
Knacken Quantencomputer Bitcoin bald in 9 Minuten? Das steckt dahinter
Neun Minuten, um Bitcoin zu knacken? Eine Google-Studie sorgt für Aufsehen – Wall Street und Krypto-Branche rüsten bereits auf.
Kaum eine Zahl hat die Krypto-Szene in diesem Jahr so aufgewühlt wie diese: neun Minuten. So lange, heißt es, bräuchte ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer theoretisch, um den privaten Schlüssel einer Bitcoin-Adresse zu berechnen. Die Meldung verbreitete sich rasant – und wirft eine drängende Frage auf: Ist Bitcoin tatsächlich in Gefahr?
Die Google-Studie zum Bitcoin: Woher die 9-Minuten-Zahl stammt
Auslöser der Debatte ist eine Forschungsarbeit, die das Google Quantum AI-Team gemeinsam mit Wissenschaftlern der Ethereum Foundation und der Stanford University Ende März 2026 veröffentlichte. Untersucht wurde, wie viel Quantenrechenleistung nötig wäre, um die elliptische Kurvenkryptografie zu brechen, auf der Bitcoin basiert.
Frühere Schätzungen aus dem Jahr 2023 gingen von rund neun Millionen physischen Qubits aus. Das Google-Team fand eine Optimierung, die denselben Effekt mit weniger als 500.000 physischen Qubits erreicht – eine Reduktion um etwa das 20-Fache. Unter bestimmten Bedingungen, so die Studie, könnte ein Angriff auf eine laufende Bitcoin-Transaktion dann rund neun Minuten dauern.
Entscheidend dabei: Ein Quantencomputer mit dieser Kapazität existiert bislang nicht. Sowohl die Studie selbst als auch spätere Stellungnahmen der Branche betonen das ausdrücklich.
Warum das Zeitfenster überhaupt eine Rolle spielt
Bitcoins Sicherheit beruht darauf, dass sich aus einem öffentlichen Schlüssel praktisch nicht auf den privaten Schlüssel zurückrechnen lässt – zumindest mit klassischen Computern. Sobald jedoch eine Transaktion versendet wird, liegt der öffentliche Schlüssel offen im sogenannten Mempool, bis ein Miner sie in einen Block aufnimmt. Diese Bestätigung dauert im Schnitt rund zehn Minuten.
Genau in diesem Zeitfenster setzt das theoretische Risiko an: Ein Quantencomputer könnte, wenn er schnell genug wäre, den privaten Schlüssel noch berechnen, bevor die Transaktion bestätigt ist, und eine konkurrierende Transaktion mit höherer Gebühr einschleusen.
Zusätzlich gibt es ein zweites, unabhängig vom Zeitdruck bestehendes Risiko: Nach Angaben, die in den Vorschlag BIP-361 eingeflossen sind, waren im März 2026 mehr als 34 Prozent aller Bitcoin – umgerechnet rund sechs Millionen Coins – mit einem dauerhaft offengelegten öffentlichen Schlüssel verknüpft, etwa weil Adressen mehrfach genutzt wurden oder aus älteren Formaten stammen. Diese Coins ließen sich theoretisch auch ohne Zeitdruck angreifen.
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Zur Erklärung: BIP-361 ist einer von mehreren sogenannten Bitcoin Improvement Proposals – formalen Verbesserungsvorschlägen, über die die offene Bitcoin-Entwicklergemeinde Änderungen am Protokoll diskutiert und beschließt. Er zielt konkret darauf ab, wie mit den erwähnten, dauerhaft offengelegten Coins umgegangen werden soll (mehr dazu im Abschnitt zu den Gegenmaßnahmen). Sein Gegenstück BIP-360 setzt dagegen früher an: Er soll verhindern, dass neue Adressen überhaupt erst quantenanfällig werden. |
Wie ernst ist die Bedrohung wirklich?
Julian Hötzel, Senior-Manager für Geschäftsentwicklung bei Bitvavo, ordnet die Lage im Gespräch mit extraETF so ein: Die Gefahr sei „real, aber nicht akut“. Sein Vergleich bringt die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis auf den Punkt: Schlagzeilen wie „Quantencomputer knacken Bitcoin in wenigen Minuten“ seien „ungefähr so, als würde man 1950 titeln: ‚Rakete fliegt in drei Tagen zum Mars.‘ Die Aussage über die Flugzeit mag stimmen, die Rakete fehlt.“
Der entscheidende Flaschenhals sind laut Hötzel nicht physische, sondern logische Qubits – fehlerkorrigierte, stabile Recheneinheiten, für die jeweils Hunderte bis Tausende physische Qubits zusammengeschaltet werden müssen. Davon existiere heute erst eine Handvoll, für einen Angriff auf Bitcoin bräuchte es Tausende. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rechnet nach seinen Angaben mit zehn bis fünfzehn Jahren bis zu einem kryptografisch relevanten Quantencomputer, wie uns Hötzel berichtete.
Die Gegenmaßnahmen: Wer sich wappnet
Die Branche wartet nicht ab und es gibt eine neue Entwicklung, von der du gehört haben solltest: Am 23. Juli 2026 gründeten neun Schwergewichte aus Finanz- und Kryptowelt – darunter BlackRock, Coinbase, Block, Fidelity Digital Assets und Strategy – das Bitcoin Security Consortium. Ziel ist die langfristige Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen für Bitcoin, ohne in die Protokoll-Governance einzugreifen. Die operative Koordination übernimmt die Non-Profit-Organisation Brink. Parallel arbeitet die technische Community an den beiden BIPs im Detail:
BIPs im Detail
| Vorschlag | Inhalt | Status |
|---|---|---|
| BIP-360 | Neuer, quantenresistenter Adresstyp auf Basis von Post-Quanten-Kryptografie | Februar 2026 offiziell aufgenommen |
| BIP-361 | Fünfjähriger Migrationsplan für alte Adressen, danach Einfrieren nicht migrierter Coins | Umstritten, in Diskussion |
| Quelle: extraETF.com | ||
Gerade BIP-361 sorgt für Kontroversen: Kritiker empfinden das Einfrieren nicht migrierter Coins – darunter mutmaßlich die rund 1,1 Millionen Bitcoin von Satoshi Nakamoto – als Eingriff in Eigentumsrechte. Blockstream-Chef Adam Back schätzte den praktischen Zeithorizont einer echten Bedrohung dagegen auf 20 bis 40 Jahre und plädierte für eine freiwillige statt erzwungene Migration.
Hötzel sieht die eigentliche Herausforderung ohnehin weniger technisch als philosophisch: „Was passiert mit verlorenen Coins in verwundbaren Adressen? Friert man sie ein – ein Eingriff in Eigentumsrechte, der Bitcoins Grundprinzip widerspricht? Oder überlässt man sie dem Erstbesten mit Quantencomputer? Wenn die Community diese Governance-Frage löst, geht Bitcoin gestärkt daraus hervor.“ Der Fachmann hält fest: „Das größere Risiko ist nicht die Quantenhardware – es ist ein Scheitern der Koordination.“
Was Anleger konkret tun können
Ein technisches Detail ist für Privatanleger besonders relevant: Der öffentliche Schlüssel einer Adresse wird erst sichtbar, wenn von ihr Coins versendet werden. Wer – wie es moderne Wallets automatisch tun – jede Adresse nur einmal nutzt, ist deutlich besser geschützt als jemand, der seit Jahren dieselbe Adresse wiederverwendet.
Hötzels Fazit für Bitcoin-Anleger: informiert bleiben, aber nicht in Panik verfallen. Bitcoin habe mit den Upgrades SegWit (2017) und Taproot (2021) bereits gezeigt, dass sich das Netzwerk per Soft Fork weiterentwickeln kann, ohne das gesamte System zu spalten.
Wie Privatanleger am einfachsten und sichersten in Krypto investieren
Wer trotz der Quantencomputer-Debatte weiterhin auf Bitcoin & Co. setzen möchte, muss sich nicht selbst um Wallets und private Schlüssel kümmern. Für Privatanleger bieten sich vor allem zwei unkomplizierte Wege an:
Möglichkeit 1: Krypto-ETPs übers Depot
Wer Kryptowährungen wie ein gewöhnliches Wertpapier über das bestehende Depot handeln möchte, findet in der extraETF ETF-Suche für Kryptowährungen eine Übersicht physisch besicherter Bitcoin- und Ethereum-Produkte (ETPs/ETNs) verschiedener Anbieter wie iShares, WisdomTree, 21Shares oder Bitwise. Diese Produkte bilden den Kryptowert ab, ohne dass Anleger selbst eine Wallet verwalten müssen – die Verwahrung übernimmt der jeweilige Emittent. Ein Vorteil: Krypto-ETPs lassen sich wie ETFs über den gewohnten Broker kaufen, teilweise auch als Sparplan, und passen sich damit nahtlos in ein bestehendes ETF-Depot ein.
Möglichkeit 2: Direktkauf über einen Krypto-Broker
Wer die Kryptowährung selbst halten möchte, benötigt ein Konto bei einem spezialisierten Krypto-Broker. Der Krypto-Broker-Vergleich stellt die Angebote verschiedener Anbieter nach den Kriterien Angebot, Kosten und Service gegenüber. Die Unterschiede sind teils erheblich: Sowohl die Zahl handelbarer Kryptowährungen als auch die Ordergebühren variieren deutlich zwischen den Anbietern. Wer neben Kryptowährungen auch Aktien oder ETFs im selben Depot handeln möchte, kann auf Broker setzen, die beides anbieten.
Krypto-ETPs vs. Krypto-Broker
| Krypto-ETPs übers Depot | Direktkauf über Krypto-Broker | |
|---|---|---|
| Vorteile | Handel wie ein ETF im bestehenden Depot; keine eigene Wallet nötig; teils als Sparplan | Echtes Eigentum an der Kryptowährung; größere Auswahl an Coins; Transfer in eigene Wallet möglich |
| Nachteile | Laufende Produktkosten; Auswahl meist auf Bitcoin und Ethereum begrenzt | Zusätzliches Konto nötig; Sicherheit liegt stärker beim Anleger; Gebühren variieren stark |
| Quelle: extraETF.com | ||
Beide Wege haben ihre Berechtigung: Krypto-ETPs punkten mit einfacher Integration ins bestehende Depot, während der Direktkauf über einen Krypto-Broker die eigentliche Kryptowährung ins eigene Eigentum überführt – inklusive der Möglichkeit, sie später in eine eigene Wallet zu transferieren.
Den Überblick über die eigenen Krypto- und ETF-Investments behalte
Ob Bitcoin, Ethereum oder ETFs auf den breiten Markt: Wer sein Vermögen über mehrere Anlageklassen streut, sollte den Überblick nicht verlieren. Mit dem extraETF Portfolio Tracker lassen sich Kryptowährungen, ETFs, Aktien und weitere Anlageklassen zentral an einem Ort erfassen und analysieren. Kursentwicklungen, Depotstruktur und Wertentwicklung sind so jederzeit auf einen Blick sichtbar – einfach, schnell und sicher. Jetzt kostenlos den extraETF Portfolio Tracker nutzen.