
"Aktive ETFs bieten in Zeiten wie im Iran-Konflikt einen entscheidenden Vorteil"
Anleger sind aufgrund der Iran-Krise verunsichert. Können aktive ETFs jetzt einen Mehrwert leisten? Antworten von Ivan Durdevic, Leiter ETF-Distribution Deutschland, Österreich und Schweiz bei J.P. Morgan Asset Management.
Verbraucher und Anleger sind derzeit aufgrund des Iran-Konflikts verunsichert. Können aktive ETFs in Bezug auf die Eskalation um den Iran einen Mehrwert liefern?
Aktive ETFs bieten gerade in geopolitisch angespannten Zeiten wie aktuell im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt einen entscheidenden Vorteil: Sie ermöglichen es Fondsmanagern, flexibel und schnell auf neue Marktentwicklungen zu reagieren. Während passive ETFs starr einen Index abbilden, können aktive Manager gezielt Risiken steuern und Chancen nutzen – beispielsweise mittels Über- oder Untergewichtung von Einzeltiteln, aber auch Sektoren oder Regionen. In volatilen Marktphasen, wie sie durch geopolitische Krisen ausgelöst werden, kann diese Flexibilität helfen, Abwärtsbewegungen zu begrenzen oder Erholungspotenziale frühzeitig zu nutzen. Auch im Anleihenbereich, der von Zinsniveau, Liquidität und Emittentenrisiken geprägt ist, können aktive ETFs taktisch auf Veränderungen reagieren und so einen Mehrwert bieten.
Eine besonders innovative Lösung für Aktien-Investoren sind sogenannte Buffer-ETFs. Diese Produkte wurden entwickelt, um das Risiko von Kursverlusten in turbulenten Marktphasen gezielt zu begrenzen. Sie nutzen Optionen, um Verluste im Falle starker Marktrückgänge abzufedern, während das Aufwärtspotenzial bewusst begrenzt wird. Das Ziel: Anleger sollen auch in unsicheren Zeiten investiert bleiben können, ohne bei starken Schwankungen aus dem Markt gedrängt zu werden. Die Methodik von unseren Hedged Equity Overlay Active ETFs unterscheidet sich dabei von klassischen Buffer-ETFs durch drei rollierende Absicherungen, die jeweils drei Monate laufen und um einen Monat versetzt starten.
| Tipp: Aktives Management ist derzeit herausgefordert, gut durch geopolitische Krisen zu navigieren. Schau dir also gleich unseren Guide zu aktiven ETFs an. |
So ist das Portfolio zu jedem Zeitpunkt abgesichert – unabhängig davon, wann der Anleger einsteigt. In der Praxis bedeutet das: Auch bei einer Eskalation im Nahen Osten bleibt das Risiko eines plötzlichen, größeren Verlusts begrenzt, während Chancen auf Erholung erhalten bleiben. So sind gerade in geopolitischen Krisen, in denen Märkte kurzfristig stark reagieren, können Buffer-ETFs eine wertvolle Ergänzung im Portfolio sein, um die eigene Anlagestrategie konsequent durchzuhalten und emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden.
In welchen Bereichen können aktive ETFs ihre Vorteile am besten ausspielen?
Aktives Management auf Basis von fundamentalem Research ist unserer Erfahrung nach immer sinnvoll, um auf Marktveränderungen und neue Informationen zeitnah reagieren zu können und so über verschiedene Marktphasen hinweg einen kontinuierlichen Mehrwert zu erzielen.
Typischerweise wird darauf verwiesen, das aktives Management vor allem in ineffizienten oder komplexen Märkten aus, etwa bei Anleihen oder Schwellenländern sinnvoll ist. Im Anleihenmarkt, der durch eine enorme Vielfalt an Emittenten, Laufzeiten und Bonitäten geprägt ist, können aktive Manager etwa Ineffizienzen gezielt nutzen, Risiken steuern und auf Marktveränderungen reagieren. Auch in volatilen Marktphasen oder bei speziellen Strategien wie Income- oder Buffer-ETFs zeigen aktive Produkte ihre Vorteile, wie oben beschrieben.
| Tipp: Gerade, wenn du aktive ETFs in dein Depot nimmst, solltest du den Überblick behalten. Nutze dazu den extraETF Portfolio Tracker. |
Aber auch im indexnahen Bereich mit einem Marktbeta von 1 lässt sich mit aktivem Management Mehrwert generieren – dies belegen unsere seit mehr als sieben Jahren erfolgreichen Research Enhanced Index (REI) ETFs, die die es inzwischen Strategien rund um den Globus und natürlich auch in liquiden Aktienmärkten wie den USA oder Europa gibt. Der Ansatz ist sehr einfach und sehr effektiv: viele kleine, auf Fundamentalanalyse basierende Über- und Untergewichtungen einzelner Titel schaffen einen kontinuierlichen Mehrertrag (Alpha) – bei gleichzeitig indexähnlichem Risiko- und Sektorprofil. Seit Auflage des REI-Prozesses 1988 konnte so über verschiedene Marktzyklen hinweg ein stabiler Mehrwert gegenüber der Benchmark erzielt werden, und das bei einem niedrigen Tracking Error. Diese Strategie wird deshalb sehr gern genutzt, um ein Passives Investment zu diversifizieren oder auch in Teilen zu re-aktivieren.
In welchen Segmenten sind dagegen passive ETFs überlegen?
Passive ETFs können in sehr effizienten Märkten wie den USA sinnvoll sein. Hier ist es für aktive Manager erfahrungsgemäß schwerer, nach Kosten den Index zu schlagen. Passive Produkte haben häufig sehr niedrige Gebühren und aufgrund des Index Trackings eine einfache Nachvollziehbarkeit der Investments. Sie eignen sich von daher für Anleger, die eine marktnahe Abbildung großer Indizes wie MSCI World oder S&P 500 suchen.
Aktive ETFs scheinen bei Anlegern anzukommen. Wie sind hier Wachstumsraten in den vergangenen Jahren?
Der Markt für aktive ETFs wächst rasant: Das weltweit in aktive ETFs investierte Vermögen erreichte Ende Dezember 2025 ein Rekordniveau von über 1,5 Billionen US-Dollar. Auch in Europa hat sich das verwaltete Vermögen zwischen 2020 und 2025 beinahe verfünffacht. In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 200 aktive ETFs – vor zehn Jahren waren es weniger als 20. Auch die Zahl der Neuauflagen steigt kontinuierlich, was die hohe Nachfrage und das wachsende Interesse unterstreicht.
Wir befinden uns aktuell mitten in der deutschen Dividendensaison. Haben sie einen aktiven ETF, der das ganze Jahr über attraktive Ausschüttungen liefert und wie funktioniert dieser?
Ja, mit unseren Equity Premium Income Active UCITS ETFs hat J.P. Morgan Asset Management eine neue Kategorie aktiver ETF im Angebot, die auf regelmäßige und attraktive Ausschüttungen abzielt. Die Strategie kombiniert ein l diversifiziertes Aktienportfolio mit einer aktiven Covered-Call-Strategie: Neben Dividenden werden durch den Verkauf von Call-Optionen zusätzliche Prämien vereinnahmt. Vorreiter ist die globale Variante JEPTG, die es seit gut zwei Jahren auch als UCITS ETF gibt und die ETF 2024 eine Ausschüttungsrendite von 6,77 Prozent und 2025 sogar 7,51 Prozent erzielen konnte.
Die Ausschüttungen erfolgen monatlich. Das Portfolio ist defensiv ausgerichtet, breit diversifiziert und meidet Konzentrationsrisiken, wie sie etwa im MSCI World durch US-Tech-Aktien entstehen. Ziel ist es, auch in volatilen oder seitwärts tendierenden Märkten stabile Erträge zu liefern und die Volatilität zu reduzieren – was in einem volatilen Umfeld wie aktuell auch hilfreich ist. Inzwischen gibt es mit JEPI auch eine Version für Investments in den breiten US-Aktienmarkt, JEPQ für Investments in den Technologiebereich und frisch vor einigen Wochen aufgelegt den JEPE für europäische Aktien.