23. Juli 2026
710 Euro mehr Rente: Warum Junge beim Altersvorsorgedepot nicht zögern sollten

Altersvorsorgedepot und Frühstartrente: So holst du das Meiste raus

Junge Sparer profitieren am meisten vom neuen Altersvorsorgedepot ab 2027 – und Eltern zusätzlich von der geplanten Frühstartrente für Kinder.

Ruhestand? Für die meisten 20- oder 25-Jährigen fühlt sich das an wie ein Thema für die eigenen Eltern. Und doch zeigt eine aktuelle Umfrage von J.P. Morgan Asset Management ein überraschendes Bild: Gerade die Generation, die theoretisch am meisten Zeit hat, um Vermögen aufzubauen, blickt am skeptischsten in die eigene Rentenzukunft. Nur gut jeder Dritte der 18- bis 34-Jährigen in Deutschland ist zuversichtlich, sich im Ruhestand den gewünschten Lebensstandard leisten zu können – 35 Prozent, verglichen mit 47 Prozent in der mittleren und 46 Prozent in der älteren Altersgruppe. Künftige Generation jungen Menschen werden wohl zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Denn die Frühstartrente soll kommen und wird immer konkreter. Unten zeigen wir dir die aktuellen Entwicklungen dazu.

Hauptgrund für die Unsicherheit: fehlendes Wissen. 38 Prozent der 18- bis 34-Jährigen nennen das als Hauptursache – fast doppelt so viele wie in der mittleren Altersgruppe (19 Prozent). Doch gerade als junger Mensch wäre es schade nicht zu investieren. Denn die lange Anlagedauer ist dank Zinseszins ein riesiger Hebel. Das ist auch ein wichtiges Argument bei der Frühstartrente.

Zum 1. Januar 2027 soll das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot starten. „Eine neue, erklärungsbedürftige Vorsorgeform trifft genau auf jene Wissenslücke, die viele junge Menschen als zentrale Unsicherheit benennen. Finanzbildung und verständliche Aufklärung sind deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Altersvorsorgedepot auch in der Breite zum Erfolg wird“, sagt Holger Schröm, Leiter Finanzdienstleister bei J.P. Morgan Asset Management. Wir denken daher, du solltest bereits heute darüber Bescheid wissen, so dass du loslegen kannst, sobald die entsprechenden Produkte da sind. Erfahre, was dir das Konzept in Euro ausgedrückt bringen könnte – und was speziell für Kinder drin ist.

Was das Altersvorsorgedepot anders macht

Bisherige geförderte Altersvorsorge war vor allem eines: starr, mit Garantiepflicht und lebenslanger Rentenauszahlung. Genau das entfällt beim Altersvorsorgedepot, das laut Experten die größte Reform seit Einführung der Riester-Rente darstellt. Das öffnet die Tür zu mehr Aktienquote und Wachstumspotenzial. „Das Altersvorsorgedepot bietet gerade für junge Menschen die Chance, sich unterstützt vom Staat in höher rentierlichen Anlageklassen zu engagieren und die Scheu gegenüber dem Kapitalmarkt abzulegen. Damit ist eine bessere Altersabsicherung gegenüber klassischen Sparformen wie Sparbuch oder Tagesgeld zu erwarten – und das staatlich gefördert“, so Schröm.

Wichtig für dich zu wissen: Es gibt ein Standardprodukt mit starrem Ablaufschema (Risikoanteil sinkt automatisch fünf bzw. drei Jahre vor Auszahlung) und flexible, aktiv gemanagte Varianten mit individuellem Ablaufmanagement und Rebalancing – etwa über breit gestreute Multi-Asset-ETFs. Fünf Jahre vor der Auszahlung wird der Risikoanteil halbiert, drei Jahre vorher auf 30 Prozent gesenkt – unabhängig von der Marktlage. 

Die staatliche Förderung über Grund- und Kinderzulagen gilt in beiden Fällen. Ein Kostendeckel von maximal 1,0 Prozent pro Jahr gilt allerdings nur für das Standardprodukt – bei anderen Angeboten lohnt sich ein Blick auf die Gebühren, da sie den Renditevorteil schmälern können. Hier dürften dann Ende des Jahres mehr und mehr konkrete Produkte bekannt werden.

Ausführliche Details zu Förderstaffel, Steuer, Auszahlungswegen, Anbieterwechsel und dem aktuellen Gesetzgebungsstand findest du in unserem Wissensbeitrag zum Altersvorsorgedepot.

Die Zahlen dahinter: Je früher, desto größer der Effekt

Wie stark sich der lange Zeithorizont auszahlt, zeigen Modellrechnungen des digitalen Vermögensverwalters Growney. Basis ist eine angenommene Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr – historisch nicht unüblich für Aktien, aber keine Garantie für die Zukunft. Verglichen wird jeweils mit einem normalen, ungeförderten ETF-Sparplan.

Altersvorsorgedepot – Beispielrechnungen

BeispielSparrate/MonatVermögen zum Renteneintritt ohne FörderungVermögen zum Renteneintritt mit AltersvorsorgedepotVorteil pro Person monatlich
22-Jährige/r, ledig100 €214.769 €381.905 €710 €
30-Jährige, 1 Kind100 €134.197 €252.892 €533 €
30-Jährige, ohne Kind150 €201.296 €327.522 €475 €
40-Jährige, 2 Kinder200 €282.675 €436.651 €261 €
50-Jährige, Paar300 €196.586 €247.155 €4 €
Quelle: Growney-Modellrechnungen (Stand: Mai 2026), Annahme: 6,5 % Rendite p.a., Vergleich mit weltweit gestreutem ETF-Sparplan ohne Förderung.

Die Botschaft: Beim 22-Jährigen bleibt von rund 167.000 Euro mehr Vermögen auch bei der Rente ein deutliches Plus übrig. Beim 50-Jährigen schmilzt derselbe Fördereffekt wegen der vollen Besteuerung fast komplett zusammen – der Zeithorizont entscheidet. Wichtig dabei: Das sind geglättete Durchschnittswerte. Aktienportfolios können über Jahre im Minus liegen, und mehr Renditechancen bedeuten immer auch mehr Risiko. Allerdings zeigen langfristige Betrachtungen des globalen Aktienmarkts stets attraktive Durchschnittsrenditen – sogar häufig oberhalb der im Beispiel angenommenen 6,5 Prozent.

Wer wie die 30-Jährige mit einem Kind in der Tabelle bereits Nachwuchs hat, kann diesen Effekt doppelt nutzen: mit dem eigenen Altersvorsorgedepot und parallel mit der Frühstartrente für das Kind – dazu gleich mehr. Denn jüngst wurde der Referentenentwurf zur Frühstartrente öffentlich.

Für wen sich das eher nicht lohnt

Das Altersvorsorgedepot ist nicht für jeden die beste Wahl. Ein normaler ETF-Sparplan kann besser passen bei: weniger als 20 Jahren bis zur Rente, noch nicht ausgeschöpftem Sparerfreibetrag (1.000 Euro/Jahr), hohem Flexibilitätsbedarf vor dem 65. Lebensjahr, sehr risikoarmer Anlage oder größeren Einmalbeträgen über der Einzahlungsgrenze von 6.840 Euro/Jahr. Für junge Berufseinsteiger mit langem Anlagehorizont trifft davon in der Regel nichts zu. Wenn du jung bist, erscheint das Altersvorsorgedepot in der heute geplanten Form attraktiv.

Die Frühstartrente für Kinder – was Eltern zusätzlich wissen sollten

Wer selbst Kinder zwischen sechs und 18 Jahren hat, sollte neben dem eigenen Altersvorsorgedepot auch die sogenannte Frühstartrente auf dem Schirm haben. Ein Entwurf des Bundesministeriums der Finanzen zum geplanten Frühstartrentengesetz (FrühStRG) skizziert, wie die im Koalitionsvertrag angekündigte Förderung konkret aussehen soll.

Das Prinzip in Kürze: Der Staat zahlt für jedes anspruchsberechtigte Kind monatlich zehn Euro in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot ein – automatisch, ohne Antrag der Eltern. Über die volle Laufzeit von zwölf Jahren (6. bis 18. Lebensjahr) kommen so bis zu 1.440 Euro Grundförderung zusammen. Und eine der wichtigsten Neuerungen: Kein anspruchsberechtigtes Kind soll leer ausgehen. Bei der kollektiven Anlage legt der Staat Geld für jene Kinder an, deren Eltern keinen individuellen Vertrag abgeschlossen haben. Investiert wird ausschließlich in Aktien. Aus der kollektiven Anlage entsteht ein Startkapital, das man später in einen individuellen Vertrag überführen kann. Anspruchsberechtigt sind Kinder mit erstem Wohnsitz in Deutschland – unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Wir fassen die wichtigsten geplanten Eckpunkte zur Frühstartrente für dich zusammen:

  • Start: Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, die Förderung rückwirkend ab 2026 gezahlt werden – beginnend mit dem Geburtsjahrgang 2020. Ältere Kinder unter 18 sollen zwar ebenfalls einen Vertrag abschließen können, aber keine staatlichen Zuschüsse erhalten.
  • Vertrag: Eltern eröffnen für ihr Kind einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge – ein einfacher, kostengedeckelter Sparplan auf den Namen des Kindes. Bis zum 18. Lebensjahr sollen Anbieter keine Abschluss- und Vertriebskosten erheben dürfen.
  • Kein Kind soll leer ausgehen: Schließen die Eltern keinen Vertrag ab, soll der Bund das Geld kollektiv am Kapitalmarkt anlegen – verwaltet von der Deutschen Bundesbank, zu 100 Prozent in global diversifizierten Aktien. Das dort angesparte Startkapital könnte bis zum 25. Geburtstag in einen eigenen Vertrag übertragen werden, danach würde der Anspruch verfallen.
  • Eigenbeiträge schon ab dem Kindesalter: Eltern, Großeltern oder Dritte sollen zusätzlich bis zu 6.840 Euro pro Jahr einzahlen dürfen – nicht erst ab 18.
  • Steuern: Die Ansparphase soll steuerfrei bleiben, besteuert würde nachgelagert erst bei der Auszahlung.
  • Kapitalbindung: Eine Auszahlung soll grundsätzlich erst ab Vollendung des 65. Lebensjahres möglich sein und nur als Altersleistung.

Was das für die Rente bringen könnte, zeigen zwei vereinfachte Modellrechnungen mit einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr (ohne Kosten- und Inflationsberücksichtigung, keine garantierten Werte):

Modellrechnung zur Frühstartrente

SzenarioEinzahlung StaatEigenbeiträgeDepotwert mit 65
Nur staatliche Förderung1.440 € (10 €/Monat, 6.–18. Lebensjahr)keineca. 33.000 €
Förderung + Eigenbeitrag ab 181.440 €100 €/Monat vom 18. bis 65. Lebensjahr (56.400 €)ca. 345.000 €
Quelle: extraETF.com

Der Unterschied macht deutlich: Allein würde die Frühstartrente nicht als vollwertige Altersvorsorge reichen, aber als kostenloser Grundstein und als früher Kontakt zum Kapitalmarkt wäre sie wertvoll. Wer die zehn Euro vom Staat mit eigenen Beiträgen kombiniert, hebelt den Zinseszinseffekt über einen fast 60 Jahre langen Anlagehorizont. Offen bleiben dabei einige Punkte: Eine Wertgarantie ist nicht vorgesehen – weder bei der individuellen noch bei der kollektiven Anlage. Und wer bis zum 25. Geburtstag keinen eigenen Vertrag abschließt, würde das aus der kollektiven Anlage angesparte Startkapital verlieren.

Was junge Leute jetzt tun sollten

  1. Jetzt informieren, nicht erst 2027 – die Wissenslücke ist die größte Bremse, und wer früh startet, hat einen echten Vorsprung.
  2. Den eigenen Zeithorizont nutzen – je jünger beim Einstieg, desto größer der Zinseszinseffekt.
  3. Standard- vs. flexible Variante vergleichen, besonders mit Blick auf Ablaufmanagement und Kosten.
  4. Auf breite Streuung achten, etwa über Multi-Asset-Ansätze.
  5. Sparerfreibetrag und Bindung ans Rentenalter mitdenken, bevor man sich festlegt.
  6. Eigene Kinder zwischen 6 und 18 im Blick behalten – sobald die Frühstartrente final beschlossen ist, kann sich ein eigener Vertrag lohnen, statt nur auf die kollektive Anlage zu setzen.

Überblick bei Depot und Altersvorsorgedepot behalten

Wer zusätzlich zum bestehenden ETF-Sparplan bald ein Altersvorsorgedepot hat – und perspektivisch noch eine Frühstartrente fürs Kind –, verliert schnell den Überblick. Der extraETF Portfolio Tracker führt alle Depots und Sparpläne an einem Ort zusammen, zeigt Kennzahlen zu Kosten und Diversifikation und macht Strategien direkt vergleichbar. Das Tool sowie unsere Wissensseiten versuchen genau die Unsicherheit zu überwinden, die laut Studie viele junge Menschen zurückhält, am Kapitalmarkt aktiv zu werden.

Fazit: Das Altersvorsorgedepot ist gerade für Junge interessant

Die Skepsis junger Menschen ist verständlich, beruht aber vor allem auf fehlendem Wissen, nicht auf einem echten Nachteil. Das Altersvorsorgedepot kommt 2027 genau den Sparern zugute, die noch viele Jahre bis zur Rente haben – und mit der geplanten Frühstartrente könnte dasselbe Prinzip schon bald für die eigenen Kinder gelten. Wer sich jetzt informiert und den eigenen Zeithorizont als Vorteil nutzt, macht aus der größten Unsicherheit den größten Vorsprung.