12. Juni 2023
Inflationsgeschützter-ETF: Inflationsrisiken effektiv senken

Von hoher Inflation und Zinsen profitieren? So geht´s mit Linkern

Am Donnerstag wird die EZB voraussichtlich wieder an der Zinsschraube drehen. In einem Umfeld steigender Zinsen und hoher Inflation können sich Anleger mit diesem Linker-ETF positionieren.

Die Lage ist unübersichtlich. Eine hohe Inflationsrate trifft auf einen Dax auf Rekordfahrt. Gleichzeitig dreht die Europäische Zentralbank (EZB) an der Zinsschraube. Das nächste Mal bereits am 15. Juni. Die Währungshüter haben die Leitzinsen bereits sieben Mal in Folge um insgesamt 3,75 Prozentpunkte angehoben. Am Donnerstag dürfte nach Ansicht vieler Fachleute eine weitere Erhöhung um einen viertel Prozentpunkt folgen. Wie können sich Anlegerinnen und Anleger in dieser uneinheitlichen Situation positionieren? Ein ETF auf inflationsgeschützte Anleihen (engl. Inflation Linked Bonds; Linker) können eine Option sein. 

Zwar lässt die Inflation nach, ist mit einem Wert von 6,1 Prozent im Euroraum weiterhin hoch. In Deutschland erwartet das Statistische Bundesamt den selben Wert für den Monat Mai. So ist es weiterhin problematisch eine positive Realrendite – Rendite eines Investments abzüglich der Inflation – zu erzielen. Mit inflationsgeschützten Anleihen können sich Anlegerinnen und Anleger der Teuerung entziehen. Bei Inflations­anleihen sind die Zins *­kupons und der Rück­zahlungs­wert an die Entwick­lung der Inflation gekoppelt. Also anders als bei konventionellen Zinspapieren. Steigt die Inflation, steigt auch der Zins und der Rück­zahlungs­wert. Emittenten der Anleihen sind meist Staaten. Auch Deutschland hat welche im Umlauf.

Wie funktionieren Linker?

Konkret: Wer sich für konventionelle Anleihen entscheidet, sichert sich bis zur Endfäl­ligkeit eine bestimmte nominale Rendite. Meist jährlich wandern die Zinserträge in Form des Kupons aufs Konto. Am Ende der Laufzeit gibt es zudem den Rückzahlungsbetrag. So steht bereits beim Kauf der Anleihe fest, mit welche Rendite zu rechnen ist. Im Gegensatz dazu sichern sich Investorinnen und Investoren bei inflations­geschützten Anleihen – also Linkern – eine bestimmte reale Rendite. Den Vorteil, im Vorfeld zu wissen, wie hoch die Rendite sein wird, gibt es hier nicht. Denn die Rendite ist an die künftige Inflationsentwicklung gekoppelt. Sie ist unbekannt. 

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Beispiel: Ein Anleger investiert 10.000 Dollar in eine zehnjährige US-Staatsanleihe mit einer Verzinsung von 1,5 Prozent im Jahr bei einer konstanten Inflationsrate von vier Prozent jährlich. Bei Fälligkeit nach zehn Jahren ist das nominale Kapital wegen des Inflations-Links auf 14.802 Dollar angewachsen, während es bei einer normalen Staatsanleihe weiterhin 10.000 Dollar betragen würde. Zusätzlich kassiert der Anleger jährlich 1,5 Prozent auf den sich vergrößernden Kapitalstock. Folglich erhöhen sich die Zinszahlungen sukzessive, bis die letzte Zinszahlung von 222 Euro auf die 14.802 Euro erfolgt.

Darauf solltest du bei inflationsgeschützte Anleihen achten

Wer inflationsgeschützte Anleihen – also Linker – ins Depot nimmt, hat sich bereits für eine Anlageklasse mit einem breiten Fundament entschieden.  Linker weisen eine geringe Korrelation – also eine gegenläufige Beziehung – mit anderen Anlageklassen auf. Am größten ist ihr Diversifikationseffekt in einem Portfolio mit hohem Aktienanteil, da sie sich gegensätzlich zu Aktien entwickeln. Dennoch gibt es auch einige Punkte zu berücksichtigen. 

Linker funktionieren dann am besten, wenn die Inflation hoch ist oder weiter steigt. Vorzugsweise sollte die tatsächliche Inflation die Erwartungen sogar schlagen. Als Orientierung dient die sogenannte Break-Even-Inflationsrate. Sie entspricht etwa der Differenz aus nominalen und realen Zinsen und spiegelt annäherungsweise die Erwartungen der Marktteilnehmer an die Inflationsrate wider. Liegt nun die künftige tatsächliche Inflationsrate darüber, hätten Anlegerinnen und Anleger mit inflations-geschützten Anleihen das bessere Geschäft gemacht. Liegt sie darunter, wären klassische Anleihen die bessere Wahl gewesen. 

Günstiger ETF auf inflationsgeschützte Anleihen

Klassische ETFs auf Linker bergen das Problem, dass sie Kursverluste verzeichnen, wenn die Zinsen steigen. Der Lyxor EUR 2-10Y Inflation Expectations (WKN: LYX0U6) schützt nicht nur vor Inflation; er federt zugleich die Kursverluste infolge steigender Zinsen ab. Dafür macht er sich eine Long-Short-Strategie zunutze. Er nimmt eine Long-Position in inflations­indexierten Anleihen ein, die von Frank­reich und Deutsch­land ausgegeben werden und zusätzlich eine Short-Position in französischen und deutschen Staats­anleihen mit ähnlichen Rest­lauf­zeiten. Durch den Leerverkauf der konventionellen Anleihe neutralisiert der ETF den Zinsanstieg. Das funktioniert vergleichsweise einfach: Angenommen eine Investorin leiht sich eine Anleihe und verkauft diese heute leer für 140 Euro. Nach einem Monat ist der Preis der Anleihe auf 110 Euro gefallen. Nun kann sich die Investorin die Anleihe für 110 Euro kaufen und begleicht ihre Schulden beim Verleiher. Die Differenz von 30 Euro ist ihre Gewinn.

Für das Amundi Portfolio ging die Strategie bisher gut auf. Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre hat der ETF eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr erzielt. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,25 Prozent ist er vergleichsweise günstig und bietet somit einen niedrigschwelligen Zugang zu Linkern. Dennoch darf niemand vergessen: Das Portfolio sollte ausschließlich als Beimischung dienen. In einem Umfeld steigender Zinsen und hoher Inflation entfaltet es sein Potenzial.