14. September 2026
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Altersvorsorgedepot: Der Preiskampf, den keiner kommen sah

Neobroker galten als die Preisbrecher beim Altersvorsorgedepot. Jetzt zeigen erste Zahlen: Der Wettbewerb geht viel weiter, als viele dachten.

Noch bevor das Altersvorsorgedepot (AVD) zum 1. Januar 2027 offiziell startet, liefern sich die ersten Anbieter einen erstaunlich harten Preiswettbewerb. Scalable Capital, Quirion, Smartbroker+ und zuletzt auch die Deka als Wertpapierhaus der Sparkassen haben in den vergangenen Wochen ihre Konditionen für das gesetzliche Standarddepot bekannt gegeben. Und obwohl die Konditionen noch nicht „in trockenen Tüchern“ sind, lassen sich jetzt schon einige spannende Erkenntnisse für dich ableiten.

Wichtig: In den nächsten Wochen wird noch viel in Sachen AVD passieren, bleibe hier also am Ball und trage dich jetzt in die Altersvorsorgedepot-Startliste ein.

Erkenntnis 1: Der gesetzliche Kostendeckel ist die Ausnahme, nicht die Regel

Der Gesetzgeber erlaubt für das Standarddepot Kosten von bis zu einem Prozent pro Jahr. Keiner der bislang bekannten Anbieter schöpft diesen Rahmen auch nur annähernd aus. Scalable Capital hat mit maximal 0,15 Prozent laufenden ETF-Kosten vorgelegt – im ersten Jahr sogar mit 0 Prozent. Quirion setzt mit seinen Vanguard-ETFs bei 0,07 beziehungsweise 0,08 Prozent an. Und mit der Deka zeigt inzwischen auch die traditionelle Bankenwelt, dass 0,1 Prozent Effektivkosten machbar sind. Für dich heißt das: Wer beim Start ein Standarddepot zu Konditionen nahe am gesetzlichen Maximum abschließt, zahlt im Zweifel deutlich drauf.

Erkenntnis 2: Neobroker haben die Preise gemacht, jetzt ziehen alle nach

Auffällig ist die Reihenfolge, in der die Ankündigungen kamen. Zuerst haben die digitalen Anbieter vorgelegt und damit die Erwartungshaltung im Markt geprägt. AVD-Vorreiter war Scalable Capital. Ein anderer Neobroker reagierte schnell darauf: Smartbroker+ etwa erstattet die ETF-Kosten im Standarddepot für mindestens drei Jahre vollständig. Erst danach zog mit der Deka ein Vertreter der klassischen Filialbanken nach und zeigte, dass sich auch etablierte Institute an diesen Konditionen orientieren müssen, wenn sie im neuen Markt mitspielen wollen. Mehr zum Deka-Angebot und was es für die gesamte Branche bedeutet, liest du in unserem separaten Beitrag: Sparkassen kontern Neobroker: Deka macht Altersvorsorgedepot zur Kampfansage. Das spricht dafür, dass sich die Top-Konditionen nicht auf Neobroker beschränken werden, sondern sich als Branchenstandard durchsetzen könnten.

Erkenntnis 3: Noch ist nichts in Stein gemeißelt

So attraktiv die bisherigen Ankündigungen klingen – verbindlich sind sie noch nicht. Bei den Neobrokern steht die finale BZSt-Zertifizierung aus, bei der Deka fehlt noch die Bafin-Genehmigung, die für November erwartet wird. Bis zum Start am 1. Januar 2027 kann sich an den genannten Zahlen also durchaus noch etwas ändern. Wer sich schon jetzt festlegen will, sollte das im Hinterkopf behalten. Allerdings ist die bisherige Marschroute der Anbieter klar: Kundengewinnung mit attraktiven Konditionen für das Altersvorsorgedepot.

Erkenntnis 4: Der Vergleich lohnt sich

Wenn du über Jahrzehnte investierst, zählt bei den Kosten jede Nachkommastelle. Wer also sein Altersvorsorgedepot unnötigerweise bei einem teuren Anbieter abschließt, wird das im Alter merken. Denn kann schnell etliche tausend Euro Unterschied ausmachen. Es kann sich also durchaus lohnen, nicht einfach beim gewohnten Anbieter zu bleiben, sondern die Konditionen bewusst zu vergleichen, sobald sie verbindlich feststehen. Bleibe also hier auf dem Laufenden und trage dich gleich in die Altersvorsorge-Startliste ein.

Tipp: Wie stark sich unterschiedliche Kostenquoten konkret auswirken, kannst du schon jetzt mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner durchspielen.

Was als Nächstes zu erwarten ist

Neben weiteren Neobrokern erwarten wir auch, dass sich die großen Direktbanken in den nächsten Wochen aus der Deckung wagen. Anzeichen gibt es etwa bei der größten deutschen Direktbank. Ein Bericht von etfstream.de liefert dazu Futter: Demnach bereitet die ING den Einstieg in den europäischen ETF-Markt mit eigenen Produkten vor. Laut Eintragungen der irischen Aufsicht wurden bereits zwei ETFs registriert – ein ING Global Equity UCITS ETF und ein ING Global Fixed Income UCITS ETF. Umgesetzt werden sie über die White-Label-Plattform von Amundi, Europas größtem Asset Manager, der auf diesem Weg bereits mehrere Banken und Vermögensverwalter bei eigenen ETF-Linien unterstützt. Das ist zunächst unabhängig vom Altersvorsorgedepot zu sehen – ein grundsätzlicher Schritt der ING in den ETF-Markt.

Für die ING ist der Schritt naheliegend: Die Direktbank verwaltet in Deutschland rund 135 Milliarden Euro in Kundendepots, ETF-Sparpläne tragen erheblich dazu bei. Mit eigenen ETFs könnte die ING einen größeren Teil der Fondskosten selbst vereinnahmen, statt sie an Anbieter wie Blackrock oder DWS abzugeben.

Tipp: Du solltest dir bereits überlegen, wie du beim Altersvorsorgedepot vorgehen möchtest. Hier findest du Antworten auf die Frage: Welche ETFs fürs Altersvorsorgedepot?

Öffentlich bestätigt ist bislang nicht, dass diese ETFs im Altersvorsorgedepot zum Einsatz kommen sollen – das bleibt vorerst reine Vermutung unsererseits. Der Zeitpunkt spricht jedoch dafür, dass die ING – ähnlich wie zuvor Scalable Capital – ihre eigene ETF-Palette gezielt mit dem Start des neuen, milliardenschweren AVD-Marktes zum 1. Januar 2027 verknüpfen könnte. Auf Nachfrage von extraETF wollte sich die ING-Pressestelle zu diesen Spekulationen nicht äußern.