
Der größte Börsengang aller Zeiten: Warum SpaceX bald in ETFs landet
Rekord-IPO, Milliarden-Zuflüsse und schnelle Indexaufnahme: Was der Mega-Börsengang von SpaceX für dich als ETF-Anleger bedeutet.
Der 12. Juni wird Börsengeschichte schreiben. Mit SpaceX wagt eines der wertvollsten privaten Unternehmen der Welt den Schritt an die Börse. Die Bewertung des von Elon Musk gegründeten Raumfahrt- und Satellitenkonzerns wird auf 1,8 bis 2 Billionen US-Dollar geschätzt. „In den letzten Jahren hat sich der Weltraum zu einer äußerst lukrativen Domäne entwickelt. Massiv gesunkene Transportkosten spielen dabei eine zentrale Rolle“, sagt Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute. Das Beispiel SpaceX zeige, wie private Investoren den Markt verändern und völlig neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen würden.
Wobei die Sektorbeschreibung „Weltraum“ greift im Fall von SpaceX zu kurz: Jüngst wurde außerdem bekannt, dass Google bis 2029 Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI) anmieten wird. Monatsmiete: 920 Millionen US-Dollar. SpaceX ist auf Anhieb eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen weltweit – und der größte Börsengang aller Zeiten. Der geringe Streubesitz wird jedoch auf das Gewicht in den großen Indizes drücken.
Für Anleger ist der IPO gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Neben institutionellen Investoren konnten über ausgewählte Broker auch deutsche Privatanleger Zeichnungsaufträge platzieren und damit an einem der begehrtesten Börsengänge der vergangenen Jahre teilnehmen.
Doch die eigentliche Geschichte beginnt möglicherweise erst nach dem Börsengang. Denn aufgrund seiner Größe wird SpaceX schneller als nahezu jeder andere Börsenneuling in die wichtigsten Aktienindizes aufgenommen werden – mit direkten Auswirkungen auf Milliarden von ETF-Geldern und damit auch für dich als ETF-Anhänger.
Warum SpaceX ein Sonderfall ist
SpaceX hat sich längst vom Raketenhersteller zu einem globalen Technologiekonzern entwickelt. Neben den wiederverwendbaren Trägerraketen sorgt insbesondere das Satelliteninternet Starlink für hohe Wachstumsfantasie bei Investoren. Mit einer Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar würde SpaceX unmittelbar zu den größten Unternehmen der Welt gehören.
| Tipp: Hier haben wir für dich alles zusammengefasst: SpaceX-IPO 2026: Alle Details zum historischen Börsengang. |
„Gemessen am Börsenwert würde SpaceX direkt zu den größten Unternehmen des Nasdaq-100 gehören – hinter Nvidia (WKN: 918422), Apple (WKN: 865985), Microsoft (WKN: 870747) und Amazon (WKN: 906866)“, sagt Claus Hecher, Leiter ETF-Vertrieb für Deutschland, Österreich, die Schweiz und die skandinavischen Länder bei BNP Paribas Asset Managment. Genau diese Dimension macht den Börsengang so außergewöhnlich. Während viele Unternehmen Monate oder sogar Jahre auf die Aufnahme in wichtige Indizes warten müssen, greifen bei SpaceX beschleunigte Aufnahmeverfahren.
Wann wird SpaceX in die großen Indizes aufgenommen?
Mehrere Indexanbieter verfügen über sogenannte Fast-Entry-Regeln für außergewöhnlich große Börsenneulinge. Gemeint ist damit ein beschleunigter Zugang. Dadurch wird SpaceX bereits wenige Tage nach dem Börsengang Bestandteil wichtiger Indizes und damit auch entsprechender ETFs werden.
Voraussichtlicher Zeitplan für die Indexaufnahme von SpaceX
| Index | Zeitraum nach Börsengang | Aufnahmeverfahren |
|---|---|---|
| FTSE All World | 5 Handelstage | Fast Entry |
| MSCI World | 10 Handelstage | Fast Entry |
| MSCI ACWI | 10 Handelstage | Fast Entry |
| Nasdaq-100 | 15 Handelstage | Fast Entry |
| S&P 500 | 12 Monate (Frühestens nach 6 Monaten) | Reguläres Verfahren |
| Quelle: UBS Asset Management, FTSE Russell, MSCI, Nasdaq, S&P DJI | ||
Für ETF-Anleger ist dieser Zeitplan besonders relevant. Denn die Aufnahme in einen Index bedeutet unmittelbar die Aufnahme in die entsprechenden ETFs. „Da ein ETF immer exakt den Index abbilden muss, erfolgt die Aufnahme in die ETFs unmittelbar mit der Indexaufnahme. Andernfalls hätten die Fonds das Risiko einer Performanceabweichung“, erklärt Hecher. Sobald SpaceX also in den MSCI World, den FTSE All World oder den Nasdaq-100 aufgenommen wird, müssen die jeweiligen ETF-Anbieter die Aktie kaufen. Und das dauert damit nur noch wenige Tage. Erfahre mehr zum Thema: Indexregeln bei IPOs: Wann kommt eine neue Aktie in den ETF?
Die „Lex SpaceX“ im Nasdaq-100
Besonders spannend ist die Situation beim Nasdaq-100. Um die außergewöhnliche Größe von SpaceX zu berücksichtigen, hat Nasdaq seine Regeln angepasst. Durch die beschleunigte Aufnahme-Regelung kann SpaceX bereits nach 15 Handelstagen in den Nasdaq-100 aufgenommen werden. Gleichzeitig wird die Gewichtung der Aktie zunächst begrenzt.
Statt die gesamte Marktkapitalisierung zu berücksichtigen, wird das Gewicht von SpaceX auf das Dreifache des frei handelbaren Streubesitzes begrenzt. Hintergrund ist, dass Elon Musk und andere Altaktionäre nach dem Börsengang weiterhin den Großteil der Anteile halten werden. Ohne diese Anpassung würde SpaceX aufgrund seiner Bewertung auf Anhieb zu den Schwergewichten des Index zählen.
Wie stark wird SpaceX in den Indizes vertreten sein?
Trotz der enormen Bewertung fällt die anfängliche Gewichtung in den meisten Weltindizes überraschend gering aus. Der Grund dafür ist der geringe Streubesitz.
Erwartetes Gewicht von SpaceX in den großen Indizes
| Index | Start-Gewicht | Anmerkungen |
|---|---|---|
| FTSE All World | < 0,1 % | Gewichtung nach Streubesitz |
| MSCI World | ca. 0,1 % | Gewichtung nach Streubesitz (gemäß Regelwert seit 2007) |
| MSCI ACWI | < 0,1 % | Gewichtung nach Streubesitz (gemäß Regelwert seit 2007) |
| Nasdaq-100 | ca. 0,1 % | Gewichtung mit dreifachem Streubesitz |
| Quelle: Christian Röhl | ||
Die Tabelle zeigt deutlich: Während der Einfluss auf globale Welt-ETFs zunächst überschaubar bleibt, könnte SpaceX im Nasdaq-100 bereits kurz nach der Aufnahme eine relevante Position einnehmen.
Milliardenzuflüsse durch ETFs
Mit der Indexaufnahme beginnt ein Mechanismus, der für moderne Kapitalmärkte typisch geworden ist. Nach Schätzungen von Ulrich Urbahn vom Bankhaus Berenberg dürfte SpaceX zunächst knapp ein Prozent des Nasdaq-100 ausmachen. Allein daraus ergeben sich nach Einschätzung von bei BNP Paribas Asset Managment Umschichtungen von rund 4,75 Milliarden US-Dollar aus bestehenden Nasdaq-100-ETFs. Hinzu kommen Käufe durch thematische ETFs und weitere indexnahe Fonds. Insgesamt rechnen Marktbeobachter mit Kapitalzuflüssen von bis zu zehn Milliarden US-Dollar.
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Für SpaceX bedeutet das eine außergewöhnlich hohe Nachfrage unmittelbar nach dem Börsengang. Da gleichzeitig nur ein kleiner Teil der Aktien frei handelbar sein wird, erwarten viele Experten einen deutlichen Nachfrageüberhang.
Mögliche Auswirkungen auf den Aktienkurs
Die Kombination aus geringem Streubesitz und milliardenschweren ETF-Käufen könnte den Kurs der Aktie in den ersten Handelstagen deutlich unterstützen.
Ein Teil der Nachfrage entsteht dabei unabhängig von der Einschätzung aktiver Investoren. ETFs und Indexfonds kaufen die Aktie nicht aufgrund einer Bewertung, sondern weil sie den jeweiligen Index nachbilden müssen. Dieser Effekt dürfte insbesondere rund um die Aufnahme in den Nasdaq-100 sichtbar werden.
Wer bezahlt die Aufnahme?
Die Aufnahme von SpaceX schafft keinen zusätzlichen Platz im Index. Da die Gewichtung eines Index immer 100 Prozent beträgt, müssen bestehende Indexmitglieder etwas Gewicht abgeben. Betroffen sind vor allem die großen Technologiewerte wie Microsoft (WKN: 870747), Amazon (WKN: 906866), Broadcom (WKN: A2JG9Z) oder Meta (WKN: A1JWVX). Ihre Gewichtung wird leicht reduziert, um Platz für den Neuling zu schaffen.
Massive Kursverluste erwarten Experten dadurch zwar nicht. Dennoch zeigt der Vorgang, wie stark einzelne Mega-IPOs die Zusammensetzung großer Indizes beeinflussen können. Und die nächsten Neulinge stehen schon in den Startlöchern: Mit OpenAI und Antrophic warten bereits die KI-Riesen auf ihre Börsengänge.
Die Chancen für Anleger
Die Aufnahme in große Indizes bringt mehrere Vorteile mit sich:
- Höhere Liquidität durch steigendes Handelsvolumen
- Zusätzliche Nachfrage durch ETFs
- Automatische Beteiligung von ETF-Anlegern
- Größere Repräsentation des Raumfahrt- und Satellitensektors sowie KI-Infrastruktur an den Kapitalmärkten
- Breitere Eigentümerstruktur durch den Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt
Gerade langfristig könnte SpaceX zu einem wichtigen Baustein vieler Technologie- und Weltindizes werden.
Die Risiken bleiben
Trotz aller Euphorie sollten Anleger die Risiken nicht ausblenden. Die Bewertung zählt bereits heute zu den höchsten der Börsengeschichte. Zudem zeigt die Vergangenheit, dass viele große IPOs die hohen Erwartungen langfristig nicht immer erfüllen konnten.
Hinzu kommt ein grundsätzlicher Zielkonflikt der Indexanbieter. Einerseits sollen Indizes die tatsächliche Börsenlandschaft möglichst realistisch abbilden. Andererseits können große Indexaufnahmen erhebliche Marktbewegungen auslösen, wenn Milliardenbeträge innerhalb kurzer Zeit umgeschichtet werden müssen. Du musst also nicht dabei sein, zumal du mit breitstreuenden ETFs ohnehin schon sehr bald zu einem geringen Teil in SpaceX investiert sein wirst.
Was bedeutet das für ETF-Anleger?
Für Anleger in MSCI-World- oder FTSE-All-World-ETFs bleiben die unmittelbaren Auswirkungen zunächst überschaubar. Selbst nach der Aufnahme dürfte SpaceX dort zunächst weniger als 0,1 Prozent des Portfolios ausmachen. Anders sieht es bei Nasdaq-100-Anlegern aus. Hier könnte die Aktie bereits kurz nach der Aufnahme rund ein Prozent des Index repräsentieren.
Die eigentliche Entwicklung dürfte jedoch erst in den kommenden Jahren stattfinden. Mit dem Auslaufen von Lock-up-Fristen werden voraussichtlich weitere Aktien handelbar. Dadurch steigt der Streubesitz – und damit auch das Gewicht von SpaceX in den Indizes.
Gerade bei solchen Ereignissen zeigt sich, wie dynamisch sich die Zusammensetzung von ETFs verändern kann. Mit dem extraETF Portfolio Tracker können Anleger nachvollziehen, welche Auswirkungen neue Indexmitglieder wie SpaceX auf ihr persönliches Portfolio haben und wie sich die Gewichtung einzelner Unternehmen im Zeitverlauf verändert.
Fazit: Massiver Zufluss in SpaceX-Aktien
Der Börsengang von SpaceX ist weit mehr als nur ein weiterer IPO. Er verbindet die größte Unternehmensbewertung der Börsengeschichte mit einer beschleunigten Aufnahme in die wichtigsten Aktienindizes.
Während die Auswirkungen auf globale Weltportfolios zunächst gering bleiben dürften, könnte SpaceX im Nasdaq-100 schon wenige Wochen nach dem Börsengang zu einer festen Größe werden. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall, welchen Einfluss passive Investments heute auf die Kapitalmärkte haben: Denn Milliarden von ETF-Geldern werden den Börsenneuling automatisch kaufen – unabhängig davon, wie Anleger die Bewertung des Unternehmens einschätzen.