
Inflation in den USA: Entspannung mit Haken – was ETF-Anleger jetzt wissen sollten
US-Inflation sinkt – doch ein anderer wichtiger Inflationsindikator könnte bald wieder steigen. Warum die Fed vor einem „gordischen Knoten“ steht.
In Deutschland droht nach dem Öl-Schock infolge der Iran-Krise ein Anstieg der Inflation. „Vor dem Hintergrund des Anstiegs der Energiepreise haben die Inflationsrisiken deutlich zugenommen – zumal sich die gestiegenen Lebenshaltungskosten der vergangenen Jahre in den Köpfen der Verbraucherinnen und Verbraucher festgesetzt haben“, sagt Ulrike Kastens, Senior Economist bei DWS.
Doch wie verhält es sich im für Anleger so wichtigen US-Markt? Zunächst die positive Seite: Die jüngst veröffentlichten US-Inflationsdaten sind moderat ausgefallen. Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im Monatsvergleich um 0,27 Prozent, im Jahresvergleich um 2,43 Prozent. Die Kerninflation – also ohne Energie und Lebensmittel – lag bei 0,22 Prozent im Monats- und 2,47 Prozent im Jahresvergleich. Für die Märkte war das keine Überraschung. „Beide Kennzahlen entsprachen voll und ganz den Erwartungen der Marktteilnehmer und führten zum niedrigsten Kern-Verbraucherpreisindex seit fast fünf Jahren“, erklärt John Kerschner, Global Head of Securitized Products bei Janus Henderson Investors.
Entsprechend ruhig reagierte der Anleihemarkt. Besonders interessant: die Entwicklung der Wohnkosten. Laut Kerschner ist ein wichtiger Inflationsindikator deutlich gesunken.
„Die Mietenäquivalenzrate (Owner’s Equivalent Rent, OER) erreichte mit 3,17 Prozent im Jahresvergleich den niedrigsten Stand seit Oktober 2021“, sagt er. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Erschwinglichkeit von Wohnraum wieder zunimmt.
Problem: Ein anderer Indikator für Inflation könnte schlechter aussehen
„Die PCE-Inflation wird wahrscheinlich deutlich schlechter ausfallen als die aktuellen VPI-Zahlen – wahrscheinlich über drei Prozent – und sich in die falsche Richtung entwickeln“, warnt Kerschner. Der Grund: Der PCE-Index misst stärker, was Verbraucher tatsächlich kaufen, etwa im Gesundheitsbereich. Wohnkosten spielen darin dagegen eine kleinere Rolle. Normalerweise liegt die PCE-Inflation etwa 0,5 Prozentpunkte unter dem Verbraucherpreisindex. Aktuell sei die Situation jedoch umgekehrt: „Derzeit liegt die PCE-Inflation etwa 50 Basispunkte höher als der Verbraucherpreisindex“, so Kerschner.
Schwierige Lage für die US-Notenbank
Das bringt die US-Notenbank Fed in eine komplizierte Situation. Schließlich nutzt sie genau diesen PCE-Index als wichtigste Inflationskennzahl. „Die Fed steht damit vor einer Art gordischen Knoten“, sagt Kerschner. Während Fed-Chef Jerome Powell noch etwas Spielraum habe, könnte sein möglicher Nachfolger vor schwierigen Entscheidungen stehen – insbesondere, wenn gleichzeitig der Arbeitsmarkt schwächelt.
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Und wie sieht es in Europa aus? „Der entscheidende Faktor ist dabei, wie lange der Krieg mit dem Iran dauert und wie lange sich dies in erheblichen Verwerfungen an den Energiemärkten niederschlägt. Da es keine einfache Antwort auf diese Frage gibt, dürfte es umso wichtiger sein, dass EZB-Präsidentin Lagarde klar und deutlich macht, dass sich der Inflationsanstieg der Jahre 2022 und 2023 nicht wiederholen wird. Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch“, meint Kastens.
Ölpreis könnte Inflation wieder anheizen
Hinzu kommt wie eingangs erwähnt ein großer Risikofaktor: der Ölpreis. Seit Beginn des Iran-Konflikts ist er um rund 33 Prozent gestiegen. Auch wenn ein Teil davon vorübergehend sein könnte, dürfte Energie wieder stärker auf die Inflation wirken. Kerschner nennt eine einfache Faustregel:„Ein Anstieg des Ölpreises um zehn Prozent erhöht die Gesamtinflation um etwa 20 bis 30 Basispunkte.“
Was das für dich als ETF-Anleger bedeutet
Kurzfristig sorgen die aktuellen Inflationszahlen zwar für etwas Entspannung an den Märkten. Doch das Bild ist fragil:
- US-Inflation sinkt – aber nicht bei allen Messgrößen
- Ölpreise könnten neue Preisdynamik auslösen
- Die Fed könnte bei Zinssenkungen vorsichtiger bleiben
Für dich als ETF-Anleger heißt das: Die Märkte könnten in den kommenden Monaten weiterhin sensibel auf Inflationsdaten reagieren – besonders auf die künftigen PCE-Zahlen. Oder wie Kerschner es zusammenfasst: „Auch wenn die heutigen Inflationszahlen dem Markt etwas Erleichterung verschaffen, könnten wir in den kommenden Monaten durchaus mit unangenehmen Inflationszahlen konfrontiert werden.“
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