85 Prozent der Welt, 10 Prozent im Depot: Das Comeback der Schwellenländer

85 Prozent der Welt, 10 Prozent im Depot: Das Comeback der Schwellenländer
Schwellenländer-Aktien machen nur zehn Prozent in Welt-ETFs aus

Schwellenländer liefern 41 Prozent des Weltwachstums, in Welt-ETFs machen sie nur zehn Prozent aus. Fünf Gründe, warum sich das ändern könnte.

Schwellenländer gelten vielen Anlegern als riskante Beimischung. Dabei lebt dort die große Mehrheit der Weltbevölkerung, und sie tragen gut zwei Fünftel zum globalen Wachstum bei. An der Börse spiegelt sich das kaum wider:

KriteriumAnteil der Schwellenländer
Weltbevölkerung85 Prozent
Beitrag zum globalen Wirtschaftswachstum41 Prozent
Gewicht im Anleiheindex Bloomberg Global Aggregate17 Prozent
Gewicht im Aktienindex MSCI ACWI10 Prozent
Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets – Europe, Herbst 2026, auf Basis von LSEG DataStream, MSCI und IWF. Bevölkerung und Wachstumsbeitrag per März 2026, MSCI-ACWI-Gewicht per 31. Juli 2026.

Wer einen ETF auf den MSCI World hält, ist in Schwellenländern gar nicht investiert. Ein MSCI ACWI oder FTSE All-World bildet sie mit rund einem Zehntel ab. Die reale Wirtschaft präsentiert das nicht unbedingt. Daher zeigen wir dir im aktuellen DeepDive zu Welt-ETFs, wie du wirklich global anlegst.
 

Anderthalb Jahrzehnte im Schatten

Die geringe Rolle im Depot hat auch mit der Performance zu tun. Die relative Wertentwicklung des MSCI Emerging Markets gegenüber dem MSCI World verläuft laut J.P. Morgan AM seit 1988 in langen Zyklen: Hoch 1994, Tiefpunkte nach Asien- und Russlandkrise 1999 und 2001, dann ein zehnjähriger Aufholzyklus bis 2010, getragen von Rohstoffboom und Chinas Aufstieg. Seitdem dominierte der MSCI World mit den US-Tech-Riesen. Erst zuletzt dreht die Kurve leicht nach oben.

Schwellenländer-Aktien haben noch einen Weg vor sich…

Schwellenländer-Aktien haben noch einen weiten Weg vor sich

Von der Werkbank zum Innovationsstandort

Das Bild vom Rohstofflieferanten und Billigproduzenten ist überholt. „Märkte wie China, Indien oder Südkorea, die vor wenigen Jahren vor allem Rohstoffe und kostengünstige Fertigung anboten, nehmen inzwischen eine zentrale Rolle im globalen Innovationsgeschehen ein", schreibt Martin Fechtner, Portfoliomanager des ODDO BHF Emerging Markets, in einem Marktkommentar.

Neben Chinas Stärke bei E-Mobilität und Batterien sowie Chipkonzernen wie TSMC, Samsung und SK Hynix nennt ODDO BHF chinesische Technologie- und Pharmaunternehmen. Zudem ist der KI-Ausbau in den USA und Europa auf Produktion in Schwellenländern angewiesen. Hinzu kommt eine junge Bevölkerung mit steigenden Einkommen: Bei E-Commerce, digitalem Banking und Gesundheit liege die Marktpenetration laut Fechtner noch deutlich unter dem Niveau der Industrieländer.

Wichtig: Schwellenländer sind nicht gleich China. Laut ODDO BHF entfallen mehr als 75 Prozent des MSCI Emerging Markets auf andere Länder, etwa Indien, Taiwan, Südkorea, Brasilien und Mexiko.

Fünf Gründe für Schwellenländer

J.P. Morgan Asset Management nennt fünf Argumente:

  1. Rückenwind durch einen schwächeren US-Dollar und einen inflationären Aufschwung
  2. Schwellenländer und Asien-Pazifik als Motor des KI-Ausbaus
  3. Innovation und steigende Einkommen in China – trotz deflationärem Umfeld
  4. Asiens Corporate-Governance-Revolution, die Aktionärswerte freisetzen soll
  5. Gewinngetriebenes Aufwärtspotenzial bei attraktiven Bewertungen
     

Der Dollar als Taktgeber

Viele Staaten und Unternehmen in Schwellenländern sind in Dollar verschuldet. Fällt der Dollar, sinkt ihre Schuldenlast, und mehr internationales Kapital fließt in die Region. In den drei großen Abwertungszyklen des realen, handelsgewichteten Dollars – in den 1970ern, der zweiten Hälfte der 1980er und den 2000ern – legten Schwellenländeraktien laut J.P. Morgan AM um rund 400, 500 und 275 Prozent zu. Seit dem jüngsten Dollar-Hoch sind es bereits rund 60 Prozent (Stand 30. Juni 2026). Die Schwächephase seit 2011 fiel dagegen in eine Zeit deutlicher Dollar-Aufwertung.

Ein schwächerer US-Dollar ist historisch günstig für Schwellenländer und Asien…

Ein schwächerer US-Dollar ist historisch günstig für Schwellenländer und Asien
 

Gewinne und Bewertungen

Für den MSCI Emerging Markets erwarten Analysten 2026 und 2027 laut ODDO BHF ein deutlich stärkeres Gewinnwachstum als für die USA, Europa und Japan, bei niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen. „Damit eröffnet sich Anlegern die Chance auf höheres Wachstumspotenzial zu attraktiven Einstiegsbedingungen", heißt es im Kommentar.

Höchste Renditeerwartung aller Aktienregionen

In seinen langfristigen Kapitalmarktannahmen 2026 traut J.P. Morgan AM Schwellenländeraktien mehr zu als globalen oder US-Aktien (nominal, annualisiert, in Euro):

Erwartete Akrienrenditen nach Regionen (10 bis 15 Jahre, in Euro)

RegionErwartete Rendite p. a. 
Asien ohne Japan7,3 Prozent
Schwellenländeraktien7,2 Prozent
Globale Aktien6,4 Prozent
Globale Aktien6,1 Prozent
Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets – Europe, Herbst 2026

Auch Schwellenländeranleihen in Lokalwährung liegen mit 6,1 Prozent pro Jahr deutlich vor Euro-Staatsanleihen (3,4 Prozent) und Euro-Barmitteln (2,3 Prozent).

So investierst du in Schwellenländer

Schwellenländer sind eine Ergänzung, kein Ersatz. Du hast zwei vernünftige Möglichkeiten, in Schwellenländer zu investieren:

  1. Über einen breiten Welt-ETF, wie wir dir im bereits erwähnten DeepDive zu Welt-ETFs zeigen. Schaue dir vorab schon unseren Ratgeber zum Investieren in Welt-ETFs an. Doch du musst wissen: Selbst in breiten Welt-ETFs machen Schwellenländer lediglich zehn Prozent aus.
  2. Du kannst auch direkt einen Schwellenländer-ETF wählen und dann die Gewichtung selbst steuern. Ein übliches Mischverhältnis ist: 70 Prozent in Industrie- und 30 Prozent in Schwellenländer-ETFs.
     
Tipp

Schaue dir jetzt alle Schwellenländer-Aktien-ETFs an.

Schwellenländer-ETFs

Schwellenländer-Anteil im Blick behalten

Mit mehreren ETFs im Depot verlierst du schnell den Überblick über deine tatsächliche Schwellenländer-Quote. Der extraETF Portfolio Tracker hilft:

  • Alles an einem Ort: Alle Konten und Depots zentral, auch bei verschiedenen Brokern.
  • Echte Gewichtung: Die Portfolioanalyse zeigt die Verteilung nach Ländern und Regionen und macht Klumpenrisiken sichtbar, etwa eine zu hohe US- oder China-Quote.
  • Performance und Vergleich: Du verfolgst deine Schwellenländer-Position und vergleichst dein Portfolio mit Strategien wie dem 70-30-Musterportfolio.

Fazit: Mehr als eine Beimischung

85 Prozent der Weltbevölkerung, 41 Prozent des Wachstums, aber nur zehn Prozent des Weltaktienmarkts: Nach langer Underperformance sprechen aus Sicht von J.P. Morgan AM und ODDO BHF ein schwächerer Dollar, die Rolle beim KI-Ausbau, stärkeres Gewinnwachstum und niedrigere Bewertungen für eine Trendwende.

Garantiert ist das Comeback nicht: Politische Risiken, Währungsschwankungen und unterschiedliche Governance-Standards bleiben. Langfristig sind Schwellenländer aber keine Wette, sondern Teil einer global gestreuten Aufstellung. Ob du sie über einen All-World-ETF mitnimmst oder gezielt übergewichtest, hängt von deiner Risikobereitschaft ab.