
Griechenland rauf, Indonesien runter: Wenn MSCI entscheidet, beben die Börsen
Griechenland steigt auf, Indonesien wackelt: Entscheidungen von großen Indexanbietern wie MSCI verschieben Kapitalströme – und bewegen ETF-Portfolios.
Als Indonesiens Aktienmarkt zuletzt kräftig unter Druck geriet, lag der Auslöser nicht in einer neuen Wirtschaftskrise oder einer überraschenden Zinserhöhung. Es kam zum größten Kursrutsch seit 1998. Grund: Eine Mitteilung von MSCI. Der Indexanbieter prüft wegen Investierbarkeits- und Transparenzfragen mögliche Anpassungen. Schon diese Ankündigung löste deutliche Kursverluste aus.
Parallel dazu steht Griechenland vor einer möglichen Hochstufung vom Schwellenland zurück in die Gruppe der Industrieländer. Die Anpassung soll im August erfolgen. Zwei Entwicklungen mit gegensätzlicher Richtung – und einem gemeinsamen Kern: Indexanbieter können dafür sorgen, dass Länder in den Vordergrund rücken oder auf das Abstellgleis geraten – das beeinflusst die Kapitalströme ganz wesentlich.
Der Hintergrund ist strukturell. Weltweit sind Billionen Euro in ETFs investiert, die Indizes wie den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets exakt nachbilden. Ändert sich eine Länderklassifikation oder Gewichtung, müssen diese Fonds ihre Portfolios automatisch anpassen. Die Käufe und Verkäufe folgen festen Regeln – nicht einer Einschätzung zur Bewertung oder Konjunktur.
Griechenland: Vom Schwellen- zum Industrieland bei MSCI
Aktuell bringt Griechenland nach Zahlen von MSCI rund 0,57 Prozent Gewicht im MSCI Emerging Markets Index auf die Waage. Sollte die geplante Hochstufung umgesetzt werden, läge das Gewicht im MSCI World zwar nur noch bei etwa 0,06 Prozent, dafür spielt man jedoch wieder in der ersten Börsenliga und hätte eine ganz andere Wahrnehmung unter Investoren. Zum Vergleich: Als Griechenland im Sommer 2013 als erstes Euro-Land nach MSCI zum Schwellenland wurde lag das Gewicht kurz vor dem Ausschluss aus dem MSCI World bei 0,01 Prozent. Doch nun ist das Anlegervertrauen wieder zurück – und das schon weit vor der Wiederaufnahme in den MSCI World. So steigt der Amundi MSCI Greece UCITS ETF (Dist) (WKN: LYX0BF) bereits seit sechs Jahren kräftig.
Für Anleger in einem globalen ETF ist dieser Anteil kaum messbar. Trotzdem fließt Kapital. Schwellenländer-ETFs müssten griechische Aktien verkaufen, Industrieländer-ETFs sie aufnehmen. Für Griechenland ist das ein Reputationssignal, für ETF-Anleger eine technisch bedingte Umschichtung. Wenn du sowohl in Industrie- als auch Schwelländer-ETFs mit MSCI-Basis investiert bist, ändert sich für dich nichts. Doch der Fall zeigt, dass eine Einstufung nicht nur symbolisch ist. Sie entscheidet darüber, aus welchem Kapitalpool ein Land künftig gespeist wird.
| Tipp: Griechenland wird wohl ab August wieder zum bekannten Industrieländer-Index MSCI World gehören. Alles über das Investieren in Industrieländer-ETFs. |
Indonesien: Wenn ein Prozent zum Risiko wird
Indonesien steht derzeit mit rund einem Prozent Gewicht im MSCI Emerging Markets. Das klingt gering, würde aber gerade bei Frontier Markets (Grenzmärkte) einiges in Bewegung setzen. Sollte MSCI die Gewichtung reduzieren oder das Land im Extremfall in Richtung Frontier Markets verschieben, müssten Emerging-Markets-ETFs Bestände abbauen. In einem Markt mit begrenzter Liquidität können solche erzwungenen Verkäufe deutlichen Preisdruck erzeugen. Hier wird sichtbar, wie stark technische Faktoren Kurse beeinflussen können. Die Fundamentaldaten ändern sich nicht schlagartig – die Kapitalströme dagegen sehr wohl. Indonesien würden den Frontier Markets ordentlich durcheinander würfeln und wäre sofort eines der Schwergewichte. Die Größenordnung Indonesiens dürfte sich grob um die 20 Prozent im Index bewegen.
Wie Indexgewichte Milliarden verschieben
Die Wirkung einer Indexänderung ergibt sich aus der Kombination von Indexvermögen und Gewichtsveränderung. Selbst Anpassungen im Zehntelprozentbereich können bei großen ETF-Volumina erhebliche Summen auslösen.
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Gerade kleinere Märkte reagieren sensibel, weil zusätzliche Nachfrage oder Angebotswellen relativ stark ins Gewicht fallen. Rund um Umstellungstermine kommt es deshalb häufig zu erhöhter Volatilität. Was wie eine fundamentale Neubewertung aussieht, ist oft eine technische Marktreaktion.
MSCI oder FTSE? Der Fall Südkorea
Besonders relevant wird das Thema durch unterschiedliche Länderklassifikationen der Indexanbieter. Südkorea gilt bei MSCI weiterhin als Schwellenland, bei FTSE Russell hingegen als Industrieland. Für Privatanleger hat das konkrete Folgen. Wer etwa einen MSCI-World-ETF mit einem FTSE-Emerging-Markets-ETF kombiniert, riskiert, dass Südkorea im Portfolio komplett fehlt. In anderen Kombinationen kann es zu Doppelgewichtungen kommen.
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Die Wahl des Indexanbieters bestimmt damit indirekt die tatsächliche Länderstruktur im Depot. Wer Industrie- und Schwellenländer getrennt abbildet, sollte deshalb konsequent beim selben Indexhaus bleiben oder auf einen globalen All-World-Index setzen, der beide Segmente innerhalb eines einheitlichen Regelwerks kombiniert.
Mehr Transparenz in deinem Depot
Für dich stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie stark bin ich eigentlich von solchen Indexentscheidungen betroffen? Genau hier kann dir der extraETF Portfolio Tracker einen echten Mehrwert bieten. Er zeigt nicht nur die ETF-Zusammensetzung, sondern macht auch die zugrunde liegenden Länder- und Indexgewichtungen transparent. So lässt sich erkennen, ob einzelne Märkte wie Südkorea, Griechenland oder Indonesien möglicherweise über- oder unterrepräsentiert sind – insbesondere dann, wenn unterschiedliche Indexanbieter kombiniert werden. Gerade in der aktuellen Phase von Hoch- oder Abstufungen hilft ein transparenter Blick auf die tatsächliche Länderallokation, um unbeabsichtigte Klumpenrisiken oder Lücken frühzeitig zu erkennen.
Die unsichtbaren Dirigenten der ETF-Welt
Wir halten fest: Indexanbieter investieren selbst kein Kapital, doch sie definieren die Spielregeln der globalen Geldströme. In einer Welt, in der immer mehr Anleger passiv investieren, wächst ihr Einfluss automatisch. Hochstufungen und Abstufungen sind daher keine Randnotizen. Sie lenken Kapital, bewegen Kurse und verändern die Struktur von ETF-Portfolios. Für langfristig orientierte Anleger bleibt breite Diversifikation der wichtigste Schutz. Nutze daher unbedingt den extraETF Portfolio Tracker, um dein Depot immer im Reinen zu halten.