3. November 2026

ROUNDUP: Hugo Boss schraubt Erwartungen zurück - KI und Konsumnachfrage

METZINGEN (dpa-AFX) - Der seit Kurzem zur britischen Frasers Group gehörende Bekleidungshersteller Hugo Boss (Profil) blickt nach einem Umsatz- und Gewinnrückgang im vergangenen Quartal pessimistischer auf das laufende Jahr. So macht dem Modekonzern die aktuelle Konsumzurückhaltung zu schaffen. Das schwache Umfeld dürfte im vierten Quartal anhalten. Hinzu kommen höhere Ausgaben für Technologie und Künstliche Intelligenz (KI).

Der Erlös dürfte 2026 daher währungsbereinigt im hohen einstelligen Prozentbereich sinken, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Dienstag mit. Bisher war Boss von einem Minus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich ausgegangen, nach 4,27 Milliarden Euro im Vorjahr. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird nun ein Rückgang auf 250 bis 300 Millionen Euro erwartet. Zuvor hatte das Unternehmen 300 bis 350 Millionen Euro angepeilt. 2025 hatte das Unternehmen operativ 391 Millionen Euro verdient.

Von Bloomberg befragte Analysten hatten für das laufende Jahr bisher einen operativen Gewinn von etwas mehr als 300 Millionen Euro sowie einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von acht Prozent auf dem Zettel. Die im SDax <DE0009653386> notierte Aktie verlor am Dienstag rund ein Prozent.

Die neuen Ziele spiegeln eine "realistischere Einschätzung des Marktumfelds" wider, erklärte Konzernchef Daniel Grieder den Schritt. Nichtsdestotrotz werde Hugo Boss an der laufenden Neuausrichtung festhalten. Diese umfasst eine Straffung des Sortiments, die Schließung einzelner Filialen, eine stärkere Fokussierung auf den Verkauf zum regulären Preis sowie eine gezieltere Vertriebsstrategie gegenüber Großhandelspartnern.

"Wir sind der Ansicht, dass Boss im Großhandelsgeschäft eine zu breite Vertriebsstruktur aufgebaut hat, was die Margen belastet hat", erklärt Manjari Dhar von RBC. "Boss geht unserer Meinung nach den richtigen Schritt, indem das Unternehmen seine Präsenz im Großhandel reduziert."

Im dritten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um fünf Prozent auf 946 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit einem noch größeren Rückgang gerechnet. Dabei sanken die Erlöse im eigenen Einzelhandel währungsbereinigt um acht Prozent. Hier machten sich auch Ladenschließungen bemerkbar. So schrumpfte die Verkaufsfläche dem Unternehmen zufolge um vier Prozent. Im Großhandel verlor Hugo Boss währungsbereinigt zwei Prozent an Umsatz. Dabei verzeichnete Hugo Boss eine geringere Nachfrage insbesondere in Großbritannien, Frankreich und dem Nahen Osten. Der operative Gewinn ging um 15 Prozent auf 81 Millionen Euro zurück.

Zu der Übernahme durch Frasers wollte sich Grieder nicht detailliert äußern. Man sehe die Briten als langfristige Aktionäre und befinde sich derzeit in Gesprächen. Die zum britischen Milliardär Mike Ashley gehörende Gruppe hatte Ende Oktober die Mehrheit an Hugo Boss übernommen. Sie hält eigenen Angaben zufolge einen direkten Anteil von 50,08 Prozent sowie weitere 21,87 Prozent über Finanzinstrumente.

Als Konsequenz aus dem Übernahmekampf hatte Aufsichtsratschef Stephan Sturm Mitte September angekündigt, seinen Posten aufzugeben. Das Verhältnis zwischen dem Großaktionär und der Unternehmensführung war schon länger angespannt: Frasers hatte Aufsichtsratschef Sturm im Dezember etwa das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Ashleys Schwiegersohn Michael Murray hat inzwischen das Ruder in dem Gremium übernommen./nas/he/mne/mis