2. Dezember 2023
Warum Anleger beim Thema Infrastruktur ihre Portfolioallokation überdenken müssen

Warum Anleger beim Thema Infrastruktur ihre Portfolioallokation überdenken müssen

Herkömmliche Infrastrukturinvestitionen galten lange Zeit als stabiles Investment. Doch es gibt Gründe, das Thema Infrastruktur neu zu denken.

Anleger sahen in klassischen Einrichtungen der Wasser- oder Abfallversorgung, Straßen, Eisenbahnen und Häfen und sogar Telekommunikation eine Möglichkeit, stabile Renditen zu erzielen. Wesentliche technologische Fortschritte, Nachhaltigkeitsanforderungen und sich damit verändernde wirtschaftliche, ökogische und soziale Bedürfnisse erfordern jedoch ein Umdenken bei Allokation und Bewertung der Portfolios dieser Anlageklasse. Um diese Entwicklung zu berücksichtigen, hat Rize mit seinem Sustainable Infrastructure UCITS ETF (WKN: A3ENM8) einen ETF auf den Markt gebracht, der dem erforderlichen, nachhaltigen und den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen angepassten Blick auf Infrastrukturunternehmen Rechnung trägt. Folgende Aspekte spielen Rize zufolge dabei wichtige Rollen.

Herausforderung Infrastruktur-Risiko

Fast 50 Jahre lang wurden Risiken von Infrastrukturanlagen entweder in die Kategorie „geringes Risiko“ oder „hohes Risiko“ gesteckt. Diese Wahrnehmung stellen der Klimawandel und technologische Innovationen in Frage. Denn selbst ein Wetterereignis kann heutzutage für traditionell als sicher geltende Anlagen eine erhebliche Gefahr darstellen. Öl- und Gasanlagen und Pipelines wiederum sind mit den Risiken der Energiewende konfrontiert. Und selbst der Schienengüterverkehr könnte durch das Aufkommen völlig autonomer Elektro-Lkw in seiner Rolle beeinträchtigt werden.

Infrastrukturlücke verdeutlicht den Investitionsbedarf

Ausgehend von der Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen für den Wohlstand der Gesellschaften wächst die Infrastrukturlücke – also die Differenz zwischen dem Bedarf an neuen Infrastruktur-Investitionen und den tatsächlichen Ausgaben dafür – jährlich um eine Billion US-Dollar und betrifft Industrie- als auch Schwellenländer gleichermaßen. Gesetze wie der Infrastructure Investment and Jobs Act und der Inflation Reduction Act in den Vereinigten Staaten, der Green-Deal-Industrieplan in Europa oder das britische Infrastrukturbankgesetz 2023 sowie der deutsche Klima- und Transformationsfonds in Höhe von 212 Milliarden Euro zeigen jedoch, dass die Wichtigkeit für Infrastruktur durchaus erkannt wird.

Günstiges Klima für privates Kapital

Trotz dieser Maßnahmen sind öffentliche Gelder nicht ausreichend, was die Einbindung privaten Kapitals erforderlich macht – insbesondere in den Entwicklungsländern, wo der Bedarf am größten ist: Nach Angaben des World Resources Institute müssen etwa 75 Prozent der bis 2050 benötigten Infrastrukturen erst noch gebaut werden, ein großer Teil davon in Schwellenländern. Wenn öffentliche Instanzen ein günstiges Klima für private Geldgeber schaffen, entstehen solide Allianzen – zunehmend im expandierenden Bereich der Umweltinfrastruktur.

Vorreiterland ist neben Vietnam, wo Reformen den Weg für Investitionen in große Wind- und Solarprojekte ebneten, auch Chile. Das politisch stabile südamerikanische Land will bis 2050 die Marke von 100 Prozent bei regenerativen Energien erreichen. In beiden Ländern konnte eine kluge Mischung aus staatlicher Weitsicht und verlockenden Risiko-Rendite-Profilen viel privates Kapital anziehen.

Ökologische Widerstandsfähigkeit im Fokus

Es ist ein wachsender Trend, dass der Umweltinfrastruktursektor bedeutende Investitionen anzieht und sich von seinen Wurzeln, die in der sauberen Energieerzeugung liegen, wegbewegt. Der Sektor umfasst inzwischen eine Reihe wichtiger Untersektoren, darunter Übertragung und Verteilung, fortschrittliche Ausrüstung und Plattformen, innovative Überwachungstechnologien, Umweltschutzinitiativen, hochentwickelte Systeme zur Kontrolle der Umweltverschmutzung und intelligente Netzsysteme. Wie wichtig der Sektor tatsächlich ist, verdeutlichen zwei Beispiele.

Tipp: Hier findest du weitere spannende Themen-ETFs.

So arbeitete der spanische Maschinenbaukonzern Acciona im Frühjahr mit dem dänischen Windenergieriesen Orsted zusammen, um eine bahnbrechende Plattform für schwimmende Offshore-Windturbinen zu entwickeln. Die strategische Partnerschaft zwischen Acciona und Orsted zielt nicht nur darauf ab, die Kosten für die Umsetzung und die Auswirkungen auf die Umwelt zu senken, sondern auch darauf, die beiden Unternehmen als führende Anbieter im Offshore-Windsektor zu positionieren.

EDP Renováveis, spanischer Konzern für erneuerbare Energien verdoppelte seine installierte Solarkapazität von 480 MWp im Februar auf beeindruckende 1 GWp (relatives Treibhauspotential) im Oktober. Das Unternehmen sitzt in den asiatischen Hochburgen Vietnam, Singapur, China und anderen APAC-Ländern. EDP strebt eine Verdreifachung dieser Kapazität bis 2026 an, was die das Streben nach Dekarbonisierung in der Region widerspiegelt.

Fazit

In einer sich kontinuierlich wandelnden Umgebung für Infrastrukturinvestitionen sind Investoren gehalten, sich anzupassen. In ihrem Fokus sollten nachhaltige, innovative Lösungen setzen, die die dringende Infrastrukturlücke schließen und den künftigen gesellschaftlichen Bedarf vorwegnehmen. Vietnam und Chile zeigen exemplarisch das Potenzial für hohe Renditen auf, wenn Investitionsstrategien mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung in Einklang gebracht werden. Unterm Strich geht es bei der Neubewertung von Infrastrukturportfolios nicht nur um wirtschaftliche Vorsicht, sondern um Investitionen in eine widerstandsfähige Zukunft, die den Bedürfnissen der jeweiligen Gesellschaften Rechnung tragen.

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