KI-Boom vor dem Rückschlag? Warum selbst Profi-Investoren jetzt nervös werden

KI-Boom vor dem Rückschlag? Warum selbst Profi-Investoren jetzt nervös werden

Institutionelle Anleger setzen massiv auf KI – rechnen aber zugleich mit starken Kursrückgängen. Was das für Privatanleger bedeutet.

Künstliche Intelligenz treibt seit Jahren die Aktienmärkte an. Tech-Konzerne investieren Hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren, Chips und KI-Modelle. Gleichzeitig fließt immer mehr Kapital institutioneller Investoren – also von Pensionsfonds, Versicherern oder Staatsfonds – in den KI-Sektor.

Eine neue Studie von Economist Impact, unterstützt von DWS-Xtrackers, zeigt nun: Die großen Investoren glauben zwar langfristig an KI, rechnen kurzfristig aber durchaus mit heftigen Rückschlägen. „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen eindrucksvoll, dass institutionelle Investoren heute eine zentrale Rolle beim Aufbau der globalen KI-Infrastruktur spielen“, sagt Sebastian Schiele, globaler Leiter für den Vertrieb von Xtrackers-Mandaten und -Lösungen. „Sie treiben nicht nur die Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie voran, sondern prägen zugleich die Dynamik an den Kapitalmärkten.“

KI-Euphorie erinnert an frühere Technologieblasen

Laut der Studie sehen mehr als 70 Prozent der befragten institutionellen Investoren den aktuellen KI-Boom zumindest teilweise als momentumgetrieben an. Das bedeutet: Steigende Kurse ziehen weiteres Kapital an – nicht nur fundamentale Unternehmensdaten.

Besonders bemerkenswert: Fast 80 Prozent der Befragten erwarten, dass KI-Aktien in den kommenden 12 bis 18 Monaten um mindestens 20 Prozent korrigieren könnten. Gleichzeitig fühlen sich viele Investoren auf einen solchen Rückschlag nur begrenzt vorbereitet.

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„Aus unserer Sicht bestätigt die Analyse jedoch auch, dass die aktuelle KI-Investitionswelle von einem Spannungsfeld geprägt ist: Während die langfristigen Wachstumspotenziale durch Produktivitätsgewinne und Innovation klar überzeugen, sind kurzfristige Entwicklungen teilweise durch Marktmomentum und eine hohe Konzentration auf einzelne Unternehmen beeinflusst“, erklärt DWS-Mann Schiele. Damit erinnert die Situation an frühere Technologiezyklen wie die Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre: enorme Zukunftserwartungen, massive Kapitalzuflüsse – aber auch hohe Bewertungsrisiken.

Warum institutionelle Anleger trotzdem weiter investieren

Trotz der Risiken ziehen sich professionelle Investoren nicht zurück. Im Gegenteil: Viele planen sogar, bei Kursrückgängen nachzukaufen. Der Grund dafür ist die langfristige Überzeugung, dass KI Produktivität, Geschäftsmodelle und ganze Branchen nachhaltig verändern wird. Rund die Hälfte der befragten Investoren sieht vor allem langfristige Produktivitätsgewinne als wichtigste Triebkraft des KI-Booms. Kurzfristige Kostenvorteile spielen dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle.

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Vor allem große institutionelle Anleger verfügen über die finanziellen Mittel, um in kapitalintensive KI-Infrastruktur wie Rechenzentren oder Chip-Netzwerke zu investieren. Genau dort sehen viele die stabileren Geschäftsmodelle – unabhängig davon, welches KI-Unternehmen am Ende gewinnt.

Die größten Risiken für Anleger

Die Studie nennt mehrere Gefahren, die du ebenfalls im Blick behalten solltest:

1. Konzentrationsrisiko

Viele KI-Investments konzentrieren sich auf wenige große Technologieunternehmen. Fällt die Bewertung dieser Aktien, kann das ganze Marktsegmente mit nach unten ziehen.

2. Hohe Bewertungen

Der Markt preist bereits enorme zukünftige Gewinne ein. Sollten Umsätze oder Gewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben, drohen deutliche Kursverluste.

3. Geopolitische Spannungen

Die KI-Lieferketten hängen stark von Halbleitern, Energieversorgung und internationalen Handelsbeziehungen ab. Konflikte zwischen den USA und China oder Spannungen rund um Taiwan könnten die Branche erheblich belasten.

4. Technologische Überalterung

KI entwickelt sich extrem schnell. Unternehmen, die heute führend erscheinen, könnten in wenigen Jahren bereits zurückfallen.

„Die Studie zeigt, dass viele institutionelle Portfolios bereits ein erhebliches Exposure gegenüber KI aufweisen“, betont Schiele. Das erhöhe die Bedeutung eines disziplinierten Risikomanagements und einer ausgewogenen Portfoliokonstruktion. Achte also immer auf ausreichend Streuung. Am einfachsten geht das mit Welt-ETFs. Wenn du es noch etwas ausgeklügelter wünscht, orientiere dich an unseren Musterportfolios.

Gerade jetzt wichtig: Das eigene Portfolio im Blick behalten

Für Privatanleger wird es in einem volatilen Marktumfeld immer wichtiger, Risiken im eigenen Depot frühzeitig zu erkennen. Denn viele Anleger unterschätzen, wie stark ihr Portfolio bereits indirekt von wenigen großen KI- und Tech-Konzernen abhängt – etwa über ETFs auf den MSCI World oder Nasdaq-Indizes.

Hilfreich ist dabei ein transparenter Überblick über die tatsächliche Portfolio-Struktur. Mit dem extraETF Portfolio Tracker können Anleger ihr gesamtes Depot analysieren, Klumpenrisiken erkennen und die Gewichtung einzelner Branchen, Regionen oder Unternehmen überprüfen.

Gerade im aktuellen KI-Boom kann das helfen, unbeabsichtigte Übergewichtungen frühzeitig sichtbar zu machen und das Portfolio breiter aufzustellen. Zusätzlich lassen sich Wertentwicklung, Asset-Allokation und Diversifikation zentral überwachen – besonders wichtig in Phasen erhöhter Marktvolatilität.

USA bleiben klarer Favorit

Besonders stark setzen institutionelle Investoren weiterhin auf den US-Markt. Mehr als 40 Prozent erwarten dort in den kommenden fünf Jahren die höchsten KI-Renditen weltweit. China folgt mit großem Abstand.

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Die USA profitieren dabei vor allem von:

  • führenden Technologieunternehmen,
  • einer starken Kapitalmarktstruktur,
  • enormen Investitionen in KI-Infrastruktur,
  • und der Dominanz bei KI-Finanzierungen.

Allerdings warnt die Studie auch davor, Chinas Rolle zu unterschätzen. Kostengünstige KI-Modelle chinesischer Anbieter könnten den Wettbewerb deutlich verschärfen.

Was bedeutet das für Privatanleger?

Die Studie liefert eine wichtige Erkenntnis: Selbst professionelle Großinvestoren sehen den KI-Boom nicht als risikofrei an. Dennoch bleiben sie investiert, weil sie langfristig enormes Potenzial erwarten.

Für Privatanleger bedeutet das vor allem:

  • Nicht blind der Euphorie folgen
  • Auf breite Diversifikation achten
  • Einzelwerte kritisch bewerten
  • Rückschläge einkalkulieren
  • Langfristig denken

Gerade Themen-ETFs auf KI oder Technologie können attraktiv sein, bergen aber ebenfalls Klumpenrisiken. Viele Produkte investieren stark in dieselben wenigen US-Tech-Konzerne.

„Für uns bei Xtrackers bestätigen die Ergebnisse der Studie daher die zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre: Erfolgreiches Investieren im KI-Zeitalter erfordert die Fähigkeit, kurzfristige Volatilität auszuhalten und gleichzeitig langfristige Trends konsequent zu erschließen“, sagt Schiele. Entscheidend seien dabei robuste Governance-Strukturen, Diversifikation und ein klarer Fokus auf strategische Allokationen.

KI bleibt spannend, aber…

Künstliche Intelligenz dürfte Wirtschaft und Kapitalmärkte langfristig massiv verändern. Doch der Weg dorthin könnte deutlich volatiler werden, als viele Anleger derzeit erwarten. Die neue Economist-Impact-Studie zeigt: Institutionelle Investoren glauben zwar an das Potenzial von KI – rechnen aber gleichzeitig mit heftigen Marktschwankungen und möglichen Korrekturen. Für Privatanleger bleibt KI damit ein spannendes Zukunftsthema. Entscheidend ist jedoch, Chancen und Risiken gleichermaßen im Blick zu behalten.