein wichtiger Stabilitätsanker sein.
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Auch hier zeigen wir dir exemplarisch einen Industrieländer-ETF, der sich auf seinem Allzeithoch bewegt und dessen Anleger keine KI-Sorgen kennen. Im Xtrackers MSCI World Consumer Staples UCITS ETF (WKN: A113FG) versammeln sich fast 100 Titel, im Wesentlichen aus dem Sektor der Basiskonsumgüter. Der Blick auf den Kursverlauf zeigt: Nicht spektakulär, aber mit solidem Aufwärtsrend:
Baubranche: KI hilft beim Planen – aber sie baut keine Häuser
Die Baubranche wird oft unterschätzt, wenn es um das Thema KI-Resistenz geht. Dabei ist sie ein gutes Beispiel dafür, wie begrenzt die Disruptionskraft von Software sein kann, sobald es um physische Realität geht. KI kann Bauprojekte besser kalkulieren, Bauzeiten optimieren oder Materialeinsatz effizienter planen. Doch sie ersetzt nicht die eigentliche Arbeit und damit die Wertschöpfung auf der Baustelle.
Handwerk, Maschinenarbeit, Installation, Logistik und Projektkoordination sind hochkomplex, standortabhängig und schwer vollständig zu automatisieren. Die KI rührt keinen Beton an, errichtet das Hausfundament oder verlegt die Fliesen. Die Branche bleibt in ihrem Kern weniger KI-anfällig als viele digitale Geschäftsmodelle.
| Tipp: Hier findest du eine Auflistung von ETFs aus der Baubranche. |
Allerdings gilt auch: Die Baubranche ist nicht automatisch defensiv. Sie hängt stark von Zinsen, Konjunktur und staatlicher Infrastrukturpolitik ab. Für ETF-Anleger bedeutet das, dass Bauwerte zwar KI-resistent sein können, aber durchaus Schwankungen unterliegen können. In unserer Datenbank finden sich genau vier ETFs aus der Baubranche – zwei „bauen“ auf Europa, zwei auf die USA. Wir konzentrieren uns auf das Schwergewicht. Der knapp eine Milliarde Euro schwere iShares STOXX Europe 600 Construction & Materials UCITS ETF (DE) (WKN: A0H08F) umfasst rund 30 Unternehmen der europäischen Baubranche. Die Anzahl an Titeln ist für einen ETF nicht sonderlich groß, alleine die zehn größten Positionen machen knapp drei Viertel aus. Solltest du eine größere Position planen, droht also ein Klumpenrisiko. Nutze daher, aber auch generell gleich den extraETF Portfolio Tracker, um zu sehen, wie das Chance-Risiko-Profil deines Depots aussieht.
Warum diese Branchen für ETF-Anleger jetzt besonders interessant sind
Der aktuelle KI-Hype sorgt nicht nur für neue Gewinner, sondern auch für neue potenzielle und echte Verlierer. Die Unsicherheit darüber, welche Geschäftsmodelle in fünf Jahren noch funktionieren, führt zu Nervosität und massiven Kursbewegungen – wie man es zuletzt bei vielen Software-Aktien gesehen hat.
| Tipp: Wer Themen- und Branchen-ETFs in sein Depot aufnimmt, kann sich schnell verzetteln. Um das zu verhindern, solltest du unbedingt den extraETF Portfolio Tracker nutzen. |
Genau in solchen Phasen lohnt es sich, auf Branchen zu schauen, die weniger vom technologischen Umbruch bedroht sind. Versorger, Basiskonsumgüter und die Baubranche haben eines gemeinsam: Sie basieren auf realer Nachfrage und physischer Infrastruktur. KI kann diese Bereiche effizienter machen, aber sie ersetzt nicht ihren Kern.
Für ETF-Anleger können solche Sektoren deshalb eine strategische Rolle spielen: als Stabilitätsbaustein im Portfolio, als Diversifikation gegen Tech-Risiken und als Möglichkeit, ruhiger durch die nächste Disruptionswelle zu kommen. Allerdings solltest du – gerade bei der Hinzunahme von Branchen-ETFs – deine Depotstruktur im Blick haben. Dazu nutzt du ganz einfach den extraETF Portfolio Tracker. Grundsätzlich sollte deine Basis aber immer ein neutrales Welt-Portfolio sein, Branchen kannst du dann beimischen.