Altersvorsorgedepot: Trade Republic kontert Scalable Capital mit Gratis-ETFs

Keine Depot- und Sparplankosten, Dutzende ETFs ohne Fondskosten: Trade Republic steigt in den Preiskampf ums Altersvorsorgedepot ein. Das musst du wissen.
Der Preiskampf um das neue Altersvorsorgedepot (AVD) geht in die nächste Runde. Nach Scalable Capital, Deka und weiteren Anbietern hat nun auch Trade Republic seine Konditionen vorgelegt. Der Neobroker bietet das neue Depot von Beginn an auch in einer komplett kostenlosen Variante an. Welche Anbieter bisher Konditionen veröffentlicht haben, siehst du in unserer AVD-Startliste.
„Deutschland gehört mit dem neuen Altersvorsorgedepot weltweit zur Spitze bei der geförderten privaten Altersvorsorge“, sagt Trade Republic Mitgründer Christian Hecker. Entscheidend sei nun, dass die Förderung tatsächlich bei den Menschen ankomme und nicht in hohen Gebühren bei Banken und Versicherungen versickere. Deshalb biete Trade Republic ein komplett kostenfreies Depot an, „damit jeder Euro für die Rente unserer Kunden arbeitet”.
Zwei Varianten beim Altersvorsorgedepot
Wie alle Anbieter muss auch Trade Republic zwei Ausgestaltungen anbieten. Im Standarddepot bekommst du zwei Fonds vorgegeben, einen risikoärmeren und einen risikoreicheren. Vor Rentenbeginn wird automatisch in den risikoärmeren Fonds umgeschichtet, der Pfad dahin ist gesetzlich vorgegeben. Für das Standarddepot schreibt der Staat einen Gebührendeckel von einem Prozent vor.
Das Standarddepot dürfte für die meisten die erste Wahl sein – jetzt vergleichen.
Im selbst verwalteten Depot kannst du alle ETFs aus dem regulären Trade-Republic-Angebot besparen, sofern sie fürs AVD zugelassen sind. Erlaubt sind nur Fonds bis Risikoklasse 5 von 7 sowie Euro-Staatsanleihen. Einzelaktien, Krypto und Hebelprodukte sind gesetzlich ausgeschlossen. Die Risikoklasse findest du im Basisinformationsblatt unter „Gesamtrisikoindikator” oder direkt in unserer ETF-Suche.
Was Trade Republic bei den Kosten verspricht
Für das Altersvorsorgedepot fallen keine laufenden Depotgebühren an, die regelmäßige Ausführung von Sparplänen ist kostenlos, und mehrere Dutzend der beliebtesten ETFs von Blackrock, DWS und Vanguard gibt es langfristig ohne Produktkosten. Eine genaue Zahl nennt Trade Republic nicht. Die Rede ist dabei von 51 ETFs, 39 Aktien- und 12 Anleihen-ETFs. Bei allen anderen Fonds fällt die übliche laufende Gebühr an. Weltweite ETFs sind mittlerweile für unter 0,20 Prozent laufende Kosten zu haben.
Laut Hecker bleibt das Geld dabei im Depot. Gegenüber der Wirtschaftswoche (WiWo) sagte er, die Fondskosten bei den ausgewählten ETFs würden nicht nur entfallen, sondern direkt reinvestiert. Dieses Modell nutzt Trade Republic bereits bei seinen Kinderdepots. Die Gutschrift erfolgt laut WiWo monatlich. Wer die Erstattung bezahlt? Laut WiWo muss Trade Republic dafür nicht selbst aufkommen, das übernehmen ETF-Anbieter wie Blackrock.
Was du vor dem Abschluss wissen solltest
Zwei Details solltest du im Hinterkopf behalten, auch wenn sie das Angebot für ETF-Anleger nicht grundsätzlich unattraktiv machen. Die Erstattung ist freiwillig. Eine vertragliche Garantie oder ein Enddatum gibt es nicht. Die Beträge sind zudem anfangs überschaubar. Über Jahrzehnte und mit wachsendem Depot summiert sich das aber.
Wechselgebühr in den ersten fünf Jahren. Ziehst du in den ersten fünf Vertragsjahren zu einem anderen AVD-Anbieter um, verlangt Trade Republic 150 Euro, das gesetzliche Maximum. Ab dem sechsten Jahr ist der Wechsel kostenlos. Erhöht ein Anbieter seine Kosten, darfst du laut Verbraucherzentrale jederzeit kostenfrei wechseln.
Trade Republic vs. Scalable Capital: Kopf-an-Kopf-Rennen
Scalable Capital hatte jüngst ebenfalls angekündigt, bei bestimmten ETFs die Fondskosten zu reinvestieren, allerdings nur im Depot für Selbstentscheider. Beim Standarddepot liegen die jährlichen Produktkosten dort bei bis zu 0,15 Prozent. Die Unterschiede stecken im Detail: Trade Republic bietet die deutlich breitere Gratis-Liste. Bei Scalable Capital sind es 16 ETFs, darunter drei Welt-ETFs, sieben reine US-ETFs und kein Schwellenländer-ETF. Außerdem schreibt Scalable Capital die Erstattung quartalsweise gut, Trade Republic monatlich, daraus ergibt sich ein minimaler Zinseszinsvorteil für Trade Republic.
| Trade Republic | Scalable Capital | |
|---|---|---|
| Depotgebühr | keine | keine |
| Sparplanausführung | kostenlos | kostenlos |
| ETFs mit Kostenerstattung | 51 (39 Aktien, 12 Anleihen) | 16 |
| Erstattung im Standarddepot | ja | nein |
| Produktkosten Standarddepot | kostenlos | bis zu 0,15 Prozent |
| Gutschrift der Erstattung | monatlich, direkt reinvestiert | quartalsweise, direkt reinvestiert |
Unterm Strich nehmen sich beide Neobroker bei den Kosten kaum etwas. Wie stark sich kleine Kostenunterschiede über die Jahrzehnte auf dein Endvermögen auswirken, kannst du mit unserem AVD-Rechner durchspielen.
Hält das Preisniveau beim AVD?
In Finanzkreisen zweifeln einige daran, dass alle Anbieter die teils extrem günstigen Preise langfristig halten können. Hecker hält dagegen: Die Konditionen seien nicht nur Marketing, Trade Republic könne sie sich auch künftig leisten. Da beide Boni freiwillig sind, solltest du deine Anbieterwahl ohnehin eher an Depotkosten und ETF-Auswahl festmachen als am Erstattungsbonus.
Trade Republic bläst zur AVD-Offensive
Trade Republic zieht mit Scalable Capital gleich und legt bei der Gratis-ETF-Liste und beim Standarddepot sogar. Für ETF-Anleger, die auf breit gestreute Indexfonds von Blackrock (iShares), DWS (Xtrackers) oder Vanguard setzen, kann das AVD damit effektiv kostenfrei werden. Weil die Erstattung freiwillig ist und ein Wechsel in den ersten fünf Jahren 150 Euro kostet, solltest du deinen Anbieter aber mit Blick auf mindestens fünf Jahre wählen und damit jetzt schon nach einem guten Anbieter Ausschau halten. Und genau das zeigt dir der Altersvorsorgedepot Vergleich.


