
Autokrise: „Chance des Jahrzehnts“ oder Wertfalle für dein Depot?
VW, BMW, Mercedes und Porsche stecken tief in der Krise. Analyst Jens Klatt sieht Turnaround-Chancen – doch was heißt das für dein ETF-Depot?
Die deutschen Autoriesen VW, BMW, Mercedes-Benz und Porsche stecken in der tiefsten Autokrise seit Jahrzehnten: Rekord-Stellenabbau, Margen im Keller, ein China-Absturz und der gnadenlose Druck der chinesischen Konkurrenz. Die Kennzahlen der einzelnen Hersteller haben wir bereits ausführlich in unserem Beitrag „BMW, VW, Mercedes, Porsche in der Krise – Finger weg von Autoaktien?“ eingeordnet. Jens Klatt, Marktanalyst beim Online-Broker XTB, stellt die entscheidende Frage in einem aktuellen Kommentar nun noch pointierter: Ist das die „Chance des Jahrzehnts zum Einstieg? Oder eher eine klassische Wertfalle, die das Portfolio dauerhaft belastet?“
Historisch günstige Bewertungen durch Autokrise
Die Bewertungen der deutschen Autobauer sind tatsächlich auf einem historischen Tief: Die VW-Vorzugsaktie handelt aktuell mit einem KGV von rund 3,5 bis 4, BMW und Mercedes liegen bei 7 bis 8. Für Klatt ergibt sich daraus grundsätzlich Potenzial: Für risikobereite Anleger biete der Sektor „eine klassische antizyklische Investitionschance – historisch günstig bewertet und mit Turnaround-Potenzial“, so der Analyst.
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Verantwortlich für die niedrigen Bewertungen ist neben schwachen Halbjahreszahlen vor allem der Angriff der chinesischen Konkurrenz. Der E-Autobauer BYD hat seine Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um über 300 Prozent gesteigert und greift mit der Premium-Marke Denza inzwischen auch den Luxusmarkt an. Bei Kostenstruktur und Software-Geschwindigkeit liegen die chinesischen Hersteller weiterhin vorn, während viele europäische Werke laut Klatt oft nur zu unter 60 Prozent ausgelastet sind.
Auch eine jahrelange Stagnation ist möglich
Trotz der verlockenden Bewertungen rät Klatt zur Vorsicht. Die Risiken seien „nicht von der Hand zu weisen“ – chinesische Hersteller gewinnen nicht nur in China, sondern zunehmend auch in Europa Marktanteile. Besonders deutlich wird seine Warnung bei der Frage nach einer möglichen Dauerkrise: Eine „dauerhafte ‚japanische‘ Stagnation mit niedrigen Werten bei KGV oder KUV ist definitiv möglich“, so der XTB-Analyst.
Für den langfristig orientierten Privatanleger empfiehlt Klatt deshalb ausdrücklich keine pauschalen Käufe: „Es empfiehlt sich daher eher selektiv vorzugehen, etwa über ETFs mit Untergewichtung oder über gezielte Einzelpositionen nach klaren Fortschritten bei den Sparprogrammen, als blind vermeintlich günstig zu kaufen.“ Sein Fazit bringt die Unsicherheit treffend auf den Punkt: „Für deutsche Autobauer steht die Börsenampel aktuell auf Gelb – die nächsten Quartalszahlen und die Umsetzung der Restrukturierungen entscheiden, ob sie auf Grün oder zurück auf Rot umschlägt.“
Was heißt das für ETF-Anleger konkret?
Wer einen Dax-ETF hält, ist automatisch an VW, BMW, Mercedes-Benz und Porsche beteiligt – allerdings nicht in dem Ausmaß, das die Schlagzeilen vermuten lassen. Der Anteil der Autowerte am Dax-Gewicht ist über die Jahre gesunken, da andere Branchen wie Technologie, Software und Rüstung an Bedeutung gewonnen haben. Ein Dax-ETF federt Einzelrisiken einzelner Autohersteller also automatisch ab, bleibt aber dennoch Deutschland- und damit auch autonah.
Für Anleger, die dieses Klumpenrisiko weiter reduzieren möchten, bieten sich Alternativen an:
- Breiter gestreute Welt-ETFs (z. B. auf den MSCI ACWI oder den FTSE Global All-Cap) senken das Gewicht der deutschen Autoindustrie zusätzlich, da diese im globalen Kontext nur einen kleinen Teil der Marktkapitalisierung ausmacht.
- Sektor-ETFs mit Untergewichtung der Automobilbranche oder Ausschluss-Strategien (ESG-/SRI-Varianten) sind eine Möglichkeit für Anleger, die gezielt Abstand zu diesem Sektor suchen, ohne ganz auf deutsche Standardwerte zu verzichten.
- Einzelinvestments in Autoaktien bleiben, genau wie von Klatt beschrieben, eine spekulative Wette auf den Turnaround – mit entsprechend höherem Risiko als eine breit gestreute ETF-Position. Keiner weiß, wie sich die Autokrise weiterentwickelt.
Vorsicht bei Einzelaktien und Auto-Themen-ETFs
Wer sich von den historisch günstigen Bewertungen zu einem Direktinvestment verleiten lässt, sollte sich der Risiken bewusst sein: Einzelaktien aus dem Autosektor hängen stark von Einzelentscheidungen der Konzerne, dem China-Geschäft und dem Erfolg einzelner Modelloffensiven ab – misslingt der Turnaround bei einem Hersteller, drohen Kursverluste ohne jeden Ausgleich durch andere Werte. Auch Themen-ETFs auf die Automobilbranche lösen dieses Problem nur teilweise: Sie streuen zwar über mehrere Unternehmen, bleiben aber ein konzentriertes Wett auf einen einzelnen, aktuell strukturell angeschlagenen Sektor.
Wer trotzdem an eine Erholung der Branche glaubt, sollte solche Positionen deshalb maximal als kleine Beimischung von wenigen Prozent im Depot halten – niemals als Kernbaustein. Für den Löwenanteil des Vermögens ist eine weltweite Streuung über Länder, Branchen und Unternehmensgrößen die deutlich robustere Basis. Wie breit das inzwischen mit einem einzigen, sehr günstigen Produkt möglich ist, zeigt der neue Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF (WKN: A42B1M), der mehr als 7.000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern inklusive Nebenwerten abdeckt und damit die Abhängigkeit von einzelnen Branchen wie der Automobilindustrie automatisch auf ein Minimum reduziert.
| Tipp: Mit Diversifikation betrifft dich die Autokrise kaum. Der breiteste Welt-ETF ist da. Alles über den neuen Vanguard-Welt-ETF. |
Autokrise zeigt: Nicht übertreiben mit Branchen
Die Krise der deutschen Autoindustrie ist real und dürfte die Branche noch länger beschäftigen. Klatts Einschätzung macht deutlich: Selbst erfahrene Marktanalysten sind sich uneinig, ob die aktuellen Bewertungen eine historische Chance oder eine Falle darstellen. Für Privatanleger, die über breit gestreute ETFs investiert sind, bleibt das direkte Risiko begrenzt – sollte aber nicht ignoriert werden, insbesondere bei Produkten mit hoher Deutschland- oder Dax-Gewichtung. Wer auf die Branche spekulieren möchte, sollte das nur mit einem kleinen Teil des Depots tun; für die breite Basis der Geldanlage bleibt eine weltweite Streuung über möglichst viele Länder, Branchen und Unternehmensgrößen der robustere Weg.
So behältst du dein Klumpenrisiko im Blick
Gerade in Phasen wie dieser zeigt sich, wie wichtig ein genauer Blick auf die eigene Depotstruktur ist. Der extraETF Portfolio Tracker hilft dabei ganz konkret:
- Automatische Sektor- und Länderanalyse: Der Tracker zeigt auf Basis der eingepflegten Transaktionen sofort, wie hoch der tatsächliche Anteil deutscher Autowerte im Depot ist – über alle ETFs, Einzelaktien und Sparpläne hinweg.
- Aufdeckung versteckter Überlappungen: Wer etwa gleichzeitig einen Dax-ETF, einen Europa-ETF und einzelne Autoaktien hält, sieht auf einen Blick, wie stark sich die Positionen tatsächlich summieren – ganz ohne manuelle Excel-Pflege.
- Fundierte Anpassungsentscheidungen: Auf Basis der Analyse lässt sich gezielt nachjustieren, etwa durch Umschichtung in stärker diversifizierte Welt-ETFs, statt allein auf Nachrichtenlage oder Bauchgefühl zu reagieren.
- Laufende Beobachtung: Da sich Branchengewichtungen im Dax und in Indizes über Zeit verändern, lohnt sich ein regelmäßiger Check – der Portfolio Tracker aktualisiert die Auswertung automatisch mit jeder neuen Transaktion.