
"Die Wahl des richtigen Index ist meist wichtiger als die Wahl des richtigen Tech-ETFs"
Tech-ETFs unterscheiden sich oft gravierend. Maurice Templin, Fonds- und Investmentanalyst Multi Asset, Apo Asset Management erklärt, worauf es für Privatanleger ankommt.
Viele Tech-ETFs klingen fast identisch. Warum können sich ihre Wertentwicklung und ihr Risiko trotzdem so stark unterscheiden?
Sie wirken auf den ersten Blick zwar ähnlich, folgen aber unterschiedlichen Auswahl- und Gewichtungskriterien. Bereits kleine Unterschiede können Rendite und Risiko deutlich verändern. Gerade Technologie-ETFs wurden in den vergangenen Jahren stark von wenigen Werten getragen. Darum ist es bei Themen-ETFs immer wichtig, sich die Zusammensetzung und die Unterschiede genau anzuschauen.
Worauf sollten Privatanleger neben den Kosten ganz konkret achten, wenn sie einen Technologie-ETF auswählen?
Ein Blick ins Portfolio ist unverzichtbar. Fehlen wichtige Technologiewerte oder sind Unternehmen enthalten, die nicht zum eigenen Investmentansatz passen? Auch die Konzentration spielt eine wichtige Rolle: Soll der ETF breit gestreut sein oder gezielt auf die größten Technologiekonzerne setzen? Die Strategie und die Risiken eines ETFs sollten zu den eigenen Anlagezielen passen.
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Welche Rolle spielt die Indexmethodik bei Technologie-ETFs – und welche typischen Unterschiede sehen Sie in der Praxis?
Die Wahl des richtigen Index ist meist wichtiger als die Wahl des richtigen ETFs. Schließlich bestimmt die Indexmethodik das Portfolio. Typische Unterschiede ergeben sich bei ESG-Kriterien, den Gewichtungsregeln und dem Rebalancing. Für Technologie-ETFs kommt hinzu, dass „der Technologiesektor“ nicht einheitlich definiert ist. Selbst Unternehmen wie Alphabet oder Meta werden je nach Klassifikationssystem unterschiedlich eingeordnet.
Die KI-Rally hat viele Tech-ETFs nach oben getrieben. Ist das Risiko inzwischen gestiegen, dass Anleger unbewusst zu stark auf wenige Unternehmen setzen?
Ja, die steigende Indexkonzentration ist ein zentrales Risiko für Anlegerinnen und Anleger. Die Renditen vieler Märkte wurden in den vergangenen Jahren von einer kleinen Gruppe besonders erfolgreicher Unternehmen getragen. Dadurch steigt die Abhängigkeit von einzelnen Titeln, während die tatsächliche Diversifikation häufig geringer ausfällt, als vielen bewusst ist. Besonders deutlich zeigt sich das aktuell in Südkorea, wo allein zwei Unternehmen, Samsung Electronics und SK Hynix, zusammen rund die Hälfte der gesamten Indexgewichtung ausmachen.
ESG-Filter spielen bei vielen ETFs eine Rolle. Wie stark können sie die Zusammensetzung eines Technologie-ETFs verändern – und was bedeutet das für die Renditechancen?
Gerade bei Technologie-ETFs haben ESG-Filter oft einen spürbaren Einfluss auf die Zusammensetzung des Portfolios. ESG-Filter müssen die Renditechancen nicht zwangsläufig beeinträchtigen und können – je nach Marktphase – auch positiv wirken. Allerdings ist das Anlageuniversum durch die Fokussierung auf den Technologiesektor bereits deutlich enger als bei breiten Marktindizes. Schon der Ausschluss einer einzelnen Aktie kann daher erhebliche Auswirkungen haben. In einem Sektor, in dem oft das „Winner-takes-all-Prinzip“ gilt, wirkt sich dies besonders stark auf die mögliche Wertentwicklung aus.
Viele Anleger investieren ausschließlich über passive ETFs. In welchen Marktphasen oder Bereichen kann ein aktiv gemanagter Technologiefonds dennoch Vorteile bieten?
Aktive Technologiefonds haben ihre Stärken vor allem in Marktphasen, in denen die Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen stärker in den Vordergrund rücken. Dann wird die Titelauswahl wichtiger als die reine Marktentwicklung. Aktive Fonds können Chancen abseits der bekannten Schwergewichte nutzen, neue Trends frühzeitig aufgreifen und Risiken gezielter steuern.
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Sie sagen, die KI-Revolution sei nicht nur ein Aktien-, sondern auch ein Anleihethema. Wie können ETF-Anleger von dieser Entwicklung profitieren?
Der Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur erfordert enorme Investitionen, weshalb viele Hyperscaler zusätzlich zum Aktienmarkt auch verstärkt den Anleihemarkt zur Finanzierung nutzen. Dennoch bleibt der KI-Bezug in breit gestreuten Unternehmensanleihen-ETFs überschaubar. Anleiheindizes orientieren sich in der Regel am ausstehenden Schuldenvolumen der Emittenten, nicht an der Marktkapitalisierung. Der Technologieanteil ist meist deutlich niedriger als bei Aktien-ETFs, weil viele Investitionen auch über freie Cashflows finanziert werden. Über Unternehmensanleihen-ETFs kann man also am KI-Trend partizipieren, aber nur indirekt und begrenzt. Risiken bestehen zudem bei Unternehmen mit schwächeren Bilanzen, die die Kosten für die KI-Transformation möglicherweise nicht stemmen können. Dadurch könnten mittelfristig die Ausfallraten steigen. Auch bei Unternehmensanleihen-ETFs kommt es also darauf an, die Portfolios zu prüfen.
Wenn ein Privatanleger heute erstmals in den Technologietrend investieren möchte: Welche drei Fehler sollte er unbedingt vermeiden?
Der größte Fehler wäre, allein deshalb in den KI-Trend zu investieren, weil man das Gefühl hat, etwas zu verpassen. FOMO („Fear of missing out“) ist kein Investment Case. Anlegerinnen und Anleger sollten sich stattdessen fragen, welche Rolle Technologie langfristig in ihrem Portfolio spielen soll.
Ein zweiter Fehler wäre, alles auf ein Thema oder einen ETF zu setzen. Technologie sollte ein Baustein eines ausgewogenen Portfolios sein und nicht die gesamte Anlagestrategie bestimmen. Wer bereits weltweit diversifiziert investiert, partizipiert über die großen Technologieunternehmen ohnehin am aktuellen Trend. Eine zusätzliche Beimischung von Technologie-ETFs kann sinnvoll sein, man sollte sich dabei jedoch möglicher Überschneidungen bewusst sein.
Ein dritter Fehler wäre, die Risiken von Technologieaktien zu unterschätzen. Der Sektor bietet langfristig attraktive Wachstumsperspektiven, ist aber häufig mit stärkeren Kursschwankungen verbunden als der Gesamtmarkt. Durch die hohe Konzentration vieler Indizes auf wenige Schwergewichte hat dieses Risiko zuletzt zusätzlich zugenommen. Sparpläne können solche Timing-Risiken reduzieren.