13. August 2026
BMW, VW, Mercedes, Porsche in der Krise – Finger weg von Autoaktien?

BMW, VW, Mercedes, Porsche in der Krise – Finger weg von Autoaktien?

China-Schwäche, Zölle und hohe Kosten setzen BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche zu. Tausende Jobs fallen weg. Was die Autokrise für Anleger bedeutet.

Deutschlands Autoindustrie steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau. BMW (WKN: 519000), Volkswagen (WKN: 766400), Mercedes-Benz (WKN: 710000) und Porsche (WKN: PAG911) reagieren mit milliardenschweren Sparprogrammen und dem Abbau Tausender Arbeitsplätze auf sinkende Margen, schwächere Verkäufe und einen immer härteren Wettbewerb aus China. Für Privatanleger ist die Entwicklung eine Warnung davor, sich bei der Geldanlage zu stark auf einzelne Branchen, Unternehmen oder den Heimatmarkt zu konzentrieren.

Die Autokrise erreicht BMW

Lange wirkte BMW im Vergleich zu Volkswagen und Porsche vergleichsweise robust. Doch inzwischen hat der Gegenwind auch den Münchner Premiumhersteller voll erfasst. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte BMW einen Konzernumsatz von 62,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch um 29,4 Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Im zweiten Quartal fiel es sogar um 35 Prozent.

Besonders deutlich wird der Druck im Kerngeschäft: Die EBIT-Marge des Segments Automobile betrug im zweiten Quartal nur noch 2,3 Prozent. BMW verweist unter anderem auf höhere Zölle und die schwierige Entwicklung in China. Während die Auslieferungen in Europa und den USA zulegten, konnten diese Zuwächse die Schwäche in China und im asiatisch-pazifischen Raum nicht ausgleichen.

Jetzt folgt der Sparkurs: BMW hat mit dem Betriebsrat ein freiwilliges Abfindungsprogramm vereinbart, das ab Oktober 2026 starten soll. Bis Ende 2027 sollen rund 8.000 Stellen wegfallen, vor allem in Verwaltung und Entwicklung. Die Produktion ist von dem Programm ausgenommen, betriebsbedingte Kündigungen sind nicht vorgesehen.

Volkswagen: Milliardenumsatz, aber deutlich weniger Gewinn

Noch größer ist die Dimension bei Volkswagen. Der Konzern setzte im ersten Halbjahr 2026 rund 158,1 Milliarden Euro um – nahezu genauso viel wie ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis sank allerdings um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite lag damit bei lediglich 3,8 Prozent. Gleichzeitig ging der Fahrzeugabsatz um 8,4 Prozent auf knapp vier Millionen Fahrzeuge zurück.

Besonders problematisch ist auch hier China. Der Markt, der den deutschen Herstellern über viele Jahre enorme Stückzahlen und Gewinne beschert hat, entwickelt sich zunehmend zur Achillesferse. Im zweiten Quartal 2026 brachen die China-Verkäufe der großen deutschen Hersteller teils um 30 bis mehr als 40 Prozent ein. Lokale Anbieter punkten mit modernen Elektroautos, kurzen Entwicklungszyklen, leistungsfähiger Software und aggressiven Preisen.

Etliche Jobs fallen weg: Volkswagen hat deshalb bereits Ende 2024 einen umfassenden Umbau seiner deutschen Standorte vereinbart. Allein bei der Volkswagen AG sollen bis 2030 sozialverträglich mehr als 35.000 Stellen entfallen. Die Produktionskapazität der deutschen Werke soll dauerhaft um mehr als 700.000 Fahrzeuge reduziert werden.

Auch Mercedes-Benz spart wegen China-Schwäche

Mercedes-Benz zeigt ein zwiespältiges Bild: Der Konzernumsatz sank im ersten Halbjahr 2026 um 4,1 Prozent auf 63,7 Milliarden Euro, vor allem weil die Auslieferungen in China um rund 28 Prozent einbrachen. Das Konzern-EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) verbesserte sich dennoch auf rund 3,45 Milliarden Euro, gestützt unter anderem durch Erlöse aus dem Teilverkauf der Daimler-Truck-Beteiligung. Das bereinigte, operative Geschäft mit Pkw allein fiel dagegen schwächer aus als im Vorjahr.

Rückgang erwartet: Der Konzern kappte Ende Juli seine Jahresprognose für Umsatz und Absatz und rechnet nun mit einem leichten Rückgang statt Stabilität. Mercedes treibt parallel sein Sparprogramm „Next Level Performance“ voran, mit dem bis 2027 rund fünf Milliarden Euro eingespart werden sollen, davon etwa eine Milliarde Euro über Personalabbau. Bis März 2026 hatten bereits rund 5.500 Beschäftigte in Deutschland ein freiwilliges Abfindungsprogramm angenommen; betriebsbedingte Kündigungen sind durch eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2034 ausgeschlossen.

Porsche kämpft um seine alte Profitabilität

Besonders heftig hat die Krise Porsche getroffen. Der Sportwagenbauer hatte 2025 nach Strategieänderungen, schwachen Verkäufen und hohen Sonderbelastungen einen dramatischen Gewinneinbruch verkraften müssen. 2026 stabilisiert sich die Profitabilität zwar wieder etwas – von Entwarnung kann aber keine Rede sein.

Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 5,1 Prozent auf 17,23 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg gegenüber der sehr schwachen Vergleichsbasis des Vorjahres um 33,9 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro, die operative Marge erreichte 7,8 Prozent. Gleichzeitig gingen die Auslieferungen um 16,5 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge zurück.

Vor allem China bleibt ein Problem: Dort sanken die Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 um rund ein Drittel. Porsche muss sich inzwischen nicht nur gegen traditionelle Premiumkonkurrenten behaupten, sondern gegen chinesische Hersteller, die bei Elektroantrieb, Software und digitaler Ausstattung zunehmend auch wohlhabende Käufer ansprechen. Die Konsequenzen für die Belegschaft sind erheblich. Zusätzlich zu bereits beschlossenen Personalmaßnahmen hat Porsche Ende Juli den sozialverträglichen Abbau von weiteren 5.000 Stellen bis 2035 angekündigt. Er soll größtenteils über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge erfolgen.

BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche: Die jüngsten Zahlen im Überblick

 BerichtszeitraumUmsatzErgebniskennzahlVeränderung gegenüber VorjahrStellenabbau
BMWH1 202662,3 Mrd. €Ergebnis vor Steuern (EBT): ca. 4,0 Mrd. €−29,4 %Rund 8.000 Stellen bis Ende 2027
VWH1 2026158,1 Mrd. €Operatives Ergebnis: 5,9 Mrd. €−11,6 %Mehr als 35.000 Stellen bei der Volkswagen AG in Deutschland bis 2030
MercedesH1 202663,7 Mrd. €Konzern-EBIT: ca. 3,45 Mrd. €Umsatz −4,1 %Rund 5.500 Stellen über Abfindungsprogramm bis März 2026
PorscheH1 202617,2 Mrd. €Operatives Ergebnis: 1,35 Mrd. €+33,9 %Weitere 5.000 Stellen bis 2035
Quellen: Unternehmensangaben von BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche. Stand: August 2026.

Hinweis zur Tabelle: Die Ergebniskennzahlen sind wegen unterschiedlicher Berichtslogik der Konzerne nicht direkt vergleichbar – BMW weist als Headline-Kennzahl das Ergebnis vor Steuern aus, VW und Porsche das operative Ergebnis (im Kern EBIT), Mercedes das Konzern-EBIT. Bei Porsche muss man dazu sagen: Das operative Ergebnis stieg nicht, weil das Geschäft grundsätzlich besser läuft, sondern vor allem, weil die Vorjahreszahlen durch Einmaleffekte künstlich niedrig waren. Die Umsatzspalte ist zwischen allen vier Unternehmen vergleichbar.

Warum Deutschlands Autobauer so stark unter Druck stehen

Die Krise hat nicht nur eine Ursache. Mehrere Entwicklungen treffen gleichzeitig aufeinander. China wandelt sich vom Wachstumsmotor zum Problemfall. Heimische Hersteller haben technologisch aufgeholt und sind bei Elektroautos inzwischen ernsthafte Konkurrenten. Gleichzeitig belastet der intensive Preiswettbewerb die Margen.

Hinzu kommen hohe Investitionen in Elektromobilität, Batterietechnik, Software und neue Fahrzeugplattformen. Die Hersteller müssen Milliarden in die nächste Technologiegeneration stecken, während sie weiterhin bestehende Modellreihen und teilweise mehrere Antriebstechnologien parallel finanzieren.

Auch Handelskonflikte verschärfen die Lage. BMW bezifferte allein die Belastung höherer Zölle im zweiten Quartal auf 1,25 Prozentpunkte seiner Automobil-EBIT-Marge.

Nicht alle Experten sehen die Zölle jedoch als Hauptursache. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer verweist darauf, dass BMW in China im ersten Halbjahr 2026 rund 56.000 Fahrzeuge weniger verkauft habe als im Vorjahr – und der Konzern in den vergangenen vier Jahren insgesamt ein Drittel seiner China-Verkäufe eingebüßt habe.

Dudenhöffers Einschätzung: Nicht Zölle seien die eigentliche Ursache, sondern das Geschäftsmodell der deutschen Autoindustrie selbst. Als Gegenbeispiel führt er Tesla (WKN: A1CX3T) an, das im ersten Halbjahr 2026 seine weltweiten Verkäufe vor allem dank China um 16 Prozent steigern konnte – mit aggressiverem Pricing und Einstiegsmodellen. Volkswagen sei mit seiner „In China, for China“-Strategie – speziell für den chinesischen Markt entwickelte Modelle und Kooperationen mit Partnern wie Xpeng (WKN: A2QBX8) – nach Dudenhöffers Einschätzung bereits weiter als BMW.

Das Ergebnis ist eine unangenehme Kombination: Die Unternehmen müssen massiv investieren und gleichzeitig ihre Kosten senken. Genau deshalb rücken Personalabbau, geringere Produktionskapazitäten und schlankere Entwicklungsstrukturen in den Mittelpunkt.

Was bedeutet die Autokrise für Anleger?

Für Privatanleger ist die Entwicklung vor allem eine Erinnerung an ein grundlegendes Prinzip der Geldanlage: Ein weltweit bekanntes Unternehmen ist nicht automatisch ein risikoarmes Investment.

BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche verfügen über starke Marken, jahrzehntelange Erfahrung und enorme industrielle Kompetenz. Trotzdem sind ihre Gewinne von Konjunktur, technologischem Wandel, Handelskonflikten und regionalen Absatzmärkten abhängig. Wer sein Depot stark auf deutsche Autoaktien ausrichtet, bündelt deshalb gleich mehrere Risiken.

Wer gezielt auf eine Erholung oder den technologischen Wandel der Branche setzen möchte, kann sich auf der ETF-Themenseite einen Überblick über ETFs auf die Automobilbranche verschaffen. Solche Branchen-ETFs streuen das Kapital zwar über mehrere Unternehmen, bleiben aber ein konzentriertes Investment in einen einzelnen Wirtschaftssektor. Auch der extraETF-Ratgeber weist deshalb darauf hin, dass Automobil-ETFs eher als Beimischung zu einem breit diversifizierten Weltportfolio geeignet sind.

Unsere Einschätzung: Die deutschen Autobauer sind damit nicht abzuschreiben – BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche verfügen über starke Marken und laufende Modelloffensiven, mit denen sie den Umbau finanzieren können. Doch die jüngsten Zahlen zeigen: Der Weg zurück zu alter Profitabilität wird härter, vor allem weil chinesische Hersteller mit eigener Technologie, kurzen Entwicklungszyklen und aggressiven Preisen zunehmend auch außerhalb Chinas Marktanteile gewinnen.

Wer trotzdem gezielt auf die Branche setzen will, sollte einen Auto-Themen-ETF nur als kleine Beimischung im Depot halten – keinesfalls als Kernbaustein. Hier ein Investitionsbeispiel für die europäische Autobranche:

Die Entwicklung zeigt einmal mehr, warum global gestreute Welt-ETFs der überlegene Ansatz für den Kern eines Portfolios bleiben. Wie genau sich diese Überlegenheit langfristig auch an Zahlen festmachen lässt, zeigt ein ausführlicher DeepDive, der Ende September auf extraETF.com erscheinen wird.

Die wichtigste Lehre: global und über Branchen hinweg investieren

Gerade die aktuelle Krise der deutschen Autobauer zeigt, warum breite Diversifikation für langfristig orientierte Anleger so wichtig ist. Über Jahrzehnte galten BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz oder Porsche als Sinnbilder deutscher Exportstärke. Doch wirtschaftliche Führungspositionen sind nicht in Stein gemeißelt.

Kapital und Innovation verschieben sich zwischen Ländern, Branchen und Unternehmen. Heute können chinesische Elektroautohersteller Marktanteile gewinnen, während gleichzeitig US-Technologiekonzerne, asiatische Halbleiterhersteller oder Unternehmen aus ganz anderen Branchen wachsen.

Mit einem global diversifizierten Aktien-ETF müssen Anleger nicht vorhersagen, welcher Autohersteller den technologischen Wandel gewinnt – oder ob die Automobilindustrie in zehn Jahren überhaupt noch dieselbe Bedeutung für die Weltwirtschaft besitzt wie heute. Stattdessen verteilen sie ihr Kapital über zahlreiche Unternehmen, Länder und Branchen.

Die Krise von BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche ist damit nicht nur eine Geschichte über die Zukunft der deutschen Autoindustrie. Sie ist auch ein Lehrstück darüber, warum Anleger ihr finanzielles Schicksal möglichst nicht von einer einzelnen Branche oder einem einzelnen Heimatmarkt abhängig machen sollten.

So findest du dein eigenes Klumpenrisiko

Wie stark das eigene Depot tatsächlich von der deutschen Autobranche abhängt, ist vielen Anlegern gar nicht bewusst – gerade wenn zusätzlich zu einem Welt-ETF noch einzelne Autoaktien oder ein Branchen-ETF im Depot liegen. Der extraETF Portfolio Tracker macht diese Überschneidungen sichtbar: Er zeigt automatisch, wie das Portfolio tatsächlich auf Branchen, Regionen und einzelne Unternehmen verteilt ist, und deckt dabei auch versteckte Klumpenrisiken auf – etwa wenn BMW, Mercedes oder VW gleich mehrfach vertreten sind, weil sie sowohl als Einzelaktie als auch über mehrere ETFs im Depot stecken.

Wichtig für dich: Die Analyse läuft automatisch auf Basis der eingepflegten Transaktionen, ganz ohne manuelle Excel-Pflege, und liefert damit genau die Übersicht, die nötig ist, um rechtzeitig zu erkennen, ob die eigene Diversifikation tatsächlich so breit ist wie gedacht.