
Megatrend Verteidigung: Was Europas Rüstungsboom für ETF-Anleger bedeutet
Milliarden für die Bundeswehr, volle Auftragsbücher, neue Gewinner an der Börse: Die Verteidigung sorgt bei Anlegern für breite Wachstumsfantasie.
Europa steht vor einem sicherheitspolitischen Wendepunkt. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde deutlich: Die Verteidigungsfähigkeit des Kontinents hat oberste Priorität. Geopolitische Spannungen und die veränderte Rolle der USA zwingen Europa dazu, militärisch eigenständiger zu werden. Dazu hat sich die Lage im Nahen Osten jüngst wieder verschärft, der Konflikt im Iran ist erneut angeheizt worden. „Einer der bemerkenswertesten Aspekte der jüngsten Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran ist, dass Golfstaaten, die nicht direkt an den ersten Angriffen beteiligt waren, ins Visier genommen wurden. Dies macht deutlich, wie schnell sich eine regionale Konfrontation ausweiten kann“, sagt Tom Bailey, Leiter Research bei HANetf.
„Wir sehen in Europa – und ganz besonders in Deutschland – eine grundlegende sicherheitspolitische Neuausrichtung“, sagt Christoph Ohme, Leiter Deutsche Aktien bei ODDO BHF AM. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Politik und Militär, sondern zunehmend auch die Kapitalmärkte. Es werden große Investitionen nötig sein. „Nach Jahren der Abrüstung hat das Verteidigungsbündnis Nato eine Kehrtwende vollzogen. Bis zum Jahr 2035 soll jedes Mitgliedsland fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben“, sagt Markus Zschaber, geschäftsführender Gesellschafter der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft.
Bailey hält aus europäischer Sicht fest: „Wer in Reichweite einer feindlichen Macht liegt, die Drohnen in großer Stückzahl produzieren und einsetzen kann, ist verwundbar. Staaten in Mittel- und Osteuropa befinden sich in Reichweite russischer Loitering-Munition.“
Verteidigung: Rekordausgaben für die Bundeswehr
Deutschland erhöht seinen Verteidigungsetat massiv. Die Ausgaben sollen in diesem Jahr auf 108,2 Milliarden Euro steigen – so viel wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Laut Haushaltsentwurf 2026 entfallen 82,69 Milliarden Euro auf den regulären Wehretat, weitere 25,51 Milliarden Euro kommen aus dem Sondervermögen Bundeswehr.
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Für Anleger entscheidend ist die langfristige Perspektive. Die Mittel sind bis 2029 fest eingeplant, zusätzliche Großprojekte im Volumen von rund 50 Milliarden Euro wurden Ende 2025 bewilligt. Ohme betont: „Das heißt, dass die Industrie über Jahre mit planbaren Aufträgen rechnen kann, in manchen Fällen bis über 2030 hinaus.“ Ein solches strukturelles Wachstum sei aktuell in vielen anderen Branchen kaum zu finden.
Sind die Aktien nicht längst zu teuer?
„Wir beobachten, dass Verteidigungsaktien eine allgemeine Aufwärtsbewegung verzeichnen“, so Bailey. Viele Privatanleger fragen sich angesichts der starken Kursanstiege: Ist der Boom nicht bereits eingepreist? Ohme räumt ein: „Die Bewertungen sind sicherlich gestiegen und sind nicht mehr günstig.“ Gleichzeitig verweist er auf die besondere Auftragssituation. Anders als in konjunkturabhängigen Branchen hängen die Investitionen vor allem von der sicherheitspolitischen Lage ab. Große Projekte etwa bei gepanzerten Fahrzeugen, Flugabwehrsystemen oder Radarsatelliten sorgen für außergewöhnlich hohe Visibilität. „In diesem Umfeld sind höhere Bewertungen nachvollziehbar. Sie sind Ausdruck der hohen Visibilität von Umsätzen und Gewinnen in der Branche“, so Ohme.
Warum bleibt der Sektor volatil?
Trotz voller Auftragsbücher schwanken die Kurse teils deutlich. Auch das beschäftigt Privatanleger. Ein Grund liegt laut Ohme in den gestiegenen Bewertungen: „Zum einen haben die gestiegenen Bewertungen zu größeren Ausschlägen geführt.“
Hinzu kommen operative Herausforderungen. Die Industrie muss enorme Auftragsvolumina abarbeiten, während Lieferkettenprobleme und Fachkräftemangel weiterhin belasten. Dennoch bleibt Ohme optimistisch: „Ich bin weiterhin überzeugt, dass die langfristigen Aussichten positiv sind.“
Profitieren nur Rüstungsunternehmen?
Ein weiterer wichtiger Punkt für Anleger: Investitionen werden nicht ausschließlich im militärischen Sektor getätigt. „Dies betrifft nicht nur militärische Ausrüstung, sondern auch die Infrastruktur. Brücken und Straßen müssen für den Transport von schwerem Gerät modernisiert werden“, so Zschaber. Auch Ohme verweist auf die breite industrielle Basis der Programme. „Zulieferer für Spezialstähle, Verbundwerkstoffe oder elektronische Bauteile sind genauso gefragt wie Unternehmen aus der Sensorik oder der Spezialchemie.“
Die positiven Effekte reichen also weit über die eigentlichen Rüstungsunternehmen hinaus. „Die Breite der deutschen Beschaffungsprogramme sorgt dafür, dass die positiven Effekte über die eigentlichen Rüstungsunternehmen hinausgehen“, erklärt Ohme.
Lohnt sich ein ETF für Privatanleger?
Wer sich für das Thema interessiert, steht vor der nächsten Frage: Einzelaktien oder ETF? Ein ETF kann das Risiko einzelner Projekte oder unternehmensspezifischer Rückschläge reduzieren, indem er das Investment auf mehrere Unternehmen und Länder verteilt. Gerade in einem politisch sensiblen und stark schwankenden Sektor kann breite Streuung sinnvoll sein. Du kannst dabei gezielt auf ETFs aus der Verteidigungsbranche setzen.
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In die Widerstandsfähigkeit Europas investieren
Das das Thema jedoch wesentlich breiter als nur der militärischen Komponente ausgerichtet ist, kannst du aber auch auf Eigenständigkeit und Widerstandsfähigkeit Europas bauen. Das geht etwa mit einem neuen Produkt von Amundi. Der Amundi European Strategic Autonomy UCITS ETF (WKN: ETF288) investiert in Unternehmen aus zehn Schlüsselbereichen investiert, die für die Souveränität und Widerstandsfähigkeit Europas von entscheidender Bedeutung sind: Energie, Stromnetze und -ausrüstung, Infrastruktur, Logistik, Ernährungssicherheit, Pharma und Chemie, Software, Halbleiter, Finanzen sowie Luft- und Raumfahrt und Verteidigung. „Amundi hat sich der Entwicklung von Anlagelösungen verschrieben, mit denen Kunden die strategische Autonomie Europas unterstützen und in den kommenden Jahren von den strategischen Initiativen Europas profitieren können“, sagt Benoit Sorel, Global Head of ETF & Indexing bei Amundi.
Behalte bei Themen-ETFs den Überlick
Bei Themen-ETFs solltest du nicht nicht verzetteln. Mit dem extraETF Portfolio Tracker siehst du genau, wie sich die Hinzunahme solcher Produkte auf dein Gesamtportfolio auswirkt.
„Begriffe wie Nearshoring, strategische Autonomie und wirtschaftliche Souveränität standen selten so stark im Zentrum der europäischen Zukunftsdebatte wie heute“, sagt Craig Wright, Head of European Real Estate Research bei Aberdeen Investments. Genau um diese Themenfelder geht es auch beim HANetf Making Europe Great Again UCITS ETF (WKN: A3EB32). „Nicht alle Märkte werden gleichermaßen von der „Made in Europe“-Politik profitieren“, so Wright. Der genannte ETF möchte auf die Profiteure setzen. Hier stellen wir dir das Produkt vor: