
Bitcoin: Springt der Kurs jetzt auf 100.000 Dollar – oder droht der Rückschlag?
Bitcoin ist im August um 25 Prozent gestiegen. Diese drei Marken entscheiden im September über den nächsten großen Kursschritt.
Bitcoin ist im August um rund 25 Prozent gestiegen – der stärkste Monat seit November 2024. Laut einer Analyse des Krypto-Vermögensverwalters 21Shares war Auslöser vor allem die Ausweitung der US-Anleiherückkäufe durch das Finanzministerium, verstärkt durch eine Rekord-Short-Liquidation. Das Unternehmen verweist zudem auf Zuflüsse von 3,05 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-ETFs im August, die aus seiner Sicht auf echte Nachfrage am Spotmarkt hindeuten – während das offene Interesse am Terminmarkt nach eigenen Angaben nur bei etwa der Hälfte des Standes vom Oktober 2025 liegt. Der September gilt nun als Bewährungsprobe: Laut 21Shares muss die Marke von 76.000 bis 78.000 US-Dollar als Unterstützung halten; die Zone von 81.000 bis 82.000 US-Dollar trennt nach Einschätzung des Analysehauses eine nachhaltige Trendwende von einer bloßen Bärenmarkt-Erholung.
Was im August die Bitcoin-Rallye ausgelöst hat
Das US-Finanzministerium kündigte an, seine Anleiherückkäufe im langlaufenden Bereich (10 bis 30 Jahre) auf mindestens vier Milliarden US-Dollar je Operation auszuweiten. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen, die zuvor ein 19-Jahres-Hoch erreicht hatte, fiel daraufhin um zehn Basispunkte, der Dollar gab nach, Gold und Bitcoin zogen gemeinsam an. Zusätzlich brachte die Börsenaufsicht SEC den Entwurf einer „Regulation Crypto Assets“ ins Spiel, Präsident Trump traf sich mit Krypto-Vertretern und drängte auf eine Abstimmung über den CLARITY Act im Senat am 15. September. Parallel dazu wurden Short-Positionen im Volumen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar zwangsliquidiert – eine der größten Liquidationswellen der Kryptogeschichte.
21Shares wertet diese drei Faktoren – geldpolitische Signale, regulatorische Fortschritte und den Short-Squeeze – als Haupttreiber der rund 25-prozentigen Kursbewegung im August.
Diese Marken beobachtet 21Shares im September
Die Investment-Strategen von 21Shares ordnen die charttechnische Lage so ein:
| Kursniveau | Bedeutung |
|---|---|
| 98.000 US-Dollar | Jahreshoch – mögliches Ziel nach einem Ausbruch über die Widerstandszone |
| 85.000 US-Dollar | Nächstes Kursziel oberhalb der Widerstandszone |
| 81.000–82.000 US-Dollar | Wichtigste Widerstandszone: 50-Wochen-Durchschnitt und Kostenbasis der US-Bitcoin-ETF-Halter |
| 76.000–78.000 US-Dollar | Aktuelle Unterstützung: ehemalige Ausbruchszone |
| 68.500 US-Dollar | Kostenbasis kurzfristiger Halter – ab hier rutschen frische Käufer in die Verlustzone |
| 65.000 US-Dollar | Mögliches Ziel bei anhaltender Schwäche |
| 60.000 US-Dollar | 200-Wochen-Durchschnitt – langfristiger Unterstützungsbereich |
| Quelle: 21Shares, 1. September 2026 | |
Der Relative-Stärke-Index (RSI) von Bitcoin erreichte laut 21Shares zuletzt Werte um 80 – ein Hinweis auf eine kurzfristig überkaufte Lage. Das Analysehaus hält deshalb einen Einstieg bei einem Rücksetzer in die 76.000- bis 78.000-Dollar-Zone für günstiger als einen Kauf auf dem aktuellen Niveau.
Fünf Faktoren, die den September entscheiden
- Fed gegen Finanzministerium: Während das Finanzministerium mit den Anleiherückkäufen faktisch lockert, hält sich die US-Notenbank offen für eine weitere Zinserhöhung. Der Markt preist aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent für eine Zinsanhebung auf der September-Sitzung ein.
- Clarity Act am 15. September: Die Prognoseplattform Polymarket sieht die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr bei nur rund 13 Prozent – ein Scheitern wäre also weitgehend eingepreist, eine Überraschung nach oben nicht.
- ETF-Zuflüsse versus Gewinnmitnahmen: Die 3,05 Milliarden US-Dollar an ETF-Zuflüssen kamen laut 21Shares, während Bitcoin rund 35 Prozent unter seinem Allzeithoch notierte. Gleichzeitig registriert das Unternehmen seit dem Ausbruch tägliche Zuflüsse von mehr als 500 Millionen US-Dollar an Gewinn-Bitcoin zu Börsen – nach eigenen Angaben die stärksten Gewinnmitnahmen seit Dezember.
- On-Chain-Aktivität bei Ethereum, Solana und Hyperliquid: 21Shares verweist auf steigende Nutzerzahlen bei Ethereum, Rekord-Transaktionsvolumen bei Solana und eine bevorstehende Gebührenumverteilung bei Hyperliquid als unterstützende Fundamentaldaten für die breitere Kryptorallye.
- Der Zyklus-Zeitpunkt: Rund zehn Monate nach dem Zyklushoch vom Oktober 2025 befindet sich der Markt nach Einschätzung von 21Shares in dem historischen Zeitfenster, in dem frühere Bärenmärkte endeten. Kennzahlen wie das Verhältnis von Marktwert zu realisiertem Wert (MVRV) lägen laut Analysehaus nahe früherer Tiefpunkte.
Bull- und Bear-Szenario
Bull-Fall: Hält Bitcoin die Zone von 76.000 bis 78.000 US-Dollar, bleiben die ETF-Zuflüsse stabil und laufen die Anleiherückkäufe an, sieht 21Shares Potenzial für einen Ausbruch über 82.000 US-Dollar – mit 85.000 US-Dollar als nächstem Ziel und einem möglichen erneuten Test des Jahreshochs bei 98.000 US-Dollar Richtung viertes Quartal.
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Bear-Fall: Ein Großteil der August-Rallye ging laut 21Shares auf die Short-Liquidation zurück. Kommt ein negativer Auslöser hinzu – etwa eine Zinserhöhung, steigende Langfristrenditen trotz der Rückkäufe oder nachlassende ETF-Zuflüsse –, könnte Bitcoin die Unterstützung bei 76.000 bis 78.000 US-Dollar verlieren und in Richtung 68.500, dann 65.000 und 60.000 US-Dollar fallen. Selbst dieses Szenario stuft 21Shares als späten Rücksetzer innerhalb der laufenden Bärenmarkt-Endphase ein, nicht als Beginn eines neuen Abwärtstrends.
Wie Anleger in Bitcoin investieren können
Wer von einer möglichen Fortsetzung der Rallye profitieren möchte, muss nicht zwingend Bitcoin direkt kaufen und selbst verwahren. Eine Alternative sind Krypto-ETPs (Exchange Traded Products): börsengehandelte Wertpapiere, die die Kursentwicklung von Bitcoin oder anderen Kryptowährungen 1:1 physisch besichert abbilden. Sie lassen sich wie Aktien oder ETFs über die Börse handeln und ins Depot buchen – ohne eigene Wallet und ohne Private Keys verwalten zu müssen.
Wer stattdessen direkt in Bitcoin und andere Kryptowährungen investieren möchte, findet einen Überblick über geeignete Anbieter im Krypto-Broker-Vergleich.
In jedem Fall gilt: Bitcoin bleibt ein hochvolatiles Investment mit Kursschwankungen von mehreren Zehntausend US-Dollar. Die genannten Kursziele und Wahrscheinlichkeiten sind Prognosen von 21Shares, keine gesicherten Fakten, und frühere Marktzyklen sind kein Garant für künftige Entwicklungen. Nur Kapital einsetzen, dessen Verlust du verkraften kannst.
Bitcoin-Investment im Blick behalten
Ob Krypto-ETP oder direktes Bitcoin-Investment über einen Broker: Gerade bei einem so volatilen Asset lohnt sich der Überblick über die eigene Position. Mit dem extraETF Portfolio Tracker lassen sich Bitcoin-Investments zusammen mit ETFs und Aktien in einem Depot erfassen und die Wertentwicklung in Echtzeit verfolgen. So siehst du auf einen Blick, wie stark eine Rallye wie im August dein Gesamtdepot beeinflusst hat, wie hoch dein Krypto-Anteil im Verhältnis zu deiner übrigen Asset-Allokation ist und ob dein Portfolio noch zu deiner Risikostrategie passt – unabhängig davon, über welchen Broker oder welches ETP du investiert bist.
Hinweis: Alle Kurs- und Flusszahlen in diesem Beitrag stammen, sofern nicht anders angegeben, aus einer Analyse von 21Shares vom 1. September 2026. 21Shares bietet selbst Bitcoin-ETPs an.