12. März 2026
Europäische Aktien sind zurück: Macht Trump Europa great again?

Europa wird unterschätzt: Warum Anleger jetzt genauer hinschauen sollten

Viele Anleger setzen hauptsächlich auf die USA. Doch der Aktienmarkt in Europa könnte vor einer Neubewertung stehen. Welche Chancen sich jetzt ergeben.

In vielen Depots von Privatanlegern spielen europäische Aktien nur eine Nebenrolle. Das liegt natürlich auch an den verschobenen Kräfteverhältnissen der vergangenen 15 Jahre. So galt der US-Markt lange als klarer Gewinner – mit starken Tech-Konzernen, hohem Gewinnwachstum und beeindruckenden Börsenrenditen. Doch genau diese Dominanz könnte inzwischen ein Risiko sein. Einige Marktstrategen sehen deshalb Anzeichen dafür, dass Europa wieder stärker in den Fokus rücken könnte.

Der Wellington-Aktienstratege Nicolas Wylenzek hält zwar weiterhin Zurückhaltung für sinnvoll, erkennt aber erste Chancen. „Vorsicht ist nach wie vor angebracht, aber selbst begrenzte Verbesserungen könnten angesichts der gedämpften Marktstimmung Aufwärtspotenzial bei europäischen Aktien bedeuten“, sagt er. Bein J.P. Morgan Asset Management sind man ebenfalls ein Trendwende hinzu Europa. Erstmals seit fast einem Jahrzehnt sieht man hier wieder Zuflüsse in europäische Aktien. So seien seit Anfang 2025 netto 64 Milliarden Euro nach Europa geflossen.

Für dich als Anleger stellt sich damit eine zentrale Frage: Ist Europa tatsächlich reif für eine Neubewertung?

Warum Europa lange unterschätzt wurde

Dass europäische Aktien in vielen Portfolios untergewichtet sind, kommt nicht von ungefähr. Die Region hatte über Jahre mit schwachem Wachstum, strukturellen Problemen und politischen Unsicherheiten zu kämpfen. Gleichzeitig zog der US-Aktienmarkt enorme Kapitalströme an.

Gerade deshalb könnte Europa nun wieder interessanter werden. Wylenzek argumentiert, dass es strategische Gründe gibt, über eine Umschichtung nachzudenken. „Unseres Erachtens sind die strategischen Argumente für eine Umschichtung von Kapital nach Europa – trotz kurzfristiger Bedenken – relativ klar“, erklärt er.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die zunehmende Konzentration im US-Markt. Die größten Technologieunternehmen dominieren die Indizes stärker denn je. Europa kann hier eine wichtige Ergänzung im Portfolio sein – auch als Absicherung gegen mögliche Risiken in den USA.

Ein wirtschaftlicher Wandel zeichnet sich ab

Neben der Diversifikation sehen Marktbeobachter auch strukturelle Veränderungen in Europa. Laut Wylenzek zeigen sich erste Anzeichen für Reformen und ein besseres wirtschaftliches Umfeld.

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Besonders Südeuropa könnte von diesem Wandel profitieren. „So scheinen einige südeuropäische Länder den schwierigsten Teil der Anpassungsphase nach der Eurokrise hinter sich gebracht zu haben und liegen nun in Sachen Wachstum vorne“, heißt es im Kommentar. Daneben rechnet Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, damit, dass der eigentlich auslaufende EU-Wiederaufbaufonds verlängert wird, von dem vor allem der Süden Europas profitiert.

Gleichzeitig verändert sich die wirtschaftspolitische Ausrichtung vieler europäischer Länder. Nicht erst seit dem Iran-Konflikt zeigt sich in Europa auch ein Rüstungsboom – mit Folgen für Anleger. Investitionen in Infrastruktur, Energieversorgung oder Verteidigung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung ist aus Sicht von Wellington entscheidend, weil sie langfristig das Wachstum stärken kann. „Verteidigung, Energiesicherheit, Stromnetze und strategische Branchen sind keine Randthemen mehr – sie werden zu politischen Prioritäten.“

Banken und Binnenwirtschaft stabilisieren sich

Ein weiterer Faktor für einen möglichen Stimmungswechsel ist die Entwicklung im europäischen Bankensektor. Während der Finanz- und Eurokrise gehörten Banken zu den größten Schwachstellen der europäischen Wirtschaft.

Heute zeigt sich ein anderes Bild. Laut Wellington könnten Banken inzwischen sogar zu den Vorboten eines wirtschaftlichen Umschwungs werden. Die Kreditvergabe erholt sich, die Zinsen liegen über den extrem niedrigen Niveaus der 2010er-Jahre und die Binnenwirtschaft gewinnt an Dynamik.

Diese Kombination kann die wirtschaftliche Stabilität in Europa stärken – und damit auch die Perspektiven vieler Unternehmen verbessern.

KI könnte Europas Produktivität ankurbeln

Beim Rennen um große KI-Plattformen dominieren derzeit US-Konzerne. Trotzdem spielt künstliche Intelligenz auch für europäische Unternehmen eine wichtige Rolle.

Denn entscheidend ist nicht nur, wer die Technologie entwickelt, sondern auch, wer sie effektiv einsetzt. Viele europäische Firmen sind etablierte Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit großen Datenbeständen und stabilen Geschäftsmodellen. Für sie kann KI vor allem ein Instrument sein, um Prozesse effizienter zu gestalten.

Wie Wylenzek erklärt, geht es dabei vor allem um „Effizienzverbesserung, Kostensenkung und die Stärkung der Gewinnmargen“. Langfristig könnten Produktivitätsgewinne durch KI deshalb zu einem wichtigen Wachstumstreiber für europäische Unternehmen werden.

Kleine Veränderungen können große Wirkung haben

Trotz aller Chancen bleibt Europa eine Region mit strukturellen Herausforderungen. Demografischer Druck, geopolitische Unsicherheiten und wachsende Konkurrenz aus China bleiben wichtige Risikofaktoren.

Gerade deshalb könnte die derzeit eher skeptische Marktstimmung ein entscheidender Punkt sein. Wenn Erwartungen niedrig sind, reichen oft schon kleinere Verbesserungen aus, um Kurse deutlich zu bewegen. Laut Wellington bedeutet das: Selbst moderate Fortschritte könnten europäische Aktien stärker antreiben, als viele Anleger derzeit erwarten.

Warum ein Blick ins eigene Portfolio jetzt besonders wichtig ist

Für dich als Anleger stellt sich deshalb eine ganz praktische Frage: Wie stark bist du eigentlich in Europa investiert? Genau hier kann der extraETF Portfolio Tracker helfen. Mit ihm kannst du dein gesamtes Depot automatisch analysieren und sofort erkennen, wie hoch dein Anteil an europäischen Aktien tatsächlich ist. Viele Anleger stellen dabei fest, dass ihr Portfolio deutlich stärker auf die USA ausgerichtet ist, als sie gedacht haben. 

Geht man nach der realen Wirtschaftskraft, wäre ein Europa-Anteil von 20 bis 25 Prozent angemessen. Der extraETF Portfolio Tracker zeigt dir dabei nicht nur deine regionale Verteilung, sondern auch die Gewichtung einzelner Länder, Branchen und ETFs. So kannst du schnell erkennen, ob dein Portfolio zu stark konzentriert ist und wo mögliche Diversifikationslücken bestehen. 

Gerade in einer Phase möglicher Marktverschiebungen ist diese Transparenz besonders wertvoll. Denn nur wenn du weißt, wie dein Portfolio wirklich aufgestellt ist, kannst du bewusst entscheiden, ob Europa künftig eine größere Rolle spielen soll.

Europa könnte wieder eine Chance sein

Ob Europa tatsächlich vor einer Neubewertung steht, lässt sich heute noch nicht sicher sagen. Klar ist jedoch: Das Umfeld verändert sich. Mehr staatliche Investitionen, stabilere Banken und mögliche Produktivitätsgewinne durch KI könnten der Region neuen Schwung verleihen. Gleichzeitig bleibt Europa aus Diversifikationssicht für viele Anleger interessant. Oder, wie Wellington-Stratege Wylenzek es formuliert: Der Umfeldwechsel in Europa nimmt langsam Fahrt auf. Für Anleger könnte sich deshalb gerade jetzt ein genauerer Blick lohnen.

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