
Gold-Comeback? Warum Experten jetzt deutlich steigende Goldpreise erwarten
Gold hat kräftig korrigiert. Für Experten ist das kein Warnsignal, sondern die Basis für den nächsten Anstieg. Das spricht jetzt für das Edelmetall.
Nach einer beeindruckenden Rallye hat Gold in den vergangenen Monaten einen deutlichen Rückschlag erlebt. Vom Tageshoch von 5.595 US-Dollar je Feinunze am 29. Januar 2026 ging es spürbar nach unten – bis Ende Juli 2026 um rund 27 Prozent. Viele Anleger fragen sich deshalb, ob der Höhenflug des Edelmetalls bereits beendet ist oder ob die Korrektur eine neue Einstiegschance eröffnet, zumal sich derzeit eine Konsolidierung abzeichnet. „Zwar hat das Ausmaß der Korrektur die Anleger verunsichert, doch betrachten wir sie eher als einen gesunden Neustart denn als das Ende des strukturellen Bullenmarktes“, meint Nitesh Shah, Leiter für Rohstoff- und Makro-Research für Europa bei Wisdomtree. Die Botschaft für dich: Der Experte sieht im Rücksetzer keine Trendwende, sondern vielmehr eine Bereinigung nach einer außergewöhnlichen Kursrallye.
Warum Gold plötzlich unter Druck geriet
Der Preisrückgang ist in mehreren Faktoren begründet. Ein wichtiger Auslöser war die Nominierung von Kevin Warsh zum nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank Fed. Zuvor hatten Anleger befürchtet, dass das Weiße Haus einen stärker politisch ausgerichteten Fed-Chef ernennen könnte. Mit Warsh kehrte das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Geldpolitik zurück. Dadurch verschwand ein Teil der Risikoprämie, die den Goldpreis zuvor gestützt hatte.
Hinzu kam der Konflikt mit dem Iran. Obwohl geopolitische Krisen Gold langfristig häufig Auftrieb verleihen, kam es zunächst zu Verkäufen. Der Grund: Viele Marktteilnehmer nutzten Gold als liquide Geldquelle, um kurzfristigen Finanzierungsbedarf zu decken.
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Auch die Nachfrage wichtiger Käufergruppen schwächte sich ab. Die Käufe über chinesische und indische Gold-ETPs gingen zurück. Nach Schätzungen von Wisdomtree verlangsamte sich außerdem der Goldaufbau des Stablecoin-Anbieters Tether deutlich.
Der Bewertungsaufschlag ist verschwunden
Für Shah hat sich damit die Ausgangslage am Goldmarkt grundlegend verändert. „Gold verzeichnete in der ersten Hälfte des Jahres 2026 eine der stärksten Kursumkehren der letzten Jahre“, sagt der Rohstoffexperte. Die Korrektur habe jedoch dazu geführt, dass der zuvor aufgebaute Bewertungsaufschlag weitgehend verschwunden sei. Gold notiere inzwischen wieder in der Nähe des von Wisdomtree geschätzten Fair Value. Das bedeute zwar, dass reine Euphorie künftig wohl weniger Kursfantasie liefern werde. Gleichzeitig stehe der Markt nun auf einem deutlich solideren Fundament als noch zu Jahresbeginn.
Inflation, Zinsen und der Dollar werden jetzt entscheidend
Für die kommenden Monate erwartet Wisdomtree deshalb einen Wechsel bei den wichtigsten Kurstreibern. „Von nun an dürfte der Ausblick für Gold in erster Linie von makroökonomischen Fundamentaldaten bestimmt werden, insbesondere von der Entwicklung der Inflation, der Zinssätze und des US-Dollar“, prognostiziert Shah. Vor allem sinkende Realzinsen, eine hartnäckig hohe Inflation oder ein schwächerer US-Dollar gelten traditionell als positive Faktoren für den Goldpreis.
Erholung steht an
Auf Basis der aktuellen Konsenserwartungen deutet das Bewertungsmodell von Wisdomtree auf eine Erholung des Goldpreises auf 4.563 US-Dollar je Feinunze bis zum zweiten Quartal 2027 hin. Zum Vergleich: Ende Juli 2026 liegt der Preis bei rund 4.100 US-Dollar. Anleger sollten aber bei solchen Prognosen immer beachten, dass unterschiedliche makroökonomische Entwicklungen den Goldpreis erheblich beeinflussen können. Die Prognose stellt daher ein Basisszenario dar und kein festes Kursziel.
Doch es haben auch einige Rohstoffanalysten ihre Goldpreisprognosen für 2026 gesenkt. Aber selbst nach diesen Abwärtsrevisionen liegt die Konsens-Durchschnittsschätzung für die durchschnittlichen jährlichen Goldpreise derzeit (laut Bloomberg-Daten) bei rund 4.700 US-Dollar für die Jahre 2026 und 2027 sowie bei über 4.000 US-Dollar für 2028 und 2029. „Analysten von Goldman Sachs, Citigroup und Deutsche Bank prognostizieren einen Goldpreis im Jahr 2027 bei oder über 5.000 US-Dollar“, beobachtet Imaru Casanova, Portfoliomanagerin Gold und Edelmetalle bei Vaneck. Ein Beispiel dafür: Die Experten von J.P. Morgan sehen zwar steigende Goldkurse, allerdings verflog hier zuletzt die Euphorie. Das Haus senkte im Juni ihr Kursziel bis Ende 2026 von 5.400 auf 4.900 US-Dollar pro Feinunze.
Langfristig sehen Experten sogar eine Verdoppelung des Goldpreises
Während Wisdomtree den Blick auf die kommenden Quartale richtet, fällt der langfristige Ausblick des renommierten „In Gold We Trust Report“ deutlich optimistischer aus.
Wie wir bereits wenige Wochen zuvor berichtet haben, halten die Autoren des Reports bis zum Ende des Jahrzehnts einen Goldpreis von rund 8.900 US-Dollar je Feinunze für möglich: Kann sich Gold noch einmal verdoppeln? Diese Argumente sprechen dafür.
Als wichtigste Treiber nennen sie die weltweit hohe Staatsverschuldung, die anhaltend hohen Goldkäufe der Zentralbanken, strukturell expansive Geldpolitik sowie die Funktion von Gold als Schutz vor Inflation, Währungsrisiken und geopolitischen Krisen.
Die beiden Einschätzungen widersprechen sich dabei nicht. Wisdomtree sieht nach der Korrektur eine gesündere Ausgangslage für den Goldmarkt in den kommenden Monaten. Der „In Gold We Trust Report“ blickt dagegen deutlich weiter in die Zukunft und geht davon aus, dass der strukturelle Bullenmarkt langfristig noch erhebliches Potenzial besitzt.
Drei Wege, um in Gold zu investieren
Wer von der erwarteten Erholung profitieren möchte, muss nicht zwingend physisches Gold kaufen. Anleger können grundsätzlich auf drei Arten Zugang zum Goldmarkt bekommen: physisches Gold, Gold-ETCs oder Goldminenaktien. Alle drei bilden die Goldpreisentwicklung unterschiedlich ab und eignen sich je nach Anlageziel unterschiedlich gut.
Physisches Gold, Gold-ETCs, Goldminenaktien
| Einzahlung Staat | Eigenbeiträge | Depotwert mit 65 | |
|---|---|---|---|
| Abbildung des Goldpreises | 1:1, direkt | nahezu 1:1 (physisch besichert) | indirekt, mit Hebelwirkung |
| Steuervorteil nach 1 Jahr | ja | ja (bei Auslieferungsanspruch) | nein, Abgeltungsteuer greift immer |
| Handelbarkeit | gering (physischer Besitz) | börsentäglich, sparplanfähig | börsentäglich, sparplanfähig |
| Spread/Kosten | tendenziell hoch, v. a. bei kleinen Stückelungen | niedrig | niedrig (Handelskosten wie bei Aktien/ETFs) |
| Aufbewahrung | eigene Verantwortung (Tresor, Schließfach) | entfällt | entfällt |
| Volatilität | niedrig (folgt Goldpreis) | niedrig (folgt Goldpreis) | hoch (Unternehmensrisiken zusätzlich) |
| Dividende | nein | nein | teils ja |
| Diversifikationsoption | nein (Einzelinvestment) | teils (z. B. Gold + Silber gebündelt) | ja, über Goldminen-ETFs |
| Quelle: extraETF.com | |||
Für die meisten Privatanleger ist der zweite Weg – Gold-ETCs – der bequemste Kompromiss: steuerliche Vorteile wie bei physischem Gold, aber ohne Aufbewahrungsaufwand und mit voller Börsenliquidität.
Gold-ETCs bieten oft auch steuerliche Vorteile
Wer Gold nicht in Form von Münzen oder Barren oder relativ indirekt über Goldminenaktien kaufen möchte, kann das Edelmetall unkompliziert über physisch besicherte Gold-ETCs ins Depot holen. Das ist die bequemste Form des Golderwerbs.
Für deutsche Anleger kann das sogar steuerlich attraktiv sein. Verbrieft ein Gold-ETC einen Anspruch auf die physische Auslieferung des Goldes, wird er steuerlich wie physisches Gold behandelt. Das bedeutet: Veräußerungsgewinne sind nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei. Allerdings gilt dieser Vorteil nicht für alle ETCs. Hier zeigen wir dir eine Auswahl an Produkten mit Steuervorteil (eines dieser Produkte stellen wir dir am Ende des Beitrags vor):
Eine Auswahl steuerfreier Gold-ETCs
| ETC | WKN | Auslieferung |
|---|---|---|
| Xetra-Gold | A0S9GB | ja, ab 1 Gramm |
| Euwax Gold II | EWG2LD | ja, ab 1 Gramm |
| The Royal Mint Physical Gold | A279KU | ja, ab 1 Unze |
| WisdomTree Physical Swiss Gold | A1DCTL | ja, ab 1 Gramm |
| Gold Bullion Securities | A0LP78 | ja (Münzen) |
| WisdomTree Core Physical Gold | A3GNQ1 | ja, ab 1 Gramm |
| Quelle: extraETF.com, Stand: 12/2022 | ||
Achtung: Bei Kryptowährungen könnte der Steuervorteil, wie er bei einigen Gold-ETCs greift, bald wegfallen: Krypto-Schock für Anleger? Bundesregierung will Steuerfreiheit abschaffen.
Gold als Depotbaustein regelmäßig überprüfen Gold kann ein Portfolio stabilisieren und das Risiko breiter streuen. Gleichzeitig sollte der Goldanteil regelmäßig überprüft werden. Nach starken Kursbewegungen verändert sich die Gewichtung im Depot häufig deutlich.
| Tipp: Keine Steuer auf Gold-Gewinne? Alles über die Besteuerung von Gold-ETCs. |
Mit dem extraETF Portfolio Tracker kannst du jederzeit nachvollziehen, wie hoch dein Goldanteil tatsächlich ist und wie sich die Gewichtung im Verhältnis zu Aktien, Anleihen und anderen Anlageklassen entwickelt hat. Außerdem erkennst du auf einen Blick mögliche Klumpenrisiken sowie die regionale und währungsbezogene Struktur deines Portfolios. So lässt sich bei Bedarf gezielt ein Rebalancing vornehmen und die ursprünglich gewählte Anlagestrategie beibehalten.
Für Anleger bedeutet die jüngste Goldkorrektur daher vor allem eines: Kurzfristig dürften Inflation, Zinsen und der US-Dollar die Richtung vorgeben. Langfristig sehen jedoch sowohl Wisdomtree als auch die Autoren des „In Gold We Trust Report“ gute Argumente dafür, dass der Gold-Bullenmarkt noch nicht zu Ende ist.