
Warum der „sichere Hafen“ Gold für Anleger plötzlich riskanter wird
Rekordpreise, steigende Risiken: Warum Gold an Glanz verliert, was Gold-ETCs bringen – und welche Alternativen jetzt überzeugen.
Der Goldpreis hat Anfang 2026 eine beeindruckende Rally hingelegt und erstmals die Marke von 5.500 US-Dollar je Unze überschritten. Inzwischen ist jedoch eine deutliche Korrektur zu beobachten: Mit rund 4.700 US-Dollar bleibt Gold zwar teuer, doch die Schwankungen haben spürbar zugenommen. Aus Sicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, stellt sich damit für Investoren zunehmend die Frage nach dem Chance-Risiko-Verhältnis.
Gold: Sicherer Hafen mit Rissen
Gold gilt traditionell als Schutz in Krisenzeiten. Doch die jüngste Entwicklung zeigt, dass dieser Ruf nicht uneingeschränkt gilt. Selbst geopolitische Spannungen wie der aktuelle Nahostkonflikt konnten den Preis zuletzt nicht stabilisieren. „Solange es keine Rückkehr zu stabilitätsorientierter Fiskal- und Geldpolitik gibt, bleibt der Rückenwind für Gold bestehen. Doch auf dem aktuell hohen Preisniveau nehmen die Risiken zu“, stellt Tilmann Galler fest.
Dazu kommt: „Auf kurze Sicht sind einige Indikatoren weniger günstig: Das potenziell inflationäre Umfeld hat die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinssenkungen, insbesondere durch die Fed, gedämpft, während der US-Dollar an Stärke gewinnt“, sagt Charlotte Peuron, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management. Kurzfristig belasten nach Ansicht der Expertin auch Verkäufe von Gold-ETFs und die Auflösung von Positionen an der Rohstoffbörse die Preise. Einige Zentralbanken würden die hohen Preise nutzen und greifen auf ihre Goldreserven zurück, um bestimmte Ausgaben zu finanzieren, so etwa Polen und Russland.
Was den Goldpreis wirklich bewegt
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Gold vor allem in Phasen niedriger oder fallender Realzinsen stark performt. „Da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft, steigen die ‚Opportunitätskosten‘, wenn die Realzinsen nach oben gehen“, sagt Galler. „Hingegen signalisieren fallende Realzinsen, dass Zentralbanken entweder die Inflationsbekämpfung vernachlässigen oder Anleihen kaufen, wodurch der Bedarf an Inflations- und Geldwertsicherung durch Gold größer wird.“
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Seit 2022 hat sich das Bild jedoch verändert. „Das Edelmetall gilt als neutraler Vermögenswert, der nicht eingefroren oder blockiert werden kann“, betont Galler. Vor allem Zentralbanken haben ihre Goldreserven deutlich aufgestockt und damit die Rally maßgeblich unterstützt.
Gold-ETCs: Einfach investieren – mit steuerlichem Vorteil
Für Privatanleger erfolgt der Zugang zu Gold heute häufig über börsengehandelte Produkte wie Gold-ETCs. Diese bilden den Goldpreis ab und sind in der Regel physisch mit Gold hinterlegt. Der große Vorteil: Anleger können unkompliziert über die Börse investieren, ohne sich um Lagerung oder Versicherung kümmern zu müssen.
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Besonders interessant ist die steuerliche Behandlung in Deutschland. Physisch besicherte Gold-ETCs mit Lieferanspruch werden steuerlich wie physisches Gold behandelt. Das bedeutet: Gewinne sind nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr in der Regel steuerfrei. Dieser Vorteil macht Gold-ETCs für viele Privatanleger zu einer attraktiven Möglichkeit, am Goldmarkt zu partizipieren.
Nachfrage treibt – und kann kippen
Neben den Zentralbanken haben auch Privatanleger massiv in Gold investiert. Die Sorge vor Inflation und Geldwertverlust hat zu Rekordzuflüssen geführt. Doch genau diese Dynamik macht den Markt anfälliger für schnelle Richtungswechsel.
Die jüngsten Kursschwankungen unterstreichen das Risiko. „Die Fallhöhe ist durch den rasanten Anstieg größer geworden, wie man bereits sehen konnte“, sagt Galler. Selbst kurzfristige politische Entwicklungen können starke Kursbewegungen auslösen.
Warum die Risiken steigen
Mit dem starken Preisanstieg mehren sich die Anzeichen für eine mögliche Abschwächung der Nachfrage. „Die Kauflust der Zentralbanken hat laut Galler spürbar abgenommen, und auch in der Schmuckindustrie werde Gold zunehmend substituiert.“ Gleichzeitig könnten westliche Zentralbanken beginnen, Gewinne mitzunehmen.
Dennoch bleibt Gold ein relevanter Bestandteil vieler Portfolios. „Gold kann auch zukünftig durchaus wertvolle Wertbeiträge liefern, um das eigene Investmentportfolio gegenüber geopolitischen Schocks und Geldentwertung stabiler zu machen“, fasst Galler zusammen.
Inflationsschutz neu gedacht
Trotz seiner Rolle als Krisenabsicherung ist Gold nicht alternativlos. „Inflationsschutz bekommt man nach seiner Einschätzung inzwischen günstiger in realen Vermögenswerten wie Infrastruktur, Transport oder Immobilien.“ Für langfristig orientierte Anleger können diese Anlagen stabilere Ertragsquellen bieten.
Überblick behalten mit dem extraETF Portfolio Tracker
Gerade in einem volatilen Marktumfeld wird es für Privatanleger entscheidend, den Überblick über ihr Portfolio zu behalten. Der extraETF Portfolio Tracker hilft dabei, Goldinvestments – etwa über ETCs – sowie alternative Anlagen zentral zu analysieren und zu steuern.
Anleger erkennen auf einen Blick, wie hoch der Goldanteil im Portfolio ist, wie sich einzelne Positionen entwickeln und ob Klumpenrisiken entstehen. So lassen sich fundierte Entscheidungen treffen und die eigene Strategie gezielt anpassen.
Gold bleibt wichtig – aber nicht ohne Risiko
Gold hat seinen Platz im Portfolio weiterhin verdient, vor allem als Absicherung gegen extreme Szenarien. Doch die aktuelle Marktlage zeigt, dass der „sichere Hafen“ nicht frei von Risiken ist. Wer heute investiert, sollte genauer hinschauen, steuerliche Vorteile nutzen und die eigene Anlagestrategie breit aufstellen.







