23. März 2026
Ein neuer Burggraben-ETF mit Size-Prämie

Software-Firmen im KI-Stresstest: Wie stabil sind ihre Burggräben?

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Softwarebranche rasant. Warum klassische Burggräben schrumpfen – und worauf ETF-Anleger jetzt achten sollten.

Softwareunternehmen galten lange als Paradebeispiele für Firmen mit einem starken wirtschaftlichen Burggraben – dem sogenannten Economic Moat. Darunter versteht man Geschäftsmodelle, die so schnell nicht abzulösen sind. Einmal eingeführte Softwarelösungen bleiben oft viele Jahre im Einsatz, weil ein Wechsel zu einem anderen Anbieter teuer, komplex und mit erheblichen Risiken verbunden ist. Diese hohen Wechselkosten haben vielen Softwarefirmen über lange Zeit stabile Margen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile ermöglicht.

Doch mit dem rasanten Fortschritt der KI (Künstlichen Intelligenz) beginnt sich dieses Bild zu verändern. Eine aktuelle Analyse von Morningstar zeigt, dass die Zukunft der Softwarebranche deutlich unsicherer geworden ist als noch vor wenigen Jahren. KI könnte einige der traditionellen Schutzmechanismen der Branche schwächen und damit die langfristigen Wettbewerbsvorteile vieler Unternehmen infrage stellen.

KI verändert die Dynamik im Softwaremarkt

KI kann bereits heute Programmcode schreiben, Softwareentwicklung beschleunigen und komplexe Prozesse automatisieren. Anwendungen, deren Entwicklung früher große Entwicklerteams und lange Projektzeiten erforderte, lassen sich mit KI-Unterstützung deutlich schneller umsetzen. Dadurch sinken die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter. Wenn Software schneller entwickelt werden kann, erhöht sich der Wettbewerbsdruck für etablierte Unternehmen.

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Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: sogenannte KI-Agenten. Dabei handelt es sich um Systeme, die eigenständig Aufgaben ausführen können, etwa Daten analysieren, Prozesse automatisieren oder verschiedene Softwarelösungen miteinander verbinden. Für klassische Softwareanbieter könnte das zu einer Herausforderung werden. Wenn KI-Agenten künftig Aufgaben über mehrere Systeme hinweg übernehmen, verlieren einzelne Softwareplattformen möglicherweise an Bedeutung. Ein Teil der Funktionen, die heute noch von spezialisierten Programmen übernommen werden, könnte künftig direkt von KI erledigt werden.

Wettbewerbsvorteile könnten kürzer halten als gedacht

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Dauer vieler Wettbewerbsvorteile möglicherweise überschätzt wurde. In einigen Bewertungsmodellen wurde der Zeitraum, in dem Unternehmen ihre Burggräben verteidigen können, bereits nach unten angepasst.

Statt davon auszugehen, dass Softwarefirmen ihre Wettbewerbsvorteile über mehrere Jahrzehnte hinweg halten können, wird inzwischen häufiger mit deutlich kürzeren Zeiträumen gerechnet. Gleichzeitig wurden langfristige Wachstumserwartungen für einige Unternehmen reduziert.

Ein weiterer möglicher Effekt betrifft die Geschäftsmodelle vieler Softwareanbieter. Viele Unternehmen verdienen ihr Geld mit nutzerbasierten Lizenzmodellen. Wenn KI jedoch die Produktivität der Nutzer deutlich steigert, könnten Unternehmen künftig mit weniger Lizenzen auskommen. Auch das könnte die Umsätze einiger Anbieter unter Druck setzen.

Nicht alle Softwarefirmen sind gleichermaßen betroffen

Trotz dieser Risiken bedeutet die Entwicklung nicht automatisch, dass alle Softwareunternehmen an Wettbewerbsstärke verlieren. Einige Firmen könnten sogar profitieren.

Unternehmen mit großen Datenbeständen, starken Plattformökosystemen oder leistungsfähiger Cloud-Infrastruktur haben gute Voraussetzungen, künstliche Intelligenz erfolgreich in ihre Produkte zu integrieren. Solche strukturellen Vorteile lassen sich deutlich schwerer kopieren als einzelne Softwarefunktionen.

Der wirtschaftliche Burggraben verschwindet also nicht vollständig. Vielmehr verändert er seine Form. Während früher häufig die Software selbst der entscheidende Wettbewerbsvorteil war, rücken heute Faktoren wie Daten, Plattformen und Infrastruktur stärker in den Mittelpunkt.

Für Anleger wird die Analyse schwieriger

Für Investoren ergibt sich daraus eine zentrale Herausforderung. Technologische Umbrüche sorgen häufig dafür, dass sich Marktstrukturen schneller verändern als erwartet. Gerade im Technologiesektor können sich Wettbewerbsvorteile innerhalb weniger Jahre verschieben.

Für Privatanleger ist es deshalb besonders schwierig einzuschätzen, welche Unternehmen tatsächlich über nachhaltige Burggräben verfügen. Ein technologischer Vorsprung kann schnell aufgeholt werden, während strukturelle Wettbewerbsvorteile oft erst mit zeitlicher Verzögerung sichtbar werden. Diese Unsicherheit ist einer der Gründe, warum viele Anleger auf breit gestreute Strategien setzen und sich an unseren ETF-Musterportfolios orientieren.

Burggraben-ETFs als Investmentstrategie

Eine Möglichkeit, gezielt in Unternehmen mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen zu investieren, sind sogenannte Burggraben-ETFs. Diese ETFs basieren auf dem Konzept der „Economic Moats“. Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen werden dabei danach bewertet, ob sie über nachhaltige Wettbewerbsvorteile verfügen, etwa durch starke Marken, Netzwerkeffekte oder besonders hohe Wechselkosten für Kunden.

Tipp: Hast du Interesse an Burggraben-ETFs? Dann erfahre jetzt alles Wesentliche über das Investieren in Moat-ETFs.

Die entsprechenden ETFs bündeln solche Unternehmen in einem Portfolio und machen diese Strategie auch für Privatanleger investierbar. Gerade in Zeiten schneller technologischer Veränderungen kann diese Diversifikation helfen, Risiken zu reduzieren. Hier noch ein Beispiel für einen globalen Burggraben-ETF:

Überblick über das eigene ETF-Portfolio behalten

Wer gezielt in Themen wie Qualitätsunternehmen oder Burggraben-Strategien investiert, sollte dennoch die Struktur seines Portfolios im Blick behalten. Viele Anleger unterschätzen beispielsweise, wie stark sich einzelne Unternehmen über verschiedene ETFs hinweg überschneiden können.

Der extraETF Portfolio Tracker hilft dabei, das eigene ETF-Portfolio transparent zu analysieren. Anleger sehen auf einen Blick, welche Einzelaktien tatsächlich in ihren ETFs enthalten sind, wie sich ihr Portfolio über Branchen und Regionen verteilt und wo mögliche Klumpenrisiken entstehen. Gerade in einer Phase, in der technologische Veränderungen ganze Branchen umkrempeln können, wird ein klarer Überblick über das eigene Portfolio immer wichtiger.